Raesfeld, Haus Raesfeld
Inventarnummer: cbdd10261
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
In Schloss Raesfeld gab es bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutende Decken- und Wandmalereien aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Sie wurden im Auftrag von Alexander II. von Velen vermutlich von François Walschartz geschaffen. Nichts hat sich erhalten.

Haus Raesfeld

Kurzbeschreibung und Lage
Schloss Raesfeld[1] ist eine mehrteilige Anlage im Südosten der gleichnamigen Ortschaft. Sie setzt sich zusammen aus einer Hauptburg und einer im Nordosten vorgelagerten Vorburg – die beide von Wassergräben umschlossen sind. Hinzu kommen eine „Freiheit“ mit Schlosskapelle außerhalb des Grabens im Nordosten sowie ein Schlosspark im Westen.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Schloss geht auf eine Burg von 1259 zurück. Diese Burg wurde beständig erweitert und ausgebaut. 1559 gelangte sie in den Besitz der Familie von Velen. Schadenfeuer 1597 und 1604 machten Wiederaufbauten notwendig. Zu einem umfassenden Ausbau kam es 1643-58 unter Alexander II. von Velen. Die Maßnahmen stehen vermutlich im Zusammenhang mit der 1641 erlangten Reichsgrafenwürde. Die Pläne zum Residenzschloss stammten von Michael van Gent und wurden nach seinem Weggang ab 1647 von Jean Schmitz und seinem Sohn Johann weitergeführt. Das Aussehen der Haupt- und Vorburg sowie der Schlosskapelle gehen weitgehend auf die damaligen Maßnahmen zurück. Auch die verlorene malerische Ausstattung datiert überwiegend auf diese Zeit. 1733 starb das Haus Velen im Mannesstamm ab. Raesfeld kam zur Herrschaft Gemen. Im 19. Jahrhundert begannen Rückbauarbeiten am Schloss. Den Instandsetzungsarbeiten 1922-26 fielen wohl die Decken- und Wandmalereien zum Opfer. 1942 erwarb der Handwerkerverein Raesfeld e. V. das Schloss. Erneute Umbauten 1953-61 veränderten teilweise auch die innere Struktur des Schlosses. 2022 kam das Schloss weitgehend an die Gemeinde Raesfeld.[2]
Beschreibung
Die Hauptburg – ehemals eine Vierflügelanlage – hat heute nur noch zwei Flügel, den Nord- und den Westflügel. Die zweigeschossigen Backsteinbauten über Sockelgeschossen zeigen Werksteingliederungen. An der Südwestecke steht ein viergeschossiger Turm mit hoher Spitze. Hauptflügel war der Westflügel gegenüber dem Eingang.[3] Von der historischen Raumausstattung ist kaum etwas überkommen. Im Westflügel haben sich Stuckdecken erhalten sowie Kamine und eine hölzerne Kassettendecke. Auch die Raumaufteilung ist in weiten Teilen nicht mehr die historische.[4]
Rittersaal im Nordflügel
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Rittersaal wurde um 1650 für Alexander II. von Velen geschaffen. Bei den Instandsetzungsarbeiten der 1920er Jahre wurde die Holzbalkendecke an einer Stahlbetondecke befestigt. Die ursprüngliche Wandtäfelung und die Wandmalereien gingen im und nach dem zweiten Weltkrieg verloren.[5]
Beschreibung
Der so genannte Rittersaal im Erdgeschoss des Nordflügels durchmisst mit 9,5 auf 15,3 Metern die gesamte Tiefe des Flügels und hat Fenster nach Osten und Westen. Er wird von zwei kleinen Räumen flankiert.[6]
Die verlorene Wandmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei wurde um 1650 für Alexander II. von Velen durch François Walschartz geschaffen. Sie ging im zweiten Weltkrieg bzw. bald danach verloren und ist nur in wenigen Fotografien dokumentiert.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Die Wände hatten ursprünglich eine Vertäfelung. 1922 konnte die Wandmalerei in den Fensterlaibungen fotografisch erfasst werden. Sie zeigte die antiken Götter, die jeweils auf ihrem gemalten Sockel beschriftet waren. Abgelichtet wurden Apoll mit Leier, ein gekrönter Jupiter mit Blitzbündel, eine Diana mit Pfeil, Bogen und einem Hütchen mit Mondsichel sowie Mars. Die Lambris imitierte eine Balustrade.[8]
Westraum im Nordflügel
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Westraum wurde um 1650 für Alexander II. von Velen geschaffen. Die ursprüngliche Raumausstattung ging im und nach dem zweiten Weltkrieg verloren.[5]
Die verlorene Wandmalerei
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Malerei wurde um 1650 für Alexander II. von Velen durch François Walschartz geschaffen. Sie ging im und nach dem zweiten Weltkrieg verloren.[5]
Beschreibung
In den Fensterlaibungen befanden sich Brunnen in einer Gartenlandschaft vor einem mit Vögeln belebten Himmel, wie es anhand von Fotografien aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ersichtlich wird. Die Malerei der Lambris präsentierte Kannen, Urnen und andere Gefäße.
