Zum Inhalt springen

Neustadt an der Waldnaab, Altes Schloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Dreyer, Angelika:Neustadt an der Waldnaab, Altes Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/d202e8df-2515-46c3-8696-9a95407cad14

Inventarnummer: cbdd10462

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das spätmittelalterlich erhaltene Alte Schloss von Neustadt a.d. Waldnaab, ein Konglomerat verschiedener Einzelbauten, diente den neuen Besitzern derer von Lobkowitz ab der Frühen Neuzeit bis kurz vor 1700 als Wohn- und Regierungssitz. Von der ehemals vorhandenen Ausstattung ist wenig freigelegt.

Neustadt an der Waldnaab, Altes Schloss
Neustadt an der Waldnaab, Altes Schloss

Entstehungs-, Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

„Die Inhaber der Herrschaft Neustadt-Schörnstein besaßen im Mittelalter in Neustadt ein befestigtes Schloss. Um Mitte des 17. Jahrhunderts wird die ,ziemlich hohe Veste mit gebrochenem Thurm‘ erwähnt. Ob ihre Erbauung auf Karl IV. zurückgeht, läßt sich nicht angeben.“[1]

Ab 1532 vergrößerten die damaligen Besitzer der Familie Heidecker,[2]ein altes edelfreies, später freiherrlich fränkisches Adelsgeschlecht, durch Ankauf zweier Bürgerhäuser die Alte Veste.

„Als dann die Fürsten von Lobkowitz die Herrschaft Neustadt erhalten hatten und 1567 zum erstenmal einem Lobkowitzer in Neustadt gehuldigt wurde, versprach Ladislaus II., der Ältere, den Neustädtern, daß er ihnen ein neues Schloss bauen werde. Hier kann es sich nur um den hohen Mittelbau des jetzigen Alten Schlosses handeln. Wann das Schloss nun genau gebaut wurde, ist nicht bekannt.“[3]

„Seit dem Ende des 16. Jh. umfasste der Komplex drei groß dimensionierte, verputzte Giebelbauten.“[4]

Eine grundsätzliche Vorstellung vom Alten Schloss dieser Zeit vermittelt eine Beschreibung aus dem Jahre 1620: „Wollerbautes Schloss mit schönen, großen Zimmern, Kammern, Stallungen, Kellern, schöne nutzbare Küche, Obstgarten, zu einer Hofhaltung ganz bequem und wohl eingerichtet.“[3] Aus dem Urbarium von 1641 sind diese zeitgenössischen Ergänzungen hinzuzufügen: „Am Eck der Stadt zu obrist gegen der Floß werts gelegen, jedoch inwendig der Stadt mit einer sondern Mauer umgeben, hat erstlich einen Vorhoff, nicht allzu groß, nachdem zum Eingang ein großer hoher Stock, an demselben ein Stock etwas niederer, daran ein ziemblich hoher, vester und zierlicher Turm, dabei wieder ein Stock, gegen der Floß aber an dem großen Stock noch drei einander Stöck, meistenteils von grundt neu aufgeführt, die dann ein gefürten Hof machen, darin sehr gute Keller, Gewelb, Kuchen, dabei ein Röhrbrunnen, Stallungen, in die Siebenzehn Stieben und mehrer Cammer, neben dreien Saalen und andern wohl zugerichteten Zimmern, sowohl zu obrist schöne Traidschüttungen in summa also zugereicht, daß die fürstliche Herrschaft mit zimblicher Commodität sich allda aufhalten könne.“[5]

1653 heiratete der damalige Besitzer Fürst Wenzel Eusebius von Lobkowitz Augusta Sophie von Sulzbach, die weiterhin ihrem protestantischen Glauben treu bleiben wollte, was ihr Gatte tolerierte und im „Nachbarhaus eine evangelische Kapelle“[6]. einrichten ließ.

