Prettin, Schloss Lichtenburg
Inventarnummer: cbdd10454
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Bei Sanierungsarbeiten in Schloss Lichtenburg traten seit den 1980er Jahren bemalte Holzbalkendecken sowie großflächige Wandmalereien zutage. Bei letzteren handelt es sich um seltene Beispiele illusionistischer Ausmalung aus dem späten 16. und/oder frühen 17. Jahrhundert.

Prettin, Schloss Lichtenburg

Bau- und Nutzungsgeschichte
Das Schloss Lichtenburg ist aus einem Kloster des Antoniterordens hervorgegangen. Kurfürst August von Sachsen (1526–1586) ließ die Klostergebäude abtragen und an ihrer Stelle ein mehrflügeliges Renaissanceschloss errichten. 1577 muss mit der Errichtung des Schlosses begonnen worden sein, 1582 war die Schlosskirche vollendet. Als Baumeister werden die kurfürstlichen Maurermeister Hans Irmisch und Christoph Tendler genannt. Schloss Lichtenburg ordnet sich künstlerisch in eine Gruppe von Schlossbauten Kurfürst Augusts von Sachsen ein, weist aber einige Besonderheiten auf. Dazu gehört der unregelmäßige Grundriss mit einer Trennung von Schloss- und Wirtschaftshof. Der Schlosshof wird nach Süden durch einen langgestreckten Flügel (A) begrenzt. An dessen östlichem Ende erhebt sich ein zurückgesetztes Torgebäude mit Turm. An der Westseite befindet sich der Flügel B. Im Schlosshof sind im Winkel zu den beiden Nachbarflügeln Treppentürme angeordnet. Die nördliche Begrenzung des unregelmäßigen Schlosshofs übernimmt der vielteilige, zerklüftete Flügel D, den man in die Einzelbauten D1 bis D3 gliedern kann. Der Flügel D3, der nach Osten wiederum mit einem Treppenturm mit Haube versehen ist, leitet zur Schlosskirche über, die nach spätgotischen Vorbildern gestaltet wurde. Es handelt sich um eine zweischiffige Hallenkirche mit Chorpolygon und Einwölbung, welche durch hohe Maßwerkfenster belichtet wird. Der Flügel D begrenzt zugleich den im Norden gelegenen Wirtschaftshof, in den ein Quertrakt des Flügels D1 hineinragt. Weitere jüngere Bauten, die den Wirtschaftshof umgrenzen, sind die Flügel B, C und E. Prägende architektonische Elemente des Schlosses Lichtenburg sind die Renaissanceportal und die rhythmisch angeordneten Renaissance-Volutengiebel, während die Schlosskirche der spätgotischen Bautradition folgt.
Schloss Lichtenburg war von 1580 bis 1585 Wohnsitz von Kurfürstin Anna von Sachsen (1532–1585), einer geborenen Prinzessin von Dänemark. Die Gattin Kurfürst Augusts hatte vermutlich maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung der Schlossanlage gehabt. Nach ihrem Tod diente Schloss Lichtenburg als Witwensitz sächsischer Kurfürstinnen. Von 1611 bis 1647 lebte hier Hedwig von Sachsen, geborene Prinzessin von Dänemark (1581-1641), die Witwe des jung verstorbenen Kurfürsten Christian II. von Sachsen (1683–1611). Die Reihe der dänischen Prinzessinnen in Prettin setzt sich fort mit Anna Sophie von Dänemark (1647–1717), der Mutter Augusts des Starken. Die Witwe Johann Georgs III. von Sachsen nahm im Schloss Lichtenburg auch ihre Schwester auf, die Kurfürstin Ernestine Wilhelmine von der Pfalz (1650–1706), die infolge des Todes ihres Gatten und des Pfälzischen Erbfolgekrieges die Pfalz verlassen musste. Seit 1717 war das Schloss nicht mehr bewohnt. Von 1810 bis 1928 diente es als Strafanstalt. 1815 fielen große Teile Sachsens, darunter auch Prettin, an das Königreich Preußen, was die Verbindung zu Sachsen beendete. Von 1933 bis 1942 wurden Teile der Schlossanlage als Konzentrationslager sowie Kaserne, Ausbildungs- und Versorgungslager der SS-Totenkopfverbände genutzt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht das Schloss, mit Ausnahme einiger temporärer Wirtschaftsnutzungen, weitgehend leer. 1974 begann die Erschließung der Innenräume für eine angedachte Museumsnutzung. Dabei wurden bereits in den 1980er Jahren bemalte Holzbalkendecken entdeckt. Weitere Entdeckungen folgten bei der statischen Sicherung der Decken und Dachwerke in den 1990er/2000er Jahren.
