Pfalzpaint, Filialkirche St. Andreas
Filialkirche, Gemeinde Walting, Pfarrei Gungolding, Diözese Eichstätt. In Pfalzpaint, das Ortsadeligen gehörte, war bis 1469 auch der Pfarrsitz, der dann nach Gungolding verlegt wurde. Ab 1658 gehörte Pfalzpaint zum Hochstift Eichstätt. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken.
Patrozinium: St. Andreas
Zum Bauwerk: Typische Chorturmanlage im ehem. Hochstiftsgebiet. Die ältesten Teile finden sich in den mittelalterlichen Untergeschossen des Turmes, deren Entstehung im Zusammenhang mit einem heute noch erhaltenen romanischen Bergfried und einem mittelalterlichen Schloss, dessen Mauerbestände in einem 1779 errichteten Bauernhaus aufgegangen sind, zu sehen sind. Ab 1707 Neubau des Langhauses und Turmerhöhung durch den Eichstätter Baumeister Jakob Engel. Hans Schönauer betreute als sein Palier den Bau, der von den Maurermeistern Michael Säckler von Pfalzpaint, Martin Säckler und Sebastian Ganser ausgeführt wurde. 1711 waren die Bauarbeiten abgeschlossen, wie der erhaltene Entwurf »Rechnung über das neuaufgebaute Gotteshaus S
LHs (15,50×6 m) in Form eines schmalen Saales zu zwei Fensterachsen, eingezogener und ausgeschiedener AR (3,50×3,80 m) mit geradem Schluss. Belichtung im LHs mittels hoch liegenden, rundbogenförmiger Fensteröffnungen, im AR durch ein ebensolches im Süden. An die südliche Langhausseite angebaut die sog. Wieskapelle, vermutlich in der Barockzeit. Die Orgelempore ursprünglich mit gerader Brüstung, nachträglich die Mitte auskragend. Keine architektonische Gliederung, lediglich profiliertes Gesimsband am Übergang zur Flachdecke im LHs. Stuck aus zwei mit Blüten besetzten Gebinden aus Akanthusranken in den Längsachsen, kartuschenähnlichen Gebilden in den Querachsen und Muscheln in den Ecken als Rahmung des Deckenbildes B, Fresko A von zarten Blütenzweigen gerahmt, Rosen- und Glockenblumensträuße am Kreuzgewölbe im AR um ein leeres, vierpassförmiges Bildfeld.


Auftraggeber: Der Gungoldinger Pfarrer Franz Leonhard Götz (1726–30) und damit Hausherr der Pfalzpainter Kirche z. Z. der Ausmalung. Die Emporenbilder – von dem Apostelzyklus sind 6 Bilder erhalten – sind nachweislich der Inschriften Stiftungen von Pfarrangehörigen, deren Lebensdaten und Berufe in den Kirchenbüchern der Pfarrei Gungolding eruiert wurden. So stiftete der Ehehaftrichter und Bauer Philippus Baumgartner (? 1694 † 27. 10. 1768) den hl. Philipus, der Jäger Jacobus Schaidel (* um 1681 † 11. 9. 1764) den hl. Jakobus d. J., der Weber Joannes Reiner (* um 1686 † 11. 5. 1766) den hl. Simon, der Weber Thomas Dorner (* um 1678 † 30. 9. 1758) den hl. Thomas und der Kramer Adam Hitner (* um 1661 † 10. 3. 1735) den hl. Mathias. Barbara Neder, deren Namen bei der Darstellung des hl. Bartholomäus steht, konnte nicht in den Kirchenbüchern nachgewiesen werden.
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Matthias Zink (* 1665 Donaumünster † 1738 Eichstätt) 1728. Datierung in B - wenn auch nur undeutlich lesbar - 1728 rechts im Erdstreifen.
