Pförring, Pfarrkirche St. Leoonhard
Pfarrkirche, Markt (seit 1318) Pförring, Diözese Regensburg; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrpfründe dem Reichstift St. Emmeram in Regensburg inkorporiert (Präsentationsrecht 1266/72 von Bamberg an Regensburg). An der Kapelle bestand eine Sebastiansbruderschaft, die vor 1670 mit der Corpus-Christi-Bruderschaft vereinigt wurde. Pfleggericht Vohburg, Rentamt München, 1803–1972 Landkreis Ingolstadt/OB.
Patrozinium: St. Leonhard; Nebenpatrone Maria und Sebastian
Zum Bauwerk: Das am Hochufer der Donau und ehemals an einem wichtigen Flussübergang gelegene Königsgut schenkte Kaiser Heinrich II. 1007 dem neu gegründeten Bistum Bamberg. Die vom Domkapitel Bamberg 1180 erbaute Doppelturmanlage ist in ihren östlichen Teilen ein romanischer Bau, ursprünglich als dreischiffige Basilika mit Westquerhaus angelegt. Nach einem Großbrand 1554, der nur die drei Apsiden verschonte, wurde die Kirche einschiffig aufgebaut unter Einbeziehung der drei romanischen Apsiden und der Unterbauten des Ostturmpaares. Weihe 1555. 1711/12 Barockisierung und Erweiterung um 2 Achsen (9 m) nach Westen, Abbruch des einsturzgefährdeten Gewölbes und Einbau einer Flachdecke mit Stuck und Fresken. Barocke Innenausstattung, Hochaltar vor 1715, 1719 Seitenaltäre, der Wendelinsaltar von Abt Wolfgang Mohr (1714–25) von St. Emmeram geordert. 1903 nochmalige Erweiterung durch querschiffartige Anbauten an der Nord- und Südseite und Verlängerung nach Westen um zwei Achsen (9 m) mit Emporen durch Johann Baptist Schott. München. Die barocke Stuckierung, die der Stilstufe um 1710 entspricht, aber nicht zugeordnet werden kann, wurde dabei fortgeführt, Deckenbilder von Waldemar Kolmsperger, München. Weihe 1905.
Langhaus (34 × 9 m, Länge des romanischen Baus ca. 15 m, des barocken ca. 25 m) zu sieben Achsen mit querhausartigen Anräumen mit Emporen. Pilastergliederung mit Kapitellen, die ein umlaufendes Gesims mit Hohlkehle tragen. Gezogener, einjochiger Chor (6,20 × 4,35 m) zwischen zwei niedrigen Nebenkapellen, die in den Turmuntergeschossen liegen, mit apsidialem Schluss. Belichtung des Chors durch zwei hohe Rundbogenfenster in der Rundung. Die Nebenkapellen öffnen sich zum Chor, gegen das Langhaus sind sie verschlossen.
Auftraggeber: In der Chorbogenlaibung befindet sich in einer von Mitra bekrönten Stuckkartusche das Wappen des Reichstifts St. Emmeram in Regensburg (Reichsadler und goldene Lilien auf blauem Grund, Schlüssel und Palme auf rotem Grund) mit dem Abtswappen von Abt Johann Baptist Hemm (1694–1719; Mohr im Lendenschurz mit Pfeil und Bogen). Pfarrer in Pförring war Dr. Mathias Weinmann (1709–32)
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1712. Die Künstler der Innenausstattung sind durchweg unbekannt.


lokalhistorisch nahe liegend sind einheimische Meister aus den Gerichten Vohburg oder Ingolstadt oder aus St. Emmeram in Regensburg. 1704 malte in Pförring der Maler Hans Niclas Stadtlmayr zwei kleine Bilder, 1705 der Maler Hans Georg Sedlmayer 12 neue Apostelkränz in die Kirche (Pfarrarchiv Pförring, Kirchenrechnungen).
Die Entstehungszeit ist auf die Regierungsspanne von Abt Johann Baptist Hemm eingegrenzt, was dem stilistischen Befund entspricht. Die Fresken sind, was den hochbarocken Stil und die bescheidene Qualität betrifft, vergleichbar mit der Ausmalung Georg Schredters in der Pfarrkirche Kösching (S. 296–306). Wie diese ist auch die Pförringer Ausmalung durch ihre wechselhafte Geschichte, frühe Übertünchung, Freilegung, mehrfache Überarbeitung nur noch als Restaurierungsmalerei anzusehen.
