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Schonstett, Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 478–479, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

SCHONSTETT

Pfarrkirche, Gemeinde Schonstett, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg. Schonstett war bis 1596 Filiale der Pfarrei Evenhausen, die der Benediktinerinnenabtei Frauenwörth inkorporiert war. Von 1596 bis 1889 wurde es von einem eigenen exponierten Kuraten versehen. Das Präsentationsrecht auf die Pfarrei Evenhausen hatte Kloster Frauenchiemsee. Schonstett war Hofmark, die sich seit 1703 bis ins späte 18. Jh. im Besitz der Freiherren von Schleich befand. An der Kirche bestand seit 1689 die Allerseelen-Bruderschaft. Gericht Kling

Patrozinium: St. Johannes der Täufer

Zum Bauwerk: Spätgotischer Bau. Nach einem Brand 1719 Wiederaufbau des Turms. 1729 wird die Kirche als völlig baufällig und ihre Gewölbe als einsturzgefährdet geschildert. Eine Erneuerung, betrieben vom Hofmarksherrn Johann Franz Anton von Schleich und vom Kuraten Johannes Laiminger (Kostenvoranschlag 800 fl.) scheiterte an der Unmöglichkeit, Geld aufzutreiben. Baureparatur mit Abschlagen der Rippen und Barockisierung 1756. Von Joseph Tiefenbrunner aus Prien wurden 1758 zwei Altäre gefaßt. Verlängerung der Kirche um ca. 7,00 m nach Westen und Regotisierung des Langhauses 1856/57 durch den Wasserburger Maurermeister Michael Geisberger, Restaurierung und Regotisierung des Chors 1862; dabei wurden die abgeschlagenen Rippen wieder ersetzt. Bis 1867 Neueinrichtung, nur der Hochaltar fehlte noch.

LHs zu fünf Jochen, Empore im W, gleichmäßige Belichtung von N und S in allen Jochen; wenig eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß. Das Deckenbild befindet sich im LHs.

Auftraggeber: Die Ausmalung betrieb der in Schonstett exponierte Kurat Thomas Stephan (1748-82), der die Vakanz in Evenhausen nach dem Tod des Pfarrers Benedikt Forstner (†1756) benutzte, um die Restaurierung seiner Kirche in Angriff zu nehmen. Der Nachfolger Forstners, Pfarrer Joseph Beracher (1756-75), machte Stephan beim ersten Besuch der Filiale Schonstett nach dem Amtsantritt Vorwürfe wegen »angefangener nöthiger Reparation deß ganz verwiesteten Gottshauß« (AEM, Akten vermischten Inhalts). Von einer Beteiligung der Hofmarksherrschaft oder des Klosters Frauenchiemsee ist nichts überliefert.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Balthasar Furtner (* unbekannt † 1764 Frauenchiemsee) 1756

Balthasar Furtner war im Gericht Kling - auf der Fraueninsel ansässig. Wegen dieser engen Verbindung mit Frauenchiemsee kommt Furtner schon aus äußeren Gründen als Autor in Betracht. Er malte 1761 die Maria-Mitleid-Kapelle in Frauenchiemsee aus (S. 156). Vergleicht man das Deckenbild in Schonstett mit dieser einzigen von Furtner signierten Ausmalung, so ergibt sich, daß - auch wenn man den schlechten Erhaltungszustand des Schonstetter Freskos in Betracht zieht - zwischen beiden Ausmalungen eine enge stilistische Verwandtschaft besteht.

Zwei weitere Maler arbeiteten im 18. Jh. für Schonstett: Der Kreuzweg in Schonstett ist laut Williroider SH 1756 signiert. Dabei handelt es sich um Simon Held, der als Maler von 1743 bis 1782 in Amerang ansässig war. Der Priener Maler Joseph Tiefenbrunner faßte 1758 zwei Altäre in Schonstett (mit ihm arbeitete der Maler und Mesnerssohn Anton Leinzinger aus Maria Eck). Das Bild in Schonstett hat aber weder mit den gut erhaltenen und für Joseph Tiefenbrunner gesicherten Fresken der Kreuzkapelle Niederaschau (S. 380) noch mit dem Schonstetter Kreuzweg von Simon Held Ähnlichkeit.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Netzgewölbe; Rippen bei der Barockisierung abgeschlagen, bei der Regotisierung wieder angebracht

