Laß, Heiko:Münster, Erbdrostenhof, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/032a86e2-69e8-4a12-bf4c-3bbd911d0f5d

Inventarnummer: cbdd20267

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Im sog. Erbdrostenhof befanden sich bis 1943/45 im Haupttreppenhaus und Hauptsaal Decken- und Wandfresken Nikolaus Loders von 1757, die nachempfunden rekonstruiert sind. Sie zeigten die olympischen Götter, Tugenden, Künste, die höfische Gesellschaft und Genreszenen sowie die Tages- und Jahreszeiten.

Der Erbdrostenhof in Münster

Kurzbeschreibung und Lage

Der so genannte Erbdrostenhof [1] steht im Osten der Altstadt von Münster auf dem Eckgrundstück Ringoldsgasse/Salzstraße, unweit der Clemenskirche. Er ist mit seiner Breitseite axial derart auf die nördliche Grundstücksspitze orientiert, dass seine Fassade über einen Platz hinweg bis auf den Alten Steinweg hin ausgerichtet ist.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Nachdem die Parzellen für den Neubau erworben worden waren, wurden die vorher hier stehenden alten Gebäude 1751 niedergelegt und anschließend das neue Palais von 1753 bis 1757 errichtet. Der Abschluss der Arbeiten datiert auf die Vollendung der Fresken im Inneren. Auftraggeber war Erbdrost Adolph Heidenreich Friedrich Anton Droste zu Vischering, als Architekt arbeitete Johann Conrad Schlaun. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte eine so genannte stilgerechte Erneuerung. Im Krieg wurde das Palais 1943/45 fast komplett zerstört – das Innere brannte aus und stürzte ein. Der 1948 begonnene Wiederaufbau erfolgte etappenweise und konnte erst mit der Neuausmalung des Haupttreppenhauses 1985 abgeschlossen werden. Der Ostflügel wurde komplett neu errichtet; rekonstruiert wurden von den historischen Räumen lediglich das Vestibül, das Haupttreppenhaus und der Hauptsaal.[2]

Beschreibung

Der Einflügelbau ist mit seiner Breitseite auf die Spitze des Grundstücks orientiert. Aufgrund seiner konkaven Schwingung wirkt er wie eine Dreiflügelanlage. Vor dem Palais liegt ein dreieckiger Ehrenhof, der von einem Gitter abgeschlossen wird, an dessen Spitze sich das Eingangsportal befindet. Auf der Rückseite des Gebäudes befand sich der Wirtschaftshof mit Marstall und Remisen, auf den sonst üblichen Garten wurde verzichtet. Das dreigeschossige Gebäude auf niedrigem Sockelgeschoss zählt an der Eingangsseite 13 Achsen. Die mittleren fünf sind zu einem Risalit zusammengefasst, dessen drei zentrale Achsen von einem Dreiecksgiebel überfangen sind. Die Fassade wird durch den Wechsel von hellen Werksteingliedern und roten Ziegeln geprägt. Alle architektonisch wichtigen Glieder sowie der Mittelteil und die beiden äußeren Achsen bestehen aus Baumburger Sandstein. Der Mittelbau ist aufwendig instrumentiert: Hier befindet sich die zentrale Durchfahrt mit seitlichen Fußgängerdurchlässen. Am Mittelrisalit werden Pilaster verwendet, sonst gibt es lediglich umfassende Lisenen, die vor allem die äußersten Achsen betonen. Das zentrale Vestibül ist symmetrisch gestaltet. Nach links gelangt man in das rekonstruierte Haupttreppenhaus. Zu beiden Seiten des Vestibüls lagen nahezu identische Appartements, wobei das rechte einen Raum mehr umfasste als das linke; dort war anstelle eines ersten Vorzimmers das Treppenhaus gelegen. Das Treppenhaus erschließt das Hauptgeschoss sowie das Mezzanin. Auch das Hauptgeschoss nahm zwei Appartements analog zum Erdgeschoss auf. In der Mitte, über dem Vestibül und die gesamte Tiefe des Hauses durchmessend, ist der rekonstruierte Hauptsaal gelegen.[3]

