Leutenberg, ehem Schloss Friedensburg
Inventarnummer: cbdd10240
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Bis zu einem Schadensfeuer 1934 bewahrte Schloss „Friedensberg“ mehrere umfangreiche wandfüllende Malereien. Diese waren überwiegend monochrom in Grau-, Grün- und Rottönen gehalten und entstanden in zwei Phasen 1688 und 1698 durch Seivert Lammers im Auftrag der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt.

Die ehemalige Friedensburg in Leutenberg

Kurzbeschreibung und Lage
Schloss Friedensburg[1] erhebt sich über der Stadt Leutenberg am Westende eines an drei Seiten steil abfallenden Bergsporns. Mehrere Bauten umfassen komplett einen unregelmäßigen Innenhof, der über eine gestaffelte Toranlage im Westen erreicht wird. Das Hauptgebäude steht ebenfalls im Westen, der vom Berg und der Zuwegung im Osten abgewandten Seite.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Schloss in Leutenberg, seit 1564 „Friedensburg“ genannt, ist wohl im 12. Jahrhundert erbaut worden und war seit 1209 im Besitz der Schwarzburger Grafen. 1362-1564 diente es der Linie Schwarzburg-Leutenberg als Residenz. Nach deren Aussterben kam die Friedensburg an das Gesamthaus. Sie wurde 1567 in Teilen durch ein Schadensfeuer zerstört. 1599 kam das Schloss in einer Landesteilung an Schwarzburg-Rudolstadt. 1608-1617 diente es als Witwensitz für Albertine Elisabeth, Gemahlin von Graf Albrecht VI.
Nach dem Tod von Graf Ludwig Günther 1646 diente es bis 1670 erneut als Witwensitz, und zwar für Aemilie Antonie, die bis 1662 als Regentin für ihren unmündigen Sohn Albert Anton die Grafschaft regierte. In dieser Zeit wurde die Friedenburg renoviert und teilweise neu ausgestattet. 1656 fand ein feierliches Fest zum Abschluss der Baumaßnahmen statt. Nachdem Aemilie Antonie 1662 nach Leutenberg gegangen war, wurde ein altes Brauhaus zur Schlosskapelle umgebaut. Die Einweihung fand 1664 statt.[2]
Ihr Sohn Albert Anton, der auf der Friedensburg von 1646 bis 1662 gelebt hatte, ließ das Schloss nach dem Tod seiner Mutter in zwei Kampagnen 1688 und 1698 neu ausstatten und die Repräsentations- und Wohnräume mit raumfüllenden Wandbildern ausschmücken. Eventuell folgte er dabei den Ideen seiner Mutter. Albert Anton beglich die Kosten 1698 aus seiner Privatschatulle. Es wurden aber auch Bezahlungen aus der Baukasse getätigt.[3]
Von 1726 bis 1732 diente das Schloss Prinz Wilhelm Ludwig von Schwarzburg-Rudolstadt als Apanagesitz. Danach wurde die Friedensburg nicht mehr regelmäßig durch den Hof genutzt, was dazu führte, dass die wandfeste Ausstattung des späten 17. Jahrhunderts weitgehend erhalten blieb – lediglich Möbel und Wertgegenstände wurden nach Rudolstadt verbracht.[4] Erst ein Brand 1934 führte zu ihrem Verlust. 1953–55 wurde im Schloss ein Ferienheim eingerichtet. 1991–93 erfolgte der Umbau der Friedensburg zu einer Fachklinik.
Auftraggeber
Aemilie Antonie[5] aus dem Oldenburg-Delmenhorster Grafenhaus heiratete 1638 Graf Ludwig Günther I. von Schwarzburg-Rudolstadt. Nach dessen Tod 1646 übernahm sie die vormundschaftliche Regentschaft für ihren Sohn Albert Anton bis 1662. Sie bestellte Ahasver Fritsch zum Hofmeister und war Mitglied der Tugendlichen Gesellschaft. 1663 zog sie auf die Friedensburg in Leutenberg.
