Panker, Gut Panker
Inventarnummer: cbdd10402
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Aus Gut Panker hat sich eine translozierte Holzbalkendecke von ca. 1700 erhalten, die mittels vier Emblemen die vier Elemente darstellt.

Gut Panker

Kurzbeschreibung und Lage
Gut Panker[1] ist unweit der Ostsee gelegen. Der weiträumige Komplex setzt sich aus zahlreichen Bauten zusammen. Das Hauptgebäude ist am Rand gelegen.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Panker war seit der Zeit um 1400 im Besitz der Familie Rantzau. Um 1650 ließ die Familie ein neues Herrenhaus errichten und um 1700 mit Seitenflügeln nach Süden zur einer Dreiflügelanlage erweitern. 1739 wurde Panker vom schwedischen König Friedrich und zugleich Landgrafen von Hessen-Kassel erworben und zusammen mit den Gütern Schmoel, Hohenfelde und Klamp für die ihm morganatisch angetraute Gräfin Hedwig Ulrike von Taube zur Herrschaft Hessenstein vereinigt. Der Sohn der beiden – Friedrich Wilhelm – wurde 1741 in den Grafenstand und 1772 mit dem Titel eines Fürsten von Hessenstein als Personalist in den Reichsfürstenstand erhoben. Gegen 1800 wurde Panker in den Zustand gebracht, in dem es sich bis heute weitgehend erhalten hat. An die Nordseite des Herrenhauses wurden zwei Eckpavillons gesetzt. 1808 gelangte das Gut an die Kurfürsten von Hessen-Kassel. Ab 1954 wurde das Innere umgestaltet und neu ausgestattet. Der eigentliche Wirtschaftshof brannte 1957 ab. Das Gut mit seinen Ländereien und Gebäuden gehört heute der Hessischen Hausstiftung.
Beschreibung
Das Herrenhaus besteht aus einer zweigeschossigen, nach Süden hin geöffneten Dreiflügelanlage mit übergiebeltem dreigeschossigen Mittelrisalit unter einem Walmdach. Im Norden sind an die Gebäudeecken zwei dreigeschossige Eckpavillons über längsrechteckigen Grundrissen mit Walmdächern und Dachreitern angefügt. Die Fassade wird durch Eckrustika, Gesimse und Ohrenrahmen der kleinteiligen Sprossenfenster gegliedert. Das Innere ist vor allem von den zahlreichen Umbauten geprägt.
Eine Decke von 1695/1705
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Durch einen glücklichen Umstand hat sich im Besitz der Hessischen Hausstiftung eine Holzbalkendecke [2] aus Gut Panker erhalten. Sie wurde um 1700 für Detlev Rantzau und seine Frau Lucia Buchwald geschaffen. Detlev gelangte 1695 in den Besitz von Panker und verstarb 1705,[3] womit die Malerei recht genau datiert werden kann. Später wurde sie verdeckt, 1957 wieder entdeckt und anschließend transloziert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke hat fünf Fachen. Sie wird heute komplett von Balken umfangen. Die letzte Fache ist durch zwei Balken zusätzlich in drei Felder unterteilt. Während in der Mitte der Fachen je ein polychromes rundes Bildnis in einer fingierten grau-weißen Kartusche zu sehen ist, werden die übrigen Bereiche der Fachen von grau-weißen Akanthusschlingen auf blauem Grund gegliedert. In der zweiten Fache von oben befinden sich rechts und links der Kartusche farbige Figuren. Die linke stellt einen Mann dar, der das Wappen der Familie Rantzau hält, die rechte eine Frau, die das Wappen der Familie Buchwaldt präsentiert. Sie sind auf das Auftraggeberpaar Detlev von Rantzau und Lucia von Buchwaldt zu beziehen. Die Bildnisse zeigen Landschaften, die mit Sinnsprüchen gleich Emblemen versehen sind.
„Ich steige frisch hinauf. / in unverdroßnen Lauff.“
In der ersten Fache wird in der Kartusche ein Springbrunnen in einem Garten präsentiert. Der Sinnspruch dazu lautet: „Ich steige frisch hinauf. / in unverdroßnen Lauff.“
„Er richt sich in die höh. / Gerad das man ihn seh.“
In der zweiten Fache mit den Wappen zeigt die Kartusche ein einsam aufragenden Baum. Der Sinnspruch ist: „Er richt sich in die höh. / Gerad das man ihn seh.“ Der männliche Wappenhalter stellt Blickkontakt zum Betrachter her, die weibliche Figur ist im Profil zu sehen und hält zusätzlich einen Palmwedel.
„Daß Heilig. Feur verzehrt. / Waß seine güht ernehrt.“
In der Kartusche in der dritten Fachen erblickt man ein Weihrauchfass zusammen mit den Sinnspruch: „Daß Heilig. Feur verzehrt. / Waß seine güht ernehrt.“
„Nur immer in der Höh. / mit meinem flug ich geh.“
Die letzte Kartusche nimmt die Darstellung eines Vogels über einer Landschaft auf. Der beigegebene Sinnspruch lautet: „Nur immer in der Höh. / mit meinem flug ich geh.“
Programm
Offensichtlich werden hier die vier Elemente dargestellt. Der Springbrunnen steht für das Wasser, der Baum für die Erde, das Weihrauchfass für das Feuer und der Vogel für Luft.
Bibliographie
- Literatur:
- Broszeit, Kletkamp, 1991. – Broszeit, Sabine: Zwei bemalte Holzbalkendecken des 17. Jh's im Herrenhaus Kletkamp. Zur Thematik, Ikonographie und künstlerischen Gestaltung barocker Raumausstattung in Schleswig-Holstein. Magisterarbeit Kiel 1991.
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
- Rumohr, Ostholstein, 1989. – Rumohr, Henning von: Schlösser und Herrenhäuser in Ostholstein. 3. Aufl. Frankfurt a. M. 1989.
- Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
- Seebach, Herrenhäuser, 1985. – Seebach, Carl-Heinrich: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Neumünster 1985.
- Stilling, Herregårde, 2021. – Stilling, Niels Peter: Danmarks Herregårde. Slesvig og Holsten. Kopenhagen 2021.
Einzelnachweise
- ↑ Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 429-432; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 737-738; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 213-225; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 37-38; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 173-178.
- ↑ Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 431; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 377; Broszeit, Kletkamp, 1991, S. 131; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 223.
- ↑ Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 223.