München-Fröttmaning, Filialkirche Hl. Kreuz
Filialkirche Hl. Kreuz, Kranzberger Allee 66, Stadtpfarrei St. Albert, München-Freimann, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Garching, auf die Kloster Weihenstephan das Präsentationsrecht hatte, Gericht Kranzberg
Patrozinium: Hl. Kreuz
Zum Bauwerk: Nach Meichelbeck (Mayer-Westermayer, S. 506) wurde in Fröttmaning bereits 815 eine Kirche geweiht. Der im Kern romanische Bau (romanische Wandmalereien aus dem 12./13. Jh. 1981 freigelegt) wurde im 14. Jh. verändert und 1735/36 barockisiert. (StAM Geistl. Rat, Kirchenrechnungen Gericht Kranzberg, Fröttmaning 1750: »Anno 1735 ist zur Erpauung dieser Kirchen mit gdigster Bewilligung ohne Interesse auf Wiederbezahlung von hernachfolgenden Orten entbehrt worden... weiters haben zur Erpauung der Kirchen ao 1736 folgende Gottshäuser hergliehen...«)
Saalbau, dreijochig, eingezogener quadratischer AR mit Spiegeldecke, gerade geschlossen. Im LHs je 2 korbbogige barocke Fenster, im AR ein Korbbogenfenster auf der S- Seite, im O ein spitzbogiges Schlitzfenster. Im W Holzempore auf gefaßter Stütze (17. Jh.). Das LHs ist höher als der AR, die Deckenbilder befinden sich im LHs.
Autor und Entstehungszeit: Der Autor ist nicht bekannt, der stilistische Befund weist auf eine Entstehungszeit um 1736/40.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Spiegelgewölbe mit kleinen Stichkappen über Fenstern und Chorbogen Rahmen: Die Stuckprofilrahmung ist – wie die gesamte
Technik: Fresko; A, A1-4 polychrom; Aa-b monochrom ocker
Maße: A Höhe 4,90 m; 4,00 × 3,50 A1-4 Höhe 4,90 m; 1,80 × 1,60 A Höhe 4,90 m: 1,10 × 1,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1892/1902 Restaurierung der Kirche. 1934 Restaurierung der Deckenbilder (Reinigung, Ausbesserung, Ergänzung von Fehlstellen) durch Ostenrieder und Fa. Mayrhofer, München 1977 lösten sich Teile der Fresken, bedingt durch jahrelange Dachschäden. 1979/80 Renovierung und Wiederherstellung der Fehlstellen durch Alban Wolf, München, und Fa. Mayrhofer, München. Die Fresken A, A3-4 sind in gutem Zustand, die originale Substanz ist erhalten bis auf eine ausgebesserte Stelle in A am rechten Bildrand; A1 sind überwiegend Restaurierungsmalerei. Eine gemalte Kartusche am Chorbogen trägt weder Inschrift noch Darstellung.
Beschreibung und Ikonographie
A VEREHRUNG DES HL. KREUZES Einansichtige Bildanlage mit perspektivisch konstruierter, jedoch wenig geglückter Illusionsarchitektur. Schauplatz ist ein sakraler Kuppelraum; in der Mitte ist das Kreuz Christi beherrschend auf einem altarähnlichen Sockel aufgerichtet. Es ragt bis in den Scheitel der lichten Tambourkuppel auf und ist von einer Strahlenglorie umfangen. Putti verehren es, ein Weihrauchfaß schwingend. Auf Stufen kniend beten ein Bischof und ein Kaiser mit Gefolge das Kreuz an. Krone und Zepter liegen zu Füßen des Kaisers.
Das schlichte, weiße, gegürtete Hemd, das der Kaiser unter dem Purpurmantel trägt, wie die altertümliche Tracht und die Waffen, Lanzen und Schilde der drei Soldaten des Gefolges weisen auf die Herakliusgeschichte hin: Der byzantinische Kaiser Heraklius hatte das Kreuz Christi 627 mit dem Sieg über den Perserkönig Chosroe II. zurückerobert und im Büßerhemd auf der Schulter durch das Tor Jerusalems getragen. Der in violettem Mantel und Mozzetta wiedergegebene Bischof stellt folglich wohl den Patriarchen von Jerusalem dar. Er ist begleitet von einem weiteren Würdenträger im Pluviale; ein assistierender Geistlicher in Chortracht trägt einen erzbischöflichen Kreuzstab.
A1-4 HEILIGE MIT DEM KREUZ CHRISTI Die vier Eckmedaillons zeigen untereinander sehr ähnliche Kompositionen: Schauplatz ist jeweils eine öde, felsige Landschaft (in A2 und A3 mit Ausblick auf das Meer), in der Heilige in die Betrachtung des Kreuzes versunken sind. Die Bodenzone ist jeweils in einem gedämpften Olivgrün gehalten; das Himmelsblau schafft im Zusammenhang mit dem in Fresko A und mit dem Deckengrund eine einheitliche Wirkung der Deckenmalerei.
A1 Der hl. Franziskus von Assisi empfängt in einer Vision des Kruzifixus die Wundmale; Buchinschrift o De/us / meus. (Die Figur des Franziskus ist weitgehend erneuert.)
A2 Der hl. Franz Xaver tauft im Zeichen des Kreuzes einen dunkelhäutigen Inder, dabei assistiert ein Mann in
FROTTMANING
der Tracht eines Pagen. Franz Xaver hat das Kruzifix erhoben und zeigt zur Himmelsglorie empor. Der Heilige ist mit einer Pilgerpelerine (Muschelabzeichen) wiedergegeben. (Seine Gesichtszüge sind neu gezeichnet.)
A3 Die büßende Maria Magdalena kniet an einem Felsenaltar und betrachtet das Astkreuz und die Hl. Schrift. Sie hält einen Totenschädel und eine Geißel in Händen. Auf der Altarstufe liegen eine Matte, ihre Liegestatt, und ein Bußgürtel. Davor steht das Salbgefäß, das sie kennzeichnende Attribut.
A4 Der reuige Petrus kniet in Betrachtung des Kreuzes. Er trocknet sich das tränenbenetzte Gesicht mit einem Tuch. Neben ihm steht der Hahn, der auf seinen Verrat hinweist.
Aa Golgotha Der Berg mit drei Kreuzen, das Kreuz Christi durch eine Gloriole ausgezeichnet, am Boden Schädel
Ab Erdball im Zeichen des Kreuzes Schauplatz eine Landschaft mit Wolkengloriole
Quellen und Literatur
Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 409. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 503-06. Fried, Pankraz, Die Landgerichte Dachau und Kranzberg (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 11 12). München 1958, S. 194.
C. B