Albert Anton[6] regierte von 1662 bis 1707/10 die Grafschaft Schwarzburg-Rudolstadt. Der Landeshaushalt war finanziell ausgeglichen und der gebildete Herrscher beschäftigte zahlreiche Maler, Musiker und Literaten an seinem Hof. Obwohl er zahlreiche bedeutende Residenzen aus eigener Anschauung kannte, waren die für ihn errichteten Bauten anfänglich alle weitgehend schmucklos. Das änderte sich erst 1691 mit der Heirat seines Sohnes Ludwig Friedrich I., der mit Anna Sophia von Sachsen-Gotha-Altenburg die Tochter eines Fürsten heiratete. Als die beiden älteren Linien jedoch am 3. September 1697 gefürstet wurden, blieben die Rudolstädter Grafen ausgeschlossen. Albert Anton bemühte sich nun zielstrebig um eine Standeserhöhung. Er ließ Schloss Schwarzburg aufwendig erneuern und das Residenzschloss Heidecksburg neu ausstatten sowie ein Jagdschloss auf dem Rathsfeld erbauen. Seine Baumaßnahmen waren wie seine Hofhaltung fürstlich. Nachdem er aus gesundheitlichen Gründen nach einem Schlaganfall 1707 zugunsten seines Sohnes Ludwig Friedrich I. auf die Regierung verzichtet hatte, kam es am 2. Juni 1710 zur Fürstung von Ludwig Friedrich I. und dessen Nachkommen. Am 15. Dezember 1710 starb Albert Anton.
Architekten, Künstler
Die Wandmalerei stammt vom Rudolstädter Hofmaler Seivert Lammers.[7] Es ist wahrscheinlich, dass Lammers bereits in der ersten Phase 1687/88 die Leitung über die Ausstattungsarbeiten innehatte. In der zweiten Ausstattungsphase 1698 ist diese gesichert. In der ersten Ausstattungsphase war neben Gehilfen und Lehrjungen auch Christoph Henning aus Rudolstadt vier Wochen an der Arbeit beteiligt.[8]
Beschreibung
Die unregelmäßige Anlage der Friedensburg[9] ist von Ost nach West orientiert. Rund um den Hof stehen Bauten unterschiedlicher Zeitstellung. Er wird von Westen über ein Tor erschlossen. Die einzelnen Gebäude sind zum Teil massiv, zum Teil in Fachwerk ausgeführt und unregelmäßig durchfenstert. Der Hof hat zwei unterschiedliche Niveaus, die über eine Treppe ausgeglichen wurden. Im Süden erhebt sich ein alter Bergfried. Von ihm leitet ein moderner Südflügel zum alten Ostflügel über, in dem sich eine Kapelle befand. Der Nordflügel nahm die Wohn- und Repräsentationsräume auf. Sie waren überwiegend ausgemalt und befanden sich in den oberen Geschossen sowie über der Kapelle. Im dritten Obergeschoss des Nordostflügels waren der so genannte Schlachtensaal, das so genannte Davidzimmer sowie ein als Fürstenzimmer bezeichneter Raum gelegen. Im zweiten Obergeschoss lagen der Weiße Saal und daran anschließend über der Kapelle im Ostflügel der Graue Saal. Das zweite Stockwerk nahm verschiedene Zimmer auf, die im Allgemeinen nach den Farben der Wandmalerei benannt waren wie etwa das Zimmer in Ziegelrot oder das Grüne Zimmer. Zu den Räumen mit Wandmalerei im ersten Geschoss des Nordflügels gehörten das so genannte Fräuleinzimmer sowie im Südflügel das Rote Gemach sowie das so genannte Apfelzimmer, das bereits 1667 ausgestattet worden war.
Forschungsstand
Die Wandmalerei in der Friedensburg hat bereits früh – Ende des 18. Jahrhunderts – Beachtung gefunden. Bereits 1797 lieferte Christoph Ludwig Kämmerer eine ausführliche Beschreibung der Malerei.[10] Sigismund erwähnt die Malerei knapp in einer Landeskunde 1863.[11] Lehfeldt kommt in den Bau- und Kunstdenkmälern 1894 über eine summarische Beschreibung nicht hinaus.[12] Berthold Rein hat in mehreren Publikationen die Malerei und die einzelnen Themen der Malerei benannt, die Szenen beschrieben und bewertet, wobei vor allem seine Publikation von 1925 unverzichtbar für eine rekonstruierende Beschreibung ist.[13] Diese Arbeit hat Christian Dittrich in seiner Arbeit über Seivert Lammers 1980 geleistet.[14]
Der so genannte Schlachtensaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Eines der Gemälde im so genannten Schlachtensaal[15] war mit der Jahreszahl 1698 versehen, was allgemein als Datum für den Abschluss der Arbeiten in der Friedensburg angesehen wurde und in jedem Fall die Malerei datierte. Der Raum brannte 1934 aus und wurde später verändert.