„Das Alte Schloss wurde von der fürstlichen Familie in den oberen Stockwerken bewohnt, bis diese nach dem Tod des Fürsten Ferdinand August 1715 nach Raudnitz umzog. Das Schloss wurde dann im wesentlichen für die Beamtenwohnungen verwendet. 1807 ging es an den Bayerischen Staat über [...] [und] 1977 fasste der Kreistag den Beschluß, das Alte Schloss zu übernehmen und zu Büroräumen des Landratsamtes auszubauen.“[7]

In der Zeit um 1700 sind verschiedene Räume im Alten Schloss malerisch ausgestattet worden, von denen bis heute nur einer freigelegt ist.[8]

Das Bauwerk

„Das Alte Schloss [Denkmalnummer: D-3-74-139-41] wurde 1543 (Inschrift auf Unterzugsbalken im zweiten Obergeschoss) als breites, hohes und über die ganze Parzellentiefe reichendes Giebelhaus mit übereck gestelltem Erker erbaut. Es ist in seiner gesamten spätgotischen Konstruktion in seltener Vollständigkeit erhalten. [...] Das nach Westen mit einem schmalen Trakt angebundene Giebelhaus geht auf ein ehem. Ackerbürgerhaus zurück, vermutlich um 1600 nach Süden im Anschluss an das Alte Schloss erweitert.“[9]

Auftraggeber und Künstler

Der Auftraggeber

Die historischen Umstände der Auftraggeberschaft und Ausstattung sind bislang nicht erforscht.

Deshalb kann lediglich eine Ausstattungskampagne nach 1653 vermutet werden, dem Jahr als Fürst Wenzel Eusebius von Lobkowitz Augusta Sophie von Sulzbach ehelichte und das Alte Schloss seiner Gemahlin einerseits als Wohnsitz und andererseits als Residenz diente, nachdem er ihr 1673 „die Regentschaft in der gefürsteten Grafschaft Neustadt a.d. Waldnaab ganz und offiziell [...] übertragen“[10] hatte.

Der Künstler

Aufgrund der gänzlich unerforschten historischen Zeitumstände ist keine diesbezügliche Aussage möglich.

Raum mit Dekor-Muster

Neustadt an der Waldnaab

Aufgrund der extrem dünnen Überlieferungslage von Bildmaterial muss sich an dieser Stelle Faktisches mit Fiktivem mischen.

Der Raum ist in seiner Grunddisposition annähernd quadratisch. Eine Wand ist mit einer massiven Arkade vermutlich zu einer gangähnlichen Räumlichkeit geöffnet (oder von einem Nachbarraum aus zu begehen). Die übrigen drei Wände zeigen jeweils ein quadratisches Fenster, das sowohl im Wand- wie auch im Lünettenbereich des Gewölbes sitzt. Die Decke ist als strukturell einfaches Kreuzgratgewölbe geformt, das mit seinen großen Wölbflächen (Stichkappen) viel Platz zur Dekorierung bietet.

Die Lage des Raumes (Keller?, EG?, 1.OG?, 2.OG?) ist wegen des Mangels an Bildern und weiterer Informationen nicht zu bestimmen.

Wand- und Deckenmalerei

Neustadt an der Waldnaab, Altes Schloss

Raum mit Dekormuster: Wand- und Deckenmalerei

Dieser Raum im Alten Schloss passt in eine Ausstattungsphase des Schlosses, deren „noch nicht freigelegte Ausmalungen [dem] 17. und 18. Jh.“[11] zugehören.

Die Ausmalung des Raumes war ursprünglich auf allen Flächen des Wand- und Deckenbereiches zu sehen, ein gestalterischer Zustand, der sich heute grossteils nur noch an den Wänden und Lünetten im Gewölbe nachvollziehen lässt.

Der gesamte Raum war ehemals mit einem aus heutiger Sicht scheinbar modern-abstraktem Muster überzogen worden. In der Entstehungszeit war auf alle Fälle bemerkenswert die frei gemalte, nicht schematisierte, sondern phantasievolle Darstellung von verschiedenen geometrischen Grundformen und ihren unterschiedlichen Kombinationen. Dies bedeutet gleichzeitig den völligen Verzicht auf Szenerien, deren Aussagewert traditionell über Figuren hergestellt wird.

