Ruhpolding, Pfarrkirche
RUHPOLDING
Gemeinde Ruhpolding, Pfarrei Ruhpolding Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg Gericht Traunstein
Pfarrkirche S. 112 Schloßkapelle im Neuen Schloß S. 123
Zur Geschichte: Das Gebiet des oberen Trauntales um Ruhpolding und der Ort Ruhpolding selbst wurden bis ins 19. Jh. Miesenbach genannt. Es war eine arme und wenig besiedelte, gebirgige und waldreiche Gegend. Die kleine Kirche St. Georg, abseits vom Ort auf einer steilen Anhöhe gelegen, war eine Filiale der großen und bedeutenden Pfarrei Vachendorf, auf die der Dompropst in Salzburg das Präsentationsrecht hatte. 1450 stiftete die Gemeinde ein Benefizium, das 1600 zu einem Vikariat umgewandelt wurde. Miesenbach war ein sehr gutes Jagdgebiet, vor allem für die Gamsjagd. Herzog Albrecht V. von Bayern ließ sich im späteren Ruhpolding ein Jagdhaus erbauen. Ein zweites Jagdhaus mit Schloßkapelle in unmittelbarer Nähe des ersten ließ sein Nachfolger Wilhelm V. errichten und mit dem schon bestehenden durch einen hölzernen Gang verbinden. Diese Jagdhäuser wurden später Altes und Neues Herrenhaus genannt, erst in neuerer Zeit Altes und Neues Schloß.
Eine entscheidende Änderung für den Miesenbach brachte der Bau der Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein 1613/19 unter Maximilian I., bei dem Traunstein nicht zuletzt als Sudort gewählt wurde wegen des Reichtums an Holz im Miesenbach und der Möglichkeit, es auf der Traun nach Traunstein zu flößen. Für das Salzsudwesen wurden am Fuß des Traunsteiner Stadtberges in der Au am linken Traunufer die Sud- Werks- und Wohngebäude erbaut, dazu Kirche und Schule Die Au wurde 1620 zur Kurfürstlichen Hofmark unter der Jurisdiktion des Salzmaieramtes erklärt.
Die Waldungen im Miesenbach wurden in der Folge systematisch abgeholzt; deshalb konnte schon bald von einem guter Jagdgebiet nicht mehr die Rede sein. Im Dreißigjährigen Krieg standen die Herrenhäuser verlassen und verwahrlosten, das Inventar ging verloren; sie wurden auch später nie mehr zur Jagd besucht. Die Kapelle, die mit drei Altären ausgestattet war, wurde nicht mehr zum Gottesdienst benutzt.
Ab 1650 bemühte man sich unter der Regentschaft der Kurfürstin Maria Anna um die Wiederherstellung der baufälligen Herrenhäuser und der Kapelle. Man holte von den Traunsteiner Behörden, dem Kastenamt und dem Salzmaieramt Berichte und Gutachten ein, befragte auch die alten Leute aus dem Dorf nach den Geschicken und dem Zustand der Herrenhäuser (im Folgenden nach BHStA, GL Fasz. 4114 Nr. 17 und Fasz. 4135, Nr. 76): Diese waren baulich in sehr schlechtem Zustand und vollkommen leergeräumt, es fehlten sogar die Schlösser. »In der schön verhandenen Capellen sind die 2 Seitenaltär verrissen, und die 2 gemahlne Stuck heraußgeschnitten, und entfrembt worden. Der Vorster Pronperger braucht die Capelln für ihn, wann er ein Stuck Wild, oder Wildschwein auswaiden oder zerwirchen will, so beschicht dis in der Capelln, deswillen von den Leithen ybl geredt wird«. Um 1630 wurde sogar ein lebendig gefangener Wolf in der Kapelle erhängt.
Nachdem man in den Herrenhäusern Außenmauern mit Pfeilern abgestützt und Kamine neu aufgeführt hatte, wurden die Dächer und Küchen repariert. 1655 nahm man den Innenaus-

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bau in Angriff: Schreiner, Glaser und Schlosser arbeiteten an Fenstern, Böden, Decken, Stiegen und Beschlägen. Nachdem der Förster die Kapelle nicht mehr benutzen durfte und sie 1655 repariert worden war, fanden sich die Gläubigen wieder ein. Im gleichen Jahr wird berichtet, es sei »in diser Capellen im Hochaltar gar ein andechtig gemallenes Unser lieben Frauen Bilt, darzue daß Volk sonderlich die Weiber walfarten, ein sondere Andacht, und solche Capellen offt besuecht«. Am 12.2.1656 schreibt der Traunsteiner Weinwirt und Ratsherr Heinrich Pacher dem Salzburger Consistorium, daß in der Schloßkapelle »ein ganzes Jahr nit ein Mess gelesen würdt, weil es ohne einige Stifftung ist, darzue aber die Leith aldort, und anderer Orthen, gleichwie als ich selbsten eine guete Andacht haben, also das offt ein heilige Mess gelesen werden könte, wan ein altare portatile verhanden were. Dahero were ich gedacht den Uncossten aufzuwenden, das ainer in gedachter Capellen khomen mechte, gestalten ich mit dem Cfl. Herrn Casstner zu Traunstein, under dessen Jurisdiktion ermeltes Herrnhauß gehörig, beraith darvon geredt, welcher es selbsten gern sehen thete«. Pacher würde alle Kosten tragen (AEM). Das wird am 10. 5. 1656 erlaubt
1708 wird der kaiserlichen Administration berichtet, es sei bei dem Neuen Herrenhaus »ein gar annembliche Capellen verhanden«, wo öfters hl. Messen gelesen werden. Das Kapellendach sei sehr schadhaft, das »Gepey sonst schön«.
