Zum Inhalt springen

Schrobenhausen, Filialkirche St. Salvator

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 271–275, geschrieben von Sauerländer, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche der Pfarrei St. Jakob, Stadt Schrobenhausen, Diözese Augsburg. Z. Z. der Ausmalung war St. Salvator Wallfahrtskirche und besaß ein Gnadenbild des Erlösers. An der Kirche bestand ein eigenes Benefizium, 1437 von Bürgermeister Johannes Götz, dem Rat und der Marktgemeinde gestiftet. Das Nominations- und das Präsentationsrecht auf das Benefizium hatte im 18. Jh. der Kurfürst von Bayern. Gericht Schrobenhausen (Kurbayern)

Patrozinium: St. Salvator

Zum Bauwerk: Eine bestehende gotische Kapelle wurde zunächst um 1435 unter Bürgermeister Johannes Götz vergrößert, dann in der zweiten Hälfte des 17. Jh. erweitert und barockisiert. Dabei blieb der gotische Chor erhalten, der Gemeinderaum wurde zu einem Saalbau mit Flachdecke umgebaut. Im Zusammenhang mit der Ausmalung von 1760 mußte die Kirche erneut umgestaltet und instand gesetzt werden: die Fenster wurden vergrößert, die Empore und die verfaulte hölzerne Flachdecke des LHs erneuert (Pfarrarchiv St. Jakob, Kirchenrechnung St. Salvator 1760, fol. 29r-32r.). Der aus dem frühen 18. Jahrhundert stammende Hochaltar, dessen Gehäuse das Gnadenbild des Salvators umfängt, wurde 1760 von Schreiner Anton Wiest ausgebessert und mit neugefertigten Strahlen und Säulen ausgestattet (ebd., fol. 31 v). Im Jahr darauf fertigte Wiest auch die geschnitzte Verkleidung der Oratoriumsöffnung an der AR-Südwand (Kirchenrechnung 1761, fol. 30r). Saalbau zu drei Achsen, stark eingezogener, einachsiger AR mit dreiseitigem Schluß, mit dem LHs durch einen Chorbogen verbunden, der in die Hohlkehle der LHs-Decke hineinreicht. Im W Empore. Im LHs Belichtung durch spitzbogige Fenster, die bis zur Hohlkehle hinaufreichen, im AR an der N-Seite und in der Mitte ein spitzbogiges Fenster, in den beiden Schrägen des Chorschlusses je ein birnenförmiges Fenster. Oratorium im südlich an den AR angebauten Turm, Öffnung zum AR hin mit Schnitzwerk verkleidet.

Auftraggeber: Benefiziat Franz Anton Kiermayer (1755–75) sowie Bürger der Stadt Schrobenhausen. An der südlichen AR-Wand befindet sich über dem Oratorium eine gemalte Schriftkartusche, in deren Rahmenausbuchtung am oberen Rand das bekrönende Wappen des Benefiziaten mit der Unterschrift: C. D. D. D. K. / Benefactor zu sehen ist. Die Unterschrift kann gedeutet werden als Christo Dat, Donat, Dedica Kiermayer / Benefactor. Das Wappen entspricht dem Wappen auf dem Epitaph Kiermayers an der S-Wand des LHs. Die Grabschrift lautet: Der Hochw. Hochedle, und hochgelehrte Herr FRANZ ANTON / KIERMAYER / Der Hl. Schrift Lic[ent.] churbair. dann / Hochfürstl. Eichstädt. geistl. Rath / des herzogl. Georg. Collegy zu In=/golstadt frey Resign. Regent, auch / Beneficiat bey S. Salvator hier. gebo. Zu Ingolstadt den 2. Aug. Ao. j695 / gestorb. den 22. Apr. Ao. 1777. / Seines Priesterthums im 59. Jahre. / Stifter der freytägl. halb 11 uhr meß / R. I. P. Auf der gemalten Schriftkartusche befindet sich unter dem Wappen Kiermayers ein zweigeteilter Text, der sich auf zwei Bürgerstiftungen bezieht. Die Zählbuchstaben bilden jeweils ein Chronogramm, das sich auf die Kirche bzw. deren Ausstattung bezieht: S. SaLVa torI aeDIflCaVe=/rant bVIVs LoCI DeVotI CIVes (Dem hl. Salvator hatten erbaut dieses Ortes fromme Bürger). Das Chronogramm ergibt die Jahreszahl 1437, womit die Vergrößerung der gotischen Kirche unter Bürgermeister Johannes Götz und die direkt anschließende Benefiziumsstiftung von 1437 gemeint sind. Schrobenhausen ist noch als »locus« bezeichnet, da die Erhebung zur Stadt erst 1447 erfolgte. Der zweite Teil der Inschrift lautet: EIDeM eXVoto eXorna VerVnt / PICtVrIs BenefaCtores / bVIVs VrBIs. (Ebendemselben haben aus einem Gelöbnis heraus mit Gemälden verziert die frommen Bürger.)

