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Ohrdruf, Residenzschloss Ehrenstein

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Ohrdruf, Residenzschloss Ehrenstein, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2021, URL: www.deckenmalerei.eu/ab95b8e1-d21f-46c1-93eb-6dec32ecdbc9

Inventarnummer: cbdd10177

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Für Schloss Ehrenstein wurden 1916 Wandfresken aus der Zeit von 1600 bis 1616 entdeckt, beschrieben und rekonstruriert.

Ohrdruf, Schloss Ehrenstein
Ohrdruf, Schloss Ehrenstein

Schloss Ehrenstein in Ohrdruf

Ohrdruf, Schloss Ehrenstein

Kurzbeschreibung und Lage

Am Nordrand der Stadt Ohrdruf ist Schloss Ehrenstein[1] gelegen. Im Osten der unregelmäßigen Vierflügelanlage stehen die Reste eines Wirtschaftshofes, im Norden erstreckt sich ein formaler Garten. Gegen die Stadt ist dem Schloss ein Platz vorgelagert. Ohrdruf war von 1342 bis 1631 im Besitz der Grafen von Gleichen. Dann starb das Grafenhaus aus und Ohrdruf gelangte an die Grafen von Hohenlohe.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Schloss Ehrenstein wurde ab 1550 für Graf Georg II. auf den Mauern des 1523 aufgelösten Petersklosters erbaut. Die Baumeister waren Georg und Valentin Kirchhof. Nach seinem Tode nutzte seine Witwe das Schloss von 1573 bis 1599. Dann verlegte Graf Philipp Ernst die Residenz nach Ohrdruf und 1610–1616 erfolgte der Ausbau zum Residenzschloss. 1631 gelangte Ohrdruf an die Grafen von Hohenlohe-Neuenstein, 1750 an die Teillinie Hohenlohe-Langenburg, die das Schloss modernisieren ließ. 1869 gelangte Schloss Ehrenstein in Staatsbesitz. Es wurde für schulische und Verwaltungszwecke umgebaut. 1933 kam ein Heimatmuseum in Teile des Gebäudes. Ab 1971 erfolgten sukzessive Rekonstruktions- und Sanierungsmaßnahmen. 2013 kam es kurz vor Bauabnahme der Sanierung infolge eines Brandes zu schwersten Schäden am Schloss.

Auftraggeber

Die Grafen von Gleichen beherrschten seit 1130 weite Bereiche des Thüringer Beckens. Bereits Ende des 13. Jahrhundert begann ihre Macht zu schwinden. Das Haus teilte sich in verschiedene Linien, deren letzten vier um 1600 innerhalb von zwei Generationen ausstarben.

Beschreibung

Schloss Ehrenstein stellt sich heute als eine unregelmäßige zwei- bis dreigeschossige Vierflügelanlage dar mit einem markanten siebengeschossigen Turm an der Südostecke. Die Hoffassaden zeigen bemerkenswerte Bauplastik, wobei der Ostflügel am reichsten geschmückt ist. An der östlichen und südlichen Hoffassade befindet sich je ein zweigeschossiger Erker. Eventuell waren hier ursprünglich Treppentürme geplant.

Die von Heiß rekonstruierten Wandmalereireste im Speisesaal und in der Kapelle

Beschreibung und Ikonographie

1916 beschreibt Ernst Heiß, dass im Speisesaal und in der Schlosskapelle Reste von Wandfresken entdeckt worden seien.[2] „Möglich war die Rekonstruktion der Doppelfenster im Speisesaal, sowie der Einzelfensterumrahmungen an der Ostseite des Kirchenschiffs, die mit den Wandmalereien am Gartengiebel ein zusammenhängendes Ganzes bildeten.“ Darüber hinaus seien nur noch an den Fenstern des „Hofausschusses“ geringe Reste von Malerei erhalten. Dies bestätigt aber laut Heiß seine Vermutung, dass der Raum ringsum bemalt war. Prinzipiell sind als ornamentaler Schmuck Bandelwerk-, Rollwerk- und Beschlagwerkornamente sowie Grotesken mit floralen und animalischen Elementen verwendet worden. Vor diese sind „einfach und groß gezeichnet ausdrucksvolle Gestalten“ sowie Kartuschen gestellt.