Das Treppenhaus

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Treppenhaus wurde 1753-1757 nach Plänen von Johann Conrad Schlaun für Adolph Heidenreich Friedrich Anton Droste zu Vischering erbaut. Mit Vollendung der Fresken durch Nikolaus Loder 1757 können die Arbeiten als abgeschlossen gelten. Das Treppenhaus wurde 1943/45 zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in mehreren Etappen: 1968 wurden die Kachelpaneele angebracht, bis 1971 folgte das Geländer sowie die Stuckierungen und von 1983 bis 1985 wurde die Wand- und Deckenmalerei rekonstruiert.[4]

Beschreibung

Das Treppenhaus ist heute etwas niedriger als ursprünglich. Es hat eine Grundfläche von 6,50 auf 6,50 Meter und ist 13 Meter hoch. Die Treppe ist an der Hofseite nach Süden gelegen und führt, in jedem Stockwerk zweimal gebrochen, durch alle drei Geschosse hindurch. An der Südseite befindet sich jeweils ein Podest, von dem aus Degagements und Hauptsaal erreicht werden. Die Lambriszone war ehemals mit hellrosa Majolikafliesen verkleidet, darüber schlossen freskierte Wandflächen an. Die Unterseiten der Treppenläufe und Podeste waren wie die Voute mit Stuck verziert. Da die Raumhöhe im Zuge der Rekonstruktion geringer ausfiel, ersetze man den Stuck der Voute durch Malerei.[5]

Die (ehemalige) Wandmalerei im Treppenhaus

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Fresken wurden für Adolph Heidenreich Friedrich Anton Droste zu Vischering durch Nikolaus Loder bis 1757 geschaffen. 1943 wurden sie bis auf geringste Reste zerstört. Nach längeren Vorplanungen erfolgte von 1983 bis 1985 eine Rekonstruktion durch Johann Rauchegger.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die Wandmalerei [7] fingierte einen hohen Pfeilerbau mit abschließender Galerie. Zwischen den gemalten Marmorpfeilern in den Raumecken stieg die Treppe empor. Im Erdgeschoss trugen Pfeiler mit üppigen Voluten sowie Atlanten und Hermen scheinbar die Treppe. Im Obergeschoss waren in die Pfeiler teilweise Nischen mit Vasen eingestellt und die Kapitelle mit Köpfen verziert. Das Mezzanin hatte die schlichtesten Kapitelle.

Die Wandmalerei in den einzelnen Stockwerken war thematisch sehr unterschiedlich. Im unteren Bereich wurde die Zone der Untertanen dargestellt. An der Westwand neben der Eingangstür erblickte man einen Graveur bei der Arbeit. Dieser stach gerade ein Sigel, wobei ihm zwei Knaben neugierig zusahen. Hinter diesen stand ein Händler mit Porzellanwaren in seinem Korb. Die Nordwand war lediglich mit einem Rahmen geziert. An der Ostwand gegenüber dem Eingang am Antritt der Treppe hatte ein Paar scheinbar eine Krambude aufgestellt. In den Regalen lagen Stoffballen, Rollen, Pakete, Schachteln und Töpfe. Aufgehängt waren Ketten mit Knöpfen, Schnallen, Handschuhe, Strümpfe, Papiere mit Knöpfen und Spitzen, ein Degengriff sowie eine Puppe. Auf dem Verkaufstisch lag eine Landkarte. Der weitere Treppenaufgang zum Hauptgeschoss präsentierte an der Nordwand rechts einen Garten mit architektonisch geschnittenen Hecken sowie links einen Jäger mit Falken auf der Faust, der am Himmel den Luftkampf von Reiher und Falken während einer Reiherbeize betrachtete. Die Westwand zeigte den Himmel, in den rechts Bäume hineinragten. An der Südwand des Hauptgeschosses erschienen zwischen den Fenstern zwei bekleidete Putten mit Bassgeige; hinzu kamen Palette und Farbtöpfe sowie eine Kartusche mit der Datierung der Malerei auf 1757 und heute auch 1985. Den Treppenlauf zum Mezzanin zierten Ausblicke an den Himmel, an dem an der Ostwand ein weiterer Falke zu sehen war, der auf einen Vogel stieß. Das Mezzaningeschoss war der höfischen Gesellschaft vorbehalten: Hinter dem umlaufenden Geländer befanden sich verschiedene Gruppen. An der Ostwand waren eine Dame und ein Herr ins Gespräch vertieft; daneben standen zwei weitere Damen. Direkt neben der Gruppe befand sich ferner, bereits an der Nordwand, eine Frau in Schwarz, die die Betrachtenden ansah. In der Mitte der Nordwand spielten eine junge Frau und zwei Kinder mit einem Papagei sowie einer angeketteten Meerkatze, auf deren Gürtel sich die Signatur Loders befand. Ganz links an der Wand trug ein livrierter Diener ein Tablett mit Gläsern fort, an der Westwand war ein zweiter Bediensteter mit einer Bastflasche auf der Schulter zu sehen.