Der Vermutung Felix Maders in den KDB von 1928, den Eichstätter Maler Matthias Zink als den Urheber der Fresken zu sehen, ist zuzustimmen. Die Einfachheit der Bildkomposition des Hauptfreskos B spricht für Zinks Vorliebe für einansichtige Darstellungen. Auch der sichere Malduktus und die detailfreudige Schilderung entsprechen dem Stil Zinks. Die Entzifferung der Jahreszahl mit 1728 erhält ihre Bestätigung dadurch, dass dieselbe Jahreszahl – wenn auch sicher übergangen – über dem Chorbogen zu finden ist. Außerdem wurde Matthias Zink im gleichen Jahr für das Malen der Apostelkreuze bezahlt.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 6,10 m; 1,20 × 1,85 B Höhe 6,10 m; 4,16 × 2,25
EB1-6 je 1,10 × 0,40
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrenovierungen 1947/48 und 1991–93. Nach dem Gutachten des BLfD von 1939 waren beide Deckenbilder im LHs nicht übermalt, aber durch Staub, Rauch und Feuchtigkeit mit dickem Schleier überzogen. Es wurde gefordert, die Orgel so umzubauen, dass das bis dahin (und heute wieder) verdeckte Fresko zu sehen sein könne. In die wegen des Kriegs erst 1947/48 durch Leopold Seefried, Spalt durchgeführte Restaurierung war es einbezogen. Die Malerei im Chorgewölbe sollte entfernt und nach einer alten darunter gesucht werden; das Bildfeld ist heute weiß übertüncht. An den geraden Flächen der Emporenbrüstung wurden sechs Apostelfiguren freigelegt. Die durch eine spätere halbkreisförmige Ausbuchtung der Brüstung dadurch fehlenden sechs Apostel wurden 1993 von Kunstmaler Vinzent Lessig, Eichstätt, neugemalt. Bei der letzten Restaurierung 1992 durch Konrad Wiedemann, Ebenhausen, wurde eine 1947/48 aufgetragene Lasur, die sehr nachgedunkelt war, am Hauptbild mit Wasser und Alkohol wieder entfernt. Dabei »traten nicht nur die ursprüngliche Farbigkeit, sondern auch die Schäden und der Schmutz hervor. Der derzeitige Zustand ist hinzunehmen. Retuschen sind auf die Wolke zu beschränken, auf der St. Ulrich thront.« (Gutachten BLfD, York Langenstein). Für die Decke und den Stuck war die Erstfassung, Wand in gebrochenem Weiß, Stuckprofile und Rücklagen der Kartuschen grau, Akanthusranken Rot und Ocker, verbindlich. Der Erhaltungszustand von A weitgehend original, B retuschiert.
Beschreibung und Ikonographie
Entgegen dem Kirchenpatrozinium, nach dem man eine Darstellung des hl. Andreas in einem der Deckenbilder vermutet, ist das Hauptfresko B dem hl. Ulrich von Augsburg gewidmet. Laut Franz Xaver Buchner besaß die Kirche ein diesem Bischof geweihtes »altare portatile«. Die Verehrung dieses Heiligen, der u. a. Patron der Fischer ist und bei Wassergefahren und Überschwemmungen um Hilfe gebeten wird, gründet möglicherweise in der Bedeutung der Fischerei für den an der Altmühl liegenden Ort Pfalzpaint (in den Kirchenbüchern Gungoldings taucht die Berufsbezeichnung Fischer häufig auf). Daher scheidet ein Stifter namens Ulrich wohl aus, was man zunächst vermuten könnte. Die Schutzengeldarstellung in Fresko A betont die beschützende Rolle der Engel, wie dies auch Ulrich während der Schlacht auf dem Lechfeld widerfahren ist, und ist von der Ausstattung der Eichstätter Schutzengelkirche inspiriert.
