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Potsdam, Lordmarschallhaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Hinterkeuser, Guido:Potsdam, Lordmarschallhaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/91f7672f-5279-48d6-8d6e-628063291c9d

Inventarnummer: cbdd10545

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Friedrich der Große überließ seinem Gesandten Lordmarschall Georg Keith ein Grundstück in der Nähe von Schloss Sanssouci auf dem 1764 das Lordmarschallhaus errichtet wurde. Als Prunkstück des Baus galt der Gartensaal, dessen Bemalung nicht erhalten ist. 2009 wurde der Bau umfassend restauriert.

Das Lordmarschallhaus

Baugeschichte

Das Lordmarschallhauswurde 1764 nach einem Entwurf von Heinrich Ludwig Manger errichtet.[1]Bauherr war Lordmarschall Georg Keith, dem Friedrich der Große dafür das Grundstück überlassen hatte. Der 1693 in Schottland geborene George Keith, der sich ab 1714 für die Rückkehr der Stuarts auf den englischen Thron eingesetzt hatte, kam 1747 nach Berlin. Friedrich der Große fand Gefallen an ihm und vertraute ihm verschiedene Missionen als Gesandter an. Sein Potsdamer Haus fiel nach seinem Tod im Jahr 1778 wieder an die Krone. Es befindet sich heute im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und wurde 2009 umfassend saniert und restauriert.

Baubeschreibung

Das Lordmarschallhaus bildet eine Dreiflügelanlage, bestehend aus dem eigentlichen Wohnhaus und zwei sich nach Süden erstreckenden Wirtschaftsgebäuden, die einen Ehrenhof rahmen. Der Hauptbau auf rechteckigem Grundriss ist eingeschossig, sitzt allerdings auf einem hohen Kellergeschoss, so dass der Haupteingang vom Hof nur über eine steile zweiläufige Freitreppe zu erreichen ist. Der auf beiden Seiten leicht hervortretende Mittelrisalit weist drei Achsen auf, denen sich rechts und linkszwei je vierachsigeRücklagen anschließen (denen auf der Hofseite aufgrund der anstoßenden Seitenflügel jedoch beidseits je zwei Fenster). Der Mittelrisalit ist zudem um ein durchgehendes zweites Geschoss erhöht, das sowohl auf der Garten- wie der Ehrenhofseite in Erscheinung tritt. Erscheint der Risalit zum Hof hin als kantiger Block, löst er sich auf der Gartenseite in sanfter Schwingung aus dem Fassadenverband – eine Reminiszenz an Schloss Sanssouci, wo die beiden Mittelrisalite auf ähnliche Weise behandelt sind.

Schlossumfeld

Das Lordmarschallhaus liegt am äußersten südlichen Rand des Parks von Sanssouci. Als Hôtel entre Cour et Jardin steht es zwischen dem königlichen Garten und der bürgerlich geprägten Brandenburgischen Vorstadt. Seine Mittelachse führt auf die Mitteder Weinbergterrassen zu, so dass es dem Mittelrisalit von Schloss Sanssouci direkt gegenüberliegt, was angesichts der großen Entfernung und des gewaltigen Höhenunterschieds jedoch kaum auffällt. Bis zur Errichtung des Neuen Palais war damit geliebäugelt worden, auf dem anderen Havelufer ein Schloss zu errichten, dass dem Weinbergschloss direkt gegenüber gelegen hätte.[2] Nachdem man dieses Projekt aufgegeben hatte, war der Weg frei, das auf dieser Achse liegende Grundstück mit dem Lordmarschallhaus zu bebauen.

Forschungsstand

Aktuelle Publikationen zum Lordmarschallhaus fehlen. Die im Zusammenhang mit der Sanierung des Gebäudes erarbeiteten Studien und Gutachten sindnicht publiziert.

Der Saal

Der Gartensaal liegt im Erdgeschoss des Mittelrisalits, das freilich über ein hohes Sockelgeschoss deutlich erhöht wird. Sein Grundriss folgt einer Ellipse, was dazu führt, dass sämtliche Wände geschwungen sind. Den beiden Fenstern und der Mitteltür an der Außenwand entsprechen an der Rückwand der Hauptzugang vom Vestibül und zwei Ofennischen. Weitere Türen befinden sich an den Schmalseiten. Über einer niedrigen Voute liegt die flache Decke.

Die Ausmalung der Ofennische des Saals

Im Zuge der Sanierung des Lordmarschallhauses ab 2009 fanden sich in einer Ofennische interessanteReste barocker Wandmalerei, die aus der Erbauungszeit stammen dürften. Man vermutet, dass sie von Carl Wilhelm Fechhelm stammt. Dargestellt ist ein überkuppelter Raum, der sich mit zwei schräggestellten offenen Arkaden, auf deren Gewände der Betrachter schaut, ins Freie zur Natur hin öffnet. Hinter den Arkaden sieht man hellgrüne Bäume und einen hellblauen Himmel. Zwei weitere Arkaden wird man sich an der Stelle des Betrachters denken müssen, um die Konstruktion des Zentralbaus zu vervollständigen. Ungewöhnlich erscheint, dass die Arkadenbogen einander nicht berühren, so dass keine Zwickel ausgebildet werden, sondern die geschlossene Wandfläche vom Boden bis zum Gesimsansatz der Flachkuppel reicht. Ob der gelbe Schirm ein Hinweis auf eine chinoise Szene ist, die sich ursprünglich hinter dem Ofen abspielte, wird wohl für immer ungeklärt bleiben, da sich die untere Partie des Gemäldes nicht erhalten hat. Ferner bleibt offen, was es mit den weißen blasenartigen Gebilden auf sich hat, die symmetrisch über das Bild verteilt sind.

Das moderne Wandgemälde im Saal

Die Wandflächen zwischen Fenstern, Türen und Nischen wurde gegen 2015 mit Szenen exotisch anmutender Figuren in roter Camaieu-Malerei vor hellgrünem Grund bemalt. Sie sind eine freie Erfindung, denn es gibt außer den aufgefundenen Spuren in der südwestlichen Ofennische keine Indizien dafür, dass sich ursprünglich überhaupt figürliche oder sonstige Malereien an den Wänden dieses Saals befanden. Motivisch und malerisch sind die Wandgemälde ein Rekurs auf verschiedene Wandgemälde in Schloss Sanssouci, etwa die Camaieu-Veduten über den Spiegeln der Kleinen Galerie oder die Chinoiserien von Friedrich Wilhelm Höder in den Gästezimmern. Die teilweise gesichtslosen Figuren, man sieht Europäer, Chinesen, Indianer und Orientalen, agieren wie auf einer Bühne, hinter der die Landschaften als Kulisse erscheinen.

Bibliographie

  • Schneider, Louis: Das Haus des Lord Marschall, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams, Neue Folge 1, 1875, S. 143–151.
  • Mielke, Friedrich: Potsdamer Baukunst. Das klassische Potsdam, Berlin 1998.
  • Drescher, Horst: Das Neue Palais in Potsdam und der Spätstil der friderizianischen Architektur, in: Sperlich, Martin/ Börsch-Supan, Helmut (Hrsg.): Festschrift für Margarete Kühn, München/Berlin 1975, S. 217–236.

Einzelnachweise

  1. Zum Lordmarschallhaus: Schneider, Haus des Lord Marschall, 1875; Mielke, Potsdamer Baukunst, 1998, S. 407.
  2. Drescher, Das Neue Palais, 1975, S. 226 – 230.