Zum Inhalt springen

Oberschleißheim, Neues Schloss Schleißheim, Sala Terrena

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 2: Stadt und Landkreis München. Profanbauten. Hirmer, München 1989, ISBN 978-3-7991-6358-3, S. 493–496, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Gartensaal (Raum 1a)

Zum Bauwerk: Innenausstattung ab 1723, Stuckdekoration in den Gurtbogen, den Stichkappen, an den Pilastern und als Bekrönung der Nischen von Giuseppe Volpini, 1725.

Querrechteckiger Saal (7,50 × 27 m) zu fünf Jochen, der sich in je fünf Bogenstellungen nach O zum Garten und nach W zur Eingangshalle (Salle des Colonnes) öffnet. Im N wie im S gelangt man durch je zwei Türen, die eine Nische flankieren, in eine Antecamera.

Auftraggeber: Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1680–1726)

Autor und Entstehungszeit: Nikolaus Gottfried Stuber (* 1688 München † 1749 München), 1725.

Schon Anfang des Jahres 1723 erhielt Stuber den Auftrag zur Ausmalung (BHStA I, Fs 147d, fol. 155). Zur Ausführung kam er erst zwei Jahre später: »Ist Ihmo Stuber in ac 1725 der unter der Gallery stehente Saall, sambt dener Fenstern in fresco mit ornamenten gemahlt, und zu solchem alle erforderliche farben, auch anders beygeschafft mithin für alles zusammen Vierhundert Gulden ins Verdienen gebracht wordten« (BHStA I, HR I fasc. 473/894)

Technik: Fresko; monochrom ocker auf blaßrosa Grund. Maße: Höhe 8 m; Raummaße 7,50 × 27,00
Mittleres Joch mit C Apoll

Nach dem Bericht der Kommission von 1749 fehlten an der Ausmalung noch sieben Bogenlaibungen, die wohl erst 1764 zusammen mit dem Billardzimmer von Philipp Helterhof fertiggestellt wurden (S. 499 f.). Von N. G. Stuber sind demnach 1725 Decke und Schildbögen sowie drei der Bogenlaibungen ausgeführt worden.

Befund

Träger der Deckenmalerei: leicht abgeflachte Tonne durch Gurtbogen in fünf Quertonnen unterteilt. Rahmen: gemalte Rahmung.

Mittelmedaillons A–E Ø 1,20 Ornamentfeld pro Joch 4,00 × 6,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Malereien der Sala Terrena wurden 1975/76 durch Johann Peskoller, Bruneck/Tirol, restauriert. Im Deckenbereich wurde die Malerei gefestigt und aufgefrischt, im Sockelbereich die Dekoration in der Mittelachse nach dem Vorbild der anderen Joche neu gemalt.

Die Deckenmalerei ist in gutem Zustand und weitgehend original.

Beschreibung und Ikonographie

Die ornamentale Malerei folgt der jochweisen Gliederung; jede der fünf Tonnenabschnitte zeigt die gleiche Aufteilung in zwei trapezförmige Felderungen, die ein kreisrundes Mittelfeld (A-E) einschließen. Glatte weiße Umrandungen im Scheitel, entlang der Gurtbögen und der Stichkappen geben dem Dekorationssystem eine klare, geometrische Wirkung. Die aus Akanthusranken und Bandwerk gebildeten Ornamentfelder sind eingefaßt von Profilleisten, die sich in der Mitte über einem Maskaron verschlingen (eine Anspielung auf die architektonisch-ornamentalen Rahmenzonen in Lustheim). Auf der Rahmenleiste lagert jeweils ein nacktes Figurenpaar, meist eine männliche und eine weibliche Gestalt, die bis auf die Faunsohren bei drei Figuren keine Kennzeichen tragen. Figuren und Draperien sind plastischer als die Ornamente ausgebildet; in einer Andeutung illusionistischer Effekte wird die Rahmung von den Füßen der Figuren überschnitten.

Vier Götter und Göttinnen allegorisieren die Vier Jahreszeiten, während das Mittelbild mit Apoll die Sonne als die Ursache des Jahreszeitenwechsels zeigt. Auch hier überschneiden die Figuren den Rahmen. Betrachtungsrichtung nach W.

A BACCHUS ALS ALLEGORIE DES HERBSTES Der Weingott sitzt rittlings auf einem Faß, aus dem ein Putto Wein in ein Gefäß zapft, ein zweiter Putto umfaßt Bacchus.

B FLORA ALS ALLEGORIE DES FRÜHLINGS Die Nymphe Flora, halb liegend dargestellt, bekränzt der Windgott Zephyr, der sich ihr verliebt zuwendet. Ein Putto ist mit Blumen beschäftigt.

C APOLL Der Sonnengott kommt in eiliger Fahrt auf seinem von vier Schimmeln gezogenen Wagen. Die Gruppe ist in starker Untersicht dargestellt, die Pferde übergreifen mit ihren Hufen den Bildrahmen.

D CERES ALS ALLEGORIE DES SOMMERS Die Göttin der Fruchtbarkeit lehnt an einem bärtigen, nackten Mann, der Getreidegarben bei sich hat.

E SATURN ALS ALLEGORIE DES WINTERS Der geflügelte Gott der Zeit hält die Sense im Arm. Vor ihm ist ein Putto bei einem Feuer zu sehen.

Die Stukkaturen folgen mit Muschelgirlanden, Schilfblättern, Korallen und Reliefs mit Meeresszenen der traditionellen Ikonographie der Sala Terrena. Die szenischen Darstellungen stellen mit der Jahreszeitenthematik einen allgemeinen Bezug zum Garten her. Die beiden Schildbogenfenster im N und S zeigen Bandwerk- und Akanthusornamente ohne figürliche Motive, ebenso die Bogenlaibungen

Quellen und Literatur

Volk, Peter, Bemerkungen zu einigen Zeichnungen von Nikolaus Gottfried Stuber, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 32, 1970, S. 142, 145.

Hojer/Schmid 1984, S. 35.

SÜDLICHE ANTECAMERA