Zum Inhalt springen

Oberhausen, Pfarrkirche St. Clemens

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 233–237, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche (Pfarrverband Burgheim), Gemeinde Oberhausen, Diözese Augsburg. Die Kirche war landgerichtlich, daher gebührte dem Landvogtamt Neuburg die Aufnahme der Kirchenrechnungen. Das Patronatsrecht lag dagegen bei der Hofmark Sinning im Besitz der Freiherren von Weveld. Infolgedessen konnte der Verwalter der Hofmark bei der Rechnungsaufnahme im Namen Patroni Ecclesiae anwesend sein (BHStA). Die Angabe bei Braun (Bd 1, S. 478), daß der Kirchensatz beim Kollegiatstift St. Johann in Regensburg lag, ist nicht zutreffend. Gericht Neuburg

Patrozinium: St. Clemens

Zum Bauwerk: Von der in einem ummauerten Friedhof gelegenen sehr kleinen gotischen Kirche (Langhaus: 5×13 m) ist nur der Chor mit Turm erhalten. 1910 wurden ein größeres Langhaus (8, 40×14,40 m) und eine Sakristei nach Plänen des Münchener Architekten Josef Elsner jun. errichtet. Die Mauern der alten Kirche blieben zunächst stehen, bis die neuen zur Dachhöhe geführt waren. Dann wurde die flache stuckierte Decke des Altbaus mitsamt den Deckenbildern unter Leitung des Architekten in mehreren Stücken um 1,50 m gehoben und an dem neuen Dachstuhl befestigt. (Zwei Fotos von 1895 zeigen Außenbau und Innenraum der alten Kirche mit der Decke im ursprünglichen Zustand; ABA, Pfarrarchiv Oberhausen.) Der Stuck mit einzelnen Bandwerkmotiven und Kartuschen mit schweren Rahmen und gemaltem Gitterwerk ist seinem Stil nach vor 1740 entstanden.

Saalbau zu vier Fensterachsen, im W mit geschwungener Empore. Hohlkehle mit Stichkappen mit einer barockisierenden Stuckierung von 1910, die sich an den Stuck der übertragenen Langhausdecke anschließt. Belichtung im N durch drei, im S durch vier rundbogige Fenster. Im AR Belichtung durch ein rundbogiges Fenster im S, im N indirekt belichtet.

Auftraggeber: Pfarrer von Oberhausen zur vermuteten Entstehungszeit der Fresken war Matthias Finkl (1709–44). Er stammte aus Ingolstadt (* um 1670) und wird 1709 erstmals als Pfarrer in Oberhausen erwähnt. Er starb am 18.3.1744 im Alter von 74 Jahren.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, gegen 1740. Der Autor der bescheidenen, naiven und mehrfach überarbeiteten Malerei ist unbekannt. Entstehung vor 1740, gleichzeitig mit dem Stuck.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, 1–4) Flachdecke über Hohlkehle, AR (B) Flachdecke

Rahmen: Geschwungene, profilierte weiße Stuckrahmen

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 6,23 m; 4,50 × 2,80 m

1–4 ca. 1,20 × 0,60 m

B Höhe 5,20 m; 1,90 × 2,30 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Alle Bilder sind restauriert und dabei mehr oder weniger stark übergangen

OBERHAUSEN worden. 1857 setzte der Maler Joseph Köpfle, Weissenbach/Füssen, die Kirche instand und restaurierte auch die Fresken. Das Anheben und Übertragen der Stuckdecke 1910 ging wohl auch für die Deckenbilder nicht ohne Schaden ab. In einer detaillierten Baurechnung dieses Jahres heißt es u.a. (ABA, Pfarrarchiv Oberhausen):»Ausbessern der Fugen an der alten Stuckdecke sowie der Stukkaturen, welche durch das Heben der Decke verursacht wurde 144 Mark«. (Die Übertragung und Neubefestigung der Decke selbst kostete 500 Mark.) Im Anschluß daran restaurierte Paul Jackisch, Malermeister in Neuburg, 1912 die Fresken für 145 Mark. Laut Visitation von 1954 wurde die Kirche im Vorjahr instand gesetzt, möglicherweise nur der Außenbau. Bei einer Renovierung 1979 durch die Fa. Rudolf Pfaller, Ingolstadt, wurde die Raumschale be handelt, die Fresken reinigte man mit Brot. Im Jahr 2000 Kon servierung der Deckenbilder, erneut durch die Fa. Pfaller.