Rahmen: gemalter Profilrahmen in Form eines gelängten, verschliffenen Vierpasses

Technik: Fresko: polychrom

Maße: Höhe 8,20 m; 5,10 x 2,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Kirche war ursprünglich auch im AR freskiert. 1856/57 wurde die Kirche verlängert und gotisiert. Es wurden »im alten Langhaus der Kirche die Stukadorarbeithen herabgenommen«, »10 gothische Fensterstöcke gefertigt«. Die Rippen wurden wieder angebracht, die Deckenbilder übermalt; das Gewölbe erhielt einen Sternenhimmel. 1946 Restaurierung mit Aufdeckung des Deckenbildes im Langhaus durch Hugo Williroider, Hochstätt. Die übrigen barocken Fresken wurden nicht aufgedeckt bzw. wieder übertüncht. Der Raum wurde neu gefaßt. Der Zustand mit dem freigelegten Fresko, durch das die neogotischen Rippen liefen, wurde als unbefriedigend empfunden und vor der Restaurierung 1970 durch Johann Holzner aus Ampfing diskutiert. Das Landesamt sah nur zwei Möglichkeiten, zum einen die Zutünchung des Deckenbildes und zweitens die Arrangierung mit dem Ist-Zustand. Man verzichtete auf weitere Freilegungen, beließ aber das Deckenbild. Es ist vergraut und durch Übermalung und Wiederaufdeckung beschädigt.

Beschreibung und Ikonographie

KRÖNUNG MARIENS – VEREHRUNG DER VIER ERDTEILE Das Bild liegt an den beiden östlichen LHs-Gewölbejochen; Ansicht nach O. Am unteren Bildrand führen Stufen ins Bild ein; darüber ist als Bildschauplatz eine offene, nach hinten ausschwingende Kolonnade in ganzer Bildbreite geführt. Hier sind die Allegorien der Vier Erdteile dargestellt. America, rechts hinter der Brüstung der Kolonnade ist halbnackt, mit Perlen geschmückt, trägt einen bunten Rock und hat Pfeile in Händen; schräg vor ihr steht Asia, ein Mann in reichem Gewand, mit federbestecktem Turban. Ihm gegenüber auf der rechten Bildseite ist Europa dargestellt. Das Gewand Europas erinnert an priesterliche Gewänder. Die Figur hat die Tiara auf dem Haupt. Der dreifache Kreuzstab lehnt hinter ihr an einem Sockel. Africa ist eine kleine, braune und halbnackte Figur links im Hintergrund

Die Erdteile verehren Maria, die, das Haupt von Sternen umgeben, in weißem Gewand mit Schleier und weitem blauen Mantel über ihnen auf Wolken kniet: ein Engel reicht ihr die Lilie, Putten begleiten sie. Über Maria, im obersten Bilddrittel, erscheint die Dreifaltigkeit: Christus hält eine Krone über Mariens Haupt, Gottvater segnet sie; über ihnen schwebt die Taube des Heiligen Geistes. Außer in dieser Gruppe erscheint die Geisttaube auch auf dem Deckel der Wölbungsöffnung im Zentrum des Bildes (im Wolkenbereich). Vermutlich trug der Deckel früher eine andere Darstellung.

Quellen und Literatur

StAM, LRA 47674: Die Kirche in Schonstett 1811–1864; LRA 47675: Die Kirche in Schonstett 1856–1948. AEM, Pfarrakten Schonstett, Pfarrbeschreibung; Pfarrkirchenbauten 1719-29; Bauten II; Akten vermischten Inhalts. BLfD, Akt Schonstett, Pfarrkirche St. Johann Baptist.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 89–91. KDB I OB (2), S. 2057–58. Dehio 1990, S. 1093.

A Krönung Mariens – Verehrung der Vier Erdteile (Balthasar Furtner 1756)