München, Stadtpfarrkirche St. Peter
Stadtpfarrkirche, Petersplatz 1, Erzdiözese München und Freising; Deckenbilder 1945 zerstört
Patrozinium: St. Peter
Zum Bauwerk: Älteste Kirche Münchens. Gründungsbau um 1050, romanischer Bau 2. Hälfte 12. Jh. Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1327, Weihe 1368. Erste umfassende Barockisierung 1630-54 unter Kurfürst Maximilian I.: 1630 Neubau des Chores in Gestalt einer Dreikonchenanlage durch Isaak Pader, 1636 Chorwölbung und -ausgestaltung 1640/42 und 1653/54 Umbau des MSch. und der SSch.; 1654 Weihe. Die unbefriedigende Hochaltarlösung von 1642/44 führte 1730–34 zu einer Neugestaltung des Hochaltars und im Anschluß daran des Chores. Architekt Ignaz Anton Gunetzrhainer, Stukkaturen Johann Baptist Zimmermann, Fresken Nikolaus Gottfried Stuber; Hochaltar von Egid Quiri Asam nach Plänen Stubers (Weihe 1748). 1753-56 Neugestaltung des LHs, Baumeister wieder Ignaz Anton Gunetzrhainer, Stukkaturen und Fresken Johann Baptist Zimmermann.
1944/45 wurde die Kirche durch Bombenangriffe fast ganz zerstört. Wiederaufbau ab 1947, 1952 Einwölbung des LHs, 1953 des Chores. Weihe 27.-29. 6. 1954.
Dreischiffige Pfeilerbasilika zu neun Jochen, eingezogenes Eingangsjoch unter dem W-Turm mit seitlichen Kapellen (Katharinen- und Taufkapelle). Mittelschiff doppelgeschossig; Arkaden- und Hochgadenwand durch ein umlaufendes, verkröpftes Gebälk getrennt; Pilastergliederung. An den Hochschiffwänden Oratorien, darüber Blendenarkaden (mit den Wandfresken W1-16); darüber (in den Stichkappen) Rundfenster. Im W Doppelempore.
Seitenschiffe mit je zwei Eingangsjochen im 1. und 8. Joch von W und dazwischen je 6 Wandpfeilerkapellen auf der N- (N1-6) und S-Seite (S1-6) je einer Kapelle an der O-Wand im 9. Joch (K, Corpus-Christi-Kapelle und K. Mariahilfkapelle).
Chor Dreikonchenanlage mit je 3 Hochgadenfenstern und darüberliegenden Rundfenstern. AR in der Breite des MSch., von den seitlichen Konchen im Erdgeschoß abgetrennt (Sakristeiräume), im Obergeschoß der Abseiten Oratorien.
Auftraggeber: Für die Chorausstattung Kurfürst Karl Albrecht von Bayern und seine Gemahlin Maria Amalia von Österreich (Allianzwappen von Bayern-Österreich an der W-Seite der Chorkuppel D). Für die Neugestaltung des Chores wies der Kurfürst 1731-35 insgesamt 5000 fl. aus der sogen. »Ehebruchskassa« an (Geiß, S. 127); entsprechenden Einfluß übte er auf die Wahl Stubers zum entwerfenden Künstler aus (vgl. Autor). Große Verdienste um die Barockisierung der Kirche erwarb sich der amtierende Pfarrer, Dekan Anton Kajetan von Unertl (13. 6. 1724-16. 8. 1753). Sein Nachfolger, Dekan Ignaz von Unertl (1753-59) überließ die Bauaufsicht seinem Kooperator Johann Kajetan Gensberg (1745-66), welcher Akkorde und Rechnungen mit dem Titel »Baudirec tor« unterzeichnete. Dank eines vom Hochstift Freising geforderten Rechenschaftsberichtes sind durch ihn alle Einnahmen und Ausgaben belegt (AEM, zitiert nach Geiß, S. 130)
Autor und Entstehungszeit:
Ausmalung 1636
Eine erste – offenbar überwiegend dekorative – Ausmalung fand anläßlich der Barockisierung der Kirche unter Kurfürst Maximilian I. 1630-54 statt. Nach der Wölbung des Chores 1636 »gingen die Maler daran, da Chor- und Kuppelgewelb, auch das neue Langhaus bis auf das alte auszumalen«. Die Leitung dieser Arbeiten lag in Händen der Maler Thomas Hofmann (*Landshut, 1624 Meister in München † 1646 München) und seines Nachfolgers Christoph Bluemb. Sie hatten die Malerei »wie Stucador Arbeit« herzustellen (Alte Gewölbemalereien in St. Peter in: Münchener Neueste Nachrichten Nr. 448 vom 25. 9. 1911, unter Berufung auf mündliche Auskünfte bzw. archivalische Notizen von Karl Trautmann).
