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Mahlberg, Schlosskapelle

Aus Deckenmalerei-Lab
Seeger, Ulrike:Mahlberg, Schlosskapelle, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/32f53cf6-f026-4e20-a714-fd8e83e8729e

Inventarnummer: cbdd10437

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Besitz der Markgrafen von Baden-Baden, wurde die Schlosskapelle von Mahlberg um 1761 von Johann Pfunner mit einem Zyklus zur Vita der heiligen Katharina von Alexandrien ausgemalt. Um das schon früh verlorene Deckengemälde gruppieren sich acht Medaillons in sepiafarbenem camaïeu.

Die ehemalige Schlosskapelle in Mahlberg

Mahlberg war seit 1487 teilweise, seit 1629 zur Gänze im Besitz der Markgrafen von Baden-Baden.[1] Die ehemalige Schlosskapelle, die heute als evangelische Pfarrkirche dient, entstand in räumlicher Entfernung von dem auf dem Bergsporn thronenden Schloss Mahlberg.

Die im Grundriss oktogonale Kapelle wurde im Jahr 1687 von Markgräfin Sibylla Augusta nach Kriegszerstörung wiedererrichtet. Die zu besprechende Deckenmalerei stammt aus der Zeit um 1761. Sie entstand somit kurz bevor Mahlberg 1771 an die protestantische Linie Baden-Durlach überging.

Das Kapelleninnere

Das Muldengewölbe mit Stichkappen über den Rundbogenfenstern wird von acht flachen Pilastern mit korinthisierenden Kapitellen getragen. Die Pilaster sind mitsamt ihren Basen und Kapitellen leicht gekehlt, sodass sie die achteckigen Außenmauern in ein Rund überführen. Das Rund bereitet auf die geschweifte Kontur des zentralen Deckengemäldes vor. Die Stichkappen sind stuckiert. Die Gemälde bleiben dem Muldengewölbe vorbehalten.

Kuppelausmalung

Für die Ausmalung, die ursprünglich aus einem großen Mittelstück und acht kleinen Bildern bestand, erhielt der in Freiburg im Breisgau ansässige Maler Johann Pfunner (1716–1788) am 9. September 1761 einen Verdienst von 300 Gulden.[2] Das Hauptbild, als dessen Thema „Maria Himmelfahrt“ vermutet wird, ging wahrscheinlich noch zu Lebzeiten des Malers Johann Pfunner wegen „Pfusch am Bau“ verloren.[3] Erhalten haben sich jedoch die im Folgenden ikonographisch benannten Nebenszenen aus dem Leben der hl. Katharina von Alexandrien.

Katharina verweigert die Heirat mit Kaiser Maxentius


Katharina verweigert den Götzendienst


Mystische Vermählung der heiligen Katharina


Katharina diskutiert mit den Schriftgelehrten


Christus erscheint Katharina im Gefängnis


Enthauptung der heiligen Katharina


Grablegung auf dem Berg Sinai


Katharina bekehrt im Gefängnis die Kaiserin


Unter der Orgelempore: Vertreibung der Händler aus dem Tempel

Unter der Orgelempore, die zugleich den Eingang der Kirche überwölbte, malte Pfunner die Vertreibung der Händler und Geldwechsler aus dem Jerusalemer Tempel. Bei der Auswahl der Tiere folgte Pfunner folgte dem Text des Evangelisten Johannes (Joh 2,13-25), demzufolge Ochsen, Schafe und Tauben im Tempel feilgeboten wurden.

Pfunner hat den Jerusalemer Tempel als schlichten Kirchenraum der Renaissance imaginiert, den er in steiler Untersicht dargestellt hat. Am unteren Bildrand führen zwei konvex einschwingende Stufen in den Kirchenraum. Christus im roten Gewand unter einem blauen Mantel hat den Tempel über diese Stufen soeben betreten. Ein dort sitzender Junge mit Taube ist dabei, das erschreckt auffliegende Tier zu beruhigen.

Erzürnt schwingt Christus die Geisel. Die Händler und Geldwechsler fliehen mit erschreckten Gesichtern und erhobenen Armen, während das am oberen Ende der Treppe vor sich hindösende Schaf und auch der Ochse links im Bild von der Aufregung unberührt bleiben zu scheinen. Das Gemälde besticht durch seine Dynamik und den erzählerischen Zusammenhang der Figuren.

Bibliographie

  • • Bender, Himmel, 2019 = Gerhard Bender, Der Himmel steht offen. Leben und Werk der vier Freiburger Barockmaler Christian Wentzinger, Benedikt Gambs, Johann Pfunner und Simon Göser, Ubstadt-Weiher/Heidelberg/Weil am Rhein 2019.
  • • Brommer, Gambs und Pfunner, 1989 = Hermann Brommer, Benedikt Gambs und Johann Pfunner. Zwei bedeutende Barockmaler in Schloss Ebnet, in: Barockschloss Ebnet (Oberrheinische Quellen und Forschungen, hg. vom Freiherrlich Gayling von Altheim'schen Gesamtarchiv Schloß Ebnet, Freiburg im Breisgau, 2) München/Zürich 1989, S. 104–110.
  • • Ginter, Kirchenmalerei, 1930 = Hermann Ginter, Südwestdeutsche Kirchenmalerei des Barock. Die Konstanzer und Freiburger Meister des 18. Jahrhunderts, Augsburg 1930, S. 111–112.
  • • KDM Landkreis Freiburg, 1904 = Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden, 6, 1: Kreis Freiburg. Die Kunstdenkmäler des Landkreises Freiburg, hg. von Franz Xaver Kraus, Tübingen/Leipzig 1904, S. 266.

Einzelnachweise

  1. Infotafel vor Ort, Referenz GLA Karlsruhe.
  2. Ginter, Kirchenmalerei, 1930, S. 112–113. Die Quelle vom 9. September 1761 mit genauen Angaben bei Brommer, Gambs und Pfunner, 1989, S. 108–109 mit Anm. 28.
  3. Bender, Himmel, 2019, S. 42.