A Speisung der Fünftausend

B Heilung des Lahmen am Teich Bethesda

Stadtwappen von Schrobenhausen ziert Wohltäter aus dieser Stadt). Das Chronogramm ergibt das Jahr der Ausmalung, 1760. Auf die Bürgerschaft von Schrobenhausen verweist auch das Wappen der Stadt im Chorzwickel.

Autor und Entstehungszeit: Ignaz Baldauf (* 1715 Inchenhofen, †1795 Inchenhofen) 1760 Signatur am südlichen Bildrand von Fresko A auf einer in den Stamm eines Baumes eingeschnittenen Schriftfläche: Baldauff / Inven: & / pinxit. ao. / 1760 Eine gemalte kleine Schriftkartusche findet sich im Wandstück über dem Chorbogen an der AR-Seite, direkt unterhalb des gewesteten Bildrandes von Fresko B: R. / ANNO / 1760

Außer mit Deckenbildern wurde die Kirche 1760 mit dekorativer Malerei ausgeziert. Dazu gehören der imitierte Stuckdekor an der LHs-Decke und am AR-Gewölbe, der gemalte Vorhang über dem Chorbogen und der gemalte, imitierte Baldachin mit Wandbehang, der jetzt der Schnitzfigur eines Auferstehungschristus aus dem 17. Jahrhundert als Rücklage dient (LHs-Nordwand), ferner die Schriftkartusche (AR-Südwand) und die Kartusche mit dem Christusmonogramm an der Emporenbrüstung.

Die Ausmalung der Salvatorkirche folgt auf die bedeutende Freskierung der Wallfahrtskirche St. Leonhard in Inchenhofen, Lkr. Aichach-Friedberg, die 1755-57 zu datieren ist (Paula 1992). In Inchenhofen ist die Farbgebung insgesamt etwas gedämpfter und brauntoniger als in Schrobenhausen, wo die Grundfarben Gelb, Rot und Blau zwar auch nur in gebrochenen Tönen, jedoch etwas kraftvoller in Erscheinung treten. Im Ablauf der Körperbewegungen halten sich die Figuren im LHs-Fresko von St. Leonhard noch etwas steifer als die locker gemalten Figuren in den Deckenbildern der Salvatorkirche Schrobenhausen. Wie in Inchenhofen und Maria Beinberg ist auch hier der gesamte gemalte Dekor Ignaz Baldauf zuzuweisen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A) Flachdecke über breiter Hohlkehle, AR (B, Z1,2) verschliffenes spätgotisches Gewölbe über Stichkappen

Rahmen: Alle Rahmen sind gemalt. A ein- und ausschwingender Profilrahmen in Ocker mit Akanthusblattwulst, leichte Goldhöhungen; B runder ockerfarbener Profilrahmen mit Eierstabmuster, in den Achsen von kleinen Agraffen umfaßt, aus denen zum Teil Efeuranken nach außen wachsen, leichte Goldhöhungen; Z1, 2 längsovale Kartuschenrahmen in Ocker Technik: A, B Fresko, polychrom; Z1,2 Secco, polychrom Maße: A Höhe 6,35 m; 9,40×8,80