1911 wurden an den Gewölben der Seitenschiffe Spuren dieser Malereien vorübergehend freigelegt, »Rahmenwerk, durch das auch der Stukkateur die Gewölbe in Felder teilt«, vermutlich vergleichbar den Grotesken in den Korridoren der Residenz (loc. cit.). Da die SSch.-Gewölbe von den Bombardierungen 1945 verschont blieben, müßten Spuren dieser Malerei unter dem jetzigen Anstrich erhalten sein.
Ausmalung des Chores 1730/31 und 1753
Die Ausmalung des Chores, das sind das Kuppelfresko D und die Apsiden des Chorraumes E und F, ging an Nikolaus Gottfried Stuber (*1688 München †1749 München). In Fresko F war (nach KDB, S. 1046) die Signatur N. G. Stuber zu sehen. Das Kuppelfresko D wurde 1753 von Johann Baptist Zimmermann überarbeitet, es trug (nach einer erhaltenen photographischen Aufnahme) die Signatur Zimmerman / pinx. 1753. Stuber lieferte 1728 einen Riß für den Hochaltar, für den sich Kurfürst Karl Albrecht gegen einen Entwurf Egid Quirin Asams entschied. Stuber lieferte auch Entwürfe für die Änderung der Chorarchitektur. Eine Entwurfszeichnung für Fresko F ist 1729 von Stuber signiert (Volk, S. 135), im gleichen Jahr bewarb sich Matthias Schmidtgartner um die Stuckarbeiten nach Stubers Riß, so daß die Entwürfe für die Chorfresken 1729 vorgelegen haben müssen.
21. Mai 1730 Abtragen des Gewölbes
6. Juni 1730 Vertrag mit Nikolaus Gottfried Stuber über 1100 fl. für Chorkuppel und Apsiden (»das gemähl in fresco nach den verfaster Rissen sowoll bei dem Chor, als der mitteren, und zwey seithen«), dazu 100 fl. Recompens nach vollendeter Arbeit. Sollte die Arbeit den Erwartungen nicht entsprechen, so mußte er sie auf eigene Kosten ändern (Pfarrarchiv St. Peter, zitiert nach Geiß, S. 128 und Volk, S. 147).
9. 11. 1731 Quittungen über insgesamt erhaltene 1000 fl. Die Fresken waren demnach zu diesem Zeitpunkt wohl vollendet (Volk, S. 137 f., S. 148 Anm. 10, Ouittung im Wortlaut).
Stubers Fresken erfüllten die Erwartungen jedoch nicht. Als Stuber 16 Jahre später, 1747, beim Kurfürstl. Geistl. Rat Klage führte über die ihm noch zustehenden 200 fl., nahm Dekan Unertl Stellung und beschwerte sich in einem Brief vom 5. 12. 1747 an den Geistl. Rat darüber, daß Stubers Fresken »sich sehr verendteret und wirkhlich herabgefahlen seindt« und daß »in denen entworffenen Persohnen eine solche unformbliche Steh lung gebraucht worden«, daß »...kheiner aus ihnen geglaubet hette das dise Mallerey von ihme Hof Mahler... were verfertiget worden...«
Stuber erbot sich, das »ihme von selbsten nit mehr woll fahlente gemähl in der mittleren Khupl« ohne Bezahlung gegen Aufstellung des Gerüsts zu verändern, besonders die »Fürsten Persohnen« (= Allegorie der Europa; AEM; St. Peter, Bauakten, zitiert nach Volk, S. 138f., S. 146f. Anhang). Nach diesen vielleicht im Jahr 1748 vorgenommenen Ausbesserungen wurden Stuber am 8. 8. 1748 die noch ausstehenden 100 fl. samt den 100 fl. Recompens bezahlt (Geiß, S. 128, Anm. 9).