Ergänzend kamen ebenfalls freskierte Supraporten in den drei Ebenen hinzu. Max Geisberg vermutete, dass diese nicht von Loder stammten. Im Erdgeschoss waren sich unterhaltende Putten dargestellt, im Hauptgeschoss über der Saaltür zwei am Boden sitzenden Putten mit Korb und Schaufel und über der gegenüberliegenden Tür ein Mädchen mit einem Bock und Trauben. Die beiden Motive waren fotografisch nicht dokumentiert und wurden nach Geisbergs Beschreibungen von Rauchegger neu entworfen. Im Mezzanin sind Deckelvasen zu sehen.

Vergleich der originalen Fassung mit der Rekonstruktion

Im Gegensatz zur Neufassung Raucheggers war die ursprüngliche Malerei Loder von großer, fast skizzenhafter, Leichtigkeit.

Das ehemalige Deckenbild im Treppenhaus

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Fresko wurde für Adolph Heidenreich Friedrich Anton Droste zu Vischering von Nikolaus Loder bis 1757 geschaffen. Im Krieg zerstört, wurde es 1983-1985 von Johann Rauchegger rekonstruiert. Dabei wurde der ehemalige Stuck in der Voute freskiert.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Das Fresko zeigte über einer zentralen Wolke den gekrönten Jupiter. Offenbar wies er drei Putten an, über seinem Haupt ein rotes Tuch zu raffen. Eine zu seinen Füßen stehende vierte Putte umarmte seinen Adler und hielt sein Blitzbündel in der Hand. Von rechts eilte Merkur herbei. Weiter unten rechts vertrieb eine weitere Putte mit den Blitzen Jupiters die Laster, von denen die Raserei mit Schlangenhaar und die Lüge mit Maske und Holzbein bestimmt werden können; beide stürzten aus dem Bildfeld heraus. Links saßen zwei weibliche Gottheiten, die von Putten mit Blütenzweigen bekränzt wurden. Eine hielt ein Rauchfass und einen Schild mit der Inschrift „uniquiq[ue] suum“ (Jedem das Seine), die andere betrachtete zwei aneinandergekettete Herzen als Sinnbild ehelicher Liebe und Treue.[9]

Der Hauptsaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Hauptsaal wurde 1753-1757 nach Plänen von Johann Conrad Schlaun für Adolph Heidenreich Friedrich Anton Droste zu Vischering erbaut. Mit Vollendung der Fresken durch Nikolaus Loder 1757 können die Arbeiten als abgeschlossen gelten. Der Hauptsaal wurde 1943/45 zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte ertappenweise und wurde 1967/68 mit der Rekonstruktion der Fresken abgeschlossen.[10]