B Höhe 6,90 m; 4,90×4,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1928 wurde für eine Restaurierung eine Reinigung mit destilliertem Wasser empfohlen, abwischende Farben sollten mit Kasein fixiert und nur die störendsten Schäden ausgebessert werden (BLfD, Gutachten vom 3.2.1928). Bei der umfassenden Innenrestaurierung 1977/78 durch Bernd Holderried, Restaurator und Kirchenmaler, Pfaffenhofen a.d. Ilm, wurden die Deckenbilder und Ornamentmalereien gereinigt, Stockflecken entfernt, Risse geschlossen und eingestimmt, die Brokatmuster am Rand der LHs-Decke restauriert, der gemalte Baldachin mit Vorhang an der nördlichen LHs-Wand freigelegt und restauriert, die Altäre und Figuren wieder hergestellt.

1995/96 Feststellung von Wasserschäden. Sanierung der Balkenlage über den Fresken durch die Fa. Erwin Wiegerling, Augsburg. Restaurierung 2002 durch die Fa. Bruno Fromm, Restaurator und Kirchenmaler, Parsberg, Lkr. Pfaffenhofen a.d. Ilm.

Alte Übermalungen und Lasuren, die mit Schmutz und Ruß verbunden waren, wurden abgenommen, alte Verkittungen entfernt, Wasserschäden (Malschichtverluste) an der S-Seite von A und B behoben; anschließend Trockenreinigung, Neuverkittung und Einstimmung der Risse. Die heutige Farbsubstanz ist weitgehend original (frdl. Mitt. B. Fromm). Beide Deckenbilder haben an Farbqualität und Modellierung gewonnen.

Beschreibung und Ikonographie

A DIE SPEISUNG DER FÜNFTAUSEND (Io 6, 1–13) Bei dem Deckenbild nehmen der leere Himmel, bei dem durch zarte Wolkenringe räumliche Tiefe imaginiert wird, und die dicht bevölkerte irdische Zone etwa gleich viel Platz ein. Der mittlere Betrachterstandort für die panoramahafte, zentralperspektivisch angelegte Darstellung liegt unterhalb der Mitte der Emporenbrüstung, Blickrichtung nach O. Es handelt sich um eine einansichtige Szene, doch ist die Landschaftsbühne an beiden Seiten dem Rahmen folgend nach oben gezogen. Zentrum der Darstellung ist die Hügelkuppe, auf der Jesus steht, flankiert von den Jüngern Philippus und Andreas. Von rechts naht sich ihnen ein Knabe mit einem Fisch. Um diesen halten zu können, faßt er ihm mit einem Anglergriff ins Maul. Rundherum lagert in einer grünen Wiesenlandschaft eine große Volksmenge, die Jesus gefolgt ist. Mehrere Hauptmomente des Geschehens, die eigentlich aufeinander folgen, sind gleichzeitig wiedergegeben: Philippus weist auf die hungernde Menge, während Andreas, zu Jesus gewandt, auf den Knaben zeigt. Der zweite der beiden Fische und die fünf Gerstenbrote, die dieser nach Io 6, 9 dabei hatte, liegen bereits sinnfällig ausgebreitet auf einem Tuch zu Jesu Füßen, der gerade im Begriff ist, Brot und Fisch zu segnen. Simultan hierzu findet auch schon die Verteilung der Speisen statt.

A Speisung der Fünftausend

Am unteren Rand schmiegt sich eine dunkle Bodenwelle an den Bildrahmen als Sockel für die konzentrisch angeordneten, scharf silhouettierten Repoussoirfiguren. Die starke Untersicht bewirkt, daß einige der Stehenden, vor allem links, die Figuren des Mittelgrundes berühren oder überlagern. Hinter grabenähnlichen Geländeeinschnitten in der Bildmitte sind einige Figuren stark überschnitten oder fast verschwunden. Ganz hinten ist die Menschenmenge nur noch schemenhaft angegeben. Zu dieser Zone vermittelt die Figur des vornübergebeugten Apostels Johannes in Grün und Hellrot, der aus seinem Mantel Brote in einen Korb schüttet. In der südlichen Hälfte ragt die Gruppe um einen Jünger, der einer jungen Frau mit Reisehut einen Fisch reicht, in die Hintergrundschicht hinein. Diese endet am nördlichen Bildrand mit einer zarten, atmosphärischen Ansicht der Stadt Schrobenhausen und der an ihren Mauern vorbeifließenden Paar, wie man sie von der Salvatorkirche aus sieht (Mayer 1992, S. 108). Damit wird Schrobenhausen dem Salvator anempfohlen. Zugleich meint das stark verbreiterte Flüßchen Paar den See Tiberias, und die Stadtansicht meint das am jenseitigen Seeufer gelegene Kapharnaum, wohin die Jünger noch am Abend desselben Tages übersetzen werden (Io 6, 16-21); links auf dem Fresko sieht man das Schiff, das dafür bereitliegt.