Daß auch diese Verbesserungen nicht zur endgültigen Zufriedenheit ausfielen, zeigt der spätere stilistische Befund, der eindeutig J. B. Zimmermanns persönlichen Stil erkennen läßt. In diesem Zusammenhang ist auch die Signatur Zimmerman / pinx. 1753 zu erklären. Anläßlich der Freskierung des LHs wurde Zimmermann wohl auch damit beauftragt, die »nie woll fahlente... Fürsten Persohnen« (s. oben) höfischer zu gestalten. Eine verschollene Entwurfszeichnung, ehem. in der Graphischen Sammlung München (s. unten) kann eindeutig als Detailentwurf für die Chorkuppe in St. Peter identifiziert werden; nach erhaltenen photographischen Aufnahmen stimmen Entwurf und Ausführung exakt überein. Die Figuren agieren in der für Zimmermann charakteristischen höfischen Pose, Kopfputz und Gewänder sind in üppiger Fülle drapiert, sie blicken teilweise selbstbewußt aus dem Bild heraus auf den Betrachter. – Über den Entwurt hinausgehend hat Zimmermann auch die Figuren der W-Seite der Kuppe überarbeitet und die Szenerie mit seinen geläufigen Staffagen – Pflanzen Draperien, Schirmchen – ausgestattet.
Zeichnungen
Entwurfszeichnung für Fresko E, Sturz des Magiers Simon, bezeichnet links unten: Nicolaus Stuber 1729, Bleigriffel auf blauem Papier, 44,4 × 58,9 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum, Inv. Nr. Z 1236 (publ. von Volk) Ein heute verschollener Entwurf befand sich im Nachlaß N. G. Stubers: »Zwey Kupl, aine von Würzburg und die andere vonSt. Peter beede von H. Stuber sel verfast« (BHStA I, VA 8, Nr. 215)
Entwurfszeichnung Johann Baptist Zimmermanns um 1753, für das Kuppelfresko D, Detailentwurf der O-Ansicht mit der zentralen Glorie, Pinselzeichnung in grauer Tusche, quadriert, 58,5 × 79,1 cm. Die Zeichnung befand sich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in der SGS Mü, Inv.Nr. 14363 (Röhlig, Ms ca. 1949, Nr. 19), sie wurde 1955 als verschollen gemeldet.
Ausmalung des Langhauses 1753-56
In Fresko B befand sich die Signatur Zimmermann (nach KDB, S. 1047 (Johann Baptist Zimmermann * 1680 Gaispoint † 1756 München)
10. 7. 1753 Vertrag mit Johann Baptist Zimmermann von 900 fl. über Stuckierung des LHs-Gewölbes »nach dem Vorgezaigten Riß«, über Ausmalung und Stuckierung von 9 Kapellen und Erneuerungsarbeiten in der Mariahilf- (K8), Laurentius- (K5) und Leonhardi-Kapelle (K19)

1. 4. 1754 Vertrag über 1100 fl. über Ausmalung des MSch.-Gewölbe (A-C) samt Stukkaturen, Dekoration der SSch., Ausmalung der Blendar kaden (W1-16), Stuckierung der Orgelemporenbrüstung und des Friese über den MSch.-Arkaden.
6. 5. 1755 Quittung über 60 fl. für Malereien und Stukkaturen in der Taufkapelle (über ein Deckengemälde Zimmermanns in der Taufkapelle ist nichts bekannt, obgleich ein dafür vorgesehenes Bildfeld noch existiert).
25. 10. 1756 Quittung über 40 fl. für Fresken und Stuck in der Johann Nepomuk-Kapelle (K11). – (Alle Quellen AEM, zitiert nach Thon, S. 275 Anm. 69a.)
