Seefeld, Schlosskapelle St. Johann Baptist


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 344–346, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Schloßkapelle, Gemeinde Oberalting-Seefeld, Pfarrei Oberalting, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Herrschaft Seefeld

Patrozinium: St. Johann Baptist

Zum Bauwerk: Kapelle im Obergeschoß des mittelalterlichen Schloßbaues (an der SW-Seite des inneren Schloßhofes). Weihe der Kapelle 1479; Neuausstattung 1776. – Unregelmäßiger Saal mit annähernd halbrunder Altarnische; an der W-Seite seichtes Seitenschiff mit Loge. Die Kapelle ist genordet.

Auftraggeber: Anton Clemens Graf Törring-Seefeld (* 1725 † 1812); Wappen über dem Hochaltar

Autor und Entstehungszeit: Das Deckenbild B ist in der linken nordwestlichen Bildecke signiert: Joseph Ott. / Pinxit / 1776. Im gleichen Jahr malte Ott auch in der Wallfahrtskirche Grünsink. Die Darstellung der Taufe Jesu in Seefeld erinnert sehr stark an das zwei Jahre früher entstandene Fresko Winks in Kempfenhausen mit dem gleichen Thema und hat dort sicher ihr direktes Vorbild. Besonders in der irdischen Szene gibt es sowohl kompositionell als auch im Detail sehr viele Übernahmen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A Stichkappentonne, B Flachdecke

Rahmen: A und B Stuckprofil, von Ornamentkartuschen überschnitten

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 5,40 m; 1,60 × 2,60

B Höhe 5,50 m: 5,40 × 3,20

Erhaltungszustand: In den zwei Fresken (A, B) ist die Malerei durch starke Risse, geringe Feuchtigkeitsschäden und kleine Fehlstellen beeinträchtigt. Die Farbsubstanz ist teilweise, vor allem im Blau der Gewänder, verdorben.

 
B Taufe Iesu
 
A Die büßende Magdalen

Beschreibung und Ikonographie

A DIE BÜSSENDE MAGDALENA In öder Landschaft, durch Baumstümpfe und ferne Berge angedeutet, liegt die hl. Magdalena betend vor einem Kruzifix auf den Knien. Sie ist in blauem Mantel und mit aufgelösten Haaren dargestellt. Ihr Attribut, das Salbgefäß, steht vor ihr auf einem Felsen. Vier Putti begleiten sie. Vom Himmel fallen Strahlen auf die Heilige.

B TAUFE JESU (Mt 3, 13-17) Einansichtige Szene, Betrachterstandort unterhalb des südlichen Bildrandes. – Im obersten Bilddrittel schwebt die Gestalt Gottvaters, das Zepter in Händen, in der Himmelsglorie über einer gewaltigen Weltkugel, die von Engeln getragen wird. Die Mitte des Freskos wird von Wolken und Engeln eingenommen; eine Wolkenbank zieht sich um den südwestlichen Rahmenbogen.

Die terrestrische Zone ist an beiden Seiten, dem Rahmen folgend, nach oben gezogen. Dadurch entsteht der Eindruck eines talartigen Einschnitts. Links, auf steil abfallendem Felsen, ein Wald dicht nebeneinander stehender dünner Stämme. Ihre Kronen werden von einer schweren, dunklen Wolke verdeckt. Rechts Palmen und ein bizarr gebildeter Baumstumpf. Den Mittelgrund des irdischen Schauplatzes nimmt die Taufszene ein: Auf einem Felsblock Johannes in halb stehender und halb kniender Stellung, eine große, dunkle Gestalt in härenem Gewand mit Kreuzstab — Inschrift (EC)CE AGNUS DEI QUI TOLLIS (PECCATA) MUNDI (Jo 1, 29) – und Lamm. Christus steht geneigt vor ihm: Die Helligkeit seiner Gestalt wird gesteigert durch das große weiße Tuch, das Engel und Putti hinter ihm hochziehen. Im Vordergrund Zuschauer rechts und links vom Jordan, der als Gebirgsbach wiedergegeben ist.

Die Bewegungen der einzelnen Gestalten sind ausfahrend, die Gesten stark pointiert. Die Umrißzeichnung der einzelnen Figur wie auch der Figurengruppe wirkt unruhig und bizarr.

Hell-Dunkel-Gegensätze bestimmen die Farbigkeit des

 

Gemäldes. Die Erdfarben, vor allem Schwarzbraun und Ocker, heben sich von hellen, gebrochenen Grau- und Weißtönen ab. Als buntfarbige Akzente wirken die hellen, intensiven Blau- und Türkistöne. Die Farbstimmung des Bildes ist klassizistisch kühl.

Die Altarnische zeigt um den Altar gemalte Architektur, über der Putti bzw. Puttoköpfchen in Wolken schweben (keine Abbildung).

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 366 (Oberalting). Koch-Sternfeld, J. E. von, Seefeld, in: Zeitschrift für

Baiern und die angränzenden Länder 2, 1816, S. 366-69. Wolf, Josef Heinrich, Geschichte von Starnberg, Söcking, Andechs und Seefeld, in: Allgemeine Bayerische Chronik und Geschichtsjahrbuch 5, 1846, 58 ff.

Töpfer, Friedrich, Geschichte des Schlosses Seefeld, in: OAVG 9, 1848, S. 3 ff.

Graf, Matthias, Geschichte der Pfarrei Oberalting, München 1902, S. 68 ff.

Thieme-Becker, Bd 26, S. 86, s. v. Ott, Josef Mathias. Albrecht, Dieter, Das Landgericht Weilheim (= Historischer Atlas von Bayern 1, Heft 4) München 1952, S. 30–32.