Beschreibung
Der Schlachtensaal befand sich im dritten Obergeschoss des Nordflügels und war vermutlich der Hauptsaal von Schloss Friedensburg. Die insgesamt sieben Wandflächen waren als gerahmte Felder über einer Sockelzone gestaltet. An der Ost- und Westwand befanden sich Türen, an der Nordseite drei Fenster.
Die Wandmalerei im Schlachtensaal
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[16] im Schlachtensaal ist an der Westwand mit 1698 bezeichnet. Sie wurde vom Rudolstädter Hofmaler Seivert Lammers in Leimfarbe im Auftrag von Graf Anton Günther geschaffen. Die Leimfarbenmalerei war bereits vor ihrer endgültigen Zerstörung 1934 stark verblichen und geschädigt. Fotografien von 1925 und 1934 haben jedoch einen großen Teil der Malerei zumindest bildlich überliefert. Zusammen mit älteren Beschreibungen gelang Dittrich 1980 eine textliche Rekonstruktion eines Großteils der Malerei.
Beschreibung und Ikonographie
Die insgesamt sieben Wandflächen waren als mit einem Herzbandfries gerahmte Felder über einer Sockelzone gestaltet. Sie präsentierten überwiegend Kriegsszenen, was dem Raum seinen Namen gab. Neben dem Hauptbild an der Südwand – einem großen vielfigurigen Schlachtenpanorama – befanden sich an der Ostwand zwei Darstellungen von Reitergefechten. Beiderseits der Tür an der Westwand wurden Maultiere und Marketenderstücke gezeigt. Zwischen den Fenstern an der Nordwand erblickte man weitere Genre- und Kriegsszenen. So wurde der Krieg in seiner ganzen Vielfalt dargestellt, aber nicht verherrlicht. Ein bestimmter Krieg kann nicht bestimmt werden. Weder handelt es sich um Szenen aus dem Alten Testament oder der antiken Mythologie, noch um die Wiedergabe aktueller Ereignisse – etwas aus den Türkenkriegen. Über Fenstern und Türen gab es gemalte Vorhangdraperien.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Die Malerei war in Grisaille ausgeführt und arbeitete mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten. Die Figuren erreichten ungefähr ein Drittel der Lebensgröße, waren eher schlank und teilweise gekonnt verkürzt. Sie agierten direkt am Bildrand. Eine freie Fläche im Vordergrund gab es nicht. Teilweise staffelten sich die Szenen jedoch weit in die Tiefe mit Figuren, Felsen und Ruinen. Der ganze Raum war bei aller Abwechslung als Einheit gestaltet.
Das Schlachtengemälde an der Südwand
Beschreibung und Ikonographie
Das Hauptbild[17] an der Südwand war ein großes Schlachtengemälde, das über der Sockelzone die ganze Wand bedeckte. Die Forschung hat ihm den Namen „Das Schlachtfeld“ gegeben. Die Maße von 2,2 auf 5,5 Meter können aufgrund der Zerstörung geschätzt werden. Es war in Leimfarben grau in grau auf Leinwand gemalt. In mehreren Gruppen wurden kriegerische Handlungen gezeigt. Die Figuren waren in zwei Ebenen hintereinander gestaffelt – die vorderen hatten ca. 1/3 Lebensgröße. Der Hintergrund wurde von einer zentralen Tempelruine und einem Baum bestimmt. Von links stürmten Berittene heran, teilweise über Gefallene hinweg, während rechts im Vordergrund Verwundete und Tote ruhten und im Mittelgrund Reiter die Szenerie betrachteten. Es gab verschiedene Gruppen, die aber dicht aneinandergerückt waren oder durch Zwischengegenstände oder ihre Aktion miteinander verbunden wurden. Die Mitte des Gemäldes wurde von der dicht an den Bildrand gerückten Hinteransicht eines Packpferdes betont.
