Oberhundem, Haus Adolphsburg
Inventarnummer: cbdd10355
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Die Kapelle von Adolphsburg wurde 1714-15 mit Stuckaturen sowie Decken- und Wandbildern von Carlo Paerna ausgestattet. An der Decke ist eine Himmelfahrt Mariens zu sehen, an den Wänden sind es Geschichten aus dem Leben von Heiligen, Szenen des Alten Testaments und Embleme.

Haus Adolphsburg

Kurzbeschreibung und Lage
Haus Adolphsburg[1] ist im Westen der Ortschaft Oberhundem gelegen. Die Dreiflügelanlage öffnet sich nach Osten zu einem Wirtschaftshof. Das Hauptgebäude ist noch heute im Westen, Süden und Osten von einem Wassergraben umgeben.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Adolphsburg wurde für Johann Adolph von Fürstenberg erbaut und hat nach ihm seinen Namen. Der Erbdrost erwarb die damals wildreichen Gebiete bei Oberhundem und ließ sich wohl nach Plänen von Ambrosius von Oelde von 1676 an ein Haus erbauen, das er als Jagd- und Alterssitz nutzen wollte. Um 1681 entstand die Vorburg. 1704 verstarb Johann Adolph. Das Haus war bis in das 19. Jahrhundert Hauptsitz der Familie von Fürstenberg, dann diente es nur noch als Jagdsitz. Teile der Vorburg wurden bei einem Brand 1901 zerstört. Im letzten Viertel des 20. Jahrhundert wurde das Haus restauriert und in einzelne Wohnungen aufgeteilt.
Beschreibung
Das Hauptgebäude ist eine langgestreckte Dreiflügelanlage mit dreigeschossigem Haupt- und zweigeschossigen Seitenflügeln sowie vier Ecktürmen. Vor dem Hauptflügel steht an der Eingangsseite zentral ein Treppenturm mit Eingang.
Die Kapelle St. Hubertus
Bau- und Ausstattungsgeschichte
1714-15 wurde im nördlichen Seitenflügel eine Kapelle[2] eingerichtet. Die reiche Stuck- und Freskenausstattung stammt von Carlo Paerna. Auftraggeber war Ferdinand von Fürstenberg. 1992 wurden teilweise Reinigungen an der Malerei durchgeführt. Die Malereien scheinen nie überarbeitet worden zu sein.
Beschreibung
Die Kapelle ist am Außenbau nicht hervorgehoben. Sie ist dem Heiligen Hubertus geweiht, was gut zur Aufgabe des Hauses als Jagdsitz passt. Der zweigeschossige Raum wird von Süden vom Hof aus betreten. Der ehemalige Altar im Osten ist heute auf Burg Schnellenberg. Im Westen befindet sich ein Herrschaftsstand. Je drei große Fenster im Obergeschoss der Nord- und Südwand geben dem Raum Licht. Teilweise sind darunter im Erdgeschoss kleine Fenster gelegen. Die Wände werden mit korinthischen gedoppelten Pilastern gegliedert. Vor diesen sind im Obergeschoss zwischen den Fenstern und in den Raumecken an der Nord-und Südwand vollplastische annähernd lebensgroße Heiligenfiguren auf Konsolen angebracht: Hl. Antonius von Padua, Hl. Johannes von Nepomuk, Hl. Josef, Hl. Agatha von Catania, Hl. Lucia von Syrakus, Hl. Franz Xaver, Hl. Franz von Assisi, Hl. Rochus. Im Westen ist ein Hubertusrelief angebracht. Unter den Fenstern sowie in den Fensterlaibungen rechts, links und oben sind kleine Bilder in Stuckrahmen gemalt. In der Voute präsentieren Engel Monogrammtafeln und Wappenkartuschen des Ferdinand von Fürstenberg und seiner Ehefrau Maria Theresia von Westphalen. An der stuckierten Spiegeldecke erblickt man ein zentrales Fresko mit der Himmelfahrt Mariens. Die Bildprogramm wurde Paerna vom Auftraggeber genau vorgegeben und nur in Einzelfällen geändert. Für die Malerei war die Freskotechnik vorgegeben, sie wurde aber überwiegend in Kalk-secco ausgeführt.[3]
Die Gemälde unter den Fenstern

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malereien[4] wurden zwischen 1714 und 1715 von Carlo Paerna geschaffen.