Aus den Quellen geht auch hervor, daß Zimmermann-Schüler in hohem Umfang bei der Ausmalung beteiligt waren. In dem Verzeichnis von 1760 wird der Wand-Zyklus W1-16 als Gehilfenarbeit ausgewiesen: »In der Mitte der obern Decke ist die Marter des heiligen Petri von Franz Zimmermann dem ältern, und unter denen Fenstern das Leben obgemelten heiligen Apostels in Fresco durch seine Scholaren gemahlen.« Laut Geiß (S. 131) erhielt Zimmermann für Malereien und Stukkaturen 2000 fl. (die obengenannten Quellen ergeben 2100 fl.), der Maler Gartenschmid und »ein anderer Maler« erhielten 1800 fl.
Lipowsky nennt als Mitarbeiter den Maler Philip Helterhof (*um 1720 Cham † 1807 München), Joseph Weiß und Zauner nennen für die Seitenschiffe Franz (= Franz Michael) Zimmermann (*1709 Miesbach †1784









München). Röhlig (S. 115) wertet die gesamte Ausmalung von St. Peter als Werkstattarbeit. Eine Stellungnahme ist nicht mehr möglich.
Johann Wolfgang Gartenschmid, * Minichstorf (= Münchsdorf?), Schüler von Johann Michael Beindtner in Münchsdorf, 1741 Meister in München übernimmt die Malergerechtigkeit des Simon Unfalt, die 1758 wieder frei ist, weil Gartenschmid sich in Dachau niedergelassen hat. (StadtA München, Gewerbeamt 1792/4 und 1794; ebd. Zimelie 55 = Liedke-Meisterbuch, S. 47 f.)
Entwurfsskizze Johann Baptist Zimmermanns zum LHs-Fresko B, Kreuzigung Petri, Öl auf Leinwand, jetzige Maße 120 × 58 cm. Die Skizze ist offensichtlich seitlich knapp und oben um etwa ein Drittel (Glorie) beschnitten: unten ist der Freskorahmen sichtbar, oben endet der Ausschnitt unvermittelt bei den wolkentragenden Putti der Glorie. Die Skizze ist stark nachgedunkelt, sie befindet sich im Pfarramt von St. Peter.
Acht Entwürfe zu den Wandfresken des MSch. befinden sich in der So Mü, alle Pinsel in Grau, grau laviert, mit Bleistift quadriert zu W3 Wandel auf dem See, 40,7 × 26,4 cm, Inv. Nr. 7059 zu W4 Du bist Christus, 40,5 × 26,4 cm, Inv. Nr. 7069 zu W5 Petrus der Fels, 40,5 × 26,5 cm, Inv. Nr. 7052 zu W6 Schlüsselgewalt Petri, 40,5 × 26,6 cm, Inv. Nr. 7076 zu W7 Verklärung Christi, 40,7 × 27,1 cm, Inv. Nr. 7070 zu W8 Verleugnung Petri, 40,5 × 26,5 cm, Inv. Nr. 7052 zu W10 Erscheinung Jesu, 40,6 × 26,6 cm, Inv. Nr. 7071 zu W16 Befreiung Petri, 40,1 × 27,2 cm, Inv. Nr. 7061
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A-C) Stichkappentonne, Chor (D) Flachkuppel, Chorapsiden (E, F) Halbkuppeln, dreiseitig abfallend (Konchen), östliche Seitenkapellen (K1-2) verschliffene Kreuzgewölbe, Kapellen an der N- und S-Wand (N1-6, S1-6) Quertonnen, Wandfresken (W1-16) Blendarkaden an den MSch-Wänden
Rahmen: Stuckrahmungen Technik: Fresko, nolychrom
Maße (soweit rekonstruierbar): Höhe des LHs (A, B, C) 22,20 m
Höhe der Chorkuppel (D) 24,30 (Stich 2,30) m
Höhe der Chorapsiden (E, F) 23,30 m
Höhe der Seitenschiffe (N1-6, S1-6, K1-2) 9,00 m
W1-16 ca. 3,60 × 2,40
Erhaltungszustand und Verbleib: Alle Deckenbilder sind bei Bombenangriffen am 7. 1. und 25. 2. 1945 zerstört worden; erhalten blieben nur die 6 westlichen (W6-11) der 16 Wandbilder an den Hochschiffwänden.