Beschreibung der Decken- und Wandgestaltungen
Bei den freigelegten Decken handelt es sich um Felderdecken, die durch die tragenden Deckenbalken in einzelne Reihen unterteilt werden. Zwischen die Deckenbalken sind Bretter eingeschoben. In regelmäßigem Abstand eingefügte hervorstehende Querbretter (Stulpbretter) untergliedern diese Reihen in rechteckige Felder. Dadurch entsteht eine Felderteilung. Sämtliche Holzbauteile trugen eine Bemalung.
Es lassen sich zwei Gestaltungsperioden unterscheiden. Eine erste Gestaltung erfolgte um 1580 bei der Errichtung des Schlosses. In einzelnen Räumen liegt auf dieser ersten Bemalung eine zweite Farbschicht. Diese kann der Nutzung ab 1611 durch Hedwig von Dänemark zugeordnet werden. Vermutlich im ausgehenden 17. Jahrhundert wurden die sichtbaren Holzbalkendecken durch untergehängte einfach Putzdecken verkleidet.
Raum mit Deckengestaltung im Gebäudeflügel B1
B1, 1. OG (Prettin 1): Die Deckenbalken tragen auf der Unterseite eine Rankenbemalung, ihre Flanken sind mit einer braun getönten Marmorierung versehen. Die Querbretter sind weiß getönt und unverziert. Die Felder haben einen weißgrauen Grund mit schwarzer Umrandung. Darauf befinden sich zentralsymmetrische Ornamente in der Art von Beschlagwerk. Dabei sind die Rücklagen gelb, grün oder hellblau getönt. In der Mitte können sich Diamantquader befinden.
Raum mit Deckengestaltung im Gebäudeflügel D1
D1, 1. OG, hofseitig (Prettin 2): In einem der früheren Museumsräume im Flügel D1 trat bei der Abnahme einer jüngeren Übermalung eine ältere Fassung zutage. Die Unterseiten der Deckenbalken sind mit einem Rankenfries bemalt, eingefasst von Linien und Zierstreifen. Die 6 freigelegten Deckenfelder zeigen unterschiedliche zentral- oder spiegelsymmetrische Muster, die sich aus Ranken, Arabesken und Bänder zusammensetzen. Dabei überwiegen die Farbtöne Blau, Orange, Gelb und Grau.
Raum mit Deckengestaltung im Gebäudeflügel A: Torhaus
A, Torhaus, 1. OG (Prettin 4 und 5): Die weiß getönten Deckenbalken sind mit grünem Rankenwerk bemalt. Die Felder sind ebenfalls grau getönt und von einer schwarzen Doppellinie eingefasst. In der Mitte bildet ein braunes Band unterschiedlich geformte Zierflächen. In Teilen dieser Zierflächen und in den Randpartien befinden sich aufgemalte grüne Ranken. Dabei wechselt die Anordnung dieser Ranken von Feld zu Feld, ohne dass ein Schema zu erkennen ist.
Gebäudeflügel D3, 3 OG Frauengemächer
D3, 3. OG, Frauengemächer: Die Deckenbemalung der drei Räume, die unmittelbar an die Schlosskirche grenzen, wurde um 1982 durch Abnahme der untergehängten Decken entdeckt und von 1986 bis 1991 von Restaurator Andreas Schulze freigelegt. 2012 erfolgte eine Notsicherung durch Christine Pieper und Tino Simon. Diese wurde 2014 von den Restauratoren Christine Pieper, Lydia Dietrich und Tino Simon fortgesetzt. Die Räume werden erst seit den 1990er Jahren als „Frauengemächer“ bezeichnet.
Frauengemach Süd/A
D3, 3. OG, Frauengemach Süd oder A (Prettin 6-11): Aufgrund der Lage des Raumes mit Zugang auf die Westempore der Schlosskirche, die Fürstenempore, handelte es um eines der Gemächer der Kurfürstin.