Die beiden Herrenhäuser wurden weiterhin kaum benützt, die Schindeldächer aber regelmäßig ausgebessert.
Durch das Salzsudwesen und das Abholzen des Miesenbachs waren in der armen Gegend neue Verdienstmöglichkeiten entstanden, was ein Anwachsen der Bevölkerung zur Folge hatte. Die Georgskirche auf dem Berg beim Ort war viel zu klein geworden. 1684 datieren die ersten Bemühungen um einen Neubau. Die eigentlichen Planungen begannen 1699 unter Johann Schubin, Pfarrer von Vachendorf (s. u.). 1712, während der kaiserlichen Administration, fing man an, an einen Abriß der beiden Herrenhäuser und an die Verwendung der Baumaterialien für die neue Kirche zu denken, die man damals an der Stelle des neuen Herrenhauses und der Schloßkapelle erbauen wollte. Der Zustand der Häuser wurde deshalb als vollkommen desolat beschrieben. Diese Bemühungen wurden noch jahrelang fortgesetzt, auch noch, als längst der neue Bauplatz für die Kirche nahe dem alten, aber auf halber Höhe des Berges bestimmt war.
Der Abriß der Herrenhäuser wurde vor allem von seiten des Traunsteiner Kastenamts betrieben, das Salzmaieramt war eher dagegen, weil das neue Herrenhaus seinen Beamten bei ihren halbjährlichen Aufenthalten zur Wald- und Holzinspektion zum Quartier diente. Diese Beamten ließen 1724/25 sogar aus eigenen nicht unbeträchtlichen Mitteln Reparatur- und Verschönerungsarbeiten an der Kapelle ausführen. Damals standen die Herrenhäuser offensichtlich schon unter der Jurisdiktion des Traunsteiner Salzmaieramts (Hist. Atlas, S. 149). Das alte Herrenhaus verfiel immer mehr und wird 1726 als halb »zu Poden gefahlen« beschrieben. Am 11.7. 1729 wurde es von Karl Albrecht zum Abriß und zur Entnahme von Material für die Kirche freigegeben, »weillen Wür alda nit vill zu jagen gedenkhen«. Das neue Herrenhaus wurde Forsthaus. Später diente es bis 1966 als Forstamtsgebäude. Heute ist es im Besitz der Gemeinde Ruhpolding und beherbergt das Heimatmuseum und die Gemeindebibliothek.
Die Kapelle wurde während der Bauzeit der Kirche als Inte rimskirche benutzt. Vorher schon, aber auch nach Fertigstel lung der neuen Kirche wurden das Allerheiligste sowie Taufwasser und Öl hier mitten im Ort aufbewahrt, damit Taufer und Letzte Ölungen schneller vorgenommen werden konnter und der Pfarrer nicht erst auf den Berg zur Kirche steiger mußte. Im 20. Jh. diente die Schloßkapelle lange der Evangelischen Pfarrgemeinde in Ruhpolding als Kirche.
Pfarrkirche (seit 1811), ehemals Filiale der Pfarrei Vachendorf, ab 1600 Vikariat. An der Kirche bestand seit 1756 die St. Georgs-Bruderschaft, 1773 der St.-Georgs-Bruderschaft in München angeschlossen, und eine ältere Allerseelenbruderschaft, die um 1700 neu bestätigt und der Bruderschaft zu Altenhof in München angeschlossen wurde.
Patrozinium: St. Georg
Zum Bauwerk: Bemühungen um einen Neubau der allzu kleinen alten Kirche, die auf einem steilen Hügel lag, datieren al 1684. Giovanni Antonio Viscardi machte 1699 einen Plan für eine Erweiterung: Er wollte ein neues LHs im rechten Winke anbauen und das alte LHs zum Chor machen. Das wurde nicht genehmigt. Neue Pläne von Simon Pöllner, Stadtmaurermeister von Trostberg, nach dem Vorbild der Pfarrkirche Vachendorf wurden genehmigt. Der Spanische Erfolgekrieg verhinderte aber den Bau. Wiederaufnahme der Planung 1717. Grundsätzliche Zustimmung zum Bau am 11.7.1729 durch den Kurfürstlichen Geistlichen Rat, der die Planung dem Hofbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer von München übergab. Dieser kam zwar nach Ruhpolding, verfolgte aber den Plan nicht weiter, sodaß der Geistliche Rat am 27.5.1734 den Münchner Stadtmaurermeister Michael Pröbstl mit der Planung beauftragte. Inzwischen hatte sich Pfarrer Thomas Wagner von Vachendorf zum heutigen, tiefer gelegenen Bauplatz entschlossen. Da auch Pröbstl nichts unternahm, wurde der Bau am 22. 1. 1737 wieder Gunetzrhainer übergeben, der in Ruhpolding im Juni 1737 den Bauplatz absteckte. Am 21.2. 1738 reichte er die Risse und Überschläge ein (16800 fl.), die unter Abstrich von 1800 fl. am 20. 5. 1738 genehmigt wurden; die alte Kirche war schon im März 1738 wegen Baufälligkeit geschlossen worden. Konsens zum Bau am 30. 5.1738 unter der Bedingung, daß »weder in- noch außer der Kirchen einiche unnöttige Zierathen gemacht« werden. Neubau ab 1738 nach Plänen Gunetzrhainers, Ausführung durch den Traunsteiner Gerichtsmaurermeister Balthasar Fux in der Wiesen bei Eisenärzt. Abtragen der alten Kirche, Graben und Ausmauern der Fundamente noch im Jahr 1738, Beginn des Rohbaus 1739, Fertigstellung des Rohbaus mit Dach 1742. Bei der Bauunterbrechung wegen des österreichischen Erbfolge- kriegs fehlten noch Turm und Verputz. Wiederaufnahme des Baus 1748, Pflaster 1749, Gestühl 1754. Weihe am 21.7. 1754 durch Franz III. Karl Eusebius Graf von Friedberg und Trauchburg, Reichserbtruchseß und Bischof von Chiemsee, obwohl der Verputz noch nicht fertig war. 1755 Weiterarbeit nach Gunetzrhainers Rissen: Bau der oberen Turmgeschosse
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durch Franz Gottsmann, Maurermeister in der Wiesen, und Joseph Plenk, Zimmermeister zu Stockreith. 1756 Aufführung des Gewölbes 44 Schuh hoch und Vorbereitung des Kuppelbaus. 1757/58 Vollendung der Kuppel, Arbeit am Verputz und an den Emporen; im Oktober 1758 Vollendung des Baus, der insgesamt 19000 fl. gekostet hatte. Die Stuckatur beschränkte sich auf die Blattkapitelle der Pilaster und auf die Apostelkränze, ausgeführt 1758 wohl vom Bautrupp Gottsmanns (Baugeschichte nach AEM, Nachlaß Bomhard Nr. 192, und BHStA, GL Fasz. 4135 Nr. 76).
, --- ---, ---- ----, ----- Inschriften: In einer Kartusche im Gewölbescheitel vor der Chorbogen MDCCXXXVIII/MDCCLVII; auf einer Tafe am nördlichen Emporenpfeiler Inceptum est hoc Aedificium plurimum Allaborante A.R.D. Francisco Riez, Instituti Cler Saec. in Com[un]e Viv. Sacerdote et Loci Vicario: Ob Bellum vero Interruptum: Dein Anno 1755. sub. A.R. D. Dominic Stoeger, Instituti Sacerdote hic Vicario Reassumptum: Et Anno 1757 Finitum. (Dieser Bau wurde begonnen auf Betreiben von Franz Riez, Mitglied der Bartholomäer und hiesiger Pfarrvikar. Wegen des Krieges wurde der Bau unterbrochen. Schließlich wurde er 1755 unter Dominikus Stöger, Mitglied der Bartholomäer und Pfarrvikar wiederaufgenommen und 1757 beendet.) Auf einer Tafel am südlichen Emporenpfeiler steht Anno MDCCLIV. Die XXI. Julij, Quae erat Dominica VII post Pentecosten Ecclesia hac S. Georgii M. in Miesenbach a Celsisimo Episcopo Chiemensi ex Comitibus de Truchses Etc Etc. fuit Consecrata; Promotoribus P. RR. ac Ampliß. DL Thoma Hauner, Parocho in Vachendorff; Et Instituti Praeside. Et Dominico Stoeger Instituti Sacerdote, hic Vicario. (Am 21. Juli 1754, dem siebten Sonntag nach Pfingsten wurde diese Kirche des hl. Martyrers Georg in Miesenbach vom hochwürdigen Bischof von Chiemsee Graf Truchsess geweiht, auf Betreiben von Thomas Hauner, Pfarrer von Vachendorf und Praeses des Bartholomäer-Instituts sowie von Dominikus Stöger, hiesigem Pfarrvikar, ebenfalls Mitglied des Instituts.)
Stattlicher Bau in beherrschender Lage auf einem Hügel im Ort, gesüdet. Langgestreckter Saalbau mit kräftigen, pilasterbesetzten Wandpfeilern, die Gewölbegurte tragen. Ein tiefes Mitteljoch wird eingefaßt von zwei seichteren Jochen, die ausschwingend, diadembogenförmig zum AR bzw. zur Orgel überleiten. Doppelempore im W. Belichtung im LHs gleichmäßig von O und W, im Mitteljoch durch große Thermenfenster, im südlichen und nördlichen Joch durch Fenster mit segmentbogenförmigem Abschluß. Stark eingezogener Chor überkuppelter Zentralraum mit flach gerundetem Schluß. An den Seitenwänden lange geschwungene Emporen, darüber große Thermenfenster im O und W.
Sehr schöne Innenausstattung (1748–54) mit drei Altären und einer bemerkenswerten Kanzel aus der Erbauungszeit, alles von der Gemeinde gestiftet. Es sind nach Bomhard Werke des Tischlers Johann Georg Pflaumer und des Bildhauers Johann Dietrich, beide in Traunstein. Die Hochaltargemälde sind von Matthias Daburger, Bürger und Maler in Landshut.
Auftraggeber: Pfarrer Joseph Ostner von Ruhpolding (1819–25). Während seiner sechsjährigen Zeit als Pfarrer in Ruhpolding schrieb Ostner eine Chronik, in der er auch die Ausmalung der Kirche erwähnt (im Pfarrarchiv nicht mehr auffindbar, im Folgenden nach Bergmaier). Im Jahr 1822 vermerkt Ostner die Freskierung des Chorgewölbes (s.u.) und fügt hinzu: »Die Kosten, die auf etliche 70 fl. zu stehen kamen wurden durch gesammelte Beyträge gedeckt«.
1823 schrieb er: »Schon seit einigen 20 Jahren ließ sich dor und da der fromme Wunsch vernehmen, daß das dießortige prächtige Gotteshaus zu St. Georgen ausgemalet werder möchte; ja es thaten sich hier und da auch Gutthäter hervor allein es blieb immer nur bey dem frommen Wunsche«. Betrieben wurde die Ausmalung vor allem durch Anton Beilhack, Tischler in Gstatt, der auch Rechenauer d.J. als Maler vorschlug und ihn zu kommen veranlaßte. Der Vertrag wurde zwischen Rechenauer einerseits und dem Pfarrer, dem Gemeindevorsteher, den Kirchenpflegern und Vertretern der Gemeinde andererseits geschlossen.
Genehmigt wurde die Ausmalung aus den Mitteln der Kirche durch den Traunsteiner Landrichter Marquard Wintrich, »der ohnehin die Verschönerung der Gotteshäuser ausnehmend begunstigt«.
Im Pfarrarchiv ist eine Sammelliste von 1826 erhalten (Summe 95 fl. 30x.), die Kirchenmalerei betreffend. Es sind viele kleine Beiträge von Privatpersonen, ein Opfer in der Kirche von 8 fl. 24 x. (10. 8. 1826) und 31 fl. von der Schützengesellschaft. Bezahlt wurden davon »dem Joseph Aufleger Krammer für Kafe, und Farben, Leinöhl und dergleichen in dem er in der ganzen Kirchen Mallerey die übrige Kost für den Maller grätis hergegeben macht der ganze Kosten vom Kafe und Farben 66 fl.« »Dem Maller als ein Geschenk darauf bezalt 33 fl.« Dabei handelt es sich offenbar um letzte Zahlungen »die Kirchen Mallerey betrefend«.
Die Spendenbereitschaft der Gemeinde war schon zur Erbauungszeit beeindruckend: damals stiftete sie die Altäre und die prunkvolle Kanzel.
Autor und Entstehungszeit: Die Ausmalung der Kirche erstreckte sich über sechs Jahre (1821–26). Drei Maler waren daran beteiligt.
Chorgewölbe (D, D1-4) Zuweisung an Nikolaus Weidinger, Maler von Ebbs in Tirol, 1821/22. Inschrift in einer Kartusche im Chorbogen Im Jahre 1819 ist / dieses Gotteshaus renovirt und / im Jahre 1821 das Chorge-/wölbe gem /% __ / II' 1 · · · die gleichzeitig entstandenen Darstellungen am Chorbogen (CB1-4) werden ihm zugewiesen.


Hauptfresko im LHS (B) und dekorative Ausmalung des LHS-Gewölbes Sebastian Rechenauer d.J. (* 1792 Oberflintsbach † 1855 Rosenheim, s. S. 381) 1823. Dieser malte außerdem 1824 das Fresko vor der Orgel (A) und Wandbilder im LHS (W1-4). 1825 malte er die Wandbilder im Chor (Wa-b) und 1826 die Emporenbilder (EB1-3). Signatur in Wb (Anbetung der Könige) Sebastian Rechenauer pinxit 1825.
Zur Entstehung der Freskierung schreibt Pfarrer Ostner in seiner Chronik: »Im Sommer dieses Jahres (1819) bald nach des Unterzeichneten Ankunft wurde das schöne Gotteshaus ad St. Georgium geweißt...«. Ostner ließ damals die zahlreichen alten Votivbilder entfernen und Altäre wie Kanzel reinigen. Zum Jahr 1822 schreibt Ostner: »In diesem Jahre wurde das Chorgewölbe gemalet und mit dem hl. Abendmahle, das doch auf jedes religiöse Gemüt einen sehr angenehmen und bleibenden Eindruck machen muß, geziert. Zur Verschönerung des Gemäldes wurden auch noch hl. Väter ringsherum angebracht«. Den Maler nennt Ostner nicht, doch schließt Bergmaier aus dem Zusammenhang mit einem Eintrag Ostners über die Emporenbilder der Ruhpoldinger Nebenkirche St. Valentin in Zell, die der Maler Nikolaus Weidinger aus Ebbs in Tirol 1821 malte, die Chorfresken von Ruhpolding müssen auch von Weidinger stammen. Ein Vergleich bestätigt das. Figuren und Gesichtstypen wie auch Schauplätze vom Chorfresko in Ruhpolding stimmen mit den Emporenbildern in Zell überein.
Ostners Eintrag zum Jahr 1823 berichtet, daß Rechenauer d.J. »für das Malen des Plafonds (im LHs), der Wände, de Emporkirchen, der Oratorien und der Seelenkapelle 250 fl freye Kost und Wohnung in der Art ausbedingte, daß er di nöthigen Farben aus eigenen Kosten zu bestreiten gedenke« »Es sollte die Himmelfahrt Jesu Christi dargestell des hl. Georgius ... vorgestellt werden möchte«. »Den Haupt gegenstand führte der junge Künstler glücklich und zur allge meinen Zufriedenheit aus – und so auch die Verzierungen un das schöne Stück, die einer prächtigen Einfassung eines kost baren Steines gleichen. Am Fuße des Haupt wurden ganz vollendet und weil es schon zur Hälfte des Novembers war, das noch übrige auf das künftige Frühjahr verschoben, wo auch in dem Hauptgemälde noch kleine Ver- Wunsche guter Gemäldekenner. Die Inschriften zu dem geschlachteten Lamme und für die beyden Propheten Isaias und Jeremias gab der Pfarrer an.« Es entstanden 1823 also neben den Fresken B und C auch die Bilder am Chorbogen (CB1-4), die man nach einem Vergleich mit den Figuren des jüngeren Rechenauer im Hauptbild B dem älteren Rechenauer zuweisen muß.
»1824 wurde von dem Maler Sebastian Rechenauer die Enthauptung des hl. Georgius am Plafond gegen die Orgel, und an den beyden Wänden die vier Kirchenlehrer ... gemalet. Diese Stücke gelangen und machen dem Künstler Ehre.« Wenn hier im Text auch offenbleibt, ob Vater oder Sohn am Werk waren, spricht ein Stilvergleich doch für Rechenauer d.J.
Schließlich besagt die Signatur in W6, daß auch im Jahr 1825 noch gearbeitet wurde; auch die beiden Wandbilder W5-6 sind dem jüngeren Rechenauer zuzuweisen. Möglicherweise entstanden die Emporenbilder EB1-3, ebenfalls von Rechenauer d.J., erst 1826 (s. o.).
Johann Evangelist Sebastian Rechenauer d.Ä., dem es nie gelang, als Maler in einem größeren Ort ansässig zu werden, arbeitete seit ca. 1806 auf seinem elterlichen Anwesen Hinterschweinsteig und lebte zuletzt bei seinem Sohn in Neubeuern († 28. 3. 1835).
Johann Evangelist Sebastian Rechenauer d.J., sein Sohn, war ab 1822 in Neubeuern ansässig und wurde um 1827 Bürger und Maler in Rosenheim, wo er 1855 starb. Die Freskierung von Ruhpolding fiel also in seine Neubeurer Zeit.
Im Vertrag mit Rechenauer d.J. war auch die Bemalung der Seelenkapelle eingeschlossen. Diese Kapelle, heute Gruftkapelle genannt, dient seit 1957 als Grablege für die Pfarrer von Ruhpolding. Sie liegt an der Stelle der alten Pfarrkirche auf dem höchsten Punkt des die neue Kirche überragenden Friedhofhügels. Der einfache Raum zeigt neben neueren Rocailen Reste alter Malerei in vier Kartuschen, 1953 aufgedeckt und entstellend übermalt. Inschriften nennen als Themen Tod, Gericht, Himmel und Hölle, also die Vier Letzten Dinge. Ob die ursprüngliche Malerei von Rechenauer war, läßt sich angesichts der kümmerlichen Reste nicht mehr beurteilen (keine Abb.).
Nach Bomhard malte das Zifferblatt und die Umrahmung der Uhr am Chorbogen 1762 Timotheus Carl Baumgartner, Maler in Traunstein.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHS (A, B, C) Tonne mit Quergurten, AR (D) Flachkuppel D 1 0 1 - 1
Rahmen: Gemalte Rahmung
Technik: Fresko; A–D, CB3-4, W1-4, Wa-b, EB1-3 polychrom; a-d, 1–2, CB1-2, Da, Grisaillen; D1-4 karmin monochrom;
Maße: A Höhe 18,65 m; 4,10×6,90 B Höhe 18,15 m; 10,35×6,90 C Höhe 18,65 m; 4,10×6,90 D Höhe 16,50 m; 4,75×7,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1884 wurden nach Bomhard (Nachlaß Nr. 192) die beiden Wandbilder Wa-b (Anbetung der Hirten und Anbetung der Könige) von dem Münchner Maler Franz Hochfelder teilweise neu gemalt. Im weiteren 19. Jh. wurde an der Ausmalung der Kirche nichts verändert, obwohl dies anläßlich einer Innenrestaurierung 1893 geplant war. 1915/16 war eine Restaurierung der Freskierung durch Anton Ranzinger beabsichtigt, zu der es nicht kam. Innenrestaurierung 1921 durch die Kirchenmalerfirma Vitzthum und Schlee, Altötting. Die Ausmalung war noch in recht gutem Zustand: »Die Deckenbilder sind nur leicht zu entstauben, ebenso die Flächen mit ornamentaler Malerei. An die Stelle der grünen Bänder könnte Morellensalzrot treten. Die Wände werden weiß, die Pilaster können leicht abgesetzt werden.« tuen wurde beklagt. Innenrestaurierung 1961 durch Kirchenmaler Willibald Stein, Inzell. Die originale Raumfassung und die originale Fassung der Altäre wurden wiederhergestellt; das große Chorbogenkreuz wurde an die südliche LHs-Wand verbracht. Restaurierung, Reinigung und Ausbesserung der Deckenbilder durch Alois Stein, Inzell. Seitdem wurden die Deckenbilder nur mehr entstaubt. Die Ausmalung ist so gut wie original erhalten.


Beschreibung und Ikonographie
Die gesamte Wölbungszone ist ausgemalt, in großformatiger Aufteilung; die Felder, teils ornamentiert, sind mit breiten Einfassungsstreifen versehen. Innerhalb dieses einfachen Dekorationssystems sind die eigentlichen Bildfelder mit imitierter Ornament- oder Leistenstuck-Rahmen eingefaßt.
A ENTHAUPTUNG GEORGS Ansicht nach S. Weite einfache Landschaft mit für das Bildfeld verhältnismäßig kleinen Figuren. Im Zentrum des Bildes kniet Georg auf einer Wiese, die rechts und im Hintergrund von den hohen Mauern einer Stadt umgeben ist. Der Heilige ist in römischer Soldatentracht und trägt einen roten Mantel. Er hat den Blick zum Himmel gerichtet und erwartet den Streich des Henkers, der neben ihm steht. Im Himmel erscheint ein Engel mit Märtyrerpalme und Kranz. Der Blick zum Himmel wie auch die Erscheinung des Engels gehören zur Bildtradition der Martyrien, doch weisen sie hier möglicherweise außerdem auf das Gebet Georgs vor dem Tod hin, in dem er Gott bat, daß alle, die je seine Hilfe anrufen werden, erhört würden; diese Bitte wurde durch eine Stimme vom Himmel gewährt. Neben Georg steht ein alter heidnischer Priester, seitlich unter einem Baum, an einer Mauer und im Hintergrund Soldaten und Volk.
B CHRISTI HIMMELFAHRT Das große Mittelfresko übergreift zwei Gewölbegurte, die aber unter der Malerei erhalten blieben und nur etwas dunkler erscheinen. Das Bild zeigt eine gewaltige Wolkenszenerie mit großer Auflichtung in der Mitte, in der die zum Himmel auffahrende Gestalt Christi zu sehen ist. Sein Blick ist nach oben gerichtet, die Arme sind ausgebreitet, sein Haupt ist von Strahlen umgeben. In der Aufwärtsbewegung bauscht sich sein blauer Mantel. Rings in den Wolken sind anbetende Engel und Putten zu sehen. Links oben thront Gottvater über der Weltkugel. Er hält das Zepter und hat die Linke zum Empfang des Sohnes erhoben. Über Christus erscheint in einer großen Strahlenglorie die Taube des Heiligen Geistes.

Die irdische Szenerie besteht aus Felsgestein über einem kleinen Wasserlauf. Hier umringen die Apostel den weißen Stein, auf dem Christus seine Fußspuren hinterlassen hat, neigen sich zum Teil über diesen Stein oder verfolgen mit erhobenen Armen das Geschehen.
Dieses Bild malte Rechenauer d.J. noch stark unter dem Eindruck der akademischen Ausbildung. Schon bei der Darstellung der Georgsmarter (A) im folgenden Jahr besann er sich auf die spätbarocken Traditionen, von denen vor allem die hübschen Emporenbrüstungsbilder zeugen.
befindet. Im Zentrum der Strahlenglorie steht ein Sockel und darauf das Buch mit den sieben Siegeln, auf dem wiederum das Lamm der Apokalypse liegt. Über dem Wolkenkranz ist der nächtliche Himmel zu sehen, darin links eine verfinsterte Mondsichel, rechts eine dunkel gerötete Sonne. Die Engel der beiden Gruppen zu seiten der Glorie sind als Trauernde dargestellt, sie zeigen Gesten des Leides, ringen die Hände und verbergen ihre Tränen hinter Tüchern.
Inschrift in einer gemalten Kartusche am unteren Bildrand: Das geschlachtete / Lamm ist würdig, Macht / Gottheit, Weisheit, Stärke, / Ehre, Ruhm und Lob zu empfangen. Offenb. Johan. 5. 17.


CB1 ISAIAS Er ist wegen/ unserer Missethaten verwundet, und / um un/serer Sün/ den willen / zerschlagen/ worden./ Isa. 53. 5
CB2 JEREMIAS Ich / werde mein / Haus verlassen / und um mein Erb/theil mich nicht / bekümmern; ich / werde mein / Liebstes seinen / Feinden preis/geben. Jer. 17.7.
CB3-4 MARIA UND JOHANNES EVANGELIST Die beiden äußeren Felder am Chorbogen zeigen die Mutter Christi und seinen Lieblingsjünger so, wie sie traditionell neben dem Kruzifixus dargestellt sind. Der große Chorbogen-Kruzifixus befindet sich heute an der südlichen LHs-Wand.
CB3 MARIA (N) als Schmerzensmutter mit dem Schwert im Herzen, mit gerungenen Händen und (zum Kreuz) aufblickend.
CB4 JOHANNES (S) die Hände ringend und (zum Kreuz) aufblickend.
D LETZTES ABENDMAHL Das querovale Bildfeld gibt Einblick in einen prächtigen Kuppelraum, dessen Zugang von je einem Säulenpaar mit roten Draperien flankiert ist. Von der Kuppel hängt eine Ampel mit mehreren Flammen. Stufen führen hinauf zu der langen weißgedeckten Tafel, an der Jesus und die Apostel sitzen. Zwei aufwartende Frauen sind im Vordergrund auf den Stufen zu sehen. Sie tragen Krug und Kerze. Jesus segnet eben das Brot.
D1-4 VIER EVANGELISTEN In den vier Feldern an den Gewölbezwickeln sind in monochrom karminfarbener Malerei die Evangelisten dargestellt, in Ganzfigur auf Wolken thronend.
D1 MARKUS Der Evangelist hält das geöffnete Buch und die Feder in der Linken, die Rechte hat er erklärend erhoben. Neben ihm sieht man den Kopf des Löwen.
D2 MATTHÄUS Er ist ruhig im Buch lesend dargestellt. Neben ihm erscheint der Engel und legt ihm die Hand auf die rechte Schulter.
D3 LUKAS Der malende Evangelist hat vor sich die Staffelei mit dem Marienbild. In der Linken hält er die Feder des Evangelisten, in der rechten Pinsel und Palette. Neben ihm steht auf Wolken das offene Buch, über dem der Kopf des Stieres sichtbar ist.
D4 JOHANNES Der jugendliche Johannes blickt zum Himmel auf, während er mit beiden Händen auf das geöffnete Buch weist, das der Adler neben ihm hält.
Da DREI GÖTTLICHE TUGENDEN Über dem östlichen Gurtbogen ist in Grisaille auf den hellen Gewölbegrund eine Puttengruppe gemalt, sitzend ein nach oben weisender Putto mit dem Anker der Spes, daneben einer mit dem brennenden Herz der Caritas und dahinter stehend ein Putto mit dem Hostienkelch der Fides.

W1-4 VIER KIRCHENLEHRER An den Mittelschiffpfeilern befinden sich jeweils zwischen den Pilastern große hochrechteckige Bildfelder, die in Ganzfigur die vier abendländischen Kirchenlehrer zeigen. Ihre Namen werden jeweils unten am Bildrahmen genannt.
W1 S. GREGORIUS. Papst Gregor der Große sitzt in einem Innenraum auf einem Thronsessel mit Draperie links und Tisch mit Schreibzeug rechts. An der Rückwand steht ein Bücherregal. Er trägt die Tiara und das Pallium. Auf dem Schoß hält er ein Buch und blickt mit ausgestreckter Hand nach oben, wo in lichten Wolken die Taube des Heiligen Geistes herbeifliegt und ihn inspiriert.
W2 S. AUGUSTINUS. In einer Bibliothek sitzt in reichem bischöflichen Gewand Augustinus von Tagaste an einem Tisch, auf dem eine schwere bestickte Fransendecke liegt. Vor ihm Bücher. Am Tisch lehnt das Pedum. Augustinus hat im Schreiben innegehalten, er hat die Feder noch in der Rechten. Er wendet sich um zu einer himmlischen Erscheinung, der von Strahlen umgebenen Schrift CARITAS. In der Linken, die er auf das geöffnete Buch gelegt hat, ist ein Herz, dessen Flammen der himmlischen Erscheinung entgegenschlagen. Der Sinn ist klar: Das Herz des Heiligen, seine Gottesliebe antwortet auf die göttliche Liebe. Am Boden liegen häretische Schriften, auf die Augustinus tritt. Inschrift auf einem Schriftband CECT (?).

W3 S. HIERONYMUS. Hieronymus sitzt in einer Eremitenhütte mit schlicht gezimmertem Bücherregal an einem Stein und betrachtet einen Totenkopf. Er ist bis auf eine Draperie um die Hüften unbekleidet und hält ein aufgeschlagenes Buch in der Rechten. Auf dem Stein steht ein Kruzifixus, daneben liegt der Kardinalshut. Zu den Füßen des Heiligen schläft der Löwe. Aus dem Himmel kommt ein breiter Lichtstrahl, in dem die Posaune als Attribut Hieronymus' erscheint.
W4 S. AMBROSIUS. Ambrosius von Mailand sitzt in bischöflichem Ornat in einer Bibliothek zwischen Tisch und Podest, wo Bücher und Schriften liegen, und schreibt. Zu seinen Füßen ist sein Attribut zu sehen, der Bienenkorb. Eine kleine Wolke ist in den Raum eingedrungen, in ihr erscheint eine kleine Sonne, die Strahlen aussendet.
Wa-b An den beiden Seitenwänden des Chors befindet sich in halber Höhe, zwischen Thermenfenster oben und Brüstung unten jeweils ein halbkreisförmiges Wandbild.
Wa ANBETUNG DER HIRTEN In einer antikisierenden Ruine sitzt Maria mit dem Kind auf dem Schoß. Joseph ist bei ihr, neben ihm ist der Ochs zu sehen. Die Hirten kommen heran mit ihren Geschenken, die vordersten knien vor dem Kind. Im Himmel sieht man drei Puttenköpfchen.
Wb ANBETUNG DER KÖNIGE Felsige Landschaft. Maria präsentiert das Kind, auf das vom Himmel ein Strahl fällt. Joseph beugt sich von hinten über Mutter und Kind. Die Drei Könige, assistiert von dienenden Knaben, bringen ihre Gaben, der vorderste kniet vor dem Kind und weist auf Krone.

und Schwert, die vor ihm auf einem Kissen am Boden liegen. Links im Hintergrund der Zug der Könige mit Kamelen und Dienern.
EB1-3 Die untere Emporenbrüstung trägt auf ihrer weit ausschwingenden Front drei querformatige Bilder, schon stark klassizistisch geprägte Kompositionen. In den Bildfeldern der oberen Orgelbrüstung sind Musikinstrumente gemalt.
EB1 TAUFE IM JORDAN (Mt 3,13–17) Weite Flußlandschaft, unter Bäumen und am Ufer Menschen. Jesus kniet vor Johannes, der ihn tauft.
EB2 PFINGSTEN In einem tempelähnlichen Innenraum sind die Apostel versammelt, im Hintergrund sieht man Maria an einem Pult knien. Die Decke öffnet sich und die strahlenumgebene Taube des Heiligen Geistes erscheint. Die Apostel mit den Flammenzungen über den Häuptern sind in verschiedenen Haltungen großer Erregung und Staunens dargestellt.
EB3 LASSET DIE KINDER ZU MIR KOMMEN (Mt 19,13 f.) Jesus sitzt links an einem Portikus mit roten Säulen und grüner Draperie, von einigen Jüngern begleitet. Eltern bringen ihre Kinder zu ihm.
Auf dem diademförmigen Gewölbebogen über der Orgel finden sich Darstellungen, die sich sowohl dem Thema ›Jüngstes Gericht‹, das seit dem Mittelalter seinen Platz an der Westseite der Kirche hatte, als auch dem Thema ›Musik‹ zuordnen lassen. Mitte: Putto mit geflügeltem Stundenglas, Totenschädel und gebrochener Kerze, darunter die (reale) Kirchenuhr. Links davon ist König David mit der Harfe dargestellt, rechts die hl. Cäcilia an der Orgel, diese beiden in Grisaille.