A SCHUTZENGEL MIT KIND (keine Abb., da aufgrund 1906 eingebauter Orgel größtenteils verdeckt) Das querovalförmige Bildfeld zeigt inmitten einer einansichtig konzipierten Landschaftsdarstellung ein Kind mit seinem Schutzengel, beide sich an der Hand haltend. Das Kind schaut zum Engel auf, während an seinem Gewandzipfel ein Teufelchen zerrt, um es zum Würfelspiel zu überreden. Der Engel trägt ein Krönchen und hält in der rechten erhobenen Hand, deren Zeigefinger zum Himmel deutet, ein Kreuz. – Die Szene nimmt die Motive des Wirkens eines Engels für die Menschheit und des Kreuzes auf, die im Hauptbild eine zentrale Rolle spielen. Die Darstellung von Lechfeldschlacht und Schutzengel dürfte in dieser Form singulär sein und erklärt sich aus der Nähe Pfalzpaints zur Residenzstadt Eichstätt. Hier entstand 1716/17, also gut 10 Jahre vorher, in der Jesuitenkirche ein umfangreicher Freskenzyklus, der das Wirken der Engel im Heilsgeschehen in Szene setzt, darunter auch die Darstellung des Schutzengels. Der Schutz vor dem Teufel gehört zu den Pflichten des Schutzengels. Die Lehre vom Schutzengel entwickelte Jeremias Drexel SJ (? 1581 Augsburg † 1638 München), Hofprediger in München und Verfasser bedeutender asketischer Schriften, ausgehend von der Geschichte von Tobias und dem Engel (Tob 5,4–11,21). Als Fest wurde es 1608 von Paul V. eingeführt und 1670 von Clemens X. für die ganze Kirche vorgeschrieben. Matthias Zink können die Fresken an den Emporenbrüstungen in der Eichstätter Schutzengelkirche zugeschrieben werden (s. S. 128), was die Vorbildfunktion für Pfalzpaint letztlich erklärt.
B HL. ULRICH UND DIE SCHLACHT AUF DEM LECHFELD Das hochrechteckige, an den Ecken eingezogene Bildfeld zeigt in einer streng einansichtigen Komposition den hl. Ulrich in Wolken über einer Darstellung der Schlacht auf dem Lechfeld. Auf dem schmalen, einleitenden Erdstreifen sind vor der Stadtkulisse Augsburgs von rechts nach links reitende Heerscharen abgebildet. Ganz rechts reitet der hl. Ulrich, gekennzeichnet als Bischof. Er hält in seiner rechten erhobenen Hand ein Kreuz. Dieses »Crux victorialis« hatte ihm der Legende nach ein Engel während der Schlacht auf dem Lechfeld gegeben. Damit sollte der göttliche Beistand und der

Anteil des damaligen Augsburger Bischofs an einem der bedeutendsten Siege des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, nämlich dem Sieg Kaiser Ottos des Großen über die Ungarn am 10.8.955, der letztlich das Ende der Ungarnkriege bedeutete, ausgedrückt werden. Ulrich scheint die Ungarn – diese sind durch turbanähnliche Kopfbedeckungen und Fahnen mit Halbmonddarstellungen verdeutlicht – in die Flucht zu schlagen. Bei dem direkt vor ihm reitenden Krieger, der sein Schwert drohend über dem Kopf schwingt, dürfte es sich um einen der Befehlshaber, um Otto I. selbst oder den Führer des fränkischen Heeres, Konrad den Roten, handeln. Gut Dreiviertel des Bildfeldes nimmt die Himmelszone ein, in der die auf Wolken sitzende Figur des hl. Ulrich mit englischem Begleitpersonal zu sehen ist. Als Bischof trägt Ulrich Pontifikalgewandung samt Mitra, das Pedum hält er in seiner linken Hand, mit seiner Rechten weist er auf die Kirche St. Ulrich und Afra, die in der Stadtsilhouette auszumachen ist. Ein Engel hält das Buch, in dessen aufgeschlagene Seiten er mit den Fingern verweist. Zur Rechten Ulrichs tragen zwei Putten die Attribute Fisch und Ulrichskreuz. Der Fisch verweist auf das Wunder, nachdem ein Stück Fleisch, das Ulrich dem Boten des Bischofs Konrad von Konstanz gegeben hatte, dieser jedoch, um Ulrich zu schaden, es am Freitag überreichte, in einen Fisch verwandelt wurde. Die sowohl in den Buchseiten als auch in der Wolke darüber stehenden Buchstaben und Zahlen können nicht gedeutet werden. Aus einer gelben Wolke fallen Lichstrahlen auf Ulrich, womit das göttliche Einlenken während der Schlacht verdeutlicht ist.