Gefechtsdarstellungen an der Ostwand
Beschreibung und Ikonographie
An der Ostwand war beiderseits einer zentralen Tür je ein Reitergefecht zu sehen.[18] Sie haben von der Forschung die Namen „Das Gemetzel“ und „Der Überfall“ erhalten. Die geschätzten Maße betragen je 2,2 auf 3,3 Meter. Beide Malereien sind durch Fotos von 1925 dokumentiert. Die beiden Szenen bildeten eigentlich ein Gemälde, was auch das zusammenfassende Herzbandfries verdeutlicht. Im Gegensatz zum Hauptgemälde „Das Schlachtfeld“ war die Schlacht auf beiden Seiten der Tür in all ihrer Dramatik und Gewalttätigkeit im Gange. Gezeigt wurde zum einen links der Tür der Angriff von Fußvolk auf Berittene von einer mit Bäumen bestandenen Kuppe aus sowie rechts das Gemetzel eines Reiterschwadrons.
Entwürfe
Als Entwürfe für den Gemäldeteil des „Gemetzels“ rechts der Tür konnte Dittrich zwei Zeichnungen im Kupferstichkabinett in Dresden nachweisen, die die Darstellungen vorbereitet hatten.[19] Die eine Zeichnung in Pinsel und Feder, weiß gehöht, stellt Reiter und Fußvolk im Kampf dar und ist vor 1698 entstanden.[20] Die andere Zeichnung in Pinsel und Feder über Graphit stellt einen Überfall auf ein Heerlager dar und ist ebenfalls vor 1698 zu datierten. Hier wurden Einzelmotive verwendet.[21]
Genreszenen an der Westwand
Beschreibung und Ikonographie
Die Malereien der Westwand[22] sind nur teilweise in zwei Fotos überliefert. Sie zeigen einen Packesel mit Reiter sowie Marketenderinnen. Die geschätzten Maße betrugen 2,2 x 1,4 bzw. 2,2 x 0,9 Meter. Am Übergang von Südwand zu Westwand waren die Darstellungen eines Packesels und von Reitern zu sehen, die über die Raumecke hinweg gezogen waren. Das zweite Foto zeigt eine Lagerszene mit Marketenderinnen. Im Hintergrund war ein Zelt zu sehen, dessen Wetterfahne die Jahreszahl 1695 zeigte und die Malerei im Raum datiert. Es gibt keine Photographie, die dieses Detail zeigt.
Entwürfe
Auch für diese Gemälde konnte Dittrich einen Entwurf im Kupferstichkabinett in Dresden nachweisen.[23] Von einem Studienblatt mit Hirten, Hirtinnen und Vieh übernahm er das Motiv eines lagernden Pferdes und eines fressenden Esels.[24]
Schlachten- und Genreszenen an der Nordwand
Beschreibung und Ikonographie
An der Nordwand befanden sich drei Fenster und weitere Malereien,[25] von denen die Gemälde zwischen den Fenstern fotografisch dokumentiert sind. Zum einen ist ein Weinausschank überliefert, zum anderen ein Kampf um die Fahne. Die geschätzten Maße der Bilder betrugen 2,2 auf 1,2 Meter. Zwischen dem linken und dem mittleren Fenster war ein Weinausschank zu sehen. Ein alter Mann kniete vor einem Fass, aus dem er Wein abzapfte. Rechts stand eine behelmte Frau mit Brotlaiben im Arm, links hinter dem Zapfer ein behelmter Soldat. Im Hintergrund waren eher schemenhaft weitere Personen – so ein Reiter – zu erkennen. Zwischen dem mittleren und dem rechten Fenster war die dramatische Darstellung des Kampfes vom Reitern um die Fahne dargestellt.
Das so genannte Davidzimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Auch das so genannte Davidzimmer im dritten Obergeschoss wurde 1934 zerstört. Lediglich zwei Detailaufnahmen der Wandmalerei sind überliefert. Eine dritte Malerei ist nur in einer Beschreibung bekannt. Nach ihr sah man die Eltern des Auftraggebers Albert Anton – Ludwig Günther und Aemilie Antonie – in dem die Frau als König Saul dargestellt war.[26]
Allegorie auf die Eintracht von Albert Anton und Aemilie Juliane
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die 1934 zerstörte Wandmalerei[27] des Rudolstädter Hofmalers Seivert Lammers war in Leimfarbentechnik in Grisaille gemalt.[26]
Beschreibung und Ikonographie
Ein überlieferter Gemäldeausschnitt, der in Grisaille gemalt war, präsentierte die einträchtige Verbindung von Graf Albert Anton und seiner Gemahlin Aemilie Juliane. Das Paar war gleichnishaft als David und Jonathan dargestellt. David, der Hirtenjunge und spätere König war mit Jonathan, dem Sohn des Königs Saul befreundet. Die Gesichtszüge des Paares sind porträthaft.
