Thankirchen, Pfarrkirche St. Katharina
THANKIRCHEN
Pfarrkirche, von Dietramszell vikariert, Gemeinde Dietramszell, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung dem Augustinerchorherrenstift Dietramszell inkorporiert, Klosterhofmark Dietramszell
Patrozinium: St. Katharina
Zum Bauwerk: Vom Bau des 15. Jh. sind AR und Turm darüber erhalten, das LHs entstammt der ersten Hälfte des 18. Jh.
Saal zu drei Jochen mit Pilastergliederung, einjochige Eingangshalle im W mit Empore über zwei Säulen; eingezogener, einjochiger AR mit geradem Schluß. Die Kirche ist von N und S durch acht Rundbogenfenster im LHs und von W durch ein Fenster über der Orgel beleuchtet; der AR hat ein Fenster an der N-Seite
Auftraggeber: Propst Innozenz Deiserer (1777–98). Eine Inschrift auf der Rückseite des Hochaltars gibt dazu an: Diße Kirche ist in dem Jahr 1777 u: 78. durch die Freygebigkeit der Pfarrkinder des damaligen Pfarrverwesers P. Maximilian Grandauer und beyhilf des Klosters also ausgeziert worden.
Autor und Entstehungszeit: Signatur in A, an der Orgel der hl. Cäcilie: christian/ Wink/ pinxit/ 1777. (Christian Wink * 1738 Eichstätt † 1797 München). Eine Inschrift am Chorbogen gibt das Jahr der Ausmalung an: OMNIA / AD MAIOREM/ DEI GLORIAM/ MDCCLXXVII. Zu B existiert eine Entwurfskizze von Wink, Öl auf Lw., 48 × 36 cm, Städtische Kunstsammlungen Augsburg, Inv. Nr. 6156; (Deutsche Barockgalerie, S. 206)
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B) Stichkappentonne; AR (C) verschliffenes Kreuzgratgewölbe
Rahmen: A, B, C gemalter Profilrahmen, bei B von imitierter Lorbeerblattgirlande umwunden
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 9,90 m; 2,90 × 5,30
B Höhe 9,90 m; 10,20 × 6,00
C Höhe 8,40 m; 3,50 × 3,70
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1896; letzte Restaurierung des Gebäudes laut Inschrift auf der Rückseite des Hochaltars 1951–53, davon die Innenerneuerung 1952, Hans Pfohmann, München. Leichte Scheitelrisse in A und B, Übermalungen der Gesichter und Gewänder in der östlichen Bildpartie von B und in C; Deckel der Hl. Geist-Öffnung z. Z. der Aufnahme falsch eingesetzt (= vergitterte Öffnung der Mauer in B).
Beschreibung und Ikonographie
Das Fresko des LHs kann nicht ohne die Dekorationsmalerei gesehen werden, die anstelle von Stukkaturen das Gewölbe schmückt. Flächige, in sich geschlossene Ornamentfelder umgeben das Hauptbild; die Zwickel der Stichkappen und der auslaufenden Tonne sind abwechselnd in lichtgrüne und graurosa Felder aufgeteilt, die durch weiße Bänder entlang den Graten getrennt sind. Motive des Zopfstils wie weiße, den ockerfarbigen Rahmen des Fresko übergreifende Laubschnüre, Kränze und antikisierende Vasen fallen auf. Der Entwurf der dekorativen Gesamtausstattung stammt wohl von Wink, möglicherweise unter Mitarbeit des Amandus Wink (Clementschitsch, Anhang A).



A HL. CÄCILIA Einansichtige Himmels- und Wolkenszenerie; Betrachterstandort unterhalb des westlichen Bilddrittels von B. Die Darstellung der Heiligen an der

Orgel, umgeben von singenden und musizierenden Engeln, ist in leichter Untersicht gegeben. Die Aufhellung der Engelsgestalten im Hintergrund bewirkt eine gewisse Bildtiefe, jedoch keine Höhenillusion. Die Farbtöne Karmin, Violett und Blau der Gewänder mit dem gesättigten Braun der Musikinstrumente sind in die farbräumlichen Zonen von Goldgelb und Graugelb des Himmelsgrundes und der Wolkenbank eingebettet.
B MARTYRIUM DER HL. KATHARINA Einansichtiges Fresko über drei Gewölbejoche angelegt mit Betrachterstandort etwas westlich der Bildmitte. Dargestellt ist die Enthauptung der Heiligen in einer schmalen irdischen Zone im O, die übrigen zwei Drittel des Bildes werden von einer Himmelsszenerie mit der thronenden Fides-Ecclesia eingenommen, zwischen den Bereichen vermittelt ein großer Engel, der die Martyrer-Insignien trägt. Das Bild ist tafelmäßig komponiert, in dem die verschiedenen Figurengruppen ohne Verkürzung in einer Bildebene angeordnet sind. Untersicht kommt nur an den architektonischen Versatzstücken der terrestrischen Zone zur Geltung. Höhenillusion ist durch die Bildkomposition mit den seitlich hochgezogenen Bäumen und den repoussoirhaft angedeuteten Rückenfiguren am unteren Bildrand noch gegeben; die Erd-Zone an der Bildbasis deutet den Schrägblick in einen himmlischen Bereich an, der durch optische Wertigkeiten der Farbgebung einen Gegensatz von unten und oben und damit eine Entrückung der Gloriole bewirkt (vgl. Wink in Kempfenhausen, CBD, Bd 1, S. 332.). Dunkle Brauntöne, Grün, Ocker und gesättigtes Rot und Violett dominieren im terrestrischen Bereich, lichtes und unbuntes Himmelblau und ein fahles Gelbgrau wirken als Folie für die Himmelsgestalten, wobei dem Engel im Zentrum des Bildes mit dem kräftig ocker- und rotfarbigen Gewand eine verbindende Position zukommt. Damit unterscheidet sich die Farbigkeit von den frischen und leuchtenderen Farben früherer Werke Winks.