E Eine frühbarocke Ausmalung wurde 1967 durch Walter Scheidemantel in der nördlichen Apsiskapelle freigelegt. Sie zeigt in einem Kreuzgewölbe (2,50×2,00 m) in gemalten Medaillons die vier Evangelistensymbole (keine Abb.).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit Hohlkehle und profiliertem Gesims; AR Tonnengewölbe mit Stichkappen
Rahmen: sämtliche Deckenbilder durch Stuckprofil gerahmt. Technik: Fresko und Secco; polychrom
Maße: A Höhe 7,95 m; Ø 2,90
B Höhe 7,95 m; 5,40 × 4,50
C Höhe 7,95 m; Ø 2,90
D Höhe 8,50 m; 2,00 × 2,00 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Deckenbilder wurden bereits 1788 übertüncht, weil »sie ganz schwarz geworden waren und die Renovierung zu viel gekostet hätte« (KKF, S. 12). 1903 wurden sie durch Waldemar Kolmsperger freigelegt und im westlichen Anbau neue im Stil der alten hinzugefügt. Signatur im Fresko über der Orgelempore 1905 W. Kolmsperger Ren. Th. Gämmerler 19. (Gämmerler malte mit Kolmsperger auch in Lenting die neubarocken Deckenbilder). 1966 Renovierung durch Fa. Hugo Preis und Walter Scheidemantel, Parsberg, Inschrift im gleichen Fresko farbig eingestimmt 1966 W. Scheidemantel, in Fresko B rest. W. Scheidemantel 1966 und an der Westwand der nördlichen Apsiskapelle Walter Scheidemantel 1967; erneute Restaurierung 1980 durch Konrad Wiedemann, Ebenhausen.
Bei der letzten Restaurierung 2005 durch Fa. Johann Kallinger, Regensburg, waren die Deckenbilder verrußt und verstaubt. Die Retuschen puderten durch schwach gebundene Pigmentierung ab. Kolmsperger hatte als Bindemittel Kalkkasein verzichtet.
In der Befunduntersuchung durch Kirchenmaler Dietmar E. Feldmann, Abensberg, von 2003 heißt es: »Die Originalsubstanz der Deckengemälde ist an den geringen Sondierungsstellen fragmentarisch in einer fresco-secco-Mischtechnik
Bildabfolge
Barocke Langhausfresken, alle drei mit Blickrichtung nach Westen, was ungewöhnlich ist.
A MARTYRIUM DES HL. SEBASTIAN (erneuert) Die kreisrunde Komposition wird in der Mittelachse von einem Baum beherrscht, an dem der hl. Sebastian mit Stricken gefesselt ist. Er ist in die Knie gesunken, seine Feldherrenkleidung liegt am Boden. Zwei Engel ziehen ihm die Pfeile aus dem Leib und befreien ihn vom Marterbaum. In einer Wolke hält ein Putto Palme und Märtyrerkranz bereit. – Der hl. Sebastian wird in Pförring besonders verehrt, ihm ist der linke Nebenaltar geweiht und an der Kirche bestand eine Sebastiansbrüderschaft.
B ABENDMAHL (erneuert) Die Komposition geht vermutlich auf eine Stichvorlage des 17. Jh. zurück. Schauplatz ist eine gewölbte Halle, die seitlich von roten Säulen geschmückt und von einer grünen Vorhangdraperie mit goldenen Fransen eingefasst ist. Unter einem Bogen steht der Tisch, an dem Jesus und seine Jünger das Abendmahl halten. Jesus segnet das Brot. Auf dem Steinboden in der vorderen Rahmenausbuchtung steht dekorativ eine Schale mit zwei Trinkgefäßen. Ein aufgeschlagenes Buch auf dem Gesims zeigt die Bibelstelle Hoclest/ corpus/ meum/ Mt 26,26.
B1–4 ERZENGEL Längliche Ovalmedaillons mit ganzfigurigen Darstellungen (erneuert) B1 S. GABRIEL mit Lilie in der Gebärde der Verkündigung
B2 S. MICHAEL als Seelenwäger
B3 S. RAPHAEL mit einem großen Fisch im Arm
B4 S. VRIEL streckt einen Arm über den Kopf.
C HL. WANDEL (erneuert) Maria und Joseph schreiten in einer Landschaft dahin, den Jesusknaben zwischen sich an der Hand. Der irdischen Trinität in der Horizontalen steht in der Längsachse die himmlische Trinität gegenüber: über dem Jesuskind in Wolken Gottvater und die Geisttaube.
1–6 HEILIGE Medaillons mit heiligen Frauen und Männern in Brustbildern, 1–3 Nordseite, 4–6 Südseite:
1 S. AGATHA Die als vornehme junge Frau wiedergegebene Heilige sitzt an einem Tisch, hinter dem ein Säule aufragt, und stützt die Hand auf einen Teller, auf dem eine ihrer Brüste liegt. In der andern Hand hält sie die Märtyrerpalme. Agatha von Catania erlitt ihr Martyrium unter Kaiser Decius. Weil sie die Anträge des Stadtpräfekten Quintian abwies und dem christlichen Glauben nicht abschwor, wurden ihr die Brüste abgeschnitten. Der hl. Petrus erschien ihr im Kerker und heilte ...

== PFORRING == sie. Sie erlitt den Tod auf glühenden Kohlen. Agatha ist Patro nin der Ammen und gegen Brustleiden.







2 S. OTTILLIA Als Benediktinerin dargestellt betet die Heilige vor einem Kreuz. Auf einem Buch liegen zwei Augen St. Ottilia stammt aus dem Elsass. Sie wurde blind geboren und bei der Taufe sehend. Ottilia ist Patronin gegen die Blindheit.