Beschreibung und Ikonographie

Die Deckenbilder A, 1–4 schildern Szenen aus der legendär ausgeschmückten Vita des hl. Clemens (92–101), Märtyrer und dritter Papst nach Petrus (vgl. Ribadeneira-Hornig Bd 2 23. 11., S. 852–56 und Legenda Aurea, LA-Benz, S. 913).

A QUELLWUNDER DES HL. CLEMENS Während der Christenverfolgung unter Kaiser Trajan wurde Papst Clemens zur Zwangsarbeit in die Marmorbrüche der Krim depor-

A Quellwunder des hl. Clemens

234 tiert. Die bereits dort arbeitenden Christen klagten, daß sie das Wasser von weit herholen mußten. Nach einem gemeinsamen Gebet um eine Quelle sah Clemens ein Lamm, das den rechten Fuß hob und damit die richtige Stelle kenntlich machte. Clemens nahm eine Hacke und schlug unter dem Fuß des Lammes in die Erde, daraufhin entsprang eine Quelle, die zum Fluß angeschwollen. - Die Darstellung ist einansichtig und nach O zu betrachten. Sie ist nach dem Muster eines Quellwunders des Moses aufgebaut und zeigt auf der Spitze eines steilen, wenig bewachsenen Felsens das von einer Gloriole umgebene Lamm. Zu seinen Füßen entspringt die Quelle und stürzt als Wasserfall in die Tiefe. Unten stehen links der Heilige, der ein Pluviale über Dalmatika und Albe trägt sowie auf dem Haupt die Tiara, und rechts ein Mann mit einer Hacke. Sie weisen auf das Wunder hin. Im Vordergrund schöpfen drei Frauen Wasser. Links im Hintergrund sieht man die Marmorberge, während sich von rechts eine Menschenmenge aus der Bildtiefe staunend der neuen Quelle nähert.

B. Letztes Abendmahl

1 MARTYRIUM DES HL. CLEMENS Auf die Nachricht vom Quellwunder wurde eine große Zahl der heidnischen Einwohner zum Christentum bekehrt. Der römische Kaiser schickte daraufhin einen Gesandten zu einer Strafaktion auf die Krim. Als das Volk im Glauben standhaft blieb, ließ dieser den hl. Clemens als ihren Rädelsführer töten. Damit die Christen seinen Leichnam nicht bekämen, wurde er auf das hohe Meer hinausgeführt und mit einem Anker um den Hals ertränkt. - Das Martyrium spielt sich auf einem Schiff ab, in dem der hl. Papst mit ausgebreiteten Armen, gläubig aufblickend, den Anker um den Hals, seinem Tod entgegensieht. Die Besatzung des Bootes schickt sich an, ihn über Bord zu werfen. Das Meer zeigt hier wie auf den anderen Darstellungen charakteristische gekräuselte Wellen mit weißen Schaumkronen.

2 ENGEL ERBAUEN DIE GRABKAPELLE DES HL. CLEMENS Nachdem die Christen dem hl. Clemens das Geleit bis zum Schiff gegeben hatten, beteten sie während seines Martyriums darum, daß Gott ihnen seinen Leichnam zeigen möge. Da wich das Meer vom Ufer zurück, bäumte sich in hohen Wellen auf und ließ einen trockenen Weg frei bis zu der Stelle, an der er den Tod gefunden hatte. Als das Volk dorthin geeilt war, »da fiele ihnen ein kleines, überaus zierlich gestaltetes Kirchlein ins Angesicht, so außer allem Zweiffel von den lieben Englein frisch erbauet worden: sie giengen hinein, fanden einen marmelsteineren Sarg, und in disem den H. Cörper in sanfter Ruhe, neben bey aber den Anker lehnen, der ihm an den Hals gebunden gewesen...« (Ribadeneira-Hornig a. a. O., S. 855). – Auf dem Wasser sieht man die noch unfertige Kapelle, die von drei Engeln aufgemauert wird. Einer hält eine Maurerkelle in der Hand.

