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Römhild, ehem Lusthaus Merzelbach

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Römhild, ehem. Lusthaus "Merzelbach", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/5c153eef-4cc5-4450-ba61-ef8b1ff69165

Inventarnummer: cbdd10213

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Das Lusthaus Merzelbach war ein Festort mit Festsaal des Herzogs von Sachsen-Römhild, der 1695/97-1708 bestand. Es hat sich nichts erhalten. Der Bauherr verfasste jedoch eine ausführliche Architekturbeschreibung, die ca. 1700 erschien und auch einige der zahlreichen Deckengemälde benennt.

Römhild, Lusthaus Merzelbach - Hauptsaal
Römhild, Lusthaus Merzelbach - Hauptsaal

Das ehemalige Lusthaus Merzelbach

Kurzbeschreibung und Lage

Das Lusthaus Merzelbach stand ca. 1,5 Kilometer östlich der Residenzstadt Römhild in der Nähe des Merzelbachs. Es handelte sich anfänglich um eine epheremere Architektur, die von 1696 bis 1698/1700 in ständiger Veränderung begriffen war.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Lusthaus[1] im Merzelbach ging auf das 1695 hierher versetzte Lusthaus Elisabethenlust zurück. Die Elisabethenlust hatte sich aus einem zweigeschossigen achteckigen Zentralbau aus Fachwerk mit Zeltdach und vier zweigeschossigen Flügelbauten zusammengesetzt, die gleich einem lateinischen Kreuz an die Mitte angefügt worden waren. Anlass zur Errichtung der Elisabethenlust wie auch der zu ihrer Versetzung waren der Geburtstag der Frau Herzogs Heinrich – Marie Elisabeth – im März gewesen. Das Gebäude stand auf einer künstlichen Lichtung im Wald inmitten eines quadratischen Gartens mit Nebengebäuden an den Ecken.

Im Oktober 1696 erfolgte ein Umbau des Lusthauses für ein Herbstfest. Die Decke wurden gewölbt und der Herzog beschloss, das Gebäude „zur völligen Perfection, und in einen solchen Stand zu setzen/darinnen es künfftig beständig verbleiben/und unverrückt gelassen werden soll.“[2]

1697 wurde an den bestehenden Komplex ein großer Saal angefügt – das so genannte Concordienhaus. Herzog Heinrich plante ein Zusammentreffen mit seinen Brüdern am 25. Oktober, auf dem die Einheit des ernestinischen Hauses beschworen werden sollte. Es handelte sich um ein politisches Zusammentreffen und kein Familienfest, wie bisher. Das neue Gebäude nahm ausschließlich einen zweigeschossigen Saal auf und war der Eintracht –Concordia – der Ernestiner gewidmet. Es handelte sich um einen mit Latten beschlagenen Fachwerkbau mit Dachterrasse. Der Neubau schloss in der Längsachse des bestehenden Lusthauses an und wurde über einen kleinen Zwischenraum erreicht.

1698 ließ Herzog Heinrich das Concordienhaus erneut umgestalten, um hier die Verleihung des Elephantenordens durch den dänischen König Christian V. feiern zu können. Der Raum erhielt die Bezeichnung „Hauptgemach“. Die Ordensübergabe erfolgte durch eine dänische Gesandtschaft im Saal, der derart umgestaltet worden war, dass er der Ordenskirche von Schloss Fredriksborg entsprach, wo die Zeremonie der Übergabe stattgefunden hätte, wenn Heinrich vor Ort anwesend gewesen wäre.

Zuletzt wurde das Gebäude um einen Turm erweitert. Zugleich erfolgte eine Verputzung der Fachwerkbauten, sodass sich das Lusthaus äußerlich einer regulären Architektur anglich. Einen besonderen Anlass für die Maßnahmen gab es nicht. Der Innenraum wurde erneut umdekoriert und stellte nun Herzog Heinrich in den Mittelpunkt des Bildprogramms.

Es gab zahlreiche Gemälde im Komplex, die christliche und mythologische Themen zeigten, deren konkreter Anbringungsort jedoch unbekannt ist. Es handelte sich nicht um Deckenmalerei.[3] Diese ist nur aus dem Corncordienhaus bzw. Hauptgemach bekannt.

Bereits 1708 erfolgte der Abbruch des Lusthauses, ohne dass der Grund bekannt wäre. Das Einzigartige am Lusthaus war, dass die Architektur lange Zeit für jeden Anlass umgestaltet wurde und nicht nur ihre Ausstattung. Aufgrund einer reich bebilderten Publikation des Bauherrn, die um 1700 erschien, sind wir gut über ihr Aussehen informiert. Schwerpunkt der Beschreibung sind Brunnen, Leuchter, Spiegel und Statuen. Deckenmalerei wird meist nur summarisch abgehandelt.

Auftraggeber

Herzog Heinrich von Sachsen-Römhild[4] gehörte zu den jüngeren Söhnen Herzogs Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg, die 1688/81 zwar eine eigenständige Teillinie begründeten, jedoch nicht die volle Landeshoheit erlangten. Er war mit Marie Elisabeth von Hessen-Darmstadt verheiratet. Ihr zu Ehren wurden an ihrem Geburtstag im März jährlich Feste gegeben und Lustarchitekturen erbaut. Zu diesen gehört ursprünglich auch das Lusthaus im Merzelbach, das seinen Namen aufgrund des Geburtsmonats der Jubilarin erhalten hat.