Beschreibung und Ikonographie
Unterhalb der sechs Fenster sind im Stuckrahmen Malereien auf die Wand gebracht. Die äußeren haben eine kreisrunde Form, die beiden mittleren sind queroval. Zu sehen sind fünf Szenen aus dem Alten Testament sowie die Taube des Heiligen Geistes. An der Nordwand gegenüber dem Eingang ist ganz links dargestellt, wie der Priester Zadok König Salomon salbt.[5] In der Mitte erblickt man König Hiskia im Gebet um dem Beistand Gottes sowie im Hintergrund die daraufhin erfolgte Abwehr der Belagerung Jerusalems durch die Assyrer.[5] Das Wandbild rechts schließlich zeigt den Harfe spielenden David vor König Saul.[5] An der Südwand links ist die Verwerfung des heidnischen Altars von König Jerobeam zu Bethel durch Gott zu sehen.[5] In der Mitte erblickt man die Taube des Heiligen Geistes.[6] Rechts wird gezeigt, wie der Prophet Elia von zwei Raben mit Brot und Fleisch versorgt wird.[7]
Die Gemälde in den Fensterlaibungen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Gemälde[8] in den Fensterlaibungen wurden von Carlo Paerna 1714-15 geschaffen.
Beschreibung und Ikonographie
Die Gemälde beziehen sich auf die acht Heiligenstatuen an den Wänden. Die Darstellung in der Laibung, die auf der Seite der jeweiligen Skulptur ist, zeigen Martyrien oder Wunder der Heiligen. Auf den Hl. Antonius von Padua in der Raumecke bezieht sich in der angrenzenden Laibung an der Nordwand die Darstellung mit dem den Fischen predigenden Antonius.[9] Die gegenüberliegende Laibung ist auf Johannes von Nepomuk bezogen und zeigt sein Martyrium – die Gefangennahme und den Sturz von der Brücke. Die linke Laibung des folgenden Fensters zeigt seine von Flammen umgebene Leiche auf dem Wasser der Moldau.[9] Die gegenüberliegende Laibung präsentiert eine Darstellung der Flucht nach Ägypten und bezieht sich auf die folgende Statue des Hl. Joseph. In der folgenden Laibung ist die Rückkehr aus Ägypten zu sehen.[9] Gegenüber ist das Martyrium der Hl. Agathe zu sehen,[9] deren Staute in der nächsten Raumecke steht.
An der Wand gegenüber steht die Statue der Hl. Lucia von Syracus in der linken Raumecke und in der ihr zugeordnete Fensterlaibung ist zu sehen, wie die Heilige barfuß über glühende Kohlen schreitet.[9] Die gegenüberliegende Seite bildet den Tod des Hl. Franz Xaver auf der chinesischen Insel Sancia ab und bezieht sich auf die folgende Statue. Rechts in der folgenden Laibung wird gezeigt, wie er in Indien missioniert.[9] Auf den Hl. Franz von Assisi bezieht sich zu seiner Linken eine Darstellung, die die Tröstung des erblindeten Franziskus durch einen musizierenden Engel zeigt. Zur Rechten ist seine Stigmatisierung zu sehen.[9] Die Malerei in der rechten Laibung des letzten Fensters zeigt, wie ein Hund dem pestkranken Rochus Brot bringt.[9] Seine Statue steht in der rechten Raumecke.
Die Gemälde in den Fensterstürzen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Gemälde[10] in den Fensterstürzen wurden von Carlo Paerna 1714-14 geschaffen.