Baldauf hat für seine Darstellung eine so steile Untersicht gewählt, daß er seine genrehaften Figurengruppen im Vorder- und Mittelgrund mehr über- als hintereinander anordnen muß und sie damit für den Betrachter wie auf einer Schautafel ausbreitet. So konnte er Jesus und seine Begleiter als eine Gruppe herausheben, die alle anderen überragt. Damit verlieh er dem Deckenbild eine wirkungsvolle Tiefenillusion, woran auch die Farbgebung und die Auflösung der Farbe durch Luftperspektive wesentlich beteiligt sind. Baldauf verwendete fast nur gebrochene Töne. Die in dunkleren und kräftigeren Farben gehaltene Repoussoirzone schiebt den Mittelgrund etwas stärker ins Bild hinein. Die kleiner proportionierte Menschenmenge im Hintergrund ist nur noch in schemenhaften Pastelltönen angedeutet, und die Stadt und die Berge erscheinen als durchsichtige Ton-in-Ton-Malerei, die den Übergang zum Himmel beinahe aufhebt.

B Heilung des Lahmen am Teich Bethesda, in den Zwickeln Wappen von Kurbayern und der Stadt Schrobenhausen

Bei Baldaufs nicht sehr differenzierender Malerei wirken Schattenrillen, Faltentäler und Aufhellungen als rasch, mitunter etwas grob hingesetzte Markierungen. Gesichtsbildung und Mimik sind lebhaft, aber etwas stereotyp. Von daher gesehen versteht man, daß man ihn - unter Verkennung seiner Fähigkeiten als Erzähler mit Sinn für Komik – als einen oberflächlichen Schnellmaler, als »Fa Presto« (Welisch, S. 85 f.) bezeichnen konnte.

Fresko im Altarraum

Geht man wie ein Wallfahrer vom Eingang der Kirche auf den Chor zu, so wird deutlich, daß die gesamte gemalte Auszierung einschließlich des Chorbogens zusammenwirken soll, um das geschnitzte Gnadenbild des Salvators auf dem Altar zu überhöhen. Der über dem Chorbogen doppelt hochgeraffte grauviolette Vorhang mit goldgehöhten Fransen gibt, bildlich gesprochen, den Einblick in den Chor mit dem Gnadenaltar frei. Das Gnadenbild ist eine Schnitzfigur des ausgehenden 15. Jahrhunderts und stellt Christus als Salvator mundi mit der

Weltkugel dar, die rechte Hand segnend erhoben. Sein Gewand ist in Silber gefaßt, der Mantel in Gold mit rotem Futter. Ignaz Baldauf hat das Gnadenbild, das bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert große Verehrung genoß, fast wörtlich in seine Christusfigur im AR-Fresko übernommen (s. auch Mayer 1992, S. 108).

Das annähernd kreisförmige Fresko B füllt weitgehend die Kalotte des verschliffenen AR-Gewölbes und greift mit seinem breiten, in Ocker mit Goldhöhungen gemalten Profilrahmen in die Stichkappen hinein. Auf hellgrauem Grund in Weiß und Dunkelgrau gemalter fingierter Rokokostuck mit beiger Schattenlinien umgibt das Bildfeld. Eingefügt in diesen Dekor sind vier Kartuschen. Zwei von ihnen sind ornamental ausgefüllt, die beiden gegen den Altar zu (Z1, 2) umschließen die Wappen von Bayern und Schrobenhausen.

