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Stedten, ehem Gut

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Stedten, ehem. Gut, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/bcdde1c9-76a3-4866-9f9e-78524bdfa534

Inventarnummer: cbdd10114

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Gut Stedten wurde 1737 erbaut und 1948/49 abgerissen. Aus dem Hauptsaal hat sich ein Deckengemälde erhalten, das die Apotheose des Herkules zeigt. Vermutlich stammt es von Johann Heinrich Ritter von ca. 1740.

Stedten, Gut - Hauptsaal - Decke
Stedten, Gut - Hauptsaal - Decke

Das ehemalige Gut Stedten

Geschichte

Schloss Stedten[1] wurde 1737 anstelle einer alten Wasserburg erbaut. Bauherr war der Gothaer Staatsminister Christoph Dietrich von Keller. Der Architekt ist unbekannt. Keller hatte Stedten 1735 erworben. Die Baumaßnahmen stehen in Zusammenhang mit seiner Erhebung in den Reichsadelsstand 1737 und den Freiherrenstand 1738. Keller ließ 1745 auch eine neue Kirche in Stedten erbauen. 1945 wurde die Familie Keller enteignet, das Schloss 1948/49 abgerissen.

Architektur

Das Hauptgebäude hatte einen rechteckigen Grundriss und maß elf auf drei Achsen. Es handelte sich um einen verputzten Bruchsteinbau mit Eckrusitzierungen sowie Tür- und Fenstergewänden aus Sandstein. Der dreigeschossige Mittelteil von sieben Achsen sowie die beiden flankierenden zweigeschossige Seitenteile von je zwei Achsen wurden von Mansardwamldächeren gedeckt. Die mitteleren drei Achsen fasste ein Dreiecksgiebel zusammen.

Der ehemalige Hauptsaal

Beschreibung

Der Hauptsaal[2] befand sich im ersten Obergeschoss an der rechten, der Südseite des Gebäudes. Er war zwei Achsen breit und reichte mit etwas über 91 Quadratmetern durch die ganze Tiefe des Gebäudes. Er war geschmückt mit „prachtvollen Decken und Gemälden und der an eine große Vergangenheit erinnernden Wandbildern“.

Die Apotheose des Herkules

Stedten, Gut - Hauptsaal - Decke

Bechreibung und Ikonografie

Das Deckengemälde[3] ist in Öl auf Leinwand gemalt und war in die Decke eingelassen. Es wurde gerettet und befindet sich heute im Angermuseum in Erfurt. Es präsentiert die Vergöttlichung des Herkules in den Olymp. Von links unten komm Herkules - in seinem Wagen sitzend - herangefahren. Das Löwnefell hat er lässig über die linke Schulter gelegt, während er mit der rechten seine Keule hält. Die Linke führt die Zügel der auffallend kleinen zwei Schimmel. Er blickt hinauf zu Jupiter, der in der Bildmitte neben Juno auf einer Wolke sitzt. Durch Adler mit Blitzbündel und Pfau sind die beiden eindeutig zu bestimmen. Über ihnen hat sich auf einem Regenbogen Iris niedergelassen. Rechts von der Gruppe am Bildrand sitzt Minverva mit Medusenschild von einer Eule begleitet. Hinter ihr erblickt man Flora mit Blumenkranz. Links von Jupiter sitzt auf einer weiteren Wolkenbank der bekränzte Sol-Apoll mit seiner Leier. Links neben ihm blickt Luna-Diana auf Herkules herab. Hinter ihr ist der bewaffnete Mars zu erkennen. Zwischen Apoll und Jupiter sind im Hintergrund Venus, Vulkan und Amor auszumachen, kenntlich duch Schmiedehammer und Tauben. Im Bildvordergrund rechts lagert eine weitere Dreiergruppe. Ganz rechts befindet sich Neptun mit seinem Dreizack. In der Mitte lagert Bacchus mit Weinlaub im Haar und seinem Pantherfell bekleidet. Links von ihm sitzt eine grüngewandete Frauengestalt, in der man Demeter erkennen wollte. Mit Stadtkrone auf dem Haupt und Schlüssel in der Hand ist sie jedoch eindeutig als Erde ("Terra") oder Kybele zu identifizieren. Über Herkules fliegt im flatterndem Mantel Merkur mit seinem Caducaeus in der Linken.

Komposition und Vorlagen

Das Gemälde wirkt merkwürdig uneineintlich, was an den verschiedenen Maßstäben und Perspektiven der Figuren und Gruppen liegt. Offenbar wurde es aus verschiedenen Vorlagen zusammenkomponiert. Merkur etwa ist einem Stich Michel Dorignys von 1651 entnommen, der auf ein Gemälde von Simon Vouet zurückgeht.[4] Die Schmmel, die den Wagen des Herkules ziehen, sind viel zu klein. Sie reichen dem sitzenden Heros gerade einmal bis zu den Schultern.

Künstler

Man hat die Malerei Johann Heinrich Ritter zugeschrieben, der Hofmaler zu Gotha war. Er verwendet den Merkur auch auf Schloss Tenneberg ob Walthershausen. Da Merkur aber auf eine grafische Vorlage zurückgeht, könnte auch ein anderer Meister die Malerei geschaffen haben.

Bedeutung

Man kann davon ausgehen, dass Christoph Dietrich Keller sich mit Herkules gleichsetzte. So wie dieser für seine erbrachten Leistungen in den Olymp erhoben worden war, war er - Keller - für seine Leistungen geadelt worden. Herkules soll zudem die Gesichtszüge des Hausherrn tragen.

Warum der Götterhimmel abgewandelt wurde, ist unbekannt. Iris und Flora gehören nicht zu den antiken Hauptgöttern, wohl aber Ceres, die fehlt. Vermutlich wurde die Personifikation der unbekannten Stadt daher fälschlich als Demeter (=Ceres) bezeichnet, da ihr Fehlen auffiel.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Ankunft der Götter, 2018. – „Ankunft bei den Göttern“ (Serie: Hohe Kunst). In: Allgemeiner Anzeiger, Ausgabe Erfurt/Sömmerda, Mittwoch, 6. Juni 2018, S. 7.
  • Brachmanski, Stedten, 2010. – Brachmanski, Hans-Peter: Schloss Stedten bei Erfurt. Ereignisse und Erinnerungen. 3. erw. Aufl. Erfurt 2010.
  • Brachmanski, Stedten, 2011. – Brachmanski, Hans-Peter: Schloss Stedten. Architektur und Geschichte. Erfurt 2011.
  • Brachmanski, Stedten, 2012. – Brachmanski, Hans-Peter: Schloss Stedten. Architektur und Geschichte. In: Brachmanski, Hans-Peter (Hrsg.): Wiederentdeckungen des Schlosses Stedten bei Erfurt. Ausgewählte Schriften. Bad Langensalza 2012, S. 1-35.

Einzelnachweise

  1. Brachmanski, Stedten, 2012. Vgl. auch Ders., Stedten, 2010; Ders., Stedten, 2011.
  2. Brachmanski, Stedten, 2012, S. 4 (Zitat), 20.
  3. Ankunft der Götter, 2018, S. 7.
  4. http://kk.haum-bs.de/?id=dorigny-m-ab3-0046