Decke
Die Decke gliedert sich in acht von Ost nach West verlaufende Deckenbalken mit sieben dazwischenliegenden Reihen aus wiederum je acht Feldern. Jedes Deckenfeld besteht aus 3-4 Brettern. Querbretter nehmen eine Kassettenteilung vor. In der ersten Gestaltungsphase wurden Schwundrisse im Holz mittels aufgeklebter Papierstreifen kaschiert. Die Felder wurden mit einer grüntonigen Rankenmalerei versehen. Die Balken und Querbretter zeigten rote Marmorimitationen sowie Beschlagwerk und Diamantquader. In der zweiten Gestaltungsphase wurden textile Kaschierungen aufgebracht, um Schwundrisse und Brettfugen zu überdecken. Die Deckenbalken erhielten eine graue Marmorimitation, von der sich Felder mit Beschlagwerk und Diamantquadern sowie Zierfelder mit braun getönten Marmorierungen abheben. Die Querbretter tragen Zierfelder mit grau gehaltenen Marmorierungen. Die Deckenfelder sind mit illusionistischen Mustern bemalt, die durchbrochen erscheinen. Es wird der Eindruck erweckt, als schaue man durch eine Art Maßwerkmuster auf einen hell- bis tiefblauen Himmel. Im zentralen Durchbruchsfeld befindet sich jeweils ein goldener sechszackiger Stern auf blauem Grund.
Wand
Wandmalerei (Prettin 6, 11, 17, 18, 19): Mehrere Wände sind mit einer vollflächigen illusionistischen Bemalung versehen, die teilweise freigelegt wurde, teilweise noch verdeckt bzw. nicht erhalten ist. An der Ostseite führt eine mittig angeordnete Rundbogentür auf die Westempore der Schlosskapelle. Links von der Tür öffnet sich in einer Wandnische eine angeschnittene Arkade, hinter der nochmals Bogenstellungen zu sehen sind. Die beiden Fenster geben den Ausblick in einen Landschaftsraum mit grünen Hügeln frei. In der Arkade hängt ein Ring, in der ein Vogel (Papagei oder Sittich) sitzt. Auf dem illusionistischen Fliesenboden befindet sich ein Steinblock, auf dem ein Affe (oder eine Meerkatze?) sitzt. Im Sockel befindet sich eine ebenfalls illusionistisch gemalte vergitterte Bogenöffnung. Im Dunkeln dieses Raums erkennt man ein weiteres Tier, das als Wolf gedeutet wird. Die Tür in der Raummitte ist von zwei aufgemalten Säulen eingefasst, die einen Balkon mit gemalter Balustrade tragen. Dahinter befindet sich ein Türbogen, und man erkennt, dass eine männliche Gestalt die Tür öffnet und auf den Balkon tritt. Die freigelegten Bereiche der Wandfläche rechts von der Tür lassen erkennen, dass sich die Architekturperspektive dort fortsetzte und offenbar auch Staffagefiguren enthielt. Jedoch wurde dort die Wandnische, die links der Tür erhalten ist, sekundär zugemauert und die neue Wandoberfläche mit einer jüngeren Bemalung versehen. Es handelt sich um eine Landschaftsmalerei über einem Sockel, der mit aufgemalten Beschlagwerk verziert ist. Auch auf der Südwand, an der bisher nur Teilbereiche freigelegt wurden, findet man beide Wandfassungen. In der Mitte wurde eine zugemauerte Tür entdeckt, über der eine aufgemalte Balustrade zu sehen ist. Rechts wird über einem Sockel mit aufgemaltem Beschlagwerk der Blick in eine Landschaft freigegeben.
