Regensburg, Silberne Fischgasse 13
Inventarnummer: cbdd20183
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Das im Mittelalter errichtete und in der Frühen Neuzeit mehrfach umgebaute Wohn- und Geschäftshaus besitzt nur wenig erhaltene Wandmalerei. Diese bildet allerdings aufgrund ihrer ungewöhnlichen Motivkombination durchaus eine beachtenswerte Hinterlassenschaft.

Die Lage
Die Silberne-Fisch-Gasse liegt im historischen Kernbereich der ehemaligen Reichsstadt Regensburg in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Dominikanerklosters mit seiner gotischen Kirche St. Blasius, die „eine der frühesten Kirchen des Bettelordens in Deutschland“[1] überhaupt war. Von dem „mittelalterlichen Verkehrsweg am Ölberg“[1] biegt die Silberne-Fisch-Gasse im 90-Grad-Winkel ostwärts ab und bereitet die Verbindung zum südlich gelegenen Sankt Emmerans-Platz vor.
„Im Mittelalter siedelten [...][in der Silbernen-Fisch-Gasse] die Schildmacher, die Schilderer. [...] Ursprünglich mag es sich dabei um wirkliche Schildmacher gehandelt haben, um Schmiede, die den hölzernen Schild mit Eisen beschlugen. [...] Seit dem 17. Jahrhundert tritt allmählich neben deren Benennung ,unter den Schiltern‘ und schließlich an ihrer Stelle die Bezeichnung ,Silberne-Fisch-Gasse‘ auf. Der Name leitet sich ab vom Gasthaus ,Zum Silbernen Fisch‘, das sich im Haus Nr. 15 befand.“[2]
„Die Bebauung der alten Handwerksstraße geht fast durchweg auf das Mittelalter zurück. Jüngere Veränderungen [...] geben ihr ein heterogenes Erscheinungsbild.“[3]
Das Bauwerk

Das dreigeschossige Gebäude überformt ein Mansarddach, dessen Giebel auf die Silberne-Fisch-Gasse ausgerichtet ist. Die Eingangstür befindet sich in der Mitte des Erdgeschosses, in dem unterschiedlich große Fenster die Wand öffnen.
Die Räume des 1. und 2. Obergeschosses beleuchten hochrechteckige Fenster von gleicher Form und Größe. Sie bilden pro Stockwerk eine horizontale Reihe von fünf Öffnungen aus. Die beiden Ostfenster sind Bestandteil der tragenden Wand, während die drei Westfenster sich in dem vorkragenden Kastenerker befinden.
Bau- und Ausstattungsgeschichte
„Das ehemals dreigeschossige Anwesen an der Ecke zum ,Gäßchen ohne End‘ weist im nördlichen, vorderen Teil mindestens bis zum 1. OG in den Umfassungsmauern noch Substanz aus dem 13. Jh. aus. [...] Der nordöstliche Teil ist sogar romanisch unterkellert. Ein größerer, spätgotischer Umbau – wahrscheinlich Anfang des 16. Jh. – verlieh dem Haus sein heutiges Erscheinungsbild mit Kastenerker und die Innenraumdisposition. Ein Renaissanceanbau und das barocke Rückgebäude mit böhmischen Gewölben, das vermutlich als Pferdestall diente, ergänzen das Anwesen.“[4]
In einem Raum des 1. Obergeschosses hat sich in einer Nische eine Wandmalerei aus dem 17. Jahrhundert erhalten.[5]
Die Wandmalerei im 1. OG: eine ,unter die Haube gekommene‘ Bürgersfrau mit Blumenranke
In einem nicht näher lokalisierbaren Raum des 1. Obergeschosses befindet sich eine schmale und hohe Wandnische, deren drei Wände und die Flachdecke darüber bemalen sind.
Die Malereien des 17. Jahrhunderts kombinieren auf ungewöhnliche Weise so unterschiedliche Motive wie eine Säule mit regelwidriger Auffassung der Kapitellbildung[6] und einer in Trachtenkleidung gewandten Frau. Ihren Oberkörper ziert ein aufwändig gefertigtes Mieder und ihren Hals ein Rüschenband, während ihr Rock ein Muster mit verschieden geformten Felderungen aufweist. Auf ihrem Kopf trägt sie eine kostbare Goldhaube, die sie als eine ,unter die Haube gekommene‘ Bürgersfrau kennzeichnet.
Umgeben und eingewoben ist die weibliche Person von großzügig und dünnlinig gebildeten Blumenranken mit Blattwerk und einem Strauchgewächs, dem mehrere Blumensorten entwachsen. Unter anderem streckt sich eine Papageientulpe hoch über den Kopf der Frau und stellt eine gestalterische Verbindung zu der dort angebrachten Inschrift her. Diese lautet: ,Orsolla [=Ursula] bin Ich genant Im 74g Jar hat mich got gesandt.‘
Dieser in der Zusammenschau mit der Frau als Braut rätselhafte Inhalt könnte in einer denkbaren Version auf das Ableben der Dargestellten verweisen, da die auffällig positionierte Tulpe in ihrer Nähe zur Ausstattungszeit „vor allem zu einem Vanitas- und Todessymbol [...][sich ausbildete, das] ursprünglich als Frühlingsblume auch mit der Auferstehung verbunden“[7] war.
Eine schlüssige Deutung dieser Wandmalerei existiert bisher nicht, obwohl die wegen der Disproportionalität von Figur und Flora fast surreal anmutende Bildwelt, kombiniert mit lokaltraditioneller Kleidung, ihr eine auffällige Eigentümlichkeit verleiht.
Bibliographie
- Bauer, Regensburg, 2014 — Bauer, Karl: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Regenstauf 2014 (6. Auflage)
- Borgmeyer/Hubel/Tillmann/Wellnhofer, Denkmäler, 1997— Borgmeyer, Anke/Hubel, Achim/Tillmann, Andreas/Wellnhofer, Angelika: Stadt Regensburg, in: Petzet, Michael (Hg.): Denkmäler in Bayern: Ensembles – Baudenkmäler – Archäologische Denkmäler, Band 37:3, Oberpfalz, kreisfreie Städte, Regensburg, Regensburg 1997
- Drexler/Hubel, Regensburg, 2008 — Drexler, Jolanda/Hubel, Achim: Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz (=Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz), München/Berlin 2008 (2. Auflage)
- Kretschmer, Lexikon, 2008 — Kretschmer, Hildegard: Lexikon der Symbole und Attribute in der Kunst, Stuttgart 2008
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Drexler/Hubel, Regensburg, 2008, S. 513.
- ↑ Bauer, Regensburg, 2014, S. 325–326.
- ↑ Borgmeyer/Hubel/Tillmann/Wellnhofer, Denkmäler, 1997, S. 542.
- ↑ Borgmeyer/Hubel/Tillmann/Wellnhofer, Denkmäler, 1997, S. 544.
- ↑ Information und Abbildung in: Borgmeyer/Hubel/Tillmann/Wellnhofer, Denkmäler, S. 544.
- ↑ Auffällig wird dies an dem nach oben gerollten Akanthusstengel an der Kante des korinthischen Kapitells, das nicht regelkonform gebildet ist. Diese spezielle Gestaltung der Säulenordnung geht auf Francesco Borromini (1599–1667) zurück.
- ↑ Kretschmer, Lexikon, 2008, S. 434.