Regensburg, Schwanenplatz 1
Inventarnummer: cbdd20189
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Trotz der stadt- und baugeschichtlichen Blessuren jüngeren Datums bewahrt das Haus am Schwanenplatz 1 bis heute noch qualitätvolle Relikte seiner ehemals anspruchsvollen Ausstattung aus der Zeit um 1700.

Die Lage
„Vor 1965/66 verband der damals von Ost nach West ausgerichtete Schwanenplatz die Kalmünzergasse und das Pfluggäßchen. Dann jedoch wurde der Platz mit dem Abbruch von etwa 15 Häusern zugunsten einer überzogenenen Verkehrskonzeption zerstört, so daß er heute nur noch dem Namen nach existiert. Die Abräumarbeiten zum vierspurigen Ausbau der Straße stellten einen erheblichen Eingriff in das Haus- und Straßengefüge der östlichen Altstadt dar. [...] Heute zählen zum Schwanenplatz nur noch vier, östlich stehende Häuser, die sich von der anschließenden Kalmünzerstraße nur durch einen Vorsprung aus der Bauflucht abgrenzen.“[1] „Benannt [worden ist der Platz] nach der einstigen Gaststätte ,Zum Silbernen Schwanen‘, die 1812 in dem 1965 abgebrochenen Haus Kalmünzergasse 6 betrieben wurde, aber schon 1820 ruhte.“[2]
Das Bauwerk
Das im heutigen Zustand bestehende Gebäude hat drei Geschosse und wird von einem Satteldach überformt, deren westliche Traufseite zum Schwanenplatz weist.
Das Erdgeschoss hebt sich von den beiden oberen Stockwerken mit ihren hochrechteckigen Fenstern formal und funktional ab, weil der nordseitige Eingangsbereich eine breite Bogenöffnung aufweist und die beiden Südfenster längsrechteckig gebildet sind.
Die Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die baulichen Anfänge des Gebäudes lassen sich auf das frühe 14. Jahrhundert datieren, wovon unter anderem der gotischer Keller zeugt. „Das eigentliche Alter des Hauses ist [...][zudem] durch den heute zugesetzten Loggiabogen ablesbar. [...] In der Zeit um 1700 wurde das Haus aufgestockt und erneut äußerst wertvoll ausgestattet, was auf die gleichbleibende wirtschaftliche Stabilität der Hausbesitzer über die Jahrhunderte hinweg schließen läßt. Von dieser Umgestaltung sind im Innern vor allem zu nennen die mit floralen Motiven in den Farben Ocker, Grün und Zinnoberrot bemalte Flurdecke im 1. [und 2.] OG. [...].“[1]
Das Treppenhaus

Das Treppenhaus des Hauses Schwanenplatz 1 befindet sich ungefähr in der Gebäudemitte und erstreckt sich von der Südseite in Richtung Norden. Bedingt durch diese räumliche Disposition teilt der Gang jedes Geschosses die benachbarten Räume auf der West- und Ostseite in ungefähr gleich große Einheiten.
Die Balken-Bohlen-Decke im 1. OG des Treppenhauses
An der Decke des Flures sind fünf Balken und vier Bohlen in S-N-Ausrichtung angebracht und tragen mit ihrer ornamentalen Bemalung zu einer hochdekorativen Erscheinung bei. Die Verlege-Struktur der Hölzer und die verwendeten Zierelemente kann man am besten auf der Nord- und Südseite des Ganges erfassen.
Hier lässt sich der Deckenaufbau mit Balken und Bohlen anschaulich am leichtesten nachvollziehen, denn die Bohlen sind gegenüber den Tragbalken um wenige Zentimeter nach oben versetzt. Den geringen Abstand verdeckt eine Profilleiste, deren materielle Historizität fraglich ist. Die anschaulich erkennbare Balken-Bohlen-Struktur der Decke wird von den auf den Hölzern angebrachten Dekorelementen zusätzlich verstärkt.
Auf den Balken kommen großformatige Akanthusschleifen in zweierlei Gestalt vor: einerseits in grünlicher Variante mit eher dreidimensionaler Formgebung und andererseits als graufarbiges Pflanzenmotiv, dessen Umrisslinien mehr betont sind und wodurch ein zusätzlich belebender Kontrast entsteht.
Von dieser floralen Musterung setzen sich die Zierelemente auf den Bohlen entschieden ab, denn auf der vorgegebenen Bildfläche sind sowohl Früchte- wie auch Blumendarstellungen zu sehen. Deutlich zu identifizieren sind Weintrauben, Birnen, Äpfel, Kirschen und blaue Pflaumen sowie Tulpen, Sonnenblumen und Rosen.
