Obereglfing, Pfarrkirche St. Mauritius
Patrozinium: St Martin
Zum Bauwerk: Die mittelalterliche Kirche wurde um die Mitte des 18. Jh. unter Pfarrer Joseph Franz Xaver Stoixner aus München (vermutlich 1744–61) umgestaltet. – Einfacher Saal zu fünf Jochen, eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß. Pilastergliederung; im W Empore
Autor und Entstehungszeit: Signaturen in A JOANNES GEORGIUS LEDERER PINXIT und in B JOANNES GEORGIUS LEDERER / PICTOR AUGUSTANUS 1757
Befund
Träger der Deckenmalerei: A und B Tonne mit Stichkappen Rahmen: A und B Stuckprofil; A1-4, a-h, B1-2 Rocaillekartuschen Technik: Fresko; A und B polychrom, A1-4 monochrom karminrosabraun, a—h monochrom ocker, B1—2 monochrom praiin Maße: A Höhe 9,10 m; 9,00 × 5,20 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen 1906; die Farbsubstanz ist verhältnismäßig gut erhalten. In A Längsrisse und auf der N-Seite Feuchtigkeitsschäden, in B leichte Risse, A1-4 stark erneuert
Beschreibung
A HULDIGUNG DER ERDTEILE AN MARIA. Der Betrachterstandpunkt der einansichtigen Szene liegt etwa unterhalb der Mitte der westlichen Bildhälfte. Mäßige Untersicht, geringe Verkürzungen. Im Zentrum des Bildes schwebt Maria in einer bewegten, farbigen Wolkenlandschaft zum Himmel empor. Darüber thronen auf Wolken Christus mit Kreuz und Gottvater, die Weltkugel neben sich, und halten gemeinsam eine Krone über Maria. Vor einer kreisrunden Wolkenöffnung schwebt die Taube des Hl. Geistes.
Ein großer Engel rechts trägt eine goldene Krone auf einem roten Samtkissen, diesem gegenüber links ein Engel mit einer Ordenskette.
Die irdische Szenerie wird nur von einer schmalen und seichten Rampe gebildet, zu der drei Stufen hinaufführen. Den Übergang vom Rahmen bildet ein sockelähnliches Mauerband, das den Kurvaturen des Rahmens folgend in perspektivischer Verkürzung dargestellt ist – ein typisches »illusionistisches« Requisit Lederers (vgl. Holzhausen bei Buchloe und Unterigling, s. LKr. Landsberg am Lech), das zu der tafelbildartig-flächigen Darstellung im Gegensatz steht. Es trägt eine Inschrift BEATAM ME DICENT OMNES GENERATIONES. Lucae: C. 1. V. 48. Vor einer Hintergrundlandschaft aus Bergen, die als eine flache Kulisse wenig Raumwirkung hat, knien auf der Vordergrundsrampe zwei Personifikationen der Erdteile, zwei weitere befinden sich zu beiden Seiten etwa auf der Höhe des Sockelbandes. Alle sind reich und malerisch gekleidet und mit ihren Attributen versehen; mit Gesten und Blicken huldigen sie Maria. Von den Herzen, die sie vor der Brust tragen, steigt Rauch auf.
Vor dem farbig bewegten Hintergrund aus zartblauem Himmel, rosa- und ockerfarbenen und braunen Wolken erscheinen die Farben der Gewänder – im wesentlichen


Blau, Karminrot und ein fahles Grün — etwas stumpf und ohne große Leuchtkraft. Die ganze Szenerie ist hell und licht, ohne bestimmten Lichteinfall und ohne dunkle Schattenpartie.
A1-4 EVANGELISTEN In den vier Medaillons, die das Hauptbild in den Gewölbezwickeln umgeben, sind in karmin-monochromer Malerei die vier Evangelisten dargestellt: reich drapierte, bewegte Männergestalten in starker Verkürzung und Untersicht, stilistisch in der Tradition des Cosmas Damian Asam stehend und wahrscheinlich nach Zeichnungen oder Stichen gemalt.
a-h SYMBOLE DER REINHEIT MARIENS In den übrigen Gewölbezwickeln des Langhauses sind in kleineren Ornamentkartuschen Symbole der unbefleckten Empfängnis dargestellt; reizvolle Detaildarstellung in monochromer Malerei.
B ANBETUNG DER HEILIGEN DREI KÖNIGE Einansichtige Szene, geringe Untersicht, fast keine Verkürzungen. Vor einem links und oben vom Bildrand überschnittenen Stallgebäude sitzt Maria und präsentiert ihr Kind den Heiligen Drei Königen, die mit ihrem Gefolge aus dem Hintergrund rechts herangekommen sind. Zu ihrer Seite kniet ein Mohrenknabe mit einem Schatzkästchen; vor der Öffnung des Stalls wird Joseph mit Ochs und Esel sichtbar. Die zarten rosa-grauen Wolken öffnen sich an einer Stelle und geben ein Stück hellblauen Himmels frei, auf dem der Stern von Bethlehem erscheint und einen Strahl auf das Christkind sendet.
An zwei Stellen werden illusionistische Bildmotive sichtbar: bei der Sockelzone, die in jäher Verkürzung – ähnlich wie in A – vom Rahmen in das Bild leitet – allerdings nur am unteren Bildrand–, und in dem Fuß des Mohrenpagens der, in Stuck angesetzt, den Rahmen überschneidet.
Der eigentliche Reiz des Bildes liegt in den vielfältigen und liebevoll geschilderten Details, die der Szene Wärme, Lebendigkeit und Unmittelbarkeit geben: Die Trachten der Könige mit Pelz, Gold, Stickerei und Perlen, die Kamele, die Darstellung des Stalles mit dem vom Gebälk hängenden Stroh, dem Hut am Pfeiler und dem Körbchen an der Stange sind ohne besondere Meisterschaft in der Charakterisierung des Materials gegeben, treffen aber doch die besondere Stimmung des Zusammentreffens von Glanz und Armut.
Die Farbigkeit dagegen wirkt in den Bunttönen – kaltes Blau, stumpfes Rosa, Violett, Grün – vor dem zartfarbigen Hintergrund eher fahl.





