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Lippetal, Kapelle von Haus Hovestadt

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Lippetal, Kapelle von Haus Hovestadt, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/d95e0ded-d365-4980-b3dc-9e8bf7f4800c

Inventarnummer: cbdd10260

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In der Kapelle von Haus Hovestadt hat sich eine weitgehend überfasste Deckenmalerei von ca. 1755 erhalten, die neben der Hl. Dreifaltigkeit Szenen aus dem Marienleben und Maria Immaculata zeigt.

Lippetal-Hovestadt, Schloss Hovestadt, Kapelle
Lippetal-Hovestadt, Schloss Hovestadt, Kapelle

Haus Hovestadt

Kurzbeschreibung und Lage

Haus Hovestadt[1] liegt südlich der Lippe am Rande der gleichnamigen Ortschaft. Der von einem Graben umgebene Komplex umfasst eine Vorburg mit Wirtschaftshof, das Hauptgebäude auf einer eigenen Insel sowie Gartenanlagen, teilweise auf weiteren Inseln.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Herrenhaus von Haus Hovestadt geht auf das Mittelalter zurück. Seit dem 15. Jahrhundert war es im Besitz der Herren von Ketteler. Diese ließen das Hauptgebäude 1563-1572 erbauen. 1651 gelangte Hovestadt an die Freiherren von Heiden zu Schönratz und Boke, 1733 an die Grafen bzw. Freiherren zu Plettenberg-Lenhausen, die Hovestadt zu ihrem Hauptsitz machten. Sie ließen das Haupthaus instand setzen und im Inneren umgestalten. Der Ostflügel und der Nordflügel wurden 1772-74 um zwei Achsen verlängert. Die Bauten der Vorburg mit der Kapelle entstanden ab 1747. Die Datierung des Gebäudes ist unklar und schwankt zwischen 1726 und 1756. Wahrscheinlich ist eine Errichtung 1750/55.[2]

Beschreibung

Das Hauptgebäude ist eine L-förmige Anlage. Es wird von Süden durch die Vorburg erreicht. Die Vorburg selbst wird über eine Brücke zwischen zwei eingeschossigen verputzen Wachhäuschen hindurch betreten. Zu beiden Seiten einer Hauptachse sind vier ebenfalls verputzte eingeschossige Wirtschaftsbauten unter Mansardwalmdach spiegelsymmetrisch angeordnet. Das südöstliche Gebäude nimmt eine Orangerie sowie an seiner Nordseite eine Kapelle auf. Ein Dachreiter mit Glocke und die bleiverglasten Dachgauben deuten die Nutzung des Nordteils des Baus als Kapelle an.

Die Kapelle im nordöstlichen Wirtschaftsgebäude der Vorburg

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Kapelle[3] wurde wohl um 1750 erbaut und ist kurz vor 1756 geweiht worden. Das Patrozinium ist Beata Maria Virginis, Muttergottes von Loreto. Auf 1755/56 datiert eine Messerlaubnis für die neue Kapelle. Der im Süden gelegene Herrschaftsstand sowie die Sakristei gehörten ursprünglich zur Orangerie und wurden erst später eingerichtet. 1882 erfolgte eine Neuausstattung der Kapelle mit Neuausmalung durch den Kirchenmaler Wikop aus Lippstadt. Bereits 1914 wurde die Kapelle renoviert und die Deckenmalerei der Erbauungszeit wieder freigelegt bzw. überfasst und ergänzt. 2007-08 wurde die Kapelle restauriert.

Beschreibung

Die Kapelle umfasst die nördlichen zwei Achsen des Gebäudes. Sie wird von der Nordseite durch eine zentrale Tür betreten. Im Süden ist der Herrschaftsstand gelegen. Im Westen steht eine Empore, im Osten der Altar. Das Muldengewölbe ist freskiert.

Gemälde

Lippetal-Hovestadt, Schloss Hovestadt, Kapelle

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei[4] ist um 1755 entstanden. 1882 wurde sie übermalt, 1914 aber bereits wieder freigelegt und durch Helene Gräfin von Plettenberg und den Maler Luitpold Adam ergänzt und übermalt. 2007/08 wurde die Malerei restauriert, aber nicht der ursprüngliche Zustand freigelegt. Die Malerei war ursprünglich kleinteiliger und ausdifferenzierter. Heute sichtbar ist eine interpretierende Übermalung von 1914.

Beschreibung und Ikonographie

Das Muldengewölbe hat eine hohe Voute, in die die Dachgaubenfenster einschneiden. Sie ist komplett mit einem blauen Himmel mit grauen Wolken über einer gemalten Balustrade versehen. In der Deckenmitte befindet sich eine freskierte Stuckdekoration um eine Deckenöffnung herum, die die Illusion der Raumerweiterung stört.

Verstreut finden sich figürliche Darstellungen am Himmel. Über dem Altar Richtung Deckenmitte erkennt man im göttlichen Licht Christus und Gottvater sowie die Taube des Hl. Geistes. Darunter ist Maria Immaculata auf der von der Schlange umwundenen Weltkugel zu sehen. Ferner erblickt man einige Cherubimköpfe. Andere, ehemals vorhandene Szenen sind heute verdeckt bzw. nur teilweise sichtbar. Zu ihnen gehört die Darstellung einer Flucht nach Ägypten über dem Fenster über der Eingangstür im Norden. Eine weitere übermalte Figur ist an der Westseite zwischen den Fensternischen auszumachen. Im Süden gab es eine Gruppe von mehreren Personen – vielleicht eine Anbetung. Offenbar waren an der Decke verschiedene Szenen aus dem Marienleben dargestellt. Unklar bleibt, ob die übermalten Bereiche der Erstfassung oder einer späteren Zwischenfassung angehören.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
  • Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun. 1695–1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart 1995.
  • Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987. – Püttmann-Engel, Kristin: Schloßkapellen im Raum Westfalen 1650–1770 (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 14 ). Bonn 1987.
  • Strohmann, Hovestadt, 2002. – Strohmann, Dirk: Beobachtungen und Neufunde zur barocken Baugeschichte des Schlosses Hovestadt. In: Grote, Udo (Hrsg.): Westfalen und Italien. Festschrift für Karl Noehles. Petersberg 2002, S. 185-202.
  • Westfalen 88 (2010). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 88. Münster 2010.
  • Archivalien:
  • LWL Archiv, 2007. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Lippetal. Hovestadt D. Schlosskapelle, Raumschale. Unters. u. Maßnahmenk. 2007.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Westfalen, 2011, S. 571-572; Strohmann, Hovestadt, 2002; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 238-239; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 198.
  2. Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 238-239.
  3. Dehio, Westfalen, 2011, S. 572; Westfalen 88 (2010), S. 437-441; LWL Archiv, 2007; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 238-239; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 60-70, 198-200.
  4. Westfalen 88 (2010), S. 437-441; LWL Archiv, 2007; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 238-239; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 69, 198-199.