Diese beiden länglichen Dekorbahnen sind im gleichmäßigen Wechsel nebeneinander gesetzt und erhöhen auf diese Weise die belebende Erscheinung des gesamten Deckenbildes.
Die Unterseite der Stufen in das 2. OG im 1. OG des Treppenhauses
Die Unterseite des Treppenlaufes in das 2. Obergeschoss ist ebenfalls mit Pflanzenmotiven verziert, welche die an der Decke verwendeten Motive übernehmen, so dass sich trotz der eingeschränkten Raumwirkung eine den Gang vereinheitlichende Erscheinung einstellt. An der Treppenunterseite versuchte man sogar eine symmetrische Verteilung der Ornamente herzustellen, indem man die sich farblich abwechselnden Akanthusranken des Tragbalkens in die Flächenmitte situierte. Rechts und links davon entfalten sich die Früchte- und Blumendekors und füllen die Restfläche der Treppenunterseite.
Die Balken-Bohlen-Decke im 2. OG des Treppenhauses
Die Balken-Bohlen-Decke im Flur des 2. Obergeschosses zeigt ebenso wie diejenige im Stockwerk darunter einen gleichmäßigen Wechsel aus Tragbalken und den hierzu vertieften Bohlen. Gänzlich anders ist jedoch die Verteilung der Zierelemente auf diesen Bildträgern.
Allen diesen Dekorbahnen im 2. Geschoss gemeinsam sind die auf den Balken und Bohlen entlang sich ausbreitenden Akanthusranken, die lediglich in ihrer Formgebung und ihrem Abstand voneinander differieren. Zur wesentlichen Unterscheidbarkeit der bemalten Decke trägt hingegen die gewählte Farbigkeit bei. Die auf den ersten Blick erkennbaren Farbtöne von Braun, Orange und Grau folgen, trotz einer scheinbaren Willkür in ihrer Anordnung, einer bewussten Anlage-Struktur. An der nördlichen Deckenfläche zeigt sich dies am deutlichsten. Von der West- zur Ostseite sind die materiell hervorgehoben Tragebalken abwechselnd mit dem braun- bzw. graufärbigen Pflanzenmotiv versehen und werden von dem vertieften Bohlenfeld mit seiner orangenen Farbgebung voneinander separiert. Diese systematische Anordnung ist bei den drei östlichen bemalten Hölzern nicht konsequent eingehalten, was möglicherweise auf den über vier Bohlenlagen reichenden Mauervorsprung zurückzuführen ist.
In der Zusammenschau der bemalten Decke im 1. und 2. Obergeschoss fallen nicht nur die vielfältigen Modulationen von Akanthusranken pro Stockwerk auf. Kennzeichnend ist auch die beide Stockwerke übergreifende Variationsfreude in der Verwendung der Ornamente, die eben nicht auf simple Wiederholung von Form und Anordnung, sondern insgesamt auf kombinatorische Abwechslung setzt.
Die Unterseite der Stufen in das 3. OG im 2. OG des Treppenhauses
Die Unterseite der Treppe ins 3. Obergeschoss büßt wegen des kurvigen Verlaufes der oberen Austrittstufen erheblich an zur Verfügung stehender Malfläche ein. Diese metrische Dezimierung ist die Folge eines in jüngerer Zeit erfolgten Hausumbaus, wobei die ursprünglichen, durch den Treppeneinbau beschnittenen Dekormotive nicht zerstört wurden, sondern in deren Luftraum verlaufen.
Das zentrale Zierelement auf der Bohlenfläche bilden weit geschwungene Akanthusranken, deren heute grau-orangen erscheinende Schlaufenbögen auf der kastanienbraunen Grundfläche besonders eindrucksvoll zur Geltung kommen. Getragen und eingefasst wird diese Dekorfläche von zwei Tragbalken, deren Unterseite und Seitenwand ebenfalls bemalt sind.
Auf diesen schmalen Bahnen dehnt sich in dynamisch bewegter Verkettung kleinteiliges Blattwerk, vielleicht Lorbeerblätter mit roten Lorbeerkirschen, aus, die einen künstlerisch reizvollen Kontrast zu den großzügig geformten Akanthusschlaufen der Bohlenfläche bilden.
Bibliographie
- Bauer, Regensburg, 2014 — Bauer, Karl: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Regenstauf 2014 (6. Auflage)
- Borgmeyer/Hubel/Tillmann/Wellnhofer, Denkmäler, 1997 — Borgmeyer, Anke/Hubel, Achim/Tillmann, Andreas/Wellnhofer, Angelika: Stadt Regensburg, in: Petzet, Michael (Hg.): Denkmäler in Bayern: Ensembles – Baudenkmäler – Archäologische Denkmäler, Band 37:3, Oberpfalz, kreisfreie Städte, Regensburg, Regensburg 1997