Beschreibung

Der annähernd quadratische Hauptsaal durchmaß die gesamte Tiefe des Gebäudes. Er hatte eine Grundfläche von 11,1 auf 11,6 Meter und umfasste zwei Geschosse. An Nord- und Südseite öffneten sich im unteren Geschoss je drei Fenstertüren und im Obergeschoss drei Fenster, von denen das mittlere jeweils überhöht war. Eine umlaufende Galerie auf vergoldeten Konsolen auf Höhe des Mezzaningeschosses stellte Platz für Musiker bereit und ermöglichte so die Kommunikation zwischen den beiden Haushälften. Die Wandfelder zwischen den Fenstern waren unten mit Konsoltischen und Spiegeln besetzt. An Ost- und Westwand befand sich jeweils ein zentraler roter Marmorkamin, der von Türen flankiert wurde. Über dem Kamin an der Westwand befandet sich ein Porträt des Landesherrn Clemen August von Wittelsbach, über dem an der Ostwand ein Porträt des Kaisers Franz I. Stephan. Der Zugang zum Raum erfolgte durch die Tür an der Südostecke, sodass der Blick der Eintretenden auf Clemens August fiel. Die Architekturgliederung des Saals war darüber hinaus nur gemalt.[11]

Das ehemalige Deckenbild des Hauptsaals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Fresko wurde für Adolph Heidenreich Friedrich Anton Droste zu Vischering durch Nikolaus Loder bis 1757 geschaffen. Im Krieg zerstört, wurde es 1963--1968 von Paul Reckendorfer unter Mitarbeit Johann Raucheggers nachempfunden. Die neuen Fresken mussten bereits 1985 von Rauchegger restauriert werden.[12]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke öffnete den Blick in den Himmel, dessen Mitte von gelbem Sonnenlicht erleuchtet wurde. Zahlreiche Wolken, auf denen antike Gottheiten oder Personifikationen lagerten, belebten den Himmel. Hinzu kamen Putten, die umherflatterten, Gegenstände trugen oder sich gleichfalls auf einer der Wolken niedergelassen hatten. In der Mitte, die Sonne verdeckend, saßen Jupiter und Merkur mit ihren üblichen Attributen – Adler, Blitzbündel und Caduceus. Über dem Paar spannten zwei Putten einen Sonnenschirm auf. Auf einer Wolke links nebenan hatten sich Herkules mit Keule, Neptun mit Dreizack sowie ein alter Mann niedergelassen. Noch weiter links im Dunst konnte Pluto mit Zweizack und Proserpina im Arm ausgemacht werden. Rechts von Jupiter und Merkur befand sich eine Wolke mit Apoll und Saturn, kenntlich durch Leier und Sense sowie geflügeltem Stundenglas. Unter ihnen erblickte man zwei Frauengestalten, von denen eine ein Füllhorn ausschüttete, während die andere das Ende einer Blumengirlande hielt, mit der mehrere Putten weiter rechts beschäftigt waren. Unter der Wolke mit Herkules und Neptun unterhielten sich Vulkan und Minerva miteinander. Putten hielten Vulkans Hammer und Minervas Schild. Darunter lagerten auf einer weiteren Wolke Juno (kenntlich durch zwei Pfauen) mit einer Begleiterin, eine Putte sowie ein alter Mann, der einer anderen Putte etwas erzählte. In der Mitte unter dem Füllhorn befanden sich Diana und Pan zusammen mit Hunden. Weiter rechts lagerten auf Wolken mehrere Frauen, die vermutlich Tugendallegorien darstellten: Die Gerechtigkeit mit Waage und die Stärke mit Säule sind auszumachen. Am unteren Bildrand ruhte Venus mit zwei Schwänen, unweit der Laster, die in der linken Ecke in die Tiefe gestürzt wurden. In der Mitte des unteren Randes hoben Fama und eine Putte einen bekrönten Schild mit den Initialen DE empor. Hinzu kam die Ordenskette des Ritterordens vom Heiligen Michael und das Drostesche Wappen. So kann dieser Schild auf den Bauherrn bezogen werden (er war Großkreuzherr des Ordens) und DE stünde folglich für Droste Erbdroste. Dieser Bereich war nicht farbig sondern monochrom gehalten und gehörte damit zum inhaltlichen Bereich der Wand. Rechts davon lagerten zwei Erdgottheiten mit Spaten. Ganz rechts in der Ecke hielten zwei Frauen einen Blumenkorb. Über dem linken Bildrand war eine Wolke gemalt, auf der Bacchus mit einem Kumpan bei einem Weinfass zechte. Über dem rechten Bildrand lagerten zwei Gottheiten auf einer Wolke, denen eine Putte einen Sternenkranz überbrachte. Am oberen Bildrand, gegenüber dem Wappen der Bauherrn, befanden sich schließlich eine bekrönte Urne und das Raesfeldsche Wappen. Auch sie gehörten aufgrund der Monochromie inhaltlich zum Bereich der Wand und bezogen sich auf die zweite Frau des Bauherrn: Maria Antoinette vom Raesfeld zu Hemern.