Der mittlere Saal im Erdgeschoss des Westflügels
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der so genannte Mittelraum wurde um 1650 für Alexander II. von Velen geschaffen. Die ursprüngliche Raumausstattung ging im und nach dem zweiten Weltkrieg verloren.[5]
Beschreibung
Der Raum im Erdgeschoss des Westflügels wurde durch einen vorgeschalteten Raum von Süden aus betreten. Im Norden schloss sich ein weiterer Raum an.[9]
Die verlorene Deckenmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei entstand vermutlich um 1650 für Alexander II. von Velen. Der Maler war wahrscheinlich François Walschartz. Im 19. Jahrhundert wurde sie in einen klassizistischen Rahmen gespannt. Die Malerei ging spätestens um 1945 verloren.[10]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde zeigte eine Versammlung der olympischen Götter auf Wolken. Zu identifizieren sind anhand einer Fotografie Jupiter und Juno mit Merkur, Minerva, Apoll und Mars, Flora, Neptun und Ceres sowie Diana.[11]
Die verlorene Wandmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei entstand vermutlich um 1650 für Alexander II. von Velen durch François Walschartz. Sie ging spätestens um 1945 verloren.[10]
Beschreibung und Ikonographie
Die Wände hatten hölzerne Lambris, in deren Feldern sich gemalte, ornamental angeordnete Blumen, Urnen und Ranken befanden. Hinzu kam Malerei an den Flügeltüren, die Vogelarten, chinesische Gestalten auf Goldgrund und Raubtiere in exotischer Landschaft präsentierte.[12]
Nordraum im Erdgeschoss des Westflügels
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der so genannte Nordraum wurde um 1650 für Alexander II. von Velen geschaffen. Teile der Ausstattung wurden schon um 1900 nach Schloß Velen gebracht. Die Deckenmalerei wurde 1935 entfernt.[13]
Beschreibung
Der nördliche Raum im Westflügel war der größte und maß 9,45 auf 6,10 Meter.[14]
Die ehemalige Deckenmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei entstand vermutlich um 1650 für Alexander II. von Velen. Sie ging spätestens um 1945 verloren.[15] Der Maler war eventuell François Walschartz.
Beschreibung und Ikonographie
Die Kassettendecke gliederte sich um ein achteckiges Mittelfeld, welches von einem Eierstabfries innen sowie außen Fruchtgehängen und ferner Metopen umkränzt war. Zwischen den äußeren Kassetten befanden sich hermenartige Engelsfiguren. Die insgesamt fünf Kassetten nahmen Leinwandgemälde auf. „Die Decke zeigte eine hölzerne Aufteilung, die mit geschnitzten Engelsfigürchen, Ochsenschädeln, Kartuschen und Fruchtgehängen bereichert war. In das achteckige, mit einem Eierstab umrandete Mittelfeld, in die vier Eckfelder und zwei Längsstreifen an den Fronten waren Ölgemälde mythologischen Inhalts auf Leinwand gespannt, die seit langem beschädigt waren und jetzt ganz untergegangen sind.“[14] Die hölzernen Kassetten wurden in den südlichen Raum versetzt.[16]
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Fischer, Raesfeld, 2001. – Fischer, Ludger: Schloss Raesfeld (DKV-Kunstführer, Nr. 587/1). München/Berlin 2001.
- Rave, Borken, 1954. – Rave, Wilhelm (unter Mitwirkung von Stephan Selhorst): Kreis Borken (Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 46). Bearbeitet von Albert Ludorff. Münster 1954.
- Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995. – Schumacher-Haardt, Ursula: Schloß Raesfeld (Westfälische Kunststätten, 76). Münster 1995.
- Westfalen 41 (1963). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 41. Münster 1963.
- Archivalien:
- Raesfeld. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Raesfeld D, Schloß Raesfeld Vorburg.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 892-894; Fischer, Raesfeld, 2001; Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995; Rave, Borken, 1954, S. 350-383.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 892; Fischer, Raesfeld, 2001, S. 3-5, 9-12; Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 3-11.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 892-893; Fischer, Raesfeld, 2001, S. 5-18; Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 11-18; Rave, Borken, 1954, S. 367-382.
- ↑ Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 14.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Fischer, Raesfeld, 2001, S. 16; Rave, Borken, 1954, S. 372-373.
- ↑ Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 14; Rave, Borken, 1954, S. 372-374.
- ↑ Fischer, Raesfeld, 2001, S. 16; Rave, Borken, 1954, S. 373.
- ↑ Fischer, Raesfeld, 2001, S. 16; Rave, Borken, 1954, S. 374. Raesfeld.
- ↑ Fischer, Raesfeld, 2001, S. 18.
- ↑ 10,0 10,1 Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 15.
- ↑ Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 15; Rave, Borken, 1954, S. 378.
- ↑ Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 15-16.
- ↑ Fischer, Raesfeld, 2001, S. 16; Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 15; Westfalen 41 (1963), S. 205; Rave, Borken, 1954, S. 372-373.
- ↑ 14,0 14,1 Rave, Borken, 1954, S. 378.
- ↑ Fischer, Raesfeld, 2001, S. 18; Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 15.
- ↑ Fischer, Raesfeld, 2001, S. 18; Schumacher-Haardt, Raesfeld, 1995, S. 15; Rave, Borken, 1954, S. 378. Raesfeld.