Das so genannte Hauptgemach

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Hauptgemach[5] war durch Umgestaltung 1698 im 1697 erbauten Concordienhaus entstanden.

Beschreibung

Der längsgerichtete Raum hatte gegenüber dem Eingang einen annähernd halbkreisförmigen Abschluss. Vor die Wände waren Arkaden gestellt, die Pfeiler trugen und dem hohen Raum so die Anmutung einer Zweigeschossigkeit gaben. Im Untergeschoss trugen die Bögen dorische Pilaster auf Postamenten, vor die Putten mit Leuchtern und Spiegeln gestellt waren. Jonische Pilaster mit vorgestellten Stauten im Obergeschoss trugen eine gefelderte Decke. Zwischen den Pilastern standen weitere Statuen. Die Wände schmücken Leinwandbilder so genannter Fürstlicher Personen, vor allem der ernestinischen Fürsten und ihrer Frauen. Überreich war die Verteilung von Wappen und Emblemen. Über dem Eingang in den Raum befand sich ein Stammbaum der Ernestiner, Zielpunkt im Scheitel des abschließenden Bogens war ein Porträt von Herzog Heinrich.

Die Decke des Hauptgemachs

Römhild, Lusthaus Merzelbach - Hauptsaal

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde 1697/98 mit verschiedenen Bildern versehen, die seit 1697 aus Anlass verschiedener Feierlichkeiten in Öl auf Leinwand geschaffen worden waren. Es ist unbekannt, ob sich eines der Gemälde erhalten hat. Es ist möglich, dass der Hofmaler Dupree Schöpfer der Malerei war.

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke war durch zwei Unterzüge in Längsrichtung gegliedert und mit Akantuswerk bedeckt. In Stuckrahmen waren zahlreiche auf Leinwand gefertigte Ölgemälde eingelassen. Es heißt: „Die Decke in diesem Gemach bezieren die vier Elemente in Lebens-grösse gemahlet“.[6] Sie hatten sich bereits an der Decke des Condordienhauses befunden[7] und stammten ursprünglich von einer Festdekoration im Residenzschloss Glücksburg vom März 1697.[8] Es gab weitere Gemälde an der Decke, deren Thematik jedoch unbekannt ist.

Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit war auf den Eingang des Raumes hin ausgerichtet.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Hertel, Geschichte, 1905. – Hertel, Ludwig: Geschichte der Sonderlinie Sachsen-Römhild. In: Neue Landeskunde des Herzogtums Sachsen-Meiningen, 12. Hildburghausen 1905, S. 464-470.
  • Jacob, Heinrich, 1896. – Jacob, Gottlieb: "Heinrich, Herzog von Römhild 1676-1710. Lebens-, Charakter- und Zeitbild". In: Schriften des Vereins für Sachsen-Meiningische Geschichte und Landeskunde 21 (1896), S. 3-104.
  • Jacobsen/Schütte, Bau-Lust, 1997. – Jacobsen, Roswitha/Schütte, Ulrich: „Fürstliche Bau-Lust“ und die Feste am Hof von Sachsen-Römhild (1680-1710). Künstlichkeit und Dauerhaftigkeit der Sinnproduktion an einer ernestinischen Residenz. In: Schütte, Ulrich (Hrsg.): Kunst als ästhetisches Ereignis. Marburg 1997, S. 231-247.
  • Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier Landesherrlicher Bauaufgaben. Petersberg 2006.
  • Ulferts, Säle, 2000. – Ulferts, Edith: Große Säle des Barock. Die Residenzen in Thüringen. Petersberg 2000.
  • Laß, Baulust, 2010. – Laß, Heiko: Die fürstliche Bau-Lust des Herzogs Heinrich von Sachsen-Römhild. In: ephemere architektur (archimaera 3), S. 55-71. http://www.archimaera.de/2009/ephemere_architektur/lass_mertzelbach/lass_mertzelbach.pdf
  • Quellen:
  • Sachsen, Baulust, 1700. – Sachsen, Heinrich von: Des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Heinrichens, Hertzogen zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg [...] Dero Röm. Kayserl. Majest. bestellten General-Feld-Zeugmeister, auch Obristen über ein Regiment Dragoner, und eines zu Fuß Fürstliche Bau-Lust. Nach Dero selbsteigenen hohen Disposition, so wohl umb richtiger Ordnung willen in gewisse Theile abgefasset, Als auch mit vielen anmuthigen Kupffern und nachdenklichen Devisen versehen, und endlich zum vollständigen Druck verfertigt zur Glücksburg in Römhild. Im Jahr 1698. [Römhild 1700].

Einzelnachweise

  1. Laß, Baulust, 2010; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 92-97, S. 230-231, 431-432; Ulferts, Säle 2000, S. 42-49; Jacobsen/Schütte, Bau-Lust, 1997; Sachsen, Baulust, 1700.
  2. Sachsen, Baulust, 1700, Tl. 5, S. 20.
  3. Sachsen, Baulust, 1700, Tl. 7, S. Tl. 9, S. 63-65.
  4. Hertel, Geschichte, 1905; Jacob, Heinrich, 1896.
  5. Sachsen, Baulust, 1700, Tl. 9, zu dem Gemälden S. 62-65.
  6. Sachsen, Baulust, 1700, Tl. 9, S. 63.
  7. Sachsen, Baulust, 1700, Tl. 7, S. 40, Tl. 8, S. 54.
  8. Sachsen, Baulust, 1700, Tl. 6, S. 29.