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit war auf die Eintretenden im Osten bezogen.

Vergleich der originalen Fassung mit der Rekonstruktion

Die heute vorhandene Malerei Raucheggers ist bei weitem schwerfälliger als das Original. Die Malerei Loders war von skizzenhafter Leichtigkeit und hellerer Farbigkeit, während die gegenwärtige Fassung deutlich schwerer und dumpfer wirkt.[13]

Die (ehemalige) Wandgestaltung des Hauptsaals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die von Nikolaus Loder im Jahr 1757 für Adolph Heidenreich Friedrich Anton Droste zu Vischering ausgeführte Freskomalerei wurde im Krieg 1943/45 zerstört. Sie wurde 1965-1967 durch Paul Reckendorfer unter Mitarbeit Johann Raucheggers nachempfunden; bereits 1985 war eine erneute Restaurierung durch Rauchegger erforderlich.[14]

Beschreibung und Ikonographie

Die Wandflächen waren vollständig illusionistisch bemalt und gingen mit einer Wölbung nahtlos in die Malerei der Decke über.[15] Die Gliederung der Wände erfolgte geschossweise mittels Säulenordnungen: Im Hauptgeschoss waren dies Pfeiler toskanischer Ordnung und im Obergeschoss komposite Pfeiler, vor die Vollsäulen gesellt waren, die ein stark verkröpftes, weit ausladendes Gebälk trugen, über dem sich der Wolkenhimmel an der Decke öffnete. Die scheinbar tieferliegenden Wandteile zwischen den Pfeilern zierten im Erdgeschoss an der West- und Ostwand Gehänge sowie in den vier Raumecken Statuen. Die Nischen korrespondierten mit den realen Nischen, die an der Ost- und Westwand die vier Türen und an der Nord- und Südwand die Fenster aufnahmen. Im Obergeschoss erschienen in der Mitte (zwischen den Türen) Statuen. Über den Türen befanden sich fingierte Reliefs. In den Raumecken standen Vasen. Zwischen den Fenstern an der Nord- und Südwand befanden sich ebenfalls Statuen, über den äußeren Fenstern Reliefs. Der Farbton dieser Naturstein imitierenden Malerei war Graugrün und prägte den gesamten Raum. Ausnahmen waren die goldenen Kapitelle der kompositen Ordnung, die mit den realen vergoldeten Konsolen korrespondierten, die die Galerie trugen. Bunte Bereiche wiesen lediglich die beiden realen Gemälde über den Kaminen und die freskierten Supraporten in den Lünetten über den Türen auf. Hinzu kamen in der Südwestecke die Lasterallegorien der Decke, die in den Raum herabstürzten und Wolken in den anderen Raumecken. Die Signatur von Nikolaus Loder befand sich in der Laibung der nördlichen Tür der Ostwand.

Die Gehänge beiderseits der Kamine präsentierten Musikinstrumente wie Dudelsack, Waldhorn oder Tamburin und Schalmei. Die polychromen Supraporten allegorisierten die vier Tageszeiten: Im Westen über der linken, südlichen Tür war der Abend dargestellt. Man erblickte drei Putten, die beim Schein einer Laterne offenbar auf dem Heimweg waren. Über der Tür rechts im Norden sah man drei Putten beim Mittagsmal. An der Ostwand über der linken, nördlichen Tür allegorisierten in einem Zelt schlafenden Putten die Nacht. Rechts, über der südlichen Tür, waren zwei Putten zu sehen, die gerade aus dem Schlaf erwacht waren und so den Morgen verbildlichten.