Allegorie auf den siegreichen Erbprinzen Ludwig Friedrich
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die 1934 zerstörte Wandmalerei[27] des Rudolstädter Hofmalers Seivert Lammers war in Leimfarbentechnik in rot in rot gemalt.[26]
Beschreibung und Ikonographie
Der Erbprinz Ludwig Friedrich wurde als lorbeerbekränzter David mit dem Haupt des Goliath in den Händen gezeigt. Die Gesichtszüge sind eindeutig die des Prinzen.
Vorlagen und Entwürfe
Als Vorlage für die Darstellung des Prinzen hat Dittrich ein Gemälde von Simon Vouet ausgemacht, das wohl durch einen Stich Charles Davids vermittelt wurde. Die Ähnlichkeit ist aber sehr gering.[26] Ferner hat sich ein Studienblatt vom Kopf Ludwig Friedrichs von der Hand Lammers erhalten.[28]
Das so genannte Fürstenzimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das so genannte Fürstenzimmer befand sich im dritten Obergeschoss der Friedensburg und wurde 1934 ein Opfer des Brandes.
Die Wandmalerei des Fürstenzimmers
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die 1934 zerstörte Malerei wird der ersten Ausstattungsphase um 1688 zugeschrieben. Sie war in Leimfarbentechnik rot in rot gemalt. Als Rahmen diente ein Flechtbandfries. Zwei Fotografien überliefern lediglich eine Szene in einer Raumecke und ein Medaillon.[29]
Beschreibung und Ikonographie
In der Raumecke war zu sehen, wie die Königin von Saba vor König Salomon kniete. Die geschätzten Bildmaße sind 2,2 auf 1,8 Meter.[22]
Ferner soll es in dem Raum weitere Allegorien und Landschaftsdarstellungen in Medaillons gegeben haben.[29] Eine von diesen ist fotografisch dokumentiert und maß wohl 0,8 auf 2 Meter. Das Medaillon wurde von einem Engel gehalten. Die Landschaft war ausgesprochen kleinteilig gehalten.[22]
Der so genannte Weiße Saal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der so genannte Weiße Saal – auch als Gerichtssaal bezeichnet – befand sich im zweiten Obergeschoss der Friedensburg und wurde ebenfalls 1934 zerstört.[26]
Die Wandmalerei im so genannten Weißen Saal
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandgemälde wurden von Seivert Lammers in Leimfarbentechnik gemalt. Zwei Fotos überliefern die 1934 zerstörte Malerei.[26] Sie war in Mattgrau und Weiß gehalten und präsentierte Allegorien der Regententugenden sowie biblische Szenen wie das Urteil Salomons, die Salbung eines alttestamentarischen Königs oder die Bundeslade. Man sah einen Cherubim und einen betenden König. Umrahmt waren die Darstellungen von Rankenwerk mit lebendigen und kraftvollen Blumen. Für die Ornamentik hat Dittrich die Mitarbeit von Christopher Henning durch Stilkritik ermittelt.
Entwürfe
Für eine der allegorischen Frauengestalten (Minerva) links eines Erkers hat Dittrich eine Vorzeichnung im Kupferstichkabinett in Dresden identifiziert.[30]
Der so genannte Graue Saal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der so genannte Graue Saal befand sich im zweiten Obergeschoss über der Schlosskapelle im Ostflügel und wurde 1934 Opfer des Brandes.[31]
Beschreibung
Die Wandmalerei im so genannten Grauen Saal
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[31] des Grauen Saals wurde 1934 zerstört. Sie war wie in allen Räumen des Schlosses in Leimfarbentechnik gemalt, in diesem Fall in Grau und Gold.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei präsentierte an den Wänden allegorische Frauenpaare in Architekturrahmen. Zu sehen waren u.a. die Gerechtigkeit, die Klugheit und das Glück.