Das Pfalzpainter Deckengemälde zählt Karl Kosel zusammen mit dem Fresko des Malers Carl Praunek aus Rennertshofen in Gundelsheim (Stadt Treuchtlingen) von 1736 zur »Eichstätter Gruppe« der im Bistum Augsburg und den Nachbargebieten verwirklichten Darstellungen der Ungarnschlacht im 18. Jh. Kosel verweist auf die Abhängigkeit des Darstellungstypus von zwei Vorbildern, die er allerdings später datiert als Pfalzpaint, was, auch aufgrund der nun feststehenden Datierung von 1728 – zuvor wurde es um 1707–10 datiert – neu diskutiert werden müsste, wie ebenso das Motiv des Gewitters, das Kosel in Pfalzpaint sehen will. Mechthild Müller verweist darauf, dass die Pfalzpainter Komposition eines der seltenen Formulierungen dieses Bildtypus in Deckenfresken des 18. Jhs. ist, das das Motiv des mit dem Kreuz in der Hand mitreitenden Bischofs zeigt. Beliebter als dieses der Wirklichkeit entsprechende Motiv ist die Kreuzesübergabe, in der ein vom Himmel herabschwebender Engel das Siegeskreuz Ulrich entgegenhält. Die Version Lechfeldschlacht mit Ulrich, das Kreuz haltend, und einer darüber dargestellten Glorie, eignete sich dagegen eher für Altarblätter.

EB1-6 APOSTELZYKLUS (nur teilweise erhalten) Die Brüstung der Orgelempore schmückt an den seitlichen, geraden Teilen (die Bemalung des mittleren, vorkragenden Teiles stammt von 1993) eine gemalte Arkadenbogenstellung, zwischen die ganzfigurige Darstellungen der Apostel eingefügsind. Die untere Sockelzone zeigt die Bezeichnung der Apostel mit dem Namen des jeweiligen Stifters auf.
EB1 S: PHILIPVS./Philibus Baumgartner mit Buch und Stabkreuz
EB2 S: IACOBVS MiNOR/Jacob Schaidel H. F. Textor mit der Walkerstange
EB3 S: BARTOLOMEVS/Barbara Nederin mit Haut und Messer
EB4 S: SIMON/Hans Rainer mit Buch und Säge
EB5 S: TOMAS/Tomas Dorner mit Lanze
EB6 S: MATHIAS/Adam Hitner mit Schriftrolle und Beil
Quellen und Literatur
DAEI, Pfarrakten Gungolding I,4: Baulichkeit an der Filialkirche; Kirchenbücher Gungolding 3, 4 und 11 zu den Stiftern; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche.
BLfD, Akt Pfalzpaint, Filialkirche St. Andreas V. D. T. 1 ... D.
Kunstinventar Diözese Eichstätt, Pfalzpaint, bearbeitet von Christina Grimminger, 1995.
KDB V MF (2), S. 256-66
Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 435-42 (Pfarrei Gungolding).
Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 61, 1965/66, S. 9–92, hier: S. 26.
Kosel, Karl, Die Darstellungen der Ungarnschlacht im 18. Jahrhundert, in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte e.V. 8, 1974, S. 121–61, hier: S. 141f.
Müller, Mechthild, »In hoc vince«. »In hoc vince«. Schlachtendarstellungen an süddeutschen Kirchendecken im 18. Jahrhundert. Funktion und Geschichtsinterpretation (= Europäische Hochschulschriften, Reihe XXVIII, Bd 115), Frankfurt am Main 1991, S. 22, 109.
Dehio OB 1990, S. 967; 2006, S. 1054
C. G