Vor der Zerstörung waren die Decken- und Wandbilder in schlechtem Zustand und galten als stark übermalt. Restaurierungen fanden 1821, 1837-40, 1859, 1882 (Signatur in Fresko C Wirsing renov. 1882; zitiert nach KDB, S. 1047) statt. Vor der letzten Restaurierung 1911/12 durch Anton Ranzinger wurden die Deckenbilder als ruinös bezeichnet: Ausblühungen, Abblätterungen, Feuchtigkeitsschäden, starke, oberflächlich gekittete Risse, Übermalungen. Die durch »Ruß, Staub und Dunst verursachten, eingewachsenen Nachdunklungen« konnten auch durch die Restaurierung nicht beseitigt werden (BLfD, Akten, München St. Peter). Ursula Röhlig bemerkt (S. 116), daß »das im 19. Jh. übermalte Fresko (B) zum großen Teil bereits zerstört war, ehe es dem Krieg zum Opfer fiel«. Die erhaltenen photographischen Aufnahmen der Fresken B und D zeigen einen teilweise ruinösen Erhaltungszustand und starke Übermalungen.
Rekonstruktion: 1952 Wiederherstellung und Ausschmückung des LHs-Gewölbes mit z.T. rekonstruiertem Stuck und einfacher rhythmischer Felderteilung. 1953 Rekonstruktion und Dekoration des Chorgewölbes nach vorhandenem Muster, »provisorische« Ausmalung der Chorkuppe mit Gewölk durch Fa. Richard Kunze, München.
1964 Restaurierung der sechs erhaltenen Wandfresken W6-11, an denen Kriegsschäden nur provisorisch ausgebessert worden waren, durch Werner Peltzer, Söcking. Sie wiesen starke Übermalungen, Verfärbungen und Abblätterungen auf, wohl infolge Einlassens mit ölhaltigem Lack.
1974–80 Rekonstruktion der übrigen 10 Wandfresken (W1-5, W12-16) durch Karl Manninger, Pöcking.
1985 Rekonstruktion des Chorfreskos D durch Karl Manninger
Rekonstruierende Beschreibung und Bildabfolge
PETRUS-ZYKLUS
Mittelschiff-Fresken
A GEISSELUNG DES PETRUS (Kriegsverlust; keine Abbildung)
B KREUZIGUNG PETRI (Kriegsverlust; Photographie, Entwurfsskizze), Langgestrecktes Bildfeld, vier Joche umfassend, Rahmenform entlang der Stichkappen und Gewölbezwickel ein- und ausschwingend. Einansichtige Bildanlage, in zwei Hälften durch irdische und himmlische Zone geteilt. O-Seite: Kreuzigung Petri. Exponiert das schräg ins Bild ragende Kreuz mit dem kopfüber hängenden Petrus. Im Vordergrund sind Jünger auf einen Erdhügel gruppiert, im Hintergrund links oben Rundtempel auf einem Felsen, von dem aus eine Wolkenbahn in die himmlische Szenerie überleitet, welche auf eine Puttengloriole mit Dreifaltigkeitsdreieck konzentriert ist
C PETRUS IM GEFÄNGNIS (Kriegsverlust; keine Abbildung)
W1-16 PETRUS-SZENEN (W6-11 erhalten, alle übrigen rekonstruiert, teilweise Entwurfszeichnungen) Wandfresken in den Blendarkaden der MSch-Wände, chronologisch fortlaufend von O nach W (S-Seite) und W nach O (N-Seite), jeweils mit einer Inschriftkartusche am oberen Bildrand, die die betreffende Schriftstelle nach NT bzw. Act nennt
S-Seite von O nach W
W1 Berufung des Petrus – FACIAM / VOS FIERI / PISCATORES / MATTH. 4,19
W2 Sturm auf dem See – DOMINE / SALVA / NOS / MATTH. 8,25