Frauengemach Mitte/B
Decke
D3, 3. OG, Frauengemach Mitte oder B (Prettin 3, 12): Fünf Deckenbalken, die auf einem Unterzug liegen, trennen vier Reihen mit Deckenfeldern voneinander. Jede umfasst acht Felder. Die Unterseiten der Deckenbalken tragen Diamantquader in Beschlagwerk. Dazwischen befinden sich auf einem ockerfarbenen Grund weiße Zierleisten. Die Deckenfelder sind im gleichen Ockerton gehalten und enthalten in der Mitte einen aufgemalten Edelstein unterschiedlicher Schliffe in Grün oder Blau, jeweils alternierend wechselnd, umgeben von ocker getöntem Beschlagwerk. Es ist so gemalt, als hätte man eine durchbrochene Decke vor sich, die den Ausblick auf eine grau getönte zweite Ebene frei gibt. In den Ecken jedes zweiten Feldes – es sind immer die Felder mit den grünen Diamantquadern in der Mitte – sind hellblaue Zierfelder ausgebildet, die ebenfalls wie Durchbrüche erscheinen.
Wand
Wandmalerei: Die Fenster sind mit aufgemaltem reichem Roll- und Beschlagwerk gerahmt.
Frauengemach Nord/C
Decke
D3, 3. OG, Frauengemach Nord oder C (Prettin 13, 15): Der Raum wird von neun Deckenbalken überdeckt, die auf einem Unterzug ruhen. In jeder Reihe befinden sich acht Deckenfeldern, die von Querbrettern getrennt werden. Die Unterseiten der Deckenbalken sind mit Beschlagwerk bemalt, das teilweise grüne Diamantquader enthält, und zeigen Zierfelder mit grauer Marmorimitation. Das Muster der Deckenfelder wechselt alternierend. Das Muster 1 besteht aus einem Zentralfeld mit viertelkreisförmig abgeschnittenen Ecken, umgeben von einer schwarzen Randleiste und bemalt mit einer grauen Marmorierung. Die Eckfelder sind ocker gehalten und von einer weißen Randleiste umgeben. Das Muster 2 zeigt zentralsymmetrisches Beschlagwerk in Grau und Ocker mit einem blauen Diamantquader in der Mitte.
Wand
Wandmalerei (Prettin 14, 20): Die Wände sind mit einer Bogengliederung versehen. In diesen Bögen sitzen die Fenster, die den Ausblick in die Landschaft gewähren. Sie sind von aufgemaltem Roll- und Beschlagwerk umgeben. Der hervortretende Pfeiler zwischen den Wandbögen der Ostwand zeigt eine illusionistische Malerei. Man sieht eine illusionistisch gemalte Nische mit Sockel. Auf diesem Sockel steht die goldbraune Figur des Gottes Merkur. Im erhobenen rechten Arm trägt er den Caduceus (Merkurstab). Durch die Malweise wird der Eindruck erweckt, Merkur sei eine vergoldete Bronzeplastik. Der Pfeiler auf der gegenüberliegenden Westwand zeigt in einer Nische die ähnlich gestaltete Figur der Fortitudo. (Eine Abbildung lag bislang nicht vor.)
Schlosskirche
Weitere Ausmalungen gibt es in der Schlosskirche. Das gesamte Gewölbe trug ehemals eine Bemalung. Diese wurde später übertüncht. Die letzte Überfassung erfolgte bei der Kirchenrenovierung 1870. Lediglich das östliche Joch des Kirchengewölbes unter der Orgelempore war nie übermalt. Es ist vom Kirchenraum heute nicht mehr sichtbar, da der Platz unter der Orgelempore verbaut und verstellt ist. Dieses Gewölbefeld (Prettin 16) wird durch sich überkreuzende Rippen in Kappen gegliedert. Die Rippen tragen eine ornamentale Bemalung in Geld, Grau und Grüngrau. Die Flanken der Rippen sind mit einem Wellen- und einem Zahnfries bemalt. Dunkelrote Einfassungen umgeben die Gewölbekappen, die jeweils als Wolkenhimmel gestaltet sind. Inmitten der blau getönten Wolken sieht man nackte Putten, teils mit farbigen Flügeln, teils mit Umhängen, die auf den Wolken sitzen oder in ihnen fliegen.
Kunsthistorische Einordnung
Die Deckenbemalungen der ersten Gestaltungsphase sind durch die reiche Anwendung von Beschlagwerk und Diamantquadern gekennzeichnet. Diese Gestaltung folgt zeittypischen Dekorationen, die um 1570 bis 1590 im kursächsischen Schlossbau mehrfach vorkommen. Dabei wurden Dekorationselemente, die in der Architektur und Bildhauerkunst (vgl. Portale, Raumauskleidungen, Altaraufsätze) in dreidimensionaler Gestalt auftreten, in eine zweidimensionale Malerei übertragen.