Das so genannte Zimmer in Ziegelrot
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Zimmer in Ziegelrot befand sich im zweiten Obergeschoss und wurde 1934 zerstört.
Die Wandmalerei im so genannten Zimmer in Ziegelrot
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[31] in Leimfarbentechnik ist zerstört.
Beschreibung und Ikonographie
Das Zimmer hatte seinen Namen von der rot in rot ausgeführten Malerei von Seivert Lammers, die biblische Szenen und Arabesken präsentierte.
Das so genannte Grüne Zimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Grüne Zimmer im zweiten Oberschoss ist zerstört.
Die Wandmalerei im so genannten Grünen Zimmer
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die 1934 zerstörte Malerei[31] war von Lammers in Leimfarbentechnik in Grün und Blau gemalt.
Beschreibung und Ikonographie
An den Wänden erblickte man in Medaillons sechs Landschaften. Davon zeigen zwei die Friedensburg in Leutenberg selbst. 1797 wird berichtet, dass es in einem grünen Zimmer an der Hauptwand eine Darstellung des Harfe spielenden David gegeben habe, von Kindern umgeben. Ähnliche Darstellungen habe es an den übrigen Wänden gegeben. Alles sei mit Grünspan sowie dunkelbraunen und schwarzen Tuschen gemalt gewesen.[32] Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um ein weiteres Grünes Zimmer handelte.
Entwürfe
Zu einem David hat sich eine Zeichnung vom Lammers im Kupferstichkabinett in Dresden erhalten.[33] Es zeigt den Lobgesang Davids. Da David auch in anderen Räumen des Schlosses dargestellt wurde, muss es sich nicht um eine Vorstudie für das Grüne Zimmer handeln.
Das so genannte Gelbe Zimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Auch das so genannte Gelbe Zimmer fiel 1934 der Zerstörung anheim.
Die Wandmalerei im so genannten Gelben Zimmer
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Auch im Gelben Zimmer waren die Bilder in Leimfarbentechnik gemalt, und zwar in Gelb und Grün.[31]
Beschreibung und Ikonographie
Die Wände präsentierten fünf Landschaften von Lammers in Medaillons mit Felsen und Ruinen.
Das so genannte Historische Zimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das so genannte Historische Zimmer wurde ebenfalls 1934 zerstört.
Die Wandmalerei im so genannten Historischen Zimmer
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[31] von Seivert Lammers war wie in allen Räumen in Leimfarbentechnik gemalt.
Beschreibung und Ikonographie
An den Wänden erblickte man verschiedene so genannte Historische Stücke – also Historiengemälde. Hinzu kamen Landschaftsdarstellungen. Die Malerei war in schwarzer Farbe ausgeführt.
Das so genannte Fräuleinzimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das so genannte Fräuleinzimmer lag im ersten Obergeschoss und wurde 1934 zerstört.
Die Wandmalerei im so genannten Fräuleinzimmer
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die 1934 zerstörte Wandmalerei[34] wurde von Seivert Lammers in Leimfarbentechnik ausgeführt.
Beschreibung und Ikonographie
Die Wände des Raums sollen in Grün, Schwarz und Weiß mit biblischen Allegorien und Szenen bemalt gewesen sein. Darunter war eine Darstellung des vor der Bundeslande tanzenden David – also der Triumphzug des David. Ferner gab es ein Wandbild, das zwei Kinder zeigte, die einen Kranz hielten.
Entwürfe
Zu einem David hat sich eine Zeichnung von Lammers im Kupferstichkabinett in Dresden erhalten.[35] Es zeigt den Lobgesang Davids. Da David auch in anderen Räumen des Schlosses dargestellt wurde, muss es sich nicht um eine Vorstudie für das Fräuleinzimmer gehandelt haben.
Der so genannte Rote Saal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Rote Saal befand sich im ersten Obergeschoss des Südflügels und, 1667 für Aemilie Antonie ausgestattet, wurde er 1934 zerstört.
Die Wandmalerei im so genannten Roten Saal
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[36] wurde von Johann (Hans) Heinrich Siegfried oder Seivert Lammers in Leimfarbentechnik rot in rot ausgeführt und 1934 zerstört.
