Zum Inhalt springen

Puttgarden, ehem Bauernhof Wilder

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Puttgarden, ehem. Bauernhof Wilder, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/2c078a31-0f03-426b-bca5-fdfee8094e2b

Inventarnummer: cbdd20036

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Aus dem ehem. Hof Wilder hat sich in Schloss Gottorf eine translozierte Decke mit Malerei von ca. 1730/50 erhalten. Sie zeigt die Heimkehr des verlorenen Sohns, das letzte Abendmahl und den Barmherzigen Samariter. Flankiert werden diese Hauptbilder von jeweils vier Medaillons mit Putten.

Der ehemalige Bauernhof Wilder

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Der ehemalige Bauernhof Wilder wurde 1957 abgebrochen. Es sind keine weiteren Baudaten bekannt.[1]

Beschreibung

Vermutlich handelte es sich um ein typisches Fehmarner Bauernhaus, bei dem der Wirtschaftsteil ausgelagert und der Mittelbereich in eine vordere Diele und einen rückwärtigen Saal unterteilt war.[1]

Die translozierte Decke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei ist vermutlich zwischen ca. 1730 und ca. 1750 an der Eichenholzdecke des Saales in Kaseintechnik ausgeführt worden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde sie verdeckt und erst beim Abbruch des Hauses 1957 wieder entdeckt. Sie gelangte 1958 als Schenkung in das Landesmuseum in Schleswig nach Schloss Gottorf. Dort wurde sie restauriert. Fehlstellen sind teilweise ergänzt.[2]

Beschreibung und Ikonographie

Vier Deckenbalken bilden drei Fachen. Jede Fache nimmt auf graublauem Fond in der Mitte ein querrechteckiges polychromes Bild mit konvexen Erweiterungen an allen vier Seiten in weißem Rahmen auf. In der Mitte ist das letzte Abendmahl zu sehen, oben der verlorene Sohn und unten der barmherzige Samariter. Es wird an den Ecken jeweils von vier weiß gerahmten Medaillons flankiert, die in Rot und Rosa Putten präsentieren. Die übrige Fläche zwischen den Bildern und um diese herum ist mit rotem Bandelwerk, weißen Akanthusschlingen und wenigen anderen weißen Ornamentmotiven spiegelsymmetrisch gefüllt.[3]

Der verlorene Sohn

Beschreibung und Ikonographie

Das obere Bild zeigt die Heimkehr des Verlorenen Sohns. In der Mitte umarmt der Vater seinen vor ihm knienden Sohn. Links kommen aus dem Haus weitere Personen und sehen den beiden zu. Die Malerei ist stark beschädigt. Sowohl an den beiden Seiten als auch in der Mitte fehlen Bretter. So ist u.a. der Sohn selbst nicht mehr vorhanden.[4]

Das letzte Abendmahl

Beschreibung und Ikonographie

Das mittlere Feld zeigt das letzte Abendmahl. Es wird scheinbar hinter einem aufgezogenen roten Vorhang sichtbar. Christus sitzt an der Längsseite des Tisches, umringt von seinen Jüngern. Vor dem Tisch agiert ein Diener.[5]

Der barmherzige Samariter

Beschreibung und Ikonographie

Das untere Feld zeigt den barmherzigen Samariter, wie er dem Verwundeten hilft. Er hat ihn bereits auf seinen Schimmel gehoben, um ihn in die nahe Stadt zu bringen.[5]

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt weitgehend einem Kupferstich von Chrispyn de Passe.[6] Der Maler hat sich in Puttgarden stärker auf die Kernszene fokussiert.

Die Eckmedaillons

Beschreibung und Ikonographie

In den Eckmedaillons werden bzw. waren Putten zu sehen. Die Malerei ist schlecht erhalten und in der mittleren Fache komplett zerstört. Die Putten halten verschiedene Attribute oder gehen bestimmten Tätigkeiten nach. Um das obere Bild hält eine Putte ein Füllhorn, eine andere eine Korngarbe und eine dritte einen Obstkorb. Die vierte wärmt sich an einem Feuer. Es handelt sich um Allegorien der vier Jahreszeiten. In der unteren Fache gräbt eine Putte mit einer Forke in der Erde und eine andere hält eine Fackel. Die beiden weiteren Darstellungen sind nicht mehr zu bestimmen. Man wird aber nicht fehlgehen, hier Allegorien der vier Elemente zu sehen.[2]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
  • Archivalien:
  • Zugangsnummer 1958/510. – Landesmuseum Schleswig-Holstein, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Schloss Gottorf, Zugangsnummer 1958/510.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Zugangsnummer 1958/510.
  2. 2,0 2,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1445. Zugangsnummer 1958/510.
  3. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1444. Zugangsnummer 1958/510.
  4. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1444.
  5. 5,0 5,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1445.
  6. http://diglib.hab.de?grafik=graph-a1-1952w.