B DIE HEILUNG DES LAHMEN AM TEICH BETHESDA (Io 5, 1-9) Am Stufensockel befindet sich die Inschrift Joan: C: V. Allansichtige Darstellung mit Hauptblickrichtung nach O. Der Betrachterstandpunkt ist unter dem Chorbogen. Man blickt schräg von unten über einen Stufensockel in eine oben offene, runde, tambourartige Arkadenarchitektur mit fünf Bogenöffnungen, entsprechend den vom Evangelisten genannten fünf Hallen, in denen zahlreiche

Kranke lagern. Über diesem Raum erhebt sich rechts als Phantasiegebäude der Tempel von Jerusalem. Die perspektivische Konstruktion des Rundraums folgt der häufig als Vorbild verwendeten, auch im Stich verbreiteten Scheinkuppel Andrea Pozzos, um 1690.

Die Heilung des Lahmen spielt sich in der Bildachse auf der obersten Treppenstufe ab. Die rechts stehende Gestalt Jesu reflektiert in Körperhaltung und Gewandbildung das geschnitzte Gnadenbild im Hochaltar. Jesus wendet sich segnend dem schon geheilten Kranken zu, der links steht und ihn anblickt, sein Bettzeug unter dem Arm. Die segnende und heilende Hand Jesu ist als inhaltlicher Mittelpunkt der Szene genau in die Bildachse gesetzt. Ringsum sind auf den Stufen weitere Kranke zu sehen, die auf Heilung hoffen. »Blinde, Lahme, an Auszehrung Leidende, die auf die Bewegung des Wassers warteten« (Io 5,3). Sie werden nach hinten zu, entsprechend der Perspektivkonstruktion, mehr und mehr vom Bildrand überschnitten. Man erkennt halbnackte, von Begleitpersonen gestützte Kranke, die flehend die Arme zum Himmel emporstrecken, von wo der Engel herabschwebt, der das Wasser des Teichs Bethesda in Bewegung versetzt: wer dann als erster hineinsteigt, wird gesund.

Auch bei diesem Fresko kennzeichnen bunte, aber gebrochene und teilweise pastellhafte Töne die Palette des Malers. Selbst die vom Bildrand stark überschnittenen Figuren werden deutlich erfaßt. Die insgesamt rosatonige Gesamterscheinung Jesu - er trägt ein hellila Gewand und darüber einen roten, stark nach weiß aufgelichteten Mantel - korrespondiert mit den rosafarbenen Pilastern und Säulen der Architektur. Das andere farblich zusammenbindende Element ist die sehr helle, gelblich-graue Steinfarbe, die bei dem angedeuteten Tempelbau noch durchsichtiger und damit beinahe mit der rosa-gelblichen Wolkentönung eins wird.

Baldaufs Schrägblick von unten in eine oben offene Rotunde geht auf ein Schema zurück, das Matthäus Günther bei seinen frühen und mittleren Arbeiten mehrfach verwendet hat, z.B. »Verehrung des Grabes Petri«, 1741, Oberammergau, Pfarrkirche (CBD, Bd 2, S. 376 f., mit Abb.) oder »Esther vor Ahasver«, 1754, Innsbruck-Wilten, Stiftskirche (Robert Stalla, Matthäus Günthers Deckenbilder im Verhältnis zur Architektur, in: Kat. Aust. Matthäus Günther, Augsburg 1988, S. 141, Abb. S. 71). Für die Spital- und Klosterkirche der Elisabethinerinnen in München schuf Matthäus Günther unter anderem an der Emporenunterseite ein kleines Fresko mit der Heilung am Teich Bethesda, signiert und datiert 1768 (CBD, Bd 3/I, S. 212 f., mit Abb.); es wurde 1943 zerstört. Das Rundbild ähnelt bis auf den Stufensockel und eine verringerte Anzahl von Kranken und Begleitfiguren Baldaufs Darstellung. Jesus und der Lahme sind einander in sehr ähnlichen Posen gegenübergestellt wie in Schrobenhausen, nur ahmt die Gestalt Jesu nicht das Schrobenhausener Gnadenbild nach. Die Kirche der Elisabethinerinnen wurde 1758–1760 erbaut. Bei der stilistischen und motivlichen Abhängigkeit Ignaz Baldaufs von Matthäus Günther und einem möglichen Schüler-Lehrer-Verhältnis zwischen beiden möchte man vermuten, daß bereits vor 1760 eine Zeichnung Günthers für die Heilung am Teich Bethesda – vielleicht auch für einen anderen Zusammenhang – existierte, die Baldauf als Vorbild diente.

