Markt Kraiburg, Ehenalige Deckenbilder aus der Bruckmühle
Ehemalige Deckenbilder aus der Bruckmühle; jetzt im Heimatmuseum Kraiburg
Herkunft
Die Deckenbilder befanden sich bis 1990 in der sog. Bruckmühle, einem Vierseithof. Im 1767 datierten Hauptgebäude zeigten zwei übereinanderliegende Stuben in der NW-Ecke des Baus barocke Ausstattung: die Stube im Erdgeschoß ein fast raumgroßes Stuckmedaillon mit IHS und Dreinagelkreuz, die Stube im Obergeschoß Deckenmalerei mit Stuckdekoration.




Auftraggeber: Die Bruckmühle war seit 1650 im Besitz der Familie Herbstmayr, Erbauer des Hauptgebäudes war Johann Herbstmayr (? 1727 † 1781), verheiratet seit 1750 mit Maria Anna Stadlmoser († 1771). Eine Bautafel mit Widmungsinschrift des Bauherrenpaars und dem Datum 1767 befindet sich an der Außenmauer.
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Martin Anton Seltenhorn (* 1741 Kraiburg † 1809 ebd.), um 1767


Die Bruchstücke der Fresken sind das einzige erhaltene Werk der über Jahrzehnte in Kraiburg ansässigen Malerfamilie Seltenhorn an diesem Ort.

Die umgebende Stuckdekoration zeigt Band- und Gitterwerkornamentik; es ist denkbar, daß der Raum schon früher ausgestattet wurde.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit Hohlkehle Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das Deckenbild wurde durch ein Großfeuer am 11.11.1986, das während einer Totalrenovierung ausbrach, beschädigt und fiel zu großen Teilen herab. Die geretteten originalen Teile wurden ins Heimatmuseum verbracht. Die Überreste sind offenbar in ursprünglichem Zustand.
Beschreibung und Ikonographie
A TAUFE JESU Kleeblattförmiges Deckenbild, bruchstückhaft erhalten. Auf einer Aufnahme des BLfD von 1985 erkennt man eine weite Flußlandschaft, links begrenzt von einem Laubbaum, rechts von einer Palme. Ganz im Vordergrund stehen Johannes der Täufer im leuchtend roten Mantel, seine Attribute Kreuzstab mit Aufschrift ECCE ANG. in der Hand und das Lamm zu seinen Füßen, und Jesus, bis zu den Knien im Wasser. Zwischen ihnen wächst eine rote Sumpfblume aus dem Wasser, seitwärts tauchen zwei Enten im Schilf (spätere Zutaten). Am rechten Ufer rastet unter einer Palme eine Gruppe von Menschen, auf dem Ast eines kahlen Baums ist ein Eichhörnchen zu sehen. Von links drängt eine Volksmenge hinzu. Der Hintergrund ist Ton in Ton mit einer klassizistisch wirkenden Ruinenlandschaft ausgestaltet. In Wolken schwebt Gottvater mit der Weltkugel; er deutet auf die Geisttaube unterhalb von ihm.

Das Thema wurde wohl gewählt, da Johannes der traditionelle Vorname in der Familie Herbstmayr war.
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrei Kraiburg, Pfarrmatrikeln.
Ptarrarchiv Kraiburg, Familien- und Häuserbuch, S. 285.
Denkmäler in Bayern, Oberbayern, München 1986, S. 423