Die erkennbaren geometrischen Grundelemente von Kreisen und Ovalen sind als wesentliche Gestaltungsmuster den Epochen der Renaissance und der Frühen Neuzeit zuzuordnen, wobei das Oval in seiner dynamisierten Form sogar als zeittypisch anzusehen ist.[12]

Dieses Oval ist in der Gesamterscheinung des Neustädter Raumes auch die flächendominante Figuration. Im wesentlichen sind in ihrer Gestaltung vier Formationen zu unterscheiden: 1. als hell gefüllte Figur mit Randung und trennender (dunkler, schwarzer?) Mittellinie, 2. als längsgestreifter Ovalkörper, ebenfalls in der Mitte geteilt. Diesen beiden Bildungen eines einzelnen Ovals stehen zwei Formen zur Seite, die jeweils eine Kombination darstellen: 3. aus der Vereinigung der beiden Grundformen, wobei der Kreis als relativ kleine Form dem Oval einverleibt ist und 4. die Kreuzung aus zwei Ovalen, in welcher der Durchschnitt als helle Fläche mit frei eingebrachten breiten Strichen besonders hervorgehoben ist.

Gegenüber dieser ovalen Vielfalt nimmt sich die Verwendung der Kreise eher bescheiden aus. Neben dem bereits erwähnten Einschluss in den Ovalkörper erscheinen die Rundformen unisono als räumlich gegeneinander versetzte räderartige Rundformen, die durch eine oval geformte AAus der vielfältigen Kombinatorik dieser benannten Formen ergibt sich der lebendige Gesamt-Charakter des Raumes, der in der Anschauung eine Natur-Ähnlichkeit evoziert, deren innere Verbindung dem organisch Lebendigen nahekommt.

Anders ausgedrückt: allein das nicht schematisierte und nicht formelhafte Malen dieser geometrischen Formen durch ein Künstler-Individuum wird der gestempelte Eindruck einer gedruckten Muster-Tapete vermieden.

Über die Analyse dieses einzigen Schwarz-Weiß-Fotos sind Aussagen über die Gestaltung der verwendeten Grundformen und ihrer Kombinationen möglich, eine Farb-Analyse kann jedoch deshalb nicht geleistet werden.

Programm und Synthese

Sowohl das gänzliche Fehlen von schriftlichen Nachrichten wie die rudimentäre Überlieferung des Ausstattungsbestandes ermöglichen keine Gesamtsicht und -beurteilung.chse miteinander verbunden sind. Ihre Anordnung zueinander suggeriert auf diese Weise sogar eine gewisse räumliche Tiefe.

Restaurierungen

Neustadt an der Waldnaab, Altes Schloss

Bis heute ist lediglich eine einzelne Freilegung der ursprünglichen Ausmalungen, jedoch keine Restaurierung, bekannt.

Bibliographie

  • Ascherl, Geschichte, 1982 — Ascherl, Heinrich: Geschichte der Stadt und Herrschaft Neustadt a.d. Waldnaab, München 1982.
  • Drexler/Hubel, Regensburg, 2008 — Drexler, Jolanda/Hubel, Achim: Bayern V. Regensburg und die Oberpfalz (=Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V. Regensburg und die Oberpfalz), München/Berlin 2008 (2. Auflage).
  • Lotz, Kirchenräume, 1955 — Lotz, Wolfgang: Die ovalen Kirchenräume des Cinquecento, in: Römisches Jahrbuch für Kunstgeschichte, Bd. 7, 1955, S. 7–99.
  • Mader, Kunstdenkmäler, 1907 — Mader, Felix: Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz & Regensburg, Heft 9, Bezirksamt Neustadt an der Waldnaab (=Hager, Georg (Hg.): Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Bd. 2, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, IX. Bezirksamt Neustadt an der Waldnaab), München 1907.

Einzelnachweise

  1. Mader, Kunstdenkmäler, 1907, S. 90.
  2. Ascherl, Geschichte, 1982, S. 43–52.
  3. 3,0 3,1 Ascherl, Geschichte, 1982, S. 645.
  4. Drexler/Hubel, Regensburg, 2008, S. 371.
  5. Ascherl, Geschichte, 1982, S. 645–646.
  6. Ascherl, Geschichte, 1982, S. 647.
  7. Ascherl, Geschichte, 1982, S. 647–648.
  8. Drexler/Hubel, Regensburg, 2008, S. 372.
  9. Drexler/Hubel, Regensburg, 2008, S. 371–372.
  10. Ascherl, Geschichte, 1982, S. 93.
  11. Drexler/Hubel, Regensburgs, 2008, S. 372.
  12. Lotz, Kirchenräume, 1955, S. 7–99.