Thalham, Kapelle St. Florian
Kapelle in der Herrenmühle, Gemeinde Weyarn, Pfarrei Neukirchen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Klostergut des Augustinerchorherrenstiftes Weyarn
Patrozinium: St. Florian
Zum Bauwerk: Die Herrenmühle, vor der Säkularisation Fellermühle genannt, wurde 1635 durch Propst Valentin Steyrer für das Stift Weyarn vom Hochstift Freising erworben und seit 1675 vom Kloster selbst bewirtschaftet. Unter Propst Augustin Hamel (1753-66) wurde das heutige Gebäude erbaut (»anno 1758, molendino nostro in Thallham incendio consumpto novum in meliore forma substituit«. Sigl, S. 262). Inschriften an Steinen an der O- Seite des Hauses Gelasius PZW 1686 (= Propst zu Weyarn) und APZW 1758 (= Augustin Propst zu Weyarn). Die Kapelle selbst wurde erst unter Propst Rupert Sigl 1769 vollendet. Chronogramm über dem Eingang: SANCTVs / FLORIAN Vs / PROTE CTOR DOM Vs. III. (= 1769). – Niedriger, annähernd quadratischer Raum (6,60 × 6,35 m). Im S und O je zwei Fenster. Pilastergliederung
Auftraggeber: Propst Rupert Sigl von Weyarn (1765–1803)
Autor und Entstehungszeit: Signatur am linken unteren Bildrand J. F. X. G. Pinx. 1769. Es handelt sich um den 1737 in Miesbach geborenen Maler Joseph Franz Xaver Grass, von dem bisher noch ein Tafelbild in der Wallfahrtskapelle Birkenstein und Fresken in der Kirche Hofolding, LKr. München bekannt sind (Thieme-Becker, J. Eismann). In Thalham malte Grass auch das signierte Altarbild des Patrons St. Florian.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke (Holzlattenkonstruktion) mit Hohlkehle
Rahmen: Stuckprofil
Technik: Öl auf Putz; polychrom Maße: Höhe 3,40 m; 3,40 × 3,40
Erhaltungszustand: Das Deckenbild, das offenbar noch nicht restauriert wurde, ist in relativ gutem Zustand. Die Farben sind in ihrer Leuchtkraft erhalten, nur im Blau (Mantel der Maria) und Gelb (Engelsgewand ganz rechts) ist die Farbsubstanz angegriffen. Risse, überwiegend Querrisse im Abstand der Deckenholzlatten; geringfügige Farbabschürfungen.
Beschreibung und Ikonographie
MARIA, DIE BRAUT DES HOHENLIEDES Das Deckenbild nimmt die Mitte der von dünnen Stuckranken überzogenen Decke ein. Die einansichtige Szene hat ihre Basis im O; zentraler Betrachterstandpunkt. Innerhalb eines Wolkenovals sind die hohen Gestalten Christi und Mariens dargestellt; Engel und Putti umgeben sie im Halbkreis. Die Bildkomposition deutet das von der Kreuzform mit gleichlangen Balken abgeleitete Bildfeld im Sinne der Tafelmalerei in ein Hochformat um, die Farbgestaltung geht von der Ölmalerei aus: die Figuren sind in kompakten mit Weiß gehöhten Buntfarben modelliert und reliefartig von dem in düster verschleierten neutralen Farbwerten (Braun und Grau) gehaltenen Wolkengrund abgehoben. Die Lichtstrahlen der Glorie Christi sind zwar gegenständlich genau gezeichnet, gehören im farbigen Gesamtaspekt jedoch dem Bildgrund zu. Die Figuren zeigen keine Untersichten.
Christus, der Bräutigam Mariens, ist durch die Wundmale und den roten Mantel als Heiland bezeichnet, während Maria als Jungfrau nur mit einem weißen gegürteten Gewand und einem blauen Mantel wiedergegeben ist. Die von Engeln gehaltenen Inschriftbänder Quae est Ista / Quae ascendit / de Deserto / Deliciis affluens / innixa / Super Dilectum Suum. Cant. 8. (= Cant 8, 5) bezeichnen Maria als die Braut des Hohenliedes, eine aus dem Mittelalter stammende bibelexegetische Gleichsetzung, die selten für sich verbildlicht wurde.
Quellen und Literatur
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 44. Thieme-Becker, Bd 14 (1921), S. 529.
[Eismann, Josef], Die Herrenmühle von Thalham, in: Holzkirchner Merkur, Nr. 81, 24./25. Juni 1950.
Woeckel, Gerhard, Die Rokokohauskapelle der Herrenmühle im Mangfalltal, in: Schönere Heimat 40, 1951, Heft 3–4, S. 81–83.
Nusser, Hans, Das Kloster Weyarn und sein Besitz, in: OAVG 79, 1954, S. 105.
Rupprecht, Elisabeth, Stilles Kleinod im Mangfalltal, in: Almfried 14, 1962, Nr. 33, S. 5 f.
Hofmann, Sigfrid, Künstler und Kunstwerke des Miesbacher und Schlierseer Landes, in: Bayerland 67, 1965, S. 105.
[Sigl, Rupert], Catalogus Religiosorum Weyarensium a prima fundatione sibi succedentium, in: OAVG 47, 1891/ 92, S. 251–66.
Mayer, Matthias, Die Seelsorge der Weyarner Chorherrn im ausgehenden 18. Jh. nach den Tagebüchern des Chorherrn L.J. Ott, in: Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte, Bd 30, 1976, S. 117 u. 182 f.