Beschreibung und Ikonographie
An der Wand erblickte man innerhalb von Arabesken sechs Medaillons mit biblischen Szenen. Eine davon zeigte die Ermordung des Holofernes über der Tür in das angrenzende so genannte Apfelzimmer.
Das so genannte Apfelzimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das so genannte Apfelzimmer befand sich im ersten Obergeschoss des Südflügels in direktem Anschluss an das so genannte Rote Zimmer. Es erhielt seine Ausstattung für Aemilie Antonie 1667 und wurde 1934 zerstört.
Die Wandmalerei im so genannten Apfelzimmer
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[37] im Apfelzimmer stammte von Johann (Hans) Heinrich Siegfried aus dem Jahre 1667. Ihre Themen sind unbekannt.
Die politische Stellung der Wandmalerei auf der Friedensburg
Das aufwendige Bildprogramm der Friedensburg ist in Zusammenhang mit der angestrebten Standeserhöhung der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt in den Fürstenstand zu sehen. Im Gegensatz zu den bereits im 18. Jahrhundert durch Schadensfeuer zerstörten Schlössern in Rudolstadt und Schwarzburg sind die Malereien der Friedensburg in Leutenberg zumindest teilweise dokumentiert und können daher in den politischen Zusammenhang gestellt werden.[38]
1697 wurden die Linien Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Arnstadt in den Fürstenrang erhoben, nicht aber die Linie Schwarzburg-Rudolstadt. Graf Albert Anton bemühte sich ab sofort, ebenfalls die Fürstenwürde zu erlangen und ließ seine Schlösser in Schwarzburg und Rudolstadt aufwendig ausstatten. In den Rahmen dieser Maßnahmen ist auch die zweite Ausstattungskampagne von Schloss Friedensburg zu stellen. Die Rudolstädter Grafen wollten unter Beweis stellen, dass sie des Fürstenrangs würdig waren. Besonders deutlich wird das im so genannten Davidzimmer, wo sich die Grafen mit biblischen Helden gleichsetzen. Die Darstellung des Herrscherpaares mit David und Jonathan ist ohne Vergleich und verdeutlicht das Standesbewusstsein des Paares. Sie verbildlicht zudem eine Standesschranken überwindende Eintracht. Der Erbprinz wird als junger David gezeigt, der die Bedrohung des Königreiches Israel durch den Riesen Goliath beseitigt, indem er Goliath besiegt. Hier wird auf die Reichstreue der Grafen angespielt. In Zeiten der so genannten Türkenkriege und des gerade erst beendeten Pfälzischen Erbfolgekrieges war dies eine hochpolitische Aussage. Auf diese Kriege spielen auch die Darstellungen im Schlachtensaal an. Sie sind jedoch nicht kriegsverherrlichend, sondern „ganz von einer humanistischen Grundhaltung gegen das mörderische Vernichtungswerk des Krieges bestimmt“.[39] Das entsprach der pietistischen Grundhaltung des Hofes. Es wurden keine Helden gezeigt, sondern das einfache Volk.[40] Die Helden waren im angrenzenden Davidzimmer zu sehen. Beide Räume müssen zusammen gesehen werden.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
- Dittrich, Lammers, 1980. – Dittrich, Christian: Seivert Lammers 1648-1711. Ein Beitrag zur thüringischen Kunstgeschichte im Zeitalter des Barock. Dresden 1980.
- Esche, Aemilie Antonie, 2000. – Esche, Frank: Aemilie Antonie. In: Beger, Jens (Red.): Die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Rudolstadt 2000, S. 164-179.
- Groß, Friedensburg, 1957. – Groß, Franz: Die Friedensburg in Leutenberg (Thüringer Heimat, 2). Weimar 1957.
- Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
- Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894. – Lehfeldt, Paul: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Band I. Oberherrschaft. Amtsgerichtsbezirke Rudolstadt, Stadtilm, Königsee, Oberweissbach und Leutenberg. Jena 1894.
- Oelgeschläger, Friedensburg, 1998. – Oelgeschläger, Melanie: Die Friedensburg in Leutenberg. In: Jacobsen, Roswitha/Bärnighausen, Hendrik (Hrsg.): Residenzschlösser in Thüringen. Kulturhistorische Porträts. Bucha bei Jena 1998, S. 195-198.