Die zweite Gestaltungsphase ist von einer starken Anwendung illusionistischer Gestaltungsmittel geprägt. Die beiden Decken in den Frauengemächern A und B erhielten eine Neufassung, die sich immer noch an das manieristische Dekor der ersten Gestaltungsphase anlehnt, aber nunmehr illusionistisch gemalte Durchbrüche aufweist. Zeitgleich müssen die Wandmalereien entstanden sein, die ebenfalls den Eindruck einer dreidimensionalen Architektur samt Ausblick auf hintere Raumebenen erwecken. Das einzige Vergleichsbeispiel im mitteldeutschen Raum ist der Venussaal im Schloss Augustusburg, den Hofmaler Heinrich Göding (1531–1606) um 1570 gestaltete. Dort ist der gesamte Raum mit einer aufgemalten illusionistischen Architektur umgeben. Mario Titze weist zurecht darauf hin, dass diese Art der Raumgestaltung auf die italienischen Meister Gabriele (vor 1515–vor 1575) und Benedetto Tola (vor 1525–1572) zurückgehen könnte, die am Bau des Dresdner Residenzschlosses mitwirkten. Die zweite Gestaltungsphase in Prettin wird mit Hedwig von Dänemark in Verbindung gebracht, die das Schloss Lichtenburg ab 1611 zu ihrem Witwensitz ausbauen ließ. Das hätte eine Datierung in die Zeit nach 1611 zur Folge und bedeutet, dass hier Künstler einer nachfolgenden Generation nach den Brüdern Tola und Heinrich Göding zum Einsatz kamen. Mario Titze konnte bei der Quellenauswertung zu Schloss Prettin nachweisen, dass hier der Hofmaler Johann Fasold tätig war. Er wurde 1606 als Hofmaler angestellt und malte nachweislich 1612 die Schlosskirche aus. Im Jahr 1619 starb er. Titze entdeckte in der perspektivischen Malerei des Frauengemachs A die kaum leserliche Jahreszahl 1616. Er hat diesen Befund nicht dokumentiert und bislang nicht vor Ort wiedergefunden. Dennoch geht er davon aus, dass Fasold diesen Raum um das Jahr 1616 ausmalte. Spätestens, als er 1619 starb, muss die Ausmalung bestanden haben. Das schließt jüngere Datierungen aus. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kurfürstinwitwe Hedwig von Dänemark in den sogenannten Frauengemächern A bis C lebte und die Ausmalung in Auftrag gab.
Die jüngere Landschaftsausmalung im Frauengemach A wird von Mario Titze in das frühe 18. Jahrhundert datiert. Dies ist jedoch anzuzweifeln. Die Sockel mit dem illusionistisch gemalten Beschlagwerk sind in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zu setzen. Offenbar gab es nach der Ausstattungsperiode unter Kurfürstin Hedwig eine nochmalige Neugestaltung. Möglicherweise steht diese damit in Verbindung, dass Hedwig im Schloss Lichtenburg den 1628 abgesetzten Herzog Adolf Friedrich I. von Mecklenburg (1588–1658) aufnahm. Zwei seiner Kinder, Prinz Johann Georg (1629–1675) und Prinzessin Anna Maria, wurden in Prettin geboren und wuchsen unter der Obhut Hedwigs auf. Dies könnte für eine Neugestaltung in den 1630er Jahren sprechen.
Weitere Forschungen stehen noch aus. Die Decken- und Wandmalereien im Schloss Lichtenburg sind – bis auf die wenigen Bemerkungen in Titze 2011 – unpubliziert geblieben.
Bibliographie
- Titze, Mario: Annaburg und Lichtenburg. Schloßbauten des Kurfürsten August von Sachsen und seiner Gemahlin Anna von Dänemark, in: Andersen, Michael/Bøggild Johannsen, Birgitte/Johannsen, Hugo (Hrsg.): Reframing the Danish Renaissance. Problems and Prospects in a European Perspective. Proceedings of the International Conference in Copenhagen 28 September – 1 October 2006, Copenhagen 2011, S. 183-195.