Beschreibung und Ikonographie
Es werden Bilder von Emblemen ohne Lemma und Epigramm gezeigt. An der Nordwand ist im ersten Sturz ein Paradiesvogel ohne Füße dargestellt, der über eine Landschaft fliegt. Es geht um das Erheben über das Irdische.[11] Im Sturz des mittleren Fensters ist ein Altar mit Opferfeuer zu sehen, der sich auf die Tugend der Nächstenliebe bezieht.[11] Der letzte Sturz zeigt einen Kranich, der mit seiner erhobenen Kralle einen Stein über dem Boden hält und für die wachsende Weisheit der Wachsamkeit stehen soll.[11] An der Südseite wird im ersten Sturz das Wunder der Eucharistie gezeigt mit einem Altar, auf dem ein Kelch steht mit strahlender Hostie darüber.[12] Im mittleren Sturz brennen die Insignien weltlicher und geistlicher Herrschaft, was sich auf den vergehenden Ruhm der Welt bezieht.[13] Der letzte Sturz präsentiert einen dampfenden Weihrauchkessel auf der Ecke eines Altars und steht wohl für die Frömmigkeit.[13] Auch ohne beigegebene Sinnsprüche kann das Programm unschwer auf eine christlich-moralische Lebensweise bezogen werden.[12]
Die Himmelfahrt Mariens an der Decke
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde[14] wurde 1714-15 von Carlo Paerna gemalt. 1992 wurde es gereinigt.
Beschreibung und Ikonographie
Gezeigt wird die Himmelfahrt Mariens. Ihre Ansichtigkeit ist auf den Herrschaftsstand ausgerichtet. Maria sitzt halb kniend auf einer Wolke. Puten und Engel tragen die Wolke empor. Weitere Engel bzw. Putten betrachten das Geschehen aus Wolken heraus. Unten befindet sich eine Berglandschaft. Verzückt blickt Maria in das sich über ihr öffnende göttliche Licht. Ihre affektierte Arm- und Handhaltung visualisiert den Zustand ihrer Verzückung.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Färber, Adolphsburg, 1936. – Färber, Adolf: Die Adolphsburg. Zu ihrem 260jähren Bestehen. In: Heimatblätter Kreis Olpe 1936, S. 49-53.
- Ludorff, KDM Olpe, 1903. – Ludorff, Albert (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Olpe (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 14). Münster 1903.
- Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987. – Püttmann-Engel, Kristin: Schloßkapellen im Raum Westfalen 1650–1770 (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 14 ). Bonn 1987.
- Archivalien:
- Akte III, 1983-1984. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Kirchhundem/Oberhundem. Krs. Olpe. Schloss Adolphsburg. Akte III. 1983-1984.
- Akte XIII, 2011-2013. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Hauptstr. Schloß Adolphsburg. Kirchhundem-Oberhundem. Kreis Olpe. Akte XIII. 2011-2013.
- Akte XIV, 2014-2016. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Hauptstr. Schloß Adolphsburg. Kirchhundem-Oberhundem. Kreis Olpe. Akte XIV. 2014-2016.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 525-526; Färber, Adolphsburg, 1936; Ludorff, KDM Olpe, 1903, S. 79-80, 82-83. Akte III, 1983-1984; Akte XIII, 2011-2013; Akte XIV, 2014-2016.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 526; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 60, 96-101, 140-147.
- ↑ Akte XIII, 2011-2013.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 60, 96, 98, 100-101.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 98, 101.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 98.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 98. 100-101.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 60, 96.
- ↑ 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 9,5 9,6 9,7 Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 96, 98.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 60, 96, 99-100.
- ↑ 11,0 11,1 11,2 Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 98, 100.
- ↑ 12,0 12,1 Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 100.
- ↑ 13,0 13,1 Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 98-99.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 60. 96. Akte XIII, 2011-2013.