Wappenkartuschen mit Schildhaltern in den Zwickelfeldern am nordöstlichen und südöstlichen Freskorand

Kurbayerisches Wappen (NO) Ovaler Schild mit Rocaillerahmung, gehalten von dem aufrecht stehenden, teilweise verdeckten bayerischen Löwen mit Kurhut auf dem Kopf und einem Schwert in der rechten Pranke.

Stadtwappen von Schrobenhausen (SO) Ovaler Schild mit Rocaillerahmung, gehalten von einem stehenden, teilweise verdeckten Bären, der die linke Tatze erhebt.

Das kurbayerische Wappen bezieht sich auf das Patronatsrecht des bayerischen Kurfürsten, das Stadtwappen auf die Schrobenhausener Bürgerschaft als Stifter der Kirche.

Quellen und Literatur

BLfD, Registratur Akten, Schrobenhausen, St. Salvator. Schrobenhausen, Pfarrarchiv St. Jakob, Kirchenrechnungen von St. Salvator, 1756–1761.

Mayer S 22

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 435

Fick, Michael, Chronikon der Stadt Schrobenhausen, o.O., o.J. (Schrobenhausen 1850), S. 27.

Steichele, Bd 2, S. 240-243, 250-252.

Hopp, Bd 1, S. 8

KDB I OB (1), S. 169.

Welisch, S. 85 f

Reischl, Georg August, Bei U. lb. Herrn in der Vorstadt Schrobenhausen II., in: Mei’ Hoamatl. Heimatblätter für den Bezirk Schrobenhausen und Umgebung, Beilage zur Schrobenhausener Zeitung 6, 1928, Nr. 7/8, S. 60-64 (mit erster Auswertung der Kirchenrechnungen im Pfarrarchiv).

-, 500 Jahre St. Jakob zu Schrobenhausen. Vom Gotteshaus St. Jakob, seinen Pfarrherrn und Tochterkirchen, Erolzheim 1956, S. 84, 99, 135–139.

Hofmann, Siegfried, Schrobenhausen (KKF Nr. 805), München-Zürich 1964 S 14f

Schrobenhausener Land, S. 12 f., 17, 22, 24, 31 f.

Gruber, Max, Der Maler Ignaz Baldauf (1715-1795), in: Amperland, 4, 1968, H. 1, S. 7–10.

Historischer Atlas Schrobenhausen, S. 24 f., 94–96.

Pötzl II, S. 99

Biron von Curland, S. 11–13, 43–50, 51, 76f., 99–102

Vitzthum, Werner, Stadt Schrobenhausen. Erzähltes zu Geschichte, Pfaffenhofen 1986. S. 277–280.

o. V., Kirchenführer Stadtpfarrei St. Jakob Schrobenhausen Augsburg 2. Aufl. 1989, S. 22-24, mit Abb.

Dehio 1990, S. 1097.

Altmann, Lothar, Zwei Inchenhofener Künstler: Friedrich Schwerdtfiehrer und Ignaz Baldauf, in: Inchenhofen. Wallfahrt, Zisterzienser und Markt, hg. v. Wilhelm Liebhart, Sigmaringen, 1992, S. 444–453, 454 Anm. 28.

Paula, Georg, Die Wallfahrtskirche St. Leonhard, in: ebd. S. 409–428, mit Abb., S. 436 Anm. 107, S. 439 Anm. 171.

Mayer, Franz J., Der Maler Ignaz Baldauf und die Deckenfresken der St. -Salvator-Kirche in Schrobenhausen, in: Schrobenhausener Kulturschätze. Von der Asamkirche bis zum Zeiselmairhaus, Dachau 1992, S. 104–110.

Saur, Bd 6, 1992, S. 406f. (Jürgen Tiede)

B. 5.