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Rott am Inn, Ehem. Benediktinerabtei

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 432–434, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

ROTT AM INN

Ehem. Benediktinerabtei Gemeinde und Pfarrei Rott am Inn Erzdiözese München und Freising Ehem. Klosterhofmark Rott Gericht Wasserburg

Ehem. Benediktinerabtei- und Pfarrkirche, heute Pfarrkirche S. 434

Zur Geschichte: Gründer des Benediktinerklosters Rott waren Pfalzgraf Kuno I. von Rott und Vohburg und seine Gemahlin Uta sowie deren Sohn Kuno II. und seine Gemahlin Elisabeth von Lothringen. Die erste erhaltene Urkunde ist die Bestätigung der Gründung durch Kaiser Heinrich IV. vom 5.9. 1073, die allerdings nicht im Original, sondern nur in einer Abschrift von 1226 erhalten ist. Als Jahr der Gründung wird 1083 angenommen. Nach neueren Forschungen aber ist die Gründung bereits vor 1081 zu datieren: »Der Plan zur Klostergründung wurde von den Eltern bereits bei der Hochzeit des Sohnes gefaßt und zusammen mit dem jungen Ehepaar verwirklicht, wobei letzteres seine Güterschenkungen allerdings an die Bedingung der Kinderlosigkeit knüpfte ... Jedenfalls geht der Bericht (= Gründungsbestätigung durch Heinrich IV.) davon aus, daß zum Zeitpunkt des Todes Kunos II. das Kloster bereits bestand, denn es heißt, der Pfalzgraf und seine Schwiegertochter hätten sich mit dem Leichnam des Gefallenen > zum Kloster < begeben zur Beerdigung. Die eigentliche Gründung Rotts fand demnach anscheinend kurze Zeit vor der Schlacht von Höchstädt statt, und Kuno der Jüngere muß als Mitstifter betrachtet werden, wovon auch Darstellung und Umschrift des heute noch erhaltenen Stiftergrabes von 1485 ausgehen. Die Erneuerung der Schenkung durch Kuno I. und die endgültige Übergabe der bedingt überlassenen Güter durch Elisabeth ... dürften dann tatsächlich anläßlich der Beerdigung des Gefallenen geschehen sein.« (Noichl, S. 10). Die Gründungsurkunde von 1073 wurde gefälscht (s. dazu unter Ikonologie, S. 456).

In der Frühzeit hatte das Kloster viele Schwierigkeiten mit den Grafen von Lechsgemünd, den Nachkommen der Tochter Kunos I., die sich die Vogteirechte anmaßten. Auf Bitten des Abtes setzte schließlich Friedrich II. den Grafen Konrad von Wasserburg als Vogt ein, der 1259, nachdem er kinderlos gestorben war, von den Wittelsbachern beerbt wurde. Damit gehörte Rott als landständisches Kloster zum Territorialstaat der Wittelsbacher.

Das Aussehen der ersten Kirche ist nicht überliefert. Wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand dann die >zweite Klosterkirche, die bis zum Neubau 1759 stand. Sie ist in alten Ansichten überliefert: eine dreischiffige flachgedeckte Basilika ohne Querhaus, mit zwei Osttürmen vom Hirsauer Typus. Das große marmorne Stifterhochgrab gab Abt Johann Held (1485–98) in Auftrag; dieses Werk des Burghausener Steinmetzen Franz Sickinger von 1485 wurde »ausser des Chors, doch vast mitten im Münster« außer dem Chor, doch fast mitten im Münster aufgestellt. Erst anläßlich einer Kirchenrenovierung unter Abt Johann IV.

Bauer (1615–39) wurde es 1624 in die Quirinskapelle trans feriert, die sich im Westen an die Kirche anschloß.

Schon 1390 erhielt Abt Ekbert Kratzl († 1413) für sich und seine Nachfolger das Recht der Pontifikalien. 1470 ging Rott eine Konföderation mit der Abtei Sankt Peter in Salzburg ein. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Rott mehrmals in Mitleiden schaft gezogen, zuletzt 1648.1704, im Spanischen Erbfolge krieg, floh der Konvent mit allen Wertgegenständen nach Was serburg und über Altötting nach Salzburg. Die durch Krieg und Notzeiten herabgekommenen Klostergebäude ließ Abt Aemilian Oettlinger (1698–1726) ab 1718 durch den Grafinger Maurermeister Thomas Mayr zu einer regelmäßigen barocker Klosteranlage ausbauen. Die Konventsgebäude schlossen sich im Norden der Kirche an, einen rechteckigen Hof bildend. Im Nordflügel lag im Erdgeschoß das Refektorium, im Ober geschoß die Bibliothek. Die Abtei schloß sich südlich in der Flucht der Kirchenfassade an. Die Wirtschaftsgebäude lager um weite regelmäßige Höfe im Westen von Kirche und Kon ventbau. Schmidt berichtet 1739: »Fabrica huius monaster: praeter ecclesiam ferme tota nova est et satis magnifica« (Bd S. 196). Trotz dieser regen Bautätigkeit wirtschaftete der Abt gut und konnte sämtliche Schulden des Klosters tilgen.

Im Jahr 1684 war die Bayerische Benediktinerkongregation gegründet worden, die die Bildung des Ordensnachwuchses in den eigenen Abteien erstrebte. Schon 1687 fand in Rott am Inn der erste philosophische Kurs, 1688 der erste theologisch Kurs des Studium commune« statt. »Mit Unterbrechun oestand die Hochschule in Rott bis 1769 und bot innerhal dieses Zeitraums den ordentlichen Studiengang für alle Kon gregationsmitglieder an« (Theodor Wolf OSB, Rott am Inn: 2002, S. 9). Bedeutende Gelehrte aus dem Orden unterrichte ten hier. Ab 1783 war in Rott das Kommunnoviziat der Bayerischen Benediktinerkongregation.

Der verhältnismäßig vermögenden Abtei Rott am Inn war die Pfarrei St. Peter und Paul in Rott inkorporiert, zu der als Filiale Feldkirchen gehörte. Pfarrkirche war die Peterskirche, die südlich der Klosterkirche stand. Die Wallfahrt S. Maria corde in Feldkirchen war die Rotter Klosterwallfahrt. Sie gins bis ins Mittelalter zurück und erlebte im 17. Jh. eine neue Blüte. In Feldkirchen bestand die Schiffsleute-Bruderschaf Hll. Silvester und Nikolaus. Auch die Pfarrei Kirchdorf am Haunpold war Rott inkorporiert, ebenso Niederroth; die Rechte Rotts auf die Pfarrei Emmering bestanden nur im Mit telalter. An weltlichen Gütern besaß das Kloster von Alters her die große Hofmark Rott mit ca. hundert Anwesen (Hof marksprivilegien seit 1330) und seit 1557 die nördlich daran

anschließende Hofmark Katzbach sowie die Hofmark Neufahrn im Gericht Mallersdorf.

Im Bayerischen Wald hatte Rott große Besitzungen, auch Rodungs- und Neusiedlungsgebiete: Zentrum war das Rotter Priorat in Kötzting. Die Pfarrei Kötzting (seit 1224) und die später (1322) von Kötzting abgespaltene Pfarrei Lam waren dem Kloster inkorporiert; die Wallfahrt zum Gnadenbild St. Anna in Schönbuchen blühte im 18. Jh. auf. Kloster Rott war Besitzer der Hofmark Kötzting sowie der Hofmark Grub und kaufte 1702 die Hofmark Grafenwiesen.

Auch in Tirol hatte Rott großen Grundbesitz: Die Hofmark Pillersee (seit 1330), die wegen des Rechts zum Erzabbau und zur Verhüttung für das Kloster wirtschaftlich bedeutend war (Schmelze und Hüttenwerk). Die Pfarrei St. Ulrich in Pillersee mit den Filialen SS. Primus und Felicianus in Fieberbrunn, St. Jakob am Haus, sowie Hochfilzen mit der Wallfahrt zum Gnadenbild Maria Schnee waren Rott inkorporiert. In Pillersee bestand wie in Kötzting ein Priorat Rotts.

Trotz seiner Besitzungen und der damit verbundenen Einkünfte kam das Kloster durch den aufwendigen und schnellen Kirchenbau unter Abt Benedikt II. Lutz in ernsthafte Schwierigkeiten. Auch strenge Sparmaßnamen ab 1770 und der Verkauf einzelner Güter und Edelsitze brachten kaum mehr Abhilfe, zu hoch waren die Zinsen für die aufgenommenen Kapitalien. Der Abt wurde zur Resignation gezwungen, und Rott kam einige Jahre unter die Administration zweier Konventualen aus Oberaltaich. Die beiden letzten Äbte Gregor Mack (1776-1801) und Aemilian II. Miller (1801-03, † 1808) konnten die Schuldenlast um einiges vermindern.

Nach der Säkularisation Rotts 1803 wurden die Klostergebäude teils abgebrochen, teils gelangten sie in Privatbesitz. Diese Gebäude wurden 1937 durch einen Brand zum größten Teil zerstört und die Reste am 28.4.1938 gesprengt, um einem Neubau Platz zu machen.

Zu den zerstörten Gebäuden gehörte der nördlich an die Kirchenfassade anschließende Trakt. Dort lagen Gästewohnungen und ein großer Speise- bzw. Festsaal (Abbildung des Refektoriums im 2. Stock mit Stuck und Fresken in: Rott 1983, Nr. 122). Dieser wurde, soweit man nach den Stuckaturen auf der alten Photographie urteilen kann, um 1725 stuckiert und damals auch wohl freskiert. Georg Kaiser, Besitzer der Klostergebäude und der dort befindlichen Brauerei, hatte zu Beginn des 20. Jh. einen »großen Corridor mit reicher Barockstuccatur« demolieren lassen und den Saal zu Brauereizwecken benutzt (BLfD, Brief vom 7.11.1902). Im Bericht vom Brand 1937 wird der Saal als »schon lange verwahrlost und unzugänglich« beschrieben (Münchner Neueste Nachrichten 1937, Nr. 236, S. 7).