3 PILGER ZIEHEN ZUR GRABKAPELLE DES HL. CLEMENS Jedes Jahr am Tag des Martyriums wiederholt sich das Wunder, daß das Meer bis zur Kapelle tausend Schritt zurückwich und sieben Tage lang den andächtigen Gläubigen die Möglichkeit gab, trockenen Fußes dorthin zu gelangen. – Dargestellt ist die vom Wasser umgebene Grabkapelle, zu der ein Damm führt, auf dem einzelne Wallfahrer unterwegs sind. Im Vordergrund steht, vom Rücken gesehen, ein Pilger mit seiner Frau, die ein Kind auf dem Arm hält, als Hinweis auf ein Wunder, das sich in der Kapelle ereignet hatte. Während einer Pilgerfahrt legte eine Frau ihr Kind in einer Ecke der Kirche zum Schlafen nieder, um selbst besser beten zu können. Durch Gottes Fügung vergaß sie dort das Kind, bis die Fluten den Ort wieder bedeckt hatten. Als die untröstliche Mutter nach einem Jahr zurückkam, fand sie das Kind jedoch unversehrt und schlafend an gleicher Stelle wieder. »Welche gecrönte Haupt hat jemahlen die Ehr gehabt, daß die Enge ihm ein triumphierliches Grab = Gerüst hätten erbauet oder den Gewalt, ein Kind Jahr und Tag in dem Grund des Meeres ohne Nahrung in süßem Schlaf zu erhalten? Solche Wunde wirket Gott« (Ribadeneira-Hornig a. a. O., S. 856).

4 DER HL. CLEMENS HEILT DIE KRANKEN Der verklärte Heilige erscheint als Halbfigur in Wolken und wendet sich bittflehenden Kranken auf der Erde zu, darunter einem Mann mit Krücken und einem, der ein Glöckchen läutet, um auf eine ansteckende Krankheit aufmerksam zu machen. - Es wird bezeugt, »daß alle Blinde, Lahme, Gehörlose, Aussätzige,

2 Engel erbauen die Grabkapelle

Hinfallende, Bezauberte, oder mit allerhand anderen Krankneiten behaftete, so bald sie nur am Tag des H. Clementis in lises Kirchlein kommen vermittels der Verdiensten dieses großen Freund Gottes jederzeit glücklich erledigt werden, entveder nach Berührung seines Grabs oder Niessung des allda gesegneten Wassers« (Ribadeneira-Hornig a. a. O., S. 856).

B LETZTES ABENDMAHL Christus sitzt in der Mitte der bildparallel aufgestellten Tafel, umgeben von seinen Jüngern, und reicht Judas das Brot. Über der Szene spannt sich eine große braune Draperie wie ein Theatervorhang.

Quellen und Literatur

ABA, Pfarrarchiv Oberhausen: Restaurierung 1857; Umbau 1909-13; Restaurierung der Fresken 1912; ebd. BO, Pfarreiakten Oberhausen: Summarische Übersicht der Pfarr- und Kirchenverhältnisse mit Beginn des Kalenderjahres 1892; Umbau von 1909/10; ebd. Wiedemann, Moritz (Ms.), Generalschematismus der Diözese Augsburg, Bd 2, S. 550f.: Oberhausen. BHStA, PNA, NA 1989, Nr. 6319: Aufnahme der Kirchenrechnungen in Pfalz-Neuburg 1691-1773. BLfD, Registratur, Akten Oberhausen, Pfarrkirche St. Clemens. StA Augsburg, BA Neuburg Nr. 5332a: Umbau der Kirche 1909–13. Braun-Augsburg, Bd 1, S. 478; Bd 2, S. 274. Leuthenmayr, Johann Baptist, Oberhausen, in: NK 24, 1858, S. 19–59. Hopp, Bd 2, S. 78. Réau III, 1, S. 321 f. Horn/Meyer 1958, S. 588–591. B. V.-K.