B1-2 AT-SYMBOLE Der Paradiesesbaum und die Eherne Schlange in zwei Ornamentkartuschen zu Seiten von B.
Ikonographie
A HULDIGUNG DER ERDTEILE AN MARIA In diesem Bild verbinden sich drei theologische Vorstellungen: Die Immaculata, als welche Maria durch Sternenkranz, Mondsichel und Lilienzepter ausgewiesen ist, und ihre Himmelfahrt und Verherrlichung (Krönung). Die Huldigung der Erdteile ist mit der Vorstellung von Maria als Immaculata verbunden; auf diese beziehen sich auch die Kartuschen a-h. Die Aufwärtsbewegung in ihrem Schweben und die Krone, die von Christus und Gottvater über sie gehalten wird, sind ikonographische Merkmale der Himmelfahrt und Krönung, die an sich mit dem Thema der Immaculata nichts zu tun haben.
Die Erdteile weihen ihr Herz Maria. Der aus den Herzen aufsteigende Rauch symbolisiert das inbrünstige Gebet und die Hingabe. »BEATAM ME DICENT OMNES GENERATIONES. Lucae: C. 1. V. 48.« – diese Worte Mariens, gesprochen zu Elisabeth bei der Heimsuchung, sind hier auf die huldigenden Erdteile bezogen. Letztere sind in der üblichen Weise charakterisiert: Im Vordergrund links Europa mit Papstkreuz und Tiara, rechts Asia mit Turban und Räuchergefäß. Links im Hintergrund Africa, halb entblößt und schwarzhäutig, und rechts America, rothäutig, mit Federrock, Elefantenkopfschmuck und Bogen (vgl. die entsprechenden Personifikationen bei Ripa, s. v. mundo).
A1 TERTIA / DIE / RESURR (EXIT; 1 Cor 15,4) – Markus mit dem Löwen
A2 ET / VERBUM / CARO (Jo 1,14) – Johannes mit dem Adler
A3 PASSUS / CRUCIFIX (VS) – Lukas mit dem Stier
A4 LIBER GENE/RATIONIS (Mt 1,1) – Matthäus mit dem Engel
a-h SYMBOLE DER REINHEIT MARIENS Die aus der Bibel, aus theologischen oder liturgischen Texten stammenden Symbole bezeichnen die Unbefleckte Empfängnis und auch die jungfräuliche Mutterschaft Mariens. Es sind Symbole, die vor allem durch die Lauretanische Litanei populär wurden.
a IANUA COELI (Gen 28, 17) – Eingangstor mit Säulen, Pilastern und Zierobelisken
b LILIUM INTER SPINAS (Cant 2,2) – Lilienpflanze zwischen Dornen
c TURRIS DAVIDICA (Cant 4,4) – Runder Turm in einer Landschaft
d VAS INSIGNE DEVOTIONIS – Räuchergefäß




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B DIE ANBETUNG DER HEILIGEN DREI KÖNIGE (Mt 2,1-12) verbindet sich thematisch mit der Huldigung der Erdteile: Die Drei Könige sind Repräsentanten der ganzen Welt (Epiphanie).
B1 LIBER NUM. XXI, / 9 – Die Eherne Schlange des Moses
B2 LIBER GENESIS III. – Der Paradiesesbaum mit der Schlange
Beide Darstellungen sind Kreuzessymbole; neben dem Thema des Hauptbildes, der Geburt Christi, weisen sie typologisch auf die Vollendung des Erlösungswerkes hin, das mit der Geburt seinen Anfang genommen hat. D D 1 DC 1
Dem Patron der Pfarrkirche, St. Martin, ist nur das Hochaltarbild gewidmet.
Quellen und Literatur
Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomi 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 15. KDB I OB (1), S. 709.
Gebhart, Hansjakob, Staffelsee-Chronik. Ein Heimatbuch bearbeitet nach Quellen von..., Murnau [1931] S. 120.
Gernhardt, Ludwig, Eglfing, in: Weilheimer Sonntagsblatt 9, 1932, S. 7.
Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 1964, S. 34