3 APOLLONIA Wie Agatha als vornehmes junges Mädchen im Rokokokostüm an einem Tisch mit Säule. In den Händen hält sie ihre Attribute, eine Zange und die Märtyrerpalme. Apollonia von Alexandrien erlitt ihr Martyrium 249 durch Selbstverbrennung, nachdem ihr die Kinnlade zerschmettert worden war; nach späterer Überlieferung wurden ihr die Zähne herausgerissen. Sie ist Patronin gegen Zahnleiden.
4 St. FLORIAN als jugendlicher Soldat mit Herzogshut, das Wasserschaff bezieht sich auf sein Patronat gegen Feuersbrunst.
5 S. VTHO - St. Wolfgang? Der Benediktinerabt hält in der Hand ein Kirchenmodell, auf einer Anhöhe in der Ferne ist eine Kapelle zu sehen, dahinter ein See. In der Hand hält er ein Beil. Utto von Metten war um 770 Benediktinerabt in Kloster Metten. Sein Attribut, das Beil, bezieht sich auf eine Legende mit Karl dem Großen, der Utto beim Bau seiner Hütte das Beil an einem Sonnenstrahl aufhängen sah (LCI Bd 8, Sp. 528). Der hl. Utto wird nur im Bereich von Metten verehrt. Möglicherweise handelt es sich bei der Darstellung um den hl. Wolfgang und die Inschrift war bei der Freilegung nicht mehr kenntlich. Wolfgang war Benediktiner und Bischof von Regensburg. Seine Attribute sind Beil und Kirchenmodell – nach der Legende wollte Wolfgang, als er sich in die Einöde am Attersee bei St. Wolfgang zurückgezogen hatte, von Gott mit einem Beilwurf die Stelle erfahren, an der er seine Kirche bauen wollte – das Attribut ist auch als sog. Petrusschlüssel abgewandelt – so im Wappen von St. Emmeram. Als Bistumspatron und mit dem Wappen am Chorbogen ist seine Darstellung nahe liegend.
6 S. ROCH(US) Der Heilige in Pilgertracht zeigt auf die Pestwunde an seinem Knie, ein Hund schaut zu ihm auf, im Hintergrund eine Landschaft mit Haus. Der hl. Rochus pflegte bei Piacenza die Pestkranken, bis er sich selbst ansteckte. Er zog sich zurück und wurde von einem Hund täglich aus der Stadt mit Brot versorgt. Patron gegen die Pest
Chorfresken
D VERSUCHUNG DES HL. BENEDIKT (erneuert) Am Boden ausgestreckt wälzt sich der Heilige in einem Dornengestrüpp, um der Versuchung durch lüsterne Gedanken zu
entgehen. Kutte und Abtsstab sind auf einem roten Stein abgelegt. Im Hintergrund schiebt der Teufel eine junge Frau, die die Arme reckt, vor sich her, von einem Amoretto begleitet. In Wolken erscheint Christus mit dem Kreuz.
D1-4 Vier Stuckkartuschen um das Chorfresko zeigen die Brustbilder vier heiliger Benediktinermönche (erneuert, nicht mehr namentlich zu benennen)
D. Benediktiner mit Abtstab
D2 Benediktiner schmiegt einen Kruzifix an seine Wange
D. Benediktiner kniet betend in der Einöde vor einem Kreuz, ein Rabe kommt mit Brot im Schnabel? Hl. Meinrad?
D4 Benediktinermönch mit gefalteten Händen
Neubarocke Deckenbilder in den beiden westlichen Jochen (Waldemar Kolmsperger 1905) Mittelbild: Der König von Frankreich in Begleitung seiner Jagdgesellschaft besucht den hl. Leonhard in den Wäldern von Limoges
In den Ecken vier Engel als Sinnbilder der Arbeit, des Gebets, der Wohltätigkeit und der Geduld – Labor - Patientia - Oratio - Beneficientia - dazwischen in querovalen Medaillons die hll. Notburga und Isidor.
Quellen und Literatur Pfarrarchiv Pförring (von Matok ausgewertet) BZAR, Pfarrakten Pförring 51 (Auswertung Xaver Luderböck). BLfD, Akt Pförring, Pfarrkirche St. Leonhard Kunstinventar Bistum Regensburg, Pförring, bearbeitet von Friedrich Fuchs, 1999. Henle, Anton von, Matrikel des Bisthums Regensburg. Nach der allgemeinen Pfarr- und Kirchenbeschreibung von 1860 Regensburg 1863, S. 283 f. KDB I OB (1), S. 88f. Henle, Anton von, Matrikel der Diözese Regensburg, Regensburg 1916, S. 397f. Historischer Atlas Ingolstadt, S. 234–38, 328. Matok, Franz Xaver, Pförring St. Leonhard (= KKF Nr. 1221), München-Zürich 1980. Die Beschreibung des Bistums Regensburg von 1723/24, hg. Von Manfred Heim (= BGBR, Beiband 9), Regensburg 1996 S. 273 ff. Dehio OB 1990, S. 968; 2006, S. 1055 C. B