In den vier Raumecken war das Urteil des Paris dargestellt. In der Südwestecke stand die Statue der Juno mit Zepter und Pfau, begleitete von zwei Putten, von denen die eine eine auf einem Kissen plazierte goldene Krone trug. In der Nordwestecke erschien Venus begleitet von zwei Putten, von denen eine eine Fackel trug. In der Nordostecke stand die gerüstete Minerva zusammen mit einem Globus und zwei Putten, die in Büchern blätterten. In der Südwestecke neben der Ausgangstür zum Treppenhaus erblickte man schließlich Paris mit dem Goldenen Apfel, begleitet von drei Knaben, von denen einer ein Schild mit Inschrift „a la plus Belle“ (für die Schönste) hielt.

Im Obergeschoss waren in die Raumecken Vasen gestellt. Die Statuen in den Nischen der Westwand verkörperten links die Tugend der Tapferkeit, personifiziert durch eine gerüstete Frau mit Speer, in der Mitte die Tugend der Freigiebigkeit, dargestellt durch zwei Frauen mit Füllhörnern und Blumenkorb und in der rechten Nische die Personifikation der Friedfertigkeit mit Ölzweig. Gegenüber an der Ostwand stand in der linken Nische die Personifikation der Eintracht. Sie trug einen Schild, auf dem zwei sich reichenden Händen unter einem Kranz zu sehen waren. In der mittleren Nische war die Allegorie der Liebe mit Fackel und Herz dargestellt. In der rechten Nische stand die Personifikation der Hoffnung mit einem Anker als Attribut. In den Nischen zwischen den Fenstern standen Allegorien der vier Jahreszeiten: An der Nordwand erblickte man ein Mädchen mit Trauben, welches den Herbst allegorisierte und ein Mädchen mit Turban und Korb, das den Winter verbildlichte. An der Südseite stand ein Mädchen mit Blumenkorb für den Frühling und eines mit Handsichel für den Sommer. Über den Türen im Obergeschoss wurden die vier Elemente dargestellt. Über den Fenstern an der Nord- und Südwand befanden sich Allegorien der Baukunst und Dichtkunst sowie der Bildhauerei und der Malkunst.

Vergleich der originalen Fassung mit der Rekonstruktion

Für die Wandmalerei gilt dasselbe wie für die Deckenmalerei: Die Malerei Loders war von skizzenhafter Leichtigkeit und ihre Farbigkeit war heller und weniger dumpf im Vergleich zur gegenwärtigen. Die heute vorhandene Malerei Raucheggers ist bei weitem schwerfälliger als das Original.[13]

Translozierte Malerei aus Haus Dieck

Die Malerei aus Haus Dieck, die sich in der Garderobe des Ostflügels befindet, ist unter ihrem ursprünglichen Standort erfasst.

https://www.deckenmalerei.eu/18b60693-f9ab-4e39-b1fb-a1e4306b6ed8#b4a0a683-cd2e-483a-b5a9-d2c34f9538f2

