Unterigling, Pfarrkirche St. Johann Baptist
UNTERIGLING
Pfarrkirche, Gemeinde Igling, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Herrschaft Igling, die Hofmarksherren von Igling, Freiherren von Donnersberg hatten auch das Präsentationsrecht auf die Pfarrei inne
Patrozinium: St. Johann Baptist
Zum Bauwerk: Neubau 1748-49 unter Dekan Johann Balthasar Paulus (1719-59) durch Maurermeister Stephan Jocher von Denklingen erbaut; Weihe 1755. - Einschiffiger Saalbau mit halbkreisförmig geschlossenem, eingezogenem AR (Dellinger, S. 38 f., Steichele, S. 305)
Autor und Entstehungszeit: Signatur am westlichen Rand A: J. Georgius Lederer / Pinxit. 1749. Steichele zitiert eine Kirchenrechnung von 1749, der »Bürger und Histo rienmaler in Augsburg« erhielt 175 fl. (Steichele, S. 305) Die Enthauptungsszene (A) wurde von Lederer sehr ähnlich 1733 in Adelsried (Schw. LKr. Augsburg, siehe Wilhelm Neu und Frank Otten, Landkreis Augsburg [= Kurz inventar der Bayerischen Kunstdenkmale Bd 30], München 1970, S. 26 f.) gestaltet.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs verschliffenes Kreuzgratgewölbe mit zwei gemuldeten Spiegeln; AR verschliffenes Gratgewölbe mit gemuldetem Spiegel
Rahmen: A, B, C Stuckprofil; a, b, C1-2 imitierte Rocaille rahmen
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 10,60 m; 6,10 × 6,10
B Höhe 10,60 m; 6,50 × 6,10
C Höhe 10,20 m; 5,40 × 3,30
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1924 restauriert. In A und B gekittete Risse, in C Haarrisse. Die Behebung der Feuchtigkeitsschäden ist in den Bildern wie in der übrigen Deckendekoration sichtbar. Die Konturen sind nachgezeichnet.
Beschreibung und Ikonographie
Malerei und Stuck bilden in den Gewölben von LHs und AR architektonisch-ornamentale Rahmengerüste. Auf dem Pilastergebälk der Kirchenwände fußen die pendentifähnlich gebildeten, kartuschengeschmückten Träger der profilierten, geschweiften Bilderrahmen in den Gewölbespiegeln. Die Rahmengerüste sind illusionistisch in der »freien Himmel« gesetzt: Balustraden- und Brüstungsgitter ragen in den Wolkenhimmel, zwei Vögel sollen den natürlichen Eindruck erhöhen. In die Bildspiegel hingegen sind die szenischen Darstellungen gleich Tafelbildern eingesetzt, nur einige Motive nehmen auf das illusionistische Deckensystem Bezug, z. B. eine perspektivisch verkürzte Brüstung, welche vom Rahmen ins Bild vermittelt und die schräge Blickrichtung des Betrachters bezeichnet. Diese Brüstung verwendet Lederer mit Vorliebe in seinen Deckenbildern (vgl. Holzhausen bei Buchloe und Oberegling, LKr. Weilheim-Schongau). In zwei Bildern (A, C) findet sich ein typisches Motiv der Deckenmalerei, ein gemauerter Bogen, der das Stufenpodest für den szenischen Aufbau trägt. – Das illusionistische Deckensystem ist etwas unbeholfen ausgeführt und daher wenig überzeugend in der Wirkung.
Die im ganzen kühle Farbigkeit wird von gedämpften Grau- und Rosa-Braun-Tönen bestimmt, mit diesen korrespondiert ein mattes, ins Violett gebrochenes Blau; auch die übrigen Farben sind gedämpft und auf die Rosabrauntöne abgestimmt. Die Formen der Bildarchitekturen und der Bäume sind filigranhaft fein gegen den gleichmäßig hellen Himmel gesetzt.
Die thematische Folge der Fresken beginnt im Altarraum:
C HEIMSUCHUNG (Lc 1, 39–56) Auf einem Trep-penbogen vor einer triumphalen Portalarchitektur empfängt Elisabeth, die Mutter des Johannes, mit herzlichem Gruß Maria. Ein Engel streut Rosen auf die Gruppe der Frauen; zwei im Landschaftsausschnitt rechts wird Joseph mit einem Reittier sichtbar.
C1-2 Die Emblemkartuschen beziehen sich thematisch auf das Heimsuchungsbild, auf Empfängnis und Geburt Johannes' und Jesu. Die Inschriften sind Zitate aus der Ankündigung der Geburt Johannes' des Täufers.
C1 (Spiritu Sancto) Replebitur ex utero. (matris), (Lc 1,15) In zwei Muschelhälften am Strand fallen Lichtstrahlen vom Himmel. — Licht und Tau zeugen, der Pliniustradition folgend, die Perle in der Muschel. Das Bibelzitat Nr. 222 und 237 sind auf die Inkarnation bezogen (loc. cit.)

C2 Ante illum praecedet. (in spiritu et virtute Eliae) (Lc 1,17) Der Morgenstern (= Johannes) verkündet der Aufgang der Sonne (= Christus). Picinelli gibt dieses Bild für Johannes, den Vorläufer und prophetischen Verkün der Jesu (s. v. lucifer, Lib. I, Nr. 362 und s. v. aurora Lib. 1, Nr. 50).
B PREDIGT JOHANNES' DES TÄUFERS (Mt 3 1-12 u. Par.) In einer bergigen Landschaft steht Johannes der Täufer auf einer Steinplatte wie an der Rampe einer Bühne. Den Blick zum Himmel erhoben, präsentiert er seinen Kreuzstab mit dem Ecce Agnus Dei-Band (Jo 1,29) -; das Lamm liegt zu seinen Füßen. Zu den Seiten steigen die von hohen Bäumen bestandenen Bergrücken kulissenartig auf und geben in der Mitte den Blick auf fernere Berge frei. Vereinzelte Palmen unter den Laubbäumen sollen einen fremdländischen Schauplatz andeuten. – Aus den seitlichen Tälern kommen die Zuhörer des Johannes in dichtgedrängten Zügen heran, einige haben sich zu Füßen des Predigers niedergelassen
a TAUFE JESU (Mt 3,13–17 u. Par.) Die Kartusch

Szene zeigt die traditionelle Taufgruppe in einer durch wenige Requisiten bezeichneten bergigen Flußlandschaft. Die Taufe Jesu ist auch im Hochaltarblatt dargestellt.
b IOHANNES IM KERKER Durch eine hohe Arkadenöffnung wird das vergitterte Verlies des Täufers sichtbar. Dieser ist im Typus eines Schmerzensmannes dargestellt.
A ENTHAUPTUNG JOHANNES' DES TÄUFERS (Mt 14, 6–11 u. Par.) Das Bild über der Orgel gibt die letzte Johannesszene wieder. Über dem Steinbogen erhebt sich ein lichter Kuppelbau. Auf einem Stufenpodest darin hat die Mahltafel des Herodes ihren Platz. Sie ist schräg in eine weite Seitenöffnung des Kuppelraumes gestellt. König Herodes, Herodias und zwei Gäste sind in lebhafter Gestikulation wiedergegeben. Salome, in übergroßer, prächtig ausstaffierter Figur gezeigt, schreitet mit dem Haupt des Johannes in einer Schale die Stufen des Podestes hinan. Vor dem Kellerbogen unterhalb des Podestes, dem Kerker des Johannes, steht der Henker des Täufers, in der weitausholenden Bewegung des Schwertstreiches erstarrt, den Fuß auf den entblößten, über die Rahmenbrüstung herabgleitenden Körper des Toten gesetzt. - Die formale Verklammerung der Mahlszene mit dem fast drei Viertel der Bildfläche einnehmenden Kuppelraum sowie die perspektivische Anlage desselben sind wenig geglückt.
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 173
Dellinger, Joachim, Igling, Schloß und Hofmark im königlichen Landgerichte Landsberg . . . in: OAVG 12, 1851/2 S 38 f
KDB I OB (1), S. 551
Steichele-Schröder, Bd 8 (1932), S. 305.
Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 500.