Lenggries, Kapelle Maria Hilf
Kapelle Maria Hilf im Friedhof, jetzt Kriegