Rennertshofen, Pfarrkirche Johannes der Täufer
RENNERTSHOFEN
Pfarrkirche Friedhofskapelle S. 252
Pfarrkirche, Markt Rennertshofen, Diözese Augsburg. Das Präsentationsrecht auf die Pfarrei lag bei den Herzögen von Pfalz-Neuburg bzw. Kurfürsten von der Pfalz. Der Ort war Sitz eines herzoglichen Pflegamts. Pfleger z. Z. der Ausmalung war Joseph Ferdinand Freiherr von Coudenhove. An der Kirche wurde 1637 eine Rosenkranzbruderschaft errichtet, außerdem bestanden eine Corpus-Christi-Bruderschaft und eine Bruderschaft zur Ewigen Anbetung. Pflegamt Rennertshofen (Pfalz-Neuburg)
Patrozinium: Johannes der Täufer
Zum Bauwerk: 1696 wurde die damalige Kirche für baufällig erklärt und seit 1702 durch einen Neubau ersetzt, in den aus einer älteren Chorturmanlage der quadratische Turmunterbau des 13./14. Jh. übernommen wurde. Die Ausführung lag bei Maurermeister Jakob Holl aus Feldheim bei Rain (Klosterhofmark Niederschönenfeld) und Zimmermeister Michael Lederer aus Gammersfeld. Bereits 1705 stellte man ein Ausweichen der Außenmauern fest, das sich im Laufe der Jahre verstärkte. Die Ursache sahen einberufene Gutachter in einem nicht fachgerecht errichteten Dachstuhl. Vom Ordinariat in Augsburg bestellte Sachverständige empfahlen schließlich, den Dachstuhl abzutragen, einen neuen zu errichten und anstelle des Gewölbes eine flache Decke einzuziehen. Nach langen Streitigkeiten über die anfallenden Kosten wurde die Reparatur schließlich 1719 ausgeführt und die Kirche in diesem Jahr von dem Augsburger Weihbischof Johann Jakob von Mayr geweiht.
Der seit 1732 in Rennertshofen amtierende Pfarrer Jakob Arnold plante eine Verschönerung der Kirche mit Stuck und Fresken und begann im Herbst 1735 mit der Realisation. Dies verzögerte sich aber, weil er bei seinen Planungen weder den Magistrat von Rennertshofen noch den herzoglichen Pfleger, Freiherrn von Coudenhoven, zu Rate gezogen hatte, die sich deswegen bei Kurfürst Carl Philipp beschwerten. Auch vom Geistlichen Offizium in Augsburg wurde der Pfarrer wegen seiner Eigenmächtigkeiten zurechtgewiesen. Er hatte den am 16. 1. 1637 erteilten Ordinariatskonsens zur Ausgestaltung der Kirche erschwindelt, indem er vorgegeben hatte, diese solle nur innen gestrichen und außen verputzt werden. Auf einer gemeinsamen Sitzung vom 16. 4. 1737 einigten sich schließlich alle Parteien. Am gleichen Tag wurden mit dem Stuckator Rudolph Faber und dem Maurermeister Joseph Schwab, beide aus Monheim, sowie dem Maler Carl Conrad Prauneck von Rennertshofen folgende Verträge abgeschlossen (BHStA PNA, NA 1989, Nr. 4422; vgl. Markmiller/Horn):
»Erstlichen verspricht obgedachter Rudolph Faber die Kirchen nebst dem Chor obenauf völlig mit schen grossen Laubwerckh undt Bluemen nach jeziger Manier auß zu stuccatorn, den Chorbogen wie auch die Fenster oben schen zu verziehren und eine neue Quatratur herumb zu ziehen 2tens die zwey Borkirchen (= Emporen) vornen an der Brust zu stuccatorn
3tens an denen Lesenen oder Saulen die Capitel auf ionische Arth nebs denen Schaftgesimseren zu verziehren, wie auch die 12 Apostelkränz z machen
Accordiert 170 fl. und 2 fl. Leykauff« (Unterschrift)
»Erstlichen verspricht obgedachter Rudolph Faber die Kirche nebst dem Chor obenauf völlig mit schönen grossen Laubwerck und Bluemen nach jeziger Manier auszustuccatorn, den Chorbogen wie auch die Fenster oben zu verziehren und eine neue Quatratur herumb zu ziehren, ferner die zwey Borkirchen (= Emporen) vornen an der Brust zu stuccatorn, an den Lesenen oder Saulen die Capitel auf ionische Art nebst denen Schaftgesimsern zu verziehren, wie auch die 12 Apostelkränze zu meißeln. Accordiert 170 fl. und 2 fl. Leykauff«
»Der Maurermeister Joseph Schwab verspricht erstlichen den alten Wurf sowohl in dem Chor als Langhaus völlig herabzuhauen, jeden Fensterstock ein hölzernes Gewölbe hinein zu richten, jedoch daß die Zimmerleuth, so darbey gebraucht werden, aparte bezahlt werden müssen, die benötigte Reif wieder aufnageln und mit dem erforderlichen Wurf überziehen, daß der Maler und Stuccator darauf arbeiten können.«


Vor deß zweiten verspricht er die 3 Säulen an der Borkirche nebst der Thür bey der Orgel, wie auch die 2 Stiegen zu verkleiden, und die gantze Kirche sambt der Sacristei schön und völlig außzuweißen.
3tens verspricht er, 2 ovalrundte Fenster neben der Orgel hinauß zu brechen und gehörig außmauern, und das Vorhäuslein vor der Kirche behörig wieder zu repariern.
Vor all vorbeschriebene Arbeit ist demselben accordiert worden 63 fl. jedoch das demselben wie auch dem Stuccatorern alle benöthigte Baumaterialia ohne Ausnahmb auf des Gotteshauses Cösten müessen verreicht werden« (Unterschrift).
»Vor das Langhauß und in das selbe eine horizontale Perspectiv Cupe mit Historien und dem Leben des hl. Johannes Baptista außzumahlen mit dem Maler Carl Conradt Prauneck accordiert 250 fl. nebst 4 1/2 fl. Leykauff. (Unterschrift) Carl Conradt Prauneck Burger und Mahler«.
Nach Süden gerichteter weiter Saalbau zu drei Achsen mit eingezogenem, halbrund geschlossenem Chor. Am Chorbogen gegen das LHs befindet sich die Inschrift: DEO / AEDIFICATA / MDCCII. Südöstlich am LHs steht der Turm mit einer gegen das Schiff geöffneten Kapelle im Erdgeschoß, südlich anschließend der Sakristeianbau. Wandgliederung innen und außen durch Pilaster. Im N Doppelempore, unten mit gerader und oben mit geschwungener Brüstung. Belichtung durch schmale hohe Rundbogenfenster, sechs im LHs und im AR zwei neben dem Hochaltar sowie eines gegenüber der Sakristei. Decke, Fensterbekrönungen und Pilasterkapitelle zeigen weißen, sparsam vergoldeten Bandwerkstuck auf rosa Grund, kleinere Partien sind hellblau, grün und gelb.
Der Hochaltar stammt aus der Zeit um 1740. Das Altarbild mit der Taufe Jesu ist von Franz Hagen signiert und 1722 datiert und wurde wohl aus dem Vorgängeraltar übernommen. Die flankierenden Figuren, die hll. Ulrich und Afra, stammen vielleicht, wie beim Josephsaltar, von dem Bildhauer Johann Georg Bschorer. Anläßlich der Neuausstattung stifteten Wohltäter zwei neue Seitenaltäre.
Auftraggeber: Jakob Arnold, Pfarrer von Rennertshofen (1732–64). Er war ein Neffe seines Vorgängers, Pfarrer Caspar Arnold (1698–1732), unter dem der Neubau der Kirche errichtet worden war. Beide Geistliche liegen im Altarraum begraben. Bei der Beschlußfassung zur Stuckierung und Freskierung der Kirche 1737 hieß es zur Begründung, diese sei so abgenutzt und schmutzig, daß man nicht fortfahren könne, die neuen Altäre aufzustellen, die die Frau von Leoprechting und andere Wohltäter gestiftet hätten. Es handelt sich um die Nebenaltäre, die 1736 bereits in Arbeit waren. Für den Marienaltar im Osten stiftete eine Frau von Leoprechting 600 fl (BHStA, PNA, NA 1989, Nr. 4422). Am Gebälk befindet sich in einer Kartusche ein Allianzwappen, das im (herald.) rechter Teil das Wappen der Freiherrn von Leoprechting und im andern Teil ein bisher nicht identifiziertes Wappen zeigt. Vor 1709 bis zu seinem Tod 1732 war Johann Christoph Franz von Leoprechting Pfleger von Rennertshofen und Inhaber des Adelssitzes, den er zu Lehen hatte, doch stimmt das Wappen am Altar mit keinem der Wappen seiner drei Gemahlinner (von Lämmle, von Zink zu Goesch und von Haimhausen) überein, so daß die Identität der Stifterin des Altars ungeklärt bleibt. Der Bildhauer des Marienaltars war Simon Högenauer aus Rain. Er schuf die Statuen der hll. Johannes von Nepomuk und Leonhard sowie im Auszug des Zacharias, des Vaters von Johannes dem Täufer und erhielt 1737 dafür 102 fl. als Rest seiner auf 112 fl. akkordierten Bezahlung (ABA, Pf 212, Nr. 148, Rechnung v. 1737, Nr. 58; BHStA). Im Altarblatt ist Maria als Rosenkranzkönigin mit den hll. Dominikus und Katharina von Siena dargestellt, in der Predella die Verleihung des Rosenkranzes an den hl. Dominikus in Anwesenheit der knienden Familie Leoprechting. Die Malerei stammt von dem Freskanten der Kirche, Carl Conrad Prauneck, der 1737 dafür mit 40 fl. bezahlt wurde. Für die Fassung und Vergoldung des Altars erhielt er 200 fl. (ABA, Pf 212, Nr. 148, Rechnung v. 1737, Nr. 60 u. 61).



Der westliche Seitenaltar ist dem hl. Joseph geweiht und entstand im Auftrag der »Rothgärberin« Anna Maria Röck, die dafür 300 fl. stiftete. Dargestellt sind auf dem Altarbild die Glorie des hl. Joseph, auf der Predella sein Tod und in einer Kartusche am Gebälk der hl. Sebastian. Auch diese Gemälde stammen alle von Carl Conrad Prauneck, der auch den Altar faßte (ABA, Pf 212, Nr. 148, Rechnung v. 1740, Nr. 43). Die seitlichen Figuren stellen die hll. Jakobus d. J. und Judas Thaddäus dar, die Figur im Auszug die hl. Elisabeth. Für diese Arbeiten wurde dem Bildhauer Johann Georg Bschorer aus Oberndorf 1738 ein Abschlag von 70 fl. bezahlt (ebd., Kirchenrechnung v. 1738, Nr. 54).
Autor und Entstehungszeit: Carl Conrad Prauneck (* 1686 Neuburg † 1742 Rennertshofen) 1737
Laut Vertrag vom 16.4. 1737 (s.o.) wurde die Freskierung der Kirche Carl Conrad Prauneck übertragen, der sie noch im selben Jahr ausführte. Er erhielt dafür 1737 die vereinbarte Summe von 254 fl. 30 kr. (ABA, PF 212, Nr. 148, Rechnung v. 1737, Nr. 41). Auch die übrigen Künstler und Handwerker wurden entsprechend dem Akkord bezahlt (ebd.). Bereits 1759 berichtet ein Zeitgenosse, Martin Hueber, der bis 1747 Inhaber des Frühmeßbenefiziums in Rennertshofen war, über die Pfarrkirche und ihre Freskierung: »Das schöne Gottshaus S. Joan: Baptist: ist anstatt der alten kleinen Kirchen, darvon die 14 Nothelfer Capellen der Chor war, a0. 1702 von Grund auf in die iezige grose Form hergestehlt worden, a0. 1737 ist die obere Decke von einem ganzen Stük in Fresco durch den guten Pensel Caroli Praunegg entworfen worden in Leben S. Joannis und den 4 Weltthaillen« (BSB, cgm. 3075, S. 637).
In der nordwestlichen Ecke von A findet sich unter der Darstellung des Erdteils Afrika die nicht authentische Signatur: Carl Prauneck / 1745 Pinxit. Nach einem Gutachten des Generalkonservatoriums von 1910 (s.u.) lautete die Signatur damals nur Karl Prauneck (oder Praunecker). Sie muß später (vor 1958, vgl. Horn/Meyer) anläßlich einer Restaurierung unrichtig ergänzt worden sein.
Aufgrund des falschen Datums 1745 wurden die Rennertshofener Fresken in der Literatur nicht Carl Conrad Prauneck zugewiesen, da dieser bereits 1742 gestorben war, sondern seinem Sohn Carl, der ebenfalls Maler war (* 1711 Monheim †1750 Rennertshofen). Der ältere Prauneck war dagegen nicht nur Maler, sondern außerdem Marktschreiber, Lehrer und Brauereiaufseher von Rennertshofen (zu seiner Vita s. S. 338 f.). Die verschiedenen Ämter, die er innehatte, deuten darauf hin, daß er als Maler der Marktgemeinde nicht genug verdienen konnte. Sein ebenfalls am Ort ansässiger Sohn dürfte in der Werkstatt des Vaters und unter seiner Leitung vorwiegend in Rennertshofen und Umgebung tätig gewesen sein.
Im Anschluß an die Pfarrkirche erhielt auch die Friedhofskapelle St. Leonhard in Rennertshofen 1738/39 eine neue Innenausstattung, z.T. durch dieselben Künstler und Handwerker. Carl Conrad Prauneck war hier mit einem Deckenbild und der Fassung des Altars beteiligt. In der näheren Umgebung malte »Carl Prauneckk Marktschreiber und Mahler zue Rennertshofen« 1734 die Deckenbilder im Langhaus der Pfarrkirche in Mauern (S. 142). Von uns zugeschrieben werden ihm außerdem die Fresken an der Emporenbrüstung der Kirche in Bertoldsheim (s. S. 74) und im Festsaal im Nordturm des Neuburger Schlosses (S. 220).
Praunecks Malweise läßt sich am besten an den Gemälden der Seitenaltäre in der Pfarrkirche in Rennertshofen ablesen (Abb. S. 246). Charakteristisch sind puppenhafte Gesichter mit hoher, etwas vorgewölbter Stirn, sehr helle Inkarnate mit roten Flecken auf den Wangen, in der Profilansicht ausgeprägte, weit vorspringende Nasen, sodaß die Dargestellten oft wie karikiert wirken, ferner gezierte Handbewegungen und brodelnd bewegte Falten. Vor allem in seinen Deckenbildern, die alle nicht gut erhalten sind, fällt die dicht gedrängte Anordnung der Figuren auf, über deren Stellung im Bildraum der Maler keine Rechenschaft ablegt. Auf Praunecks Bildern herrscht ein Horror vacui. Bezeichnend sind auch die voluminösen, dekorativ ausufernden Gewänder, ferner eine Vorliebe für stilllebenhafte Elemente (Werkzeug des hl. Joseph, Musikinstrumente, gezeichnete Pläne). Er ist ein origineller Maler, der jedoch nur über begrenzte Fähigkeiten verfügt. Ein sicheres Werk des Sohnes Carl Prauneck ist ein signiertes und 1749 datiertes, d.h. nach dem Tod des Vaters entstandenes Altarbild mit den hll. Antonius, Katharina und Barbara in der Spitalkirche Hl. Geist in Ingolstadt, das sich vor allem durch die bräunliche, tonige Farbigkeit von dessen Werken unterscheidet.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Gewölbe aus Holz auf Lattung (siehe den Vertrag), im LHs (A) Flachdecke mit gewölbter Randzone, AR (B) Tonne mit Stichkappen
Rahmen: Geschwungene, kräftig profilierte Stuckrahmen vergoldet, in A mit übergreifenden Stuckagraffen
Maße: A Höhe 10,60m; 13,40×9,80 B Höhe 9,80m; 6,90×4,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Durch grobe Reinigung anläßlich einer älteren Restaurierung ist die Oberfläche stark reduziert, sie weist Übermalungen auf sowie ausgewaschene und salzbelastete Bereiche durch Wasserschäden; eine Beurteilung der ursprünglichen Malerei ist ohne technische Untersuchung nicht möglich. 1797 Reparaturen am Chor und Kirchendach (Horn/Meyer, S. 638); 1898 Renovierung des Hochaltars durch Ludwig Wagner, Nordendorf. Anläßlich einer Innenrestaurierung der Kirche 1910/11 durch Karl Glaubacker, Regensburg, wurden die Deckenbilder gründlich gereinigt.


reinigt. Dem ging ein Gutachten des Generalkonservatoriums vom 21.4.1910 voraus: »Das große, farben- und figurenreiche Gemälde im Langhaus ist signiert: Karl Prauneck (oder Praunecker?) und wurde bereits in einigen Teilen ungeschickt renoviert. Das kleine Chordeckenbild ist stark verblaßt und erstickt.« Schuld daran sei ein Mangel an Lüftung. 1957 Innenrestaurierung durch Fa. Josef Finkenzeller, München. Die Fresken und Seitenaltarbilder restaurierte bei dieser Gelegenheit Theo Sprenzinger, Wildenroth (lt. Schreiben von W. Markmiller an das BLfD v. 7.5.1964). 1979 Entstaubung der Deckenzone durch Fa. Rudolf Pfaller in Ingolstadt. 1998 nahm die Fa. Erwin Wiegerling, Bad Tölz, vor einer Instandsetzung des Dachstuhls Sicherungsmaßnahmen an Stuck und Deckengemälde des Langhauses vor. Infolge erheblicher statischer Mängel hatten sich Risse am Chorbogen und an der freskierten Langhausdecke, hier quer zur Achse des Mittelschiffs verlaufend, gebildet, beim Fresko Lockerungen und Hohlstellen bis zu 50%. An der Ostseite zeigte sich ein Wasserschaden mit größeren Hohlstellen. Die lockeren Partien des Stucks und die Malputzablösungen wurden nach einer trockenen Reinigung der Oberfläche gesichert und nach Abschluß der Arbeiten am Dachstuhl wieder befestigt und erneut gereinigt. In einem zweiten Bauabschnitt setzte man 1999 den Turm, die Fassaden sowie die Sakristei instand, die Fa. Rudolf Pfaller, Ingolstadt, reinigte und konservierte das barocke Inventar.
Beschreibung und Ikonographie
A SZENEN AUS DEM LEBEN JOHANNES DES TÄUFERS Das große Hauptfresko überspannt die gesamte Flachdecke und zeigt eine umlaufende Architektur- und Landschaftsszenerie mit zahlreichen Figuren (zentraler Betrachterstandpunkt, Hauptblickrichtung nach S). An den Schmalseiten steigen über Treppen und Podesten zwei schwere portalähnliche Säulenarchitekturen auf, die Szenen aus dem Leben des Titelheiligen einfassen: im S die Heimsuchung, die erste Station des Erdenlebens von Johannes und Jesus, und im N Johannes' Erscheinen vor dem Thron des Herodes. Die sich jäh verkürzenden Säulen lenken den Blick hoch zum Zentrum des Freskos, wo sich der Himmel öffnet und vor einer goldgelben Gloriole Gottvater über der Weltkugel erscheint, umgeben von Engeln. Er wendet sich Maria und Elisabeth zu. Drei große Engel, von denen einer ein Weihrauchfaß schwingt, fliegen zur Gruppe der Heimsuchung herab (Lc 1, 39-80). Die mädchenhafte Muttergottes schreitet die Treppe hinauf zu Elisabeth, die ihr die Hand reicht. Auf dem Leib Mariens sieht man zum Zeichen ihrer Gottesmutterschaft die goldenen, von Strahlen umgebenen Buchstaben IHS, von denen ein kräftiger Strahl zum Leib Elisabeths ausgeht und die Heiligung ihres Kindes Johannes bereits im Mutterleib anzeigt. Zum Zeichen dessen sagte Elisabeth bei der Begegnung: »Denn siehe, als der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Schoße«. Maria aber stimmte den Lobgesang an, daß Gott den Niedrigen geholfen habe und daß fortan alle Geschlechter auf Erden sie selig preisen würden. Es war dies die erste Begegnung von Jesus und Johannes. Neben den Frauen sind auf den Stufen auch ihre Ehemänner dargestellt, Zacharias als jüdischer Priester und Joseph mit Wanderstab, einen breitkrempigen Hut an die Brust drückend

Der heiligenden Begebenheit vor der Geburt des Täufers ist auf der andern Schmalseite des Freskos ein Ereignis kurz vor seinem Tod gegenübergestellt, sein Tadel des Königs Herodes Antipas, weil dieser Herodias, die Frau seines Bruders, zum Weib genommen hatte (Mc 6, 17–18). Zwischen den gestaffelten Doppelsäulen thront der König unter einem grünen Baldachin, umgeben von seinen Leibwächtern, und wendet sich der neben ihm stehenden, lebhaft gestikulierenden Herodias zu, während der tiefer stehende Johannes, zu ihnen aufblickend, seine Strafpredigt hält. Im Vordergrund ist auf einem halbrund vorschwingenden Balkon ein Mann zu sehen, der sich über die Balusterbrüstung lehnt und den Beschauer anblickt. In ihm vermuten Markmiller/Horn (S. 12) ein Selbstporträt des Freskanten Prauneck.
Die östliche Längsseite zeigt Johannes mit dramatischer Gebärde als Prediger. Seine frontal gesehene Gestalt wahrt Abstand von seinen Zuhörern und hebt sich frei vor dem Hintergrund ab. Er trägt ein faltenreiches, härenes Gewand, das den Oberkörper freiläßt; in der Rechten hält er den Kreuzstab, dessen Spruchband die Inschrift ecce agnus Dei trägt. Gegenüber, an der westlichen Längsseite sieht man Johannes von zahlreichen Zuhörern umgeben, wie er mit beiden Händen auf den Messias zu seiner Rechten hinweist.
In den Ecken des Bildfeldes sind die vier Erdteile durch figurenreiche Szenen mit einer auf Stufen thronenden Personifikation im Zentrum repräsentiert. Europa (im SO), ausgezeichnet durch Bügelkrone und Zepter, trägt über hellblauem Kleid einen mit Hermelin gefütterten Goldbrokatumhang. Mit der Rechten hält sie ein flammendes Herz der Heimsuchungsszene entgegen, zum Zeichen, daß dieser Erdteil dem Mysterium der göttlichen Menschwerdung seine ganze Liebe widmet. Auf die weltliche Herrschaft verweisen zwei Ritter sowie Fahnen, Heerpauken und Trompeten. Eine links stehende Frau gießt aus einem großen Füllhorn Blumen und Früchte aus. Daneben liegen Musikinstrumente, wissenschaftliche Geräte, der Grundriß eines Gebäudes und ein Turnierhelm. In der Mitte der Schmalseite, genau unter der Heimsuchungsdarstellung, wird durch zwei Engelputten, die Pinsel, Palette und Malstock sowie eine große Zeichnung mit einer Darstellung der Gottesmutter halten, auf die Malkunst hingewiesen. Die beiden Männer links unterhalb des Throns der Figur der Europa, von denen der ältere in auffälliger Weise den Betrachter anblickt, sind in zeitgenössischer Festtagstracht mit dem für die Gegend typischen schwarzen Dreispitz dargestellt, dessen Spitze nach rückwärts getragen wurde (Herlein, S. 161). Es handelt sich um Porträts, am wahrscheinlichsten des Malers Prauneck, der bei Auftragserteilung 52 Jahre alt war, in Begleitung seines Sohnes.
Die Darstellung Asiens (im SW) nimmt als Pendant zu Europa die Ecke rechts von der Heimsuchung ein und wird dadurch ebenfalls aufgrund ihrer Beziehung zum Christentum gegenüber den anderen Kontinenten hervorgehoben. Asia hält ein goldenes Gefäß empor und opfert Weihrauch. Zu ihren Füßen sieht man Turbanträger mit Krummsäbel und Morgenstern, dazwischen einen Janitscharen mit der Ketsche als typischer Kopfbedeckung sowie Pfeil und Bogen in den Händen. Weitere Personen, unter ihnen eine Frau mit exotischen Blumen und Früchten, veranschaulichen den Reichtum des Orients.

Die Personifikation Afrikas (im NW) ist von brauner Hautfarbe und thront unter einem Sonnenschirm mit dem für den Kontinent typischen Tier, dem Löwen, zu Füßen. In ihrem Gefolge finden sich Menschen schwarzer und brauner Hautfarbe, die Federkopfschmuck und Pfeile tragen und ein Gefäß mit Perlenketten präsentieren.
America (im NO) ist sehr ähnlich gestaltet. Auch hier sind alle Personen dunkelhäutig; sie tragen teils Turbane, teils Federkopfschmuck, einer von ihnen auch einen großen Federkragen, während ein anderer einen Sonnenstab hält. Als für den Kontinent charakteristisches Tier ist ein Affe wiedergegeben.
B DIE VIERZEHN NOTHELFER UND WEITERE PATRONE VON RENNERTSHOFEN Über Markt Rennertshofen erscheinen auf Wolken dichtgedrängt die Vierzehn Nothelfer und darüber weitere Heilige, die an den Altären der Kirche verehrt werden und den Ort der Dreifaltigkeit empfehlen. Gottvater und Christus breiten ihre Arme aus und blicken herab. Die acht Heiligen, die sich ihnen fürbittend zuwenden, sind links Maria, Joseph, Johannes von Nepomuk und Dominikus, rechts Johannes d.T., Sebastian, Leonhard und Katharina von Siena. Ihrer Bedeutung entsprechend stehen Maria und Johannes den göttlichen Personen am nächsten. Formal liegt der stärkste Akzent auf Dominikus und Katharina von Siena, da sie kaum überschnitten werden und am weitesten vorne knien und durch ihr schwarz-weißes Habit besonders auffallen. Sie beziehen sich auf die Rosenkranzbruderschaft von Rennertshofen.
Die Vierzehn Nothelfer unterhalb davon bilden eine dicht gedrängte Gruppe, aus der keiner besonders hervorgehoben ist. Bei ihrer Anordnung erkennt man das Bemühen um Perspektive und Erschließung der Tiefe des Bildes, entsprechend der Krümmung des Gewölbes. Alle Attribute – Bischofsstäbe, Lanzen etc. – weisen schräg nach oben, auch die Heiligen selbst sind schräg zur Bildmitte hin ausgerichtet. Das ist besonders deutlich bei denjenigen, die von außen herangeschoben sind, dem hl. Georg mit dem Drachen links, der schräg in die Darstellung hineinzufliegen scheint, und dem hl. Bischof Erasmus mit der Darmwinde rechts. Sie und zwei weitere Ganzfiguren im Vordergrund auf Wolken, links der Ritter Achatius mit dem großen Kreuz und rechts der Bischof Blasius mit Pedum und Kerze, markieren die vordere Bildebene, von der aus sich die andern Personen nur noch als Halbfiguren, Brustbilder oder Köpfe in die Tiefe staffeln. Der hl. Veit im Ölkessel und darüber die hl. Barbara, die in sehr betonter Weise den Hostienkelch ins Bildzentrum rückt, betonen die Mittelachse. Links von Barbara sieht man die hl. Katharina mit der Krone, daneben den hl. Bischof Dionysius; die Gestalt unterhalb in gelber Dalmatica stellt den Diakon Cyriacus mit einer Geißel (?) in der Hand dar, ganz links sind die Ritter Georg und Achatius zu sehen. Rechts neben Barbara steht Margareta mit einem Kreuz in der erhobenen Rechten, daneben der Arzt Pantaleon, der einen Pfeil hochhält, vor ihm der Benediktinermönch Aegidius und neben diesem der Riese Christophorus mit dem Christkind auf der Schulter. Zwischen den beiden Bischöfen Erasmus und Blasius am rechten Rand ist der Ritterheilige Eustachius mit der Fahne zu sehen, neben ihm der Hirsch mit dem Kruzifix zwischen den Geweihstangen.

O Die irdische Zone wird von dem ummauerten, am Fluß Urse (Ussel) gelegenen Markt Rennertshofen beherrscht. Man sieht links das heute noch vorhandene westliche Stadttor, dann die Kirche mit den geschwungenen Giebeln, die Ende des 18. Jh. beseitigt wurden, und das im 19. Jahrhundert abgebrochene Schloß mit Ecktürmchen und ebenfalls zwei geschwungenen Giebeln, einen Adelssitz mit Hofmarksrechten, dessen Inhaber von 1709 bis 1732 Johann Christoph Franz von Leoprechting und ab 1733 Joseph Ferdinand von Coudenhoven war. In Rennertshofen bestand ein herzogliches Pflegamt, das jeweils von dem Inhaber des Adelssitzes wahrgenommen wurde. Im Vordergrund erscheinen links über Stufen erhöht hinter einem Mäuerchen oder auf einem Balkon vier Personen, darunter in hervorgehobener Position ein Mann im gelben Mantel mit großen Ärmelaufschlägen und goldenen Knöpfen, hinter ihm eine schwarz gekleidete Frau mit Haube und vorne zwei jüngere Männer. Die Männer wenden sich betend nach oben, während die Frau den Betrachter anschaut. Zur Zeit der Auftragserteilung an Prauneck hatte die Familie von Coudenhoven den Adelssitz inne. Sie dürfte demnach dargestellt sein, eher als Mitglieder der Familie Leoprechting, wie Horn/Meyer meinen.
Bei dem ehrgeizigen Projekt, die riesige Fläche der Langhausdecke von etwa 10×13 m als einheitliches Bildfeld zu bemalen, hat sich Prauneck, wie schon Markmiller/Horn bemerkt haben, an Cosmas Damian Asams 1734, also drei Jahre vorher vollendetem Fresko im Kongregationssaal von S. Maria de Victoria in Ingolstadt orientiert. Dieses Meisterwerk illusionistischer Gestaltung ist ebenfalls auf eine flache Decke gemalt. Bei Asam wie bei Prauneck ist in der Hauptansicht mit Blick auf den Hochaltar das Geheimnis der Menschwerdung Christi veranschaulicht, einmal durch die Verkündigung, zum andern durch die Heimsuchung. Bei Asam kniet Maria auf einem Treppenpodest vor dem Salomonischen Tempel mit seinen zwölf Säulen, hinterfangen von einem mächtigen Portikus mit gesprengtem Giebel. Dieses Architekturmotiv wählt Prauneck als Schauplatz für die Begegnung von Maria und Elisabeth. Auf der andern Schmalseite stellt er einen zwischen Säulen drapierten Baldachin dar. Die Balustrade davor, hinter der ein Mann zu erkennen ist, der den Beschauer anblickt, ist ein Zitat aus Asams Weihnachtsvision in der Klosterkirche von Aldersbach. Die an den Seiten geschilderten Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers und die hochragende Architektur und Vegetation, die auf das Zentrum des Freskos zulaufen, zeigen gleichfalls genaue Kenntnis der Asamschen Komposition wie auch die in camaieu grau gemalte Gruppe von Gottvater mit den Engeln im Scheitel. Auch die Idee, die Erlösung der Menschheit durch die Vier Erdteile zu veranschaulichen, stammt von dort. Dabei hat sich Prauneck, vor allem bei der Figur der Europa, deutlich von Asam inspirieren lassen, etwa bei dem Füllhorn mit Blumen und Früchten, den Geräten und Instrumenten für Musik, Künste und Wissenschaften, aber auch bei der Präsentation eines Marienbildes. Bei Asam handelt es sich um eine bemalte Fahne, bei Prauneck wird es an betonter Stelle in der Mittelachse gerade von einem Putto auf eine Leinwand gemalt, auf der bereits die Vorzeichnung oder Untermalung zu sehen ist, während ein zweiter Putto nach oben weist.
Prauneck realisierte für die Pfarrkirche von Rennertshofen, wo er viele Jahre ansässig war, verschiedene Ämter bekleidete und zu den Honoratioren gehörte, ein ambitioniertes Programm und erwies sich bei der Gestaltung des einheitlichen großen Deckenbildes im Langhaus von den Intentionen her als sehr fortschrittlich, wenn er auch dem damit verbundenen hohen künstlerischen Anspruch nicht ganz gerecht zu werden vermochte.