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München, Residenz, Gartentempel im Hofgarten

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 2: Stadt und Landkreis München. Profanbauten. Hirmer, München 1989, ISBN 978-3-7991-6358-3, S. 213–214, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pavillon im Zentrum des Hofgartens, Deckenbilder im Zweiten Weltkrieg zerstört

Zum Bauwerk: Nach Geländeankäufen im Jahre 1613 ließ Herzog Maximilian bis etwa 1620 im N der Residenz, außerhalb von Graben und Stadtmauer, einen großen Hofgarten anlegen. Das ursprüngliche Aussehen des in seinen Grundzügen heute noch erhaltenen Gartens ist am besten auf der von NO genommenen Ansicht von Wening (1701; s. S. 31) überliefert. Im westlichen Teil hatte man ein Gartenparterre mit Kreuz- und Diagonalwegen angelegt, dessen Mittelpunkt der zwölfseitige, in acht Bögen geöffnete Pavillon bildete, der heute noch steht. Nach O senkte sich das Gelände ab zu einem großen Weiher mit drei Gartengebäuden (etwa an der Stelle des ehem. Armeemuseums). Das nördliche, mit einem Saal im Innern mit Deckenbildern von Bocksberger (s. S. 33f.) gehörte zu einer älteren Gartenanlage und war bei der Neugestaltung integriert worden. Der im N und W von Loggien umgebene Garten war mit Brunnen, Grotten und Gartenfiguren reich geschmückt (ausführliche Beschreibung bei Wening, S. 9ff.).

Der Gartentempel ist zwölfeckig mit acht breiteren und vier schmaleren Seiten, denen im Aufriß acht offene Rundbogenarkaden und vier geschlossene Seiten mit Blendtüren und Rundfenstern darüber entsprechen. Der Bau ist überkuppelt und wird von Hubert Gerhards Bronzefigur der »Tellus Bavarica« bekrönt, die aus dem südlichen Residenzgarten hierher übertragen wurde. Im Innern hat der Tempel eine flache Holzdecke, entsprechend dem Grundriß in zwölf spitz zulaufende Felder geteilt, die ursprünglich bemalt waren. Rotenstein 1781: »Der Plafond ist lilafarben mit grünen Lorbeergehängen bemalet«.

Auftraggeber: Herzog Maximilian I. von Bayern (1598–1651; Kurfürst ab 1623).

Autor und Entstehungszeit: Hans Krumper (*um 1570 Weilheim, † 1634 München), 1615/20.

Für eines der größeren Felder hat sich eine Zeichnung von Hans Krumper

1, 3, 5, 7 Weibliche Figur in Groteskenfe 2, 4, 6, 8 Männliche Figur in Grotesken erhalten. Während Bassermann-Jordan, der die Zeichnung identifizierte, und vor ihm Rée, die Ausmalung des Gartentempels für Candid in Anspruch nahmen, wird die Erfindung der Dekoration seit der Zuschreibung der Zeichnung an Krumper (1922 durch Feulner) diesem Künstler gegeben. Als ausführende Kräfte dürften hier dieselben Maler tätig gewesen sein wie bei der Ausmalung der Kaisertreppe, der Steininger-Treppe und der Halle zu den Vier Schäften.

Teilansicht der Decke (Vorkriegszustand)

Vorzeichnung von Hans Krumper

Weibliche Figur, in einer aus Rankenwerk gebildeten Laube stehend. Zeichnung für eines der acht größeren Felder des Gartentempels, Feder in Braun, in Rötel quadriert, trapezförmig, 12,7 × 9,4 bzw. 4,2 cm, SGS Mü Inv. Nr. 29883.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flache Holzkassettendecke Rahmen: Kassettenwerk

Technik: Öl auf Holz

Maße: Höhe 7,60; Bildmaße liegen nicht vor. In trapezförmigen Rahmen saßen Bildfelder verschiedenen Formats: In den 8 größeren Kompartimenten alternierten Trapeze mit eingezogenen Halbkreisschlüssen oben und unten mit Trapezen, bei denen die unteren Ecken eingebuchtet waren. Bei den vier schmaleren lanzettförmigen Kompartimenten war in der Mitte ein Oval ausgegrenzt.

Deckenfelder im Hofgartentempel (zerstört)

RESIDENZ

Verbleib und Erhaltungszustand: Im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Jahre 1900 waren bereits »alle Malereien ausgebessert, einzelne Tafeln in letzter Zeit ganz erneuert« (Bassermann-Jordan, S. 144).

H. Krumper, Entwurf für ein Deckenfeld München

Rekonstruierende Beschreibung und Ikonographie

Die Holzdecke war in den acht größeren Feldern bemalt mit abwechselnd männlichen (trapezförmige Felder) und weiblichen (gerundete Felder) Figuren, die in groteskenartigem Rankenwerk standen, in das sie mit beiden Händen faßten. Die vier kleineren Felder zeigten die Initialen der Auftraggeber ME (Maximilian und Elisabeth) unter dem Herzogshut bzw. der Krone und waren umgeben von Palm- und Lorbeerzweigen, während der Scheitel der Decke mit einer Scheinbalustrade mit herabhängenden Fruchtbündeln bemalt war. Auf den Grund der Decke zwischen den Profilen waren Festons gemalt.

Quellen und Literatur

Literatur: Wening 1701, S. 10. Rotenstein 1781, S. 226. Rittershausen 1787, S. 196. Haeutle 1883, S. 61 f. Rée 1885, S. 192 f. KDB I OB (2), S. 1170.

Bassermann-Jordan 1900, S. 143 f. und Abb. 95 und 96.

Feulner, Adolf, Hans Krumpers Nachlaß, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst 12, 1922, S. 86, Anm. 25.

Steinbart 1928, S. 124 und Abb. 48.

Hentzen, Kurt, Der Hofgarten zu München, München-Berlin 1959, S. 18. Diemer, Dorothea, Hans Krumper, in: Kat. Wittelsbach 1980, II/1, S. 286 und Abb. 158.

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