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Steinhorst, Gut Steinhorst

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Steinhorst, Gut Steinhorst, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/979ab7e8-8f70-498a-8e03-031b60fea209

Inventarnummer: cbdd10418

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

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Im Gutshaus von Steinhorst hat sich ein Deckengemälde mit einem aufsteigenden Adler von ca. 1724 erhalten.

Steinhorst Manor, Schleswig-Holstein
Steinhorst Manor, Schleswig-Holstein

Gut Steinhorst

Steinhorst Manor, Schleswig-Holstein

Kurzbeschreibung und Lage

Gut Steinhorst[1] liegt nahe am gleichnamigen Ort. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten, befindet sich der Wirtschaftshof nicht vor dem Hauptgebäude, sondern seitlich. Das schlossartige Herrenhaus wird über eine Lindenallee von Süden erreicht. Im Norden schloss sich ehemals ein formaler Garten an.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Herrenhaus in Steinhorst geht auf eine Anlage des Mittelalters zurück, die 1408 an die Herzöge von Sachsen-Lauenburg gelangte. Diese verpfändeten es später an die Herzöge von Holstein-Gottorf. 1691 kam es an den gottorfschen Staatsminister Magnus von Wedderkop. Im Jahr seines Todes 1721 ließ dessen Sohn Gottfried von Wedderkop das alte Gebäude abreißen und nach Plänen von Nikolaus Kuhn bis 1736 das heute noch bestehende Herrenhaus mit der Gartenanlage errichten. Er verschuldete sich jedoch und musste Steinhorst 1738 wieder veräußern. 1739 wurde Steinhorst dem Herzogtum Lauenburg zugeschlagen. Als Herrenhaus hat Steinhorst nur eine Generation gedient, sonst war es auch Verwaltungssitz des Gerichts Steinhorst. Von 1876 bis 1956 war es Sitz eines Amtsgerichts. 1976-78 sowie 2002 wurde es saniert und restauriert.

Auftraggeber

Die von Wedderkop waren Aufsteiger. Magnus von Wedderkop war 1673 als Sohn eines Schmiedes in Husum geboren worden und erst 1687 in den Reichsadelsstand aufgestiegen sowie Mitglied der Ritterschaft geworden. 1702 wurde er Mitglied der vormundschaftlichen Regierung für den jungen Gottorfer Herzog, 1709 gestürzt und 1714 rehabilitiert. Steinhorst gab er 1717 an seinen Sohn Gottfried von Wedderkop weiter. Dieser war Kammerjunker am Kopenhagener Hof, Landrat und außerordentlicher Gesandter Dänemarks in Frankreich. Er konnte den gewünschten Lebensstandard aber nicht halten, musste Steinhorst 1739 hoch verschuldet abgeben und ging nach Lübeck, wo er 1741 verstorben ist.[2]

Architekten, Künstler

Der Architekt Johannes Nicolaus Kuhn[3] wurde 1670 in Schweinfurt geboren und ist 1744 in Hamburg gestorben. Er war vor allem in Hamburg und Holstein tätig.

Beschreibung

Das Herrenhaus[4] ist ein Ziegelbau von neun Achsen Breite und vier Achsen Tiefe unter einem Mansardwalmdach. Das Sockelgeschoss und das Obergeschoss sind als Halbgeschosse ausgebildet. Nur das mittlere Geschoss, das über eine zweiläufige Freitreppe erreicht wird, ist ein Vollgeschoss. Ursprünglich war es zusammen mit dem Vorplatz von einem Wassergraben umgeben. Rustizierte Lisenenstreifen gliedern den Bau. Die mittleren drei Achsen werden an der Vorder- und Rückseite unter einem Dreiecksgiebel zusammengefasst.

Durch ein Sandsteinportal betritt man direkt die zentrale Diele, die die mittleren drei Achsen einnimmt. An der Hausrückseite ist die Treppe gelegen. Von der Diele aus folgen links und rechts je zwei Räume in Enfilade. Auch an der Gartenseite gibt es Enfilade unter der Treppe hindurch. Die Etage ist bis auf geringe Abweichungen spiegelsymmetrisch aufgeteilt. Hier befinden sich die ehemaligen Repräsentationsräume. Die eigentliche Wohnung lag im Obergeschoss.

Adlersaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum wurde 1977 nach Befund in seiner ursprünglichen Farbigkeit wiederhergestellt.[5] Seine Ausstattung ist wohl 1724 entstanden. Den Régencestuck führte die Joseph-Mogia-Werkstatt aus. 1761 wird der Raum als „Speise-Saal“ bezeichnet.[6]

Beschreibung

Der Adlersaal[7] folgt direkt links auf die Diele und hat zwei Fenster zum Hof. Es schließt sich ein kleines Kabinett an der Gebäudeecke an. Der Raum hat seinen Namen aufgrund des Deckengemäldes. Bemerkenswert ist die dunkle Stuckdecke mit geschweiftem Akanthusstengelwerk und Muscheln. Auf dunkelbraunem Grund glänzt der mit Gold bronzierte Stuck. In Paneelen, Tür- und Fensterlaibungen fanden sich Reste von gemalten mythologischen Szenen. Über dem Kamin wird ein Blick in die Schmiede Vulkans gewährt.

Gemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei[8] wurde 1977 restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Sie zeigt einen vor dunklen Wolken zur Sonne aufsteigenden Adler.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Ballhaus, Steinhorst, 1987. – Ballhaus, Karl-Josef: Das Herrenhaus Steinhorst, Sitz der Stiftung Herzogtum Lauenburg. In: Godyla, Herbert (Hrsg.): Zehn Jahre Stiftung Herzogtum Lauenburg (Schriftenreihe der Stiftung Herzogtum Lauenburg, 13). Hamburg 1987, S. 14-29.
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Heckmann, Baumeister, 2000. – Heckmann, Hermann: Baumeister des Barock und Rokoko in Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Lübeck, Hamburg. Berlin 2000.
  • Konerding, Steinhorst, 1978. – Konerding, Volker: Das Herrenhaus Steinhorst. In: Ders.: Das Herrenhaus Steinhorst und die Sammlung Schwarzkopf (Große Baudenkmäler, 319). München/Berlin 1978, S. 13-77.
  • Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
  • Neuschäffer, Lauenburg, 1987. – Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Lauenburg. Würzburg 1987.
  • Rinn, Stukkateure, 1999. – Rinn, Barbara: Italienische Stukkateure zwischen Elbe und Ostsee (Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte, 1). Kiel 1999.
  • Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
  • Seebach, Herrenhäuser, 1985. – Seebach, Carl-Heinrich: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Neumünster1985.
  • Teuchert, Bericht, 1985. – Teuchert, Wolfgang: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein 1969-1984. In: Nordelbingen 54 (1985), S. 193-301.

Einzelnachweise

  1. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 558-560; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 908-909; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 164-166; Ballhaus, Steinhorst, 1987, S. 17-19, 22, 24; Neuschäffer, Lauenburg, 1987, S. 112-130; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 39; Teuchert, Bericht, 1985, S. 268; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 354-359; Konerding, Steinhorst, 1978, S. 61-62.
  2. Rinn, Stukkateure, 1999, S. 164; Ballhaus, Steinhorst, 1987, S. 17; 19, 22; Neuschäffer, Lauenburg, 1987, S. 117-124.
  3. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 558; Heckmann, Baumeister, 2000, S. 339-345.
  4. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 558-560; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 908-909; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 164-165; Neuschäffer, Lauenburg, 1987, S. 127-128; Ballhaus, Steinhorst, 1987, S. 18; Konerding, Steinhorst, 1978, S. 53.
  5. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 560; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 909; Konerding, Steinhorst, 1978, S. 61.
  6. Rinn, Stukkateure, 1999, S. 165.
  7. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 908- 909; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 165-166; Konerding, Steinhorst, 1978, S. 64.
  8. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 560; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 909; Konerding, Steinhorst, 1978, S. 64.