Zur Ikonologie
Am Chorbogen hing bis 1961 ein Kruzifixus (ohne die Figuren von Maria und Johannes in CB3-4 keinen Sinn ergeben). Darunter war der Kreuzaltar, der 1827 (sicher noch auf Pfarrer Ostners Betreiben) als >altare privilegiatum< bestätigt wurde. Mit dem Kruzifixus als ikonologisches Zentrum stellt sich das Programm von Ruhpolding als ein konzises und durchdachtes christologisches Programm dar, wobei der Gedankengang von Ost nach West durchgeführt ist. Schöpfer des Programms war zweifellos Pfarrer Ostner, der in seiner Chronik auch erwähnt, er habe die Inschriften angegeben. Das Abendmahl (D) bildet den Auftakt der Passion; die Einsetzung des Altarssakraments ist wesentlicher Bestandteil des Heilsgeschehens. Die Evangelisten (D1-4) erscheinen als historische Zeugen und Überlieferer dieses Heilsgeschehens. Es folgt in Gestalt des Kruzifixus am Chorbogen (und der Bilder CB3-4, Maria und Johannes unter dem Kreuz) die Passio Christi und damit die eigentliche Erlösungstat, die ihre Bestätigung auch durch die Erfüllung der Prophezeiungen erhält (CB1-2). Der Passio sind die Putten mit den Arma Christi zugeordnet (a-d). Eine symbolische Ausdeutung und Affirmation der Erlösungstat ist die Darstellung des apokalyptischen Lammes (C), deren Inschrift auf die unvergleichliche Stellung des Erlösers hinweist.
»So hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre eines Hohenpriesters gegeben, sondern der, der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt. Wie er auch an anderer Stelle sagt: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech« (Hebr 5,5 f.). Die Bestätigung der Göttlichkeit Jesu gab Gottvater auch in Zusammenhang mit der Taufe Christi durch Johannes (B2): »Dieses ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe« (Mt 3,17; Lc 1,11).
Soweit das Programm der Ausmalung 1822/24. Es wurde durch die Anbringung der Wandbilder 1825 ergänzt. Die Darstellungen der Geburt Jesu und der Anbetung der Könige (Wb) zeigen den Beginn des Heilsgeschehens, die Darstellungen der Kirchenväter (W1-4) sind Hinweis auf die unverrückbaren Glaubenssätze der katholischen Kirche. Zu diesen späteren Arbeiten gehören auch die Emporenbrüstungsbilder (EB1-3). Die Darstellung der Herabkunft des Heiligen Geistes (EB2) schließt sich logisch an Abendmahl (D) und Himmelfahrt (B) in der Hauptachse an, während die Taufe im Jordan (EB1) und »Lasset die Kinder zu mir kommen« (EB3) sich dem Programm nur allgemein zuordnen lassen.
Dem Kirchenpatron sind außer dem Hochaltarblatt mit der Darstellung Georgs als Drachenkämpfer noch das Fresko A mit der Darstellung seines Martyriums gewidmet.
Quellen und Literatur
BHStA I, GL Fasz. 4135 Nr. 76: Kirchenbau 1697–1757, Plan zum Abreißen der beiden Herrenhäuser 1712–29.
AEM, Pfarrakten Ruhpolding: Pfarrbeschreibung; Investituren 1808–1834: Pfarrer Joseph Ostner; Bauten 1699–1717: Planung Viscardis 1699 und Plan zu Verlegung und Neubau 1701–27; Bauten II: Restaurierung 1921; Pastoral- und Kultusgegenstände 1613–1882: Joseph Ostner zu Kreuzopfer/Meßopfer.
AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 36: Meister im Landkreis Rosenheim: Rechenauer d. Ä. und Rechenauer d. J. Nr. 187: Auszüge aus dem Pfarrarchiv Ruhpolding mit der Baugeschichte der Pfarrkirche; Nr. 192: Manuskript zu einer Publikation über die Kunstdenkmale des Landkreises Traunstein, Teil II, Von Traunstein nach Süden: Ruhpolding, Pfarr-kirche und Friedhofskapelle.
AEM, Kunsttopographie des Erzbistums, Dekanat 44/Traunstein, Pfarrkirche St. Georg Ruhpolding (Stefan Nadler).

Pfarrarchiv Ruhpolding, 54 (1)/1: Sammelliste und Abrechnung 1826. (Ostners Chronik »Geschichtliche Notizen übe die Pfarrei und Ortschaft Ruhpolding« ist nicht auffindbar). BLfD, Akt Ruhpolding, Pfarrkirche St. Georg.
Dachauer, Sebastian, Chronik mehrerer Ortschaften aus der Umgegend von Brannenburg, in: OAVG 5, 1844, S. 235–38 (zu Rechenauer).
Wagner, Johann Joseph, Geschichte des Landgerichts Traunstein IV, Geschichte des Decanats Haslach, XIV. Ruhpolding in: OAVG 28, 1868/69, S. 344–51.
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 557–60
KDB I OB (2), S. 1818–20
Bergmaier, Peter, Ruhpolding. Heimatbuch aus dem Miesenbach (stark erweiterte Auflage des Buches Traunstein 1927), Ruhpolding 21953.
Bomhard, Peter von und Hugo Schnell, Ruhpolding (= KKF Nr. 28), München 1934, München und Zürich 21954.
Friesinger, Roman, Kleine Ruhpoldinger Kunstgeschichte, Ruhpolding 1959.
Friesinger, Roman, Ruhpolding (= KKF Nr. 28), München und Zürich 31963.
Historischer Atlas I, Bd 26, Traunstein (Richard van Dülmen) München 1970, S. 133.
Gall, Alf, Ruhpolding. Chronik auf Grundlage des Heimatbuchs von Peter Bergmaier, Ruhpolding 1983. Die Pfarrkirche St. Georg S. 220–41.
Dehio 1990, S. 1043.
Mühlbacher, Josef, Ruhpolding (= KKF Nr. 28), München und Zürich 91995.