W3 Wandel auf dem See – MODICAE / FIDEI QUARE / DUBITASTI / MATTH. 14,31
W4 Petrus bekennt sich zu Christus – TU ES / CHRISTUS / FILIUS DEI / MATTH. 16,16
W5 Verheißung an Petrus – SUPER / HANC / PETRAM / MATTH. 16,18 W6 Schlüsselgewalt des Petrus – PECUNIA / TUA / TECUM / APOG. 8,20. Die Darstellung fällt aus der Folge der Vita-Szenen heraus. Die Schriftstelle bezieht sich auf die Bestrafung des Simon Magus und gehört inhaltlich zu Fresko F. Die Darstellung hat aber symbolischen Charakter und knüpft sinngemäß an W5 an: Petrus hat mit der Schlüsselgewalt die Kraft, Irrlehrer wie Simon Magus zu besiegen
W7 Verklärung Jesu – BONUM / EST / NOS / MATTH. 17,4
W8 Verleugnung Petri – TER / ME / NEGABIS / MATTH. 26,34
Johann Baptist Zimmermann, Entwurfsskizze zum Langhausfresko B Kreuzigung Petri, München, St. Peter



N-Seite von W nach C
N9 Reuiger Petrus – ET / EGRESSUS / FORAS / MATTH. 26,75.
W10 Jesus erscheint den Jüngern – ACCIPITE / SPIRITUM / SANCTUM / JOH. 20,22
W11 Übertragung des Hirtenamts – PASCE / OVES / MEAS / JOH. 21,17 W Pfingsten = REPLETI / SUNT / OMNES / APG 2,4
W13 Strafgericht über Ananias – MENTITUS / ES / DEO / APG. 5,4 W14 Petrus firmt in Samaria – ACCIPIEBANT / SPIRITUM / SANCTUM / APG. 8,17
W15 Vision zu Joppe – OCIDE / ET / MANDUCA / APG. 10,13
W16 Befreiung aus dem Kerker – NUNC / SCIO / VERE / APG. 12,1
Chor-Fresken
D ST. PETRUS PATRON DER STADT UND DES WELTKREISES
(Kriegsverlust, rekonstruiert; Photographie und Entwurfszeichnung) Die sphärische Kuppel weist als Bildanlage ein umlaufendes Landschaftspanorama auf, das im Scheitel in eine Himmelsglorie mündet. Beachtliche Verkürzungen; Betrachterstandpunkt unter dem westlichen Bilddrittel. In der Hauptansicht kniet der hl. Petrus als Fürbitter vor der Hl. Dreifaltigkeit. In der mit Bäumen, architektonischen Requisiten und Draperien ausgestalteten terrestrischen Szenerie sind – in den vier Buchten der sphärischen Kuppel – die Personifikationen der Vier Erdteile wiedergegeben, südöstlich Asia, südwestlich Africa, nordwestlich America und, hervorgehoben durch die Hauptansichtsseite, nordöstlich Europa, gekrönt mit der Kaiserkrone, Reichsapfel und Reichsadler als Attribute auf den Stufen. In ihrer Begleitung die allegorische Gestalt der Fides-Ecclesia, mit Kirchenmodell und Kelch, und eine heraldische Figur, gelehnt an eine Weltkugel mit der Ansicht der Stadt München, eine Wappenkartusche vor den Knien, die vermutlich das Münchner Stadtwappen zeigte (auf dem Photo unkenntlich). Von der himmlischen Gruppe fällt ein Strahlenbündel auf die Gruppe der Europa, und die Inschriftkartusche in der O-Achse, unmittelbar unterhalb der Stadtansicht, nennt das Bildthema: SANCT. / PETRUS, PATRONUS / URBIS ET ORBIS, ergänzt durch die Anrufungen in der nördlichen (SALVUM FAC / POPULUM TUUM / DOMINE) und der südlichen Inschriftkartusche (BENEDIC / HAEREDITATI TUAE). In der W-Achse das Allianzwappen Bayern-Österreich des Kurfürstlichen Auftraggeber-Paares.