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
  • Geisberg, Münster 4, 1935. – Geisberg, Max (bearb.): Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen 41. Die Stadt Münster. Teil 4. Die profanen Bauwerke seit dem Jahre 1701. Münster 1935.
  • Korn, Erbdrostenhof, 1995. – Korn, Ulf-Dietrich: Der Erbdrostenhof in Münster. in: Bußmann, Klaus/Matzner, Florian/Schulze, Ulrich (Hrsg.): Johann Conrad Schlaun 1695–1773. Architektur des Spätbarock in Europa. Ausstellungskatalog. Münster/Stuttgart 1995, S. 472-499.
  • Korn, Erbdrostenhof, 1998. – Korn, Ulf-Dietrich: Der Erbdrostenhof in Münster, 2. überarb. Aufl. Münster 1998.
  • Laß, Erbdrostenhof, 2008. – Laß, Heiko: Erbdrostenhof, ehem. adeliges Stadtpalais. in: Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland Band 5. Barock und Rokoko. München/Berlin/London/New York 2008, S. 452-453.
  • Krause, Wohnhöfe, 2018. – Krause, Katharina: Sichtbar und sicher: Wohnhöfe des Adels in Münster in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Politiken der Sicherheit, 4). Baden-Baden 2018.
  • Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun 1696–1773. Das Gesamtwerk. 2 Bde. Stuttgart 1995.
  • Müller, Adelshöfe, 1921. – Müller, Eugen: Die Adelshöfe der Stadt Münster i.W. Nebst einem Anhange: Die Münsterschen Adelsgesellschaften. Münster 1921.
  • Müller, Adelshöfe, 1930. – Müller, Eugen: Die Adelshöfe der Stadt Münster i.W. Nebst einem Anhange: Die Münsterschen Adelsgesellschaften. 2. u. 3., mit einem Nachtrag u. mit Bildschmuck versehene Aufl. 1930.
  • Archivalien:
  • Erbdrostenhof, Fassaden. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Münster D. Erbdrostenhof Fassaden (incl. Unterlagen Sigrist)
  • Erbdrostenhof, Treppenhaus. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Salzstraße 38. Erbdrostenhof. Treppenhaus. Münster.
  • Erbdrostenhof, Supraportengemälde S, 1984. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Münster S. Erbdrostenhof Supraportengemälde S. 1984.
  • Erbdrostenhof, Supraportengemälde D, 1984. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Münster D. Erbdrostenhof Supraportengemälde. Münster D. Erbdrostenhof Supraportengemälde D. 1984.
  • Erbdrostenhof, Supraportengemälde, 1985. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Münster D. Erbdrostenhof Supraportengemälde. Salzstraße 38. 1985.
  • Erbdrostenhof IX. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Salzstraße 38. Erbdrostenhof. Münster. Akte IX 1985-1994.

Einzelnachweise

  1. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 234-137; Laß, Erbdrostenhof, 2008; Korn, Erbdrostenhof, 1998; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 566-585; Korn, Erbdrostenhof, 1995; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 221-242; Müller, Adelshöfe, 1921, S. 206-212; Müller, Adelshöfe, 1930, S. 206-212.
  2. Dehio, Westfalen, 2011, S. 764; Korn, Erbdrostenhof, 1998, S. 3-11, 34-36; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 567, 582-583; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 473, 499; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 221; Müller, Adelshöfe, 1930, S. 206-212; Müller, Adelshöfe, 1921, S. 206-212. Erbdrostenhof, Fassaden.
  3. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 234-135; Dehio, Westfalen, 2011, S. 764; Korn, Erbdrostenhof, 1998, S. 11-34; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 567-572, 580-582; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 475-487; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 222-242.
  4. Korn, Erbdrostenhof, 1998, S. 23-17; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 487-493. Erbdrostenhof, Treppenhaus.
  5. Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 572; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 232. Erbdrostenhof, Treppenhaus.
  6. Dehio, Westfalen, 2011, S. 765-766; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 473; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 232. Erbdrostenhof, Supraportengemälde S, 1984; Erbdrostenhof, Supraportengemälde D, 1984; Erbdrostenhof, Treppenhaus.
  7. Vgl. zur Wandmalerei früher und heute: Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 572; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 487, 490, 493; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 234.
  8. Dehio, Westfalen, 2011, S. 765-766; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 473, 490; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 232. Erbdrostenhof, Supraportengemälde S, 1984; Erbdrostenhof, Supraportengemälde D, 1984; Erbdrostenhof, Treppenhaus.
  9. Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 490.
  10. Dehio, Westfalen, 2011, S. 766; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 583; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 493-496.
  11. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 102; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 378; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 493-496; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 234, 236.
  12. Erbdrostenhof, Supraportengemälde S, 1984; Erbdrostenhof IX.
  13. 13,0 13,1 Dehio, Westfalen, 2011, S. 766; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 496.
  14. Dehio, Westfalen, 2011, S. 766; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 583; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 473. Erbdrostenhof, Supraportengemälde S, 1984; Erbdrostenhof IX; Erbdrostenhof, Treppenhaus.
  15. Vgl. zur Wandmalerei vor und nach 1945: Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 378; Korn, Erbdrostenhof, 1995, S. 493-495; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 236-238, 240.