Die Malerei im Speisesaal

Für den Speisesaal zeigt Heiß zwei Rekonstruktionszeichnungen[3] der Malerei. Rechts und links der Fenster stehen auf Postamenten Tugendpersonifikationen. Heiß nimmt u.a. die Gerechtigkeit (Justitia) und den Glauben (Fides) an. Über den Fenstern lagern weitere Frauengestalten, die eventuell ebenfalls allegorisch gedeutet werden konnten.

Die Malerei in der Kapelle

Für die Kapelle im Obergeschoss des nördlichen Ostflügels präsentiert Heiß eine Rekonstruktion,[4] die nicht nur eine Fensterumrahmung, sondern einen ganzen Wandabschnitt wiedergibt. Die Malerei ist vermutlich 1616 zur Weihe der Kapelle vollendet gewesen. Links des Fensters ist in einer Kartusche ein Engel zusehen, der mit ausgestrecktem Arm nach links weist. Rechts des Fensters ist ein querrechteckiges Bildfeld definiert, auf dem die Gründung des Petersklosters dargestellt wird. Auf den Grundmauern dieses Klosters steht Schloss Ehrenstein und mit der Malerei soll offensichtlich eine Traditionslinie in die Gegenwart vom Kloster zum Schloss hergestellt werden. Zu sehen war laut Heiß die Grundsteinlegung des Klosters 980.[5]

In der Mitte ist der Gründungsstein. Hinter ihm auf einem Postament steht ein Mann mit Schriftrolle. Ein Mann mit Zepter rechts des Steins soll der Gründer des Ohrdrufer Klosters, der Hersfelder Abt Gozbert sein. Er trägt eine Soutane und sein Begleiter ebenfalls. So sind sie als Mitglieder des geistlichen Standes kenntlich gemacht. Links des Steins erblickt man die Bewohner Ohrdrufs mit der ortsüblichen Schaube, einem kurzen Überziehrock und als Kopfbedeckung einen Mützentopf mit Gugel. Die Frauen tragen einen hochgeschürzten Faltenrock. Sie sind offenbar von der Zeremonie ergriffen, werfen die Arme in die Luft oder sind im Begriff, niederzuknien. Umfangen werden die Bildfelder überwiegend von Rankenwerk und Arabesken.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Cramer, Ehrenstein, 2014. – Cramer, Peter: Geschichte des Schlosses Ehrenstein. In: Ständer, Manfred: Schloss Ehrenstein in Ohrdruf. 1964 bis 2014. Erfurt 2014, S. 118–119.
  • Dehio, Thüringen, 1998. – Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Thüringen, bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. Berlin/München 1998.
  • Heiß, Ehrenstein, 1916. – Heiß, Ernst: Das Ohrdrufer Schloß „Der Ehrenstein“, [Ohrdruf 1916].
  • Laß, Residenzen, 2016. – Laß, Heiko: Fürsten und ihre Residenzen in Thüringen (Große Kunstführer der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. 5). Regensburg 2016.
  • Lehfeldt, KMD Ohrdruf, 1898. – Lehfeldt, Paul (bearb.): Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Sachsen-Gotha II. Band. Landrathsamtsbezirk Ohrdruf (Die Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens). Jena 1898.

Einzelnachweise

  1. Laß, Fürsten, 2016, S. 20–21, 107-108; Cramer, Ehrenstein, 2014; Dehio, Thüringen, 1998, S. 940; Heiß, Ehrenstein, 1916; Lehfeldt, KMD Ohrdruf, 1898, S. 83–96.
  2. Heiß, Ehrenstein, 1916, S. 44–50.
  3. Heiß, Ehrenstein, 1916, S. 45.
  4. Heiß, Ehrenstein, 1916, S. 49.
  5. Heiß, Ehrenstein, 1916, S. 48.