Nördlingen, Baldinger Straße 37
Inventarnummer: cbdd20258
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In dem spätmittelalterlichen Fachwerkhaus befanden sich volkstümliche Wandmalereien, die in ihrer einfachen Machart auf eine historische Nutzung des Gebäudes als Schmiede hinweisen.

Lage, Bau- und Ausstattungsgeschichte

Lage
Die „Baldinger Straße gehört zu den sogenannten Torgassen. Der Name weist auf das Ziel hin, zu dem sie führen – hier also nach Baldingen und zunächst zum gleichnamigen Stadttor.“[1]
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Fachwerkhaus wurde um 1500 errichtet. Ab 1571 kaufte der Hufschmied Jörg Streckheisen „um 470fl den halben Teil an der unterschiedenen, doch unter einem Dach verfangenen Behausung samt halber Brunnengerechtigkeit.“[1] Dieser Umstand ist insofern relevant, weil wohl die dafür vorhandenen Werkstätten auch später noch als Schmiede weiter genutzt wurden, worauf auf indirekte Weise die Wandmalereien Ende des 17. Jahrhunderts hindeuten. „Wie das Nachbarhaus wurde auch dieses Anwesen im ausgehenden 17. Jahrhundert hofseitig um eine Altanenanlage erweitert. Im westlichen Raum des ersten Obergeschosses konnten figürliche Wandmalereien festgestellt werden, die jetzt unter modernen Oberflächen abgedeckt[...], volkstümliche Darstellungen zeigen [...].“[2]
Auftraggeber
Ein Auftraggeber ist namentlich bisher archivalisch nicht fassbar.
Das Bauwerk

Das giebelständige Gebäude Baldinger Straße 37 „ist ein dreigeschossiger, verputzer Fachwerkbau mit Satteldach und leicht vorkragendem Obergeschoss. Das Dachwerk mit liegendem Stuhl und verblatteten Holzverbindungen ist typisch für die Erbauungszeit [um 1500].“[1]
[1 https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Baldinger_Straße_37_(Nördlingen)&oldid=248938097.
Der westliche Raum im 1. OG
In dem Gebäude befinden sich auf deren rechten, westlichen Seite im hintersten Zimmer des 1. Obergeschosses auf der Ostwand figürliche Darstellungen, die sich auf die Tätigkeit eines Hufschmiedes beziehen.
Die Wandmalerei in der nördlichen Hälfte der Ostwand: Hufschmiede und Werkzeuge
In dem gemauerten und verputzten Gefache zwischen den Balken befinden sich auf der linken, nördlichen Wandhälfte im oberen Bereich zwei Darstellungen, die einen inhaltlichen Bezug zum Beruf eines Hufschmiedes aufweisen. Beide Szenen, deren Erhaltungszustand man als sehr rudimentär bezeichnen muss, waren wohl ursprünglich von einem hochrechteckigen Rahmen umgeben, der zumindest an der Oberseite des nördlichen Bildfeldes S-förmige Schlaufen als Dekormotive besaß.
Die linke Szenerie setzt sich aus zwei übereinander angebrachten Bildmotiven zusammen und miteinander verbunden sind. Der untere Teil des Bildfeldes zeigt ein ornamentiertes Schild, deren Schrift „nur teilweise zu entziffern ist. Vermutlich heißt es HUF-SCHMIT.“
Darüber erkennt man zwei Schmiede in zeitgenössischer Kleidung, die in Ausführung ihres Berufes zu sehen sind und auf den zentralen Amboss ausgerichtet sind. In der Bildmitte des benachbarten Bildfeldes sind neben der Umrißform eines Hufeisens die Werkzeuge zu deren Bearbeitung sichtbar: Hufzange und Klauenhammer.[3]
Die Wandmalerei in der südlichen Hälfte der Ostwand: Reste vom Rahmendekor

Von der ehemaligen Rahmendekoration haben sich nur motivische Fragmente erhalten. Die untere Begrenzung des nicht mehr rekonstruierbaren Bildfeldes bildete ein aus dünnen Linien gemaltes Dekorband, während oben rechts ein „schwarzes und ockerfarbenes Rankenwerk, z.T. mit Ornamenten, Früchten und Trauben [...]“[3] das Rahmenmotiv bildete.
Sanierung / Renovierung
Das Gebäude Baldinger Straße 37 wurde 1986 zusammen mit dem Nachbarhaus Nr. 35 instandgesetzt.[2]
Die hierbei entdeckten figürlichen Wandmalereien aus der Zeit des ausgehenden 17. Jahrhunderts sind untersucht und fotografisch dokumentiert worden, können heute allerdings nicht mehr besichtigt werden, da man sie unter modernen Oberflächen verbarg.[2]
Bibliographie
- Kronwitter, Befunduntersuchung, 1986 — Kronwitter, Wolfram: Befunduntersuchung: Nördlingen, Baldinger Straße 35/37, Lepheim 1986 (=BLfD, München, Archiv)
- Nördlinger Häuserchronik: https://www.noerdlingen.de/stadtarchiv/noerdlinger-haeuserchronik
- Vollmar/Paula/Kociumaka, Nördlingen, 1998 — Vollmar, Bernd/Paula, Georg/Kociumaka, Catharina: Stadt Nördlingen. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Denkmäler (=Petzet, Michael (Hg.): Denkmäler in Bayern, Band VII.90/7: Schwaben. Landkreise. Donau-Ries 2. Stadt Nördlingen), München 1998