- Rein, Friedensburg, 1925. – Rein, Berthold: Die Friedensburg. Eine thüringische Grenzfeste und ihre Bewohner (Thüringer Heimatbücher, 1). Rudolstadt 1925.
- Sesselmann, Friedensburg, 1927. – Sesselmann, Kurt: Die Friedensburg bei Leutenberg. In: Kreuz und quer durch Thüringen 3 (VI/VII/1927), S. 121-141.
- Winker, Albert Anton, 2000. – Winker, Doreen: Albert Anton. In: Beger, Jens (Red.): Die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Rudolstadt 2000, S. 180-209.
- Quellen:
- Kämmerer, Schriften, 1797. – Kaemmerer, Christoph Ludwig: Vermischte Schriften. Gotha 1797.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Thüringen, 2003, S. 760; Oelgeschläger, Friedensburg, 1998; Dittrich, Lammers, 1980, S. 129-132; Sesselmann, Friedensburg, 1927, S. 137; Rein, Friedensburg, 1925; Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894, S. 269-274; Kämmerer, Schriften, 1797, S. 189-202.
- ↑ Esche, Aemilie Antonie, 2000, S. 174; Dittrich, Lammers, 1980, S. 129; Sesselmann. Friedensburg, 1927, S. 137; Rein, Friedensburg, 1925, S. 56.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 129; Sesselmann. Friedensburg, 1927, S. 137; Rein, Friedensburg, 1925, S. 61.
- ↑ Sesselmann, Friedensburg, 1927, S. 135.
- ↑ Esche, Aemilie Antonie, 2000.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2007, S. 238-241; Winker, Albert Anton, 2000.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 11, 129; Rein, Friedensburg, 1925, S. 62.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S.96- 97, 131-132; Groß, Friedensburg, 1957, S. 3; Rein, Friedensburg, 1925, S. 41, 56-58; Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894, S. 270-274.
- ↑ Dittrich, 1980, S. 37-38 zitiert Kämmerer, Schriften, 1797, S. 197-200.
- ↑ Die Forschungsgeschichte folgt: Dittrich, Lammers, 1980, S. 22.
- ↑ Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894, S. 273-274.
- ↑ So Dittrich, Lammers, 1980, S. 22. Vgl. Rein, Friedensburg, 1925, S. 61-63.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 129-132.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 11, 37-38, 129; Rein, Friedensburg, 1925, S. 62.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 11, 37-38, 129-132; Rein, Friedensburg, 1925, S. 62.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 37-38, 129-130.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 129-130.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 108 (Z 152, Z 153).
- ↑ Dresden, KK, Inv.-Nr. C 1971 – 174.
- ↑ Dresden, KK, Inv.-Nr. C 1971 – 175.
- ↑ 22,0 22,1 22,2 Dittrich, Lammers, 1980, S. 130.
- ↑ Dresden, KK Inv.-Nr. C 1050.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 110 (Z 181).
- ↑ Dittrich, Lammes, 1980, S. 130.
- ↑ 26,0 26,1 26,2 26,3 26,4 26,5 Dittrich, Lammers, 1980, S. 131.
- ↑ 27,0 27,1 Dittrich, Lammers, 1980, S. 39, 96, 131-132.; Rein, Friedensburg, 1925, S. 62.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 109 (Z 163).
- ↑ 29,0 29,1 Dittrich, Lammers, 1980, S. 130, 132.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 104, 131 (Z 107). Dresden, KK Inv.-Nr. 1968 – 699.
- ↑ 31,0 31,1 31,2 31,3 31,4 31,5 Dittrich, Lammers, 1980, S. 132.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 96, 132, zitiert Kämmerer, Schriften, 1797, S. 196.
- ↑ Dittrich, Lammers, S. 96 (Z 23). Dresden, KK lnv.-Nr. C 1968-712.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 96, 131.
- ↑ Dittrich, Lammers, 19089, S. 96 (Z 23). Dresden, KK lnv.-Nr. C 1968-712.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 97, 131.
- ↑ Rein, Friedensburg, 1925, S. 50.
- ↑ Vgl. Laß, Lustschlösser, 2007, S. 238-241; Winker, Albert Anton, 2000.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 37.
- ↑ Dittrich, Lammers, 1980, S. 36.