In den Zwickeln der Chorkuppel waren vier Stuckreliefs von Johann Baptist Zimmermann angebracht, 1731 (rekonstruiert). Sie stellen Begegnungen Jesu mit Petrus dar, ikonographisch auf das Kuppelfresko bezogen.




NO Schlüsselübergabe SO Meerwandel Jesu SW Erscheinung am See Tiberias NW Fußwaschung E (nördliche Chorapsis) STURZ DES MAGIERS SIMON (Act 8, 9–24; Kriegsverlust, Photographie und Entwurfszeichnung) F (südliche Chorapsis) HEILUNG EINES LAHMEN DURCH PETRUS (Act 3, 1–8; Kriegsverlust, keine Abbildung)
K1-2 PETRUS-SZENEN Die Deckenbilder der östlichen Kapellen der Seitenschiffe gehörten ikonographisch zum Petrus-Zyklus (Kriegsverlust, keine Abbildungen) K1 (Corpus-Christi-Kapelle) Fußwaschung (Io, 13, 4–11) K2 (Mariahilfkapelle) Petrus heilt Kranke
N1-6, S1-6 HEILIGE Wandpfeilerkapellen in den Seitenschiffen Die Deckenbilder zeigten Heilige, die sich teilweise auf die betreffenden Kapellen-Altäre bezogen (Kriegsverlust, keine Abbildungen, Bildabfolge nach Schulz, S. 36–65)
N-Seite von W nach O N1 Hl. Georg N2 Die hll. Anna und Maria (Anna-Altar) N3 Bischof und Hoherpriester (Kirchenlehrer) N4 Hl. Ivo, Patron der Juristen († 1303, Fest 22. 5.) N5 Die hll. Nikolaus und Regina (Jungfrau und Martyrin, † 251, Fest 7. 9.) N6 Der unbarmherzige Knecht (Mt 18, 23)
S-Seite von O nach W S1 Die hll. Laurentius und Achatius (ehem. Altarpatrone) S2 Die hll. Leonhard und Wolfgang (ehem. Altarpatrone) S3 Hl. Johann Nepomuk (ehem. Altarpredella) S4 Hl. Walpurga S5 Die hll. Joseph und Dominikus S6 Die hll. Johann Baptist und Johanna, Frau des Chusa, eines Hofbeamten des Herodes (Lc 8, 3; Fest 24. 5.)
Quellen und Literatur ALM, St. Peter, Bauakten. Pfarrarchiv St. Peter, Bauakten. Verzeichnis 1760. Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 354 Westenrieder 1783, S. 160. Geiß, Ernest, Geschichte der Stadtpfarrei St. Peter in München, München 1868, S. 125–34. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 249f. KDB I OB (2), S. 1046 f. Weiß, Joseph, München, seine geschichtliche, örtliche und monumental Entwicklung, München 1895. Zauner, Franz Paul, München in Kunst und Geschichte, München 1914, S. 238–48. Schulz, Adalbert, Die Peterskirche zu München, München 1935. Thieme-Becker, Bd 16, 1923, S. 361, s. v. Helterhof, P. —, Bd 32, 1938, S. 229f., s. v. Stuber, N. G. —, Bd 36, 1947, S. 512 f., s. v. Zimmermann, J. B. Röhlig, Ursula, Die Deckenfresken Johan Baptist Zimmermans, ungedr. Diss. München 1949, S. 115 f. –, Johan Baptist Zimmerman. Zeichnungen, die sich am Anfang des Krieges in der Graphischen Sammlung in München befanden, Ms. mit Photographien in der SGS Mü, ca. 1949 Volk, Peter, Bemerkungen zu einigen Zeichnungen von Nikolaus Gottfried Stuber, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 32, 1970, S. 135–50. Hartig, Michael, Peterskirche München, (= KKF, Nr. 604), 31976. Thon, Christina, Johann Baptist Zimmermann als Stukkator, München und Zürich 1977, S. 182 f., 274 f., 317 f., 341 f.
C.