Auffallend ist die Betonung der Vertikalen, die als Mittelachse durch das Rundfenster in der Mauer, die Gestalt der Martyrin; den herabschwebenden Engel und die auf Wolken thronende Fides-Ecclesia verläuft und durch die symmetrisch zugeordneten Seitenfiguren verstärkt wird. Eine horizontale Trennung der Gruppen in vier parallele Ebenen verleiht dem gesamten Aufbau etwas Schematisches. Die Heilige ist mit offenem Haar, Krone und Hermelin als Königstochter dargestellt; Katharina von Alexandrien, Tochter des Königs von Zypern, wird nach der Legende (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 25. 11., S. 861–67; Surius, Bd 6, 1, 25. 11., S. 529; LA-Graesse, S. 789–97, 914–15) um 307 oder 315 in Alexandrien unter Kaiser Maxentius (Maximinus?) gemartert, nachdem sie die heidnischen Philosophen im Disput besiegt und ein großes Gefolge zum Christentum bekehrt hat. In der Darstellung verweigert sie das Opfer vor der Bildsäule mit der Apollo-Statue. Bei einem Opferfeuer darunter fordern antikisch gekleidete
Priester und ein assistierender kniender Knabe Katharina zum Götzendienst auf. Hinter ihnen betrachtet ein Alter den Relief-Ring an der Säule, dessen heidnisch-luxurisches Thema wohl in Gegensatz zur Reinheit der Heiligen gesetzt ist. Rechts neben Katharina zieht der Henker sein Schwert. Das messerbesetzte Rad am rechten Bildrand geht durch die Blitze des Engels in Flammen auf. Unter dem zuschauenden Volk vor der Mauer befinden sich Soldaten des Kaisers, Frauen, Kinder und rechts wohl zwei Philosophen des Streitgesprächs. Über der Martyrin schwebt der Engel mit Palmzweig und Lorbeerkranz; er leitet nach oben zur thronenden Fides-Ecclesia mit den Attributen Kreuzstab, Kelch mit Hostie und dem von einem Engel gehaltenen Kirchenmodell mit Schlüsseln. Auch der violette Mantel, der das Haupt der Figur bedeckt, ist kennzeichnend; die Gloriole kann in ihrer Scheibenform die Sonne der Ecclesia symbolisieren. Fides-Ecclesia ist hier in dem relativ späten Deckenfresko von Thankirchen an die Stelle der Dreifaltigkeits-Glorie gesetzt (vgl. Petzenhausen, CBD, Bd 1, S. 180; und die Divina Providentia in Prittriching, CBD, Bd 1, S. 191). Die Erfüllung des Katharinen-Martyriums ist erst mit der Darstellung der Dreifaltigkeit in Fresko C im Chor abgeschlossen. (Fides-Ecclesia und Katharina können hier auch als Religio und deren Zeugin gedeutet werden.)

C HL. DREIFALTIGKEIT Einansichtiges Bild mit Betrachterstandort unter dem Chorbogen; geringe Untersicht, aber verstärkte Höhenillusion durch zwei große Engelsfiguren, die in Rückenansicht bzw. frontal schwebend, den Bildrahmen überschneiden und auf die Gruppe in Wolken verweisen. Dieses Ausgreifen über eine schmale Brüstung mit Vasen am östlichen Rand des Freskos betont die optische Einbeziehung des Hochaltars mit der plastischen Darstellung Katharinas als Braut Jesu (das Jesuskind auf dem Schoß Mariens reicht der Heiligen einen Ring), sowie die Anknüpfung an das Hauptfresko B mit der Martyriumsszene. Die Komposition der thronenden göttlichen Personen, von Engeln angebetet, mit Christus, der auf das Kreuz der Passion hinweist, von einem Engel aufgerichtet, ist eine Wiederholung früherer Werke Winks. Die Farbgebung, vorwiegend in Lichtfarben, entspricht mehr dem Frühwerk als der Farbigkeit des Hauptfreskos B gesättigte Töne kommen nur am unteren Bildrand und außerhalb des Rahmens vor.
W Die Inschriftkartusche am Chorbogen ist auf eine Scheinattika gesetzt und wird von einem Engel und Putti mit einer Blumengirlande geschmückt. OMNIA/ AD MAIOREM/ DEI GLORIAM/ MDCCLXXVII.
Quellen und Literatur
Meidinger, Franz-Sebastian, Hist. Beschreibung der kurfürstlichen Haupt- und Regierungsstädte..., Landshut 1787. S. 331.
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 424.
KDR I OR (1) S 907
Feulner, Adolf, Christian Wink, München 1912, S. 36. Tintelnot, Hans, Die barocke Freskomalerei in Deutsch-
Lieb, Norbert, Führer durch die städtischen Kunstsammlungen Augsburg, Augsburg 1953, S. 40.
Dehio-Gall OB, S. 163. T 11 ' YAY 1C . 1
Der Landkreis Wolfratshausen in Geschichte und Gegenwart. Ein Heimatbuch (o. V.), München 1965, S. 183.
Clementschitsch, Heide, Christian Wink, ungedr. Diss Wien 1968, S. 97–99; Anhang A. B II.
Deutsche Barockgalerie (Städtische Kunstsammlungen Augsburg – Bayerische Staatsgemäldesammlungen) Bd 2, Bearbeitung Eckhard von Knorre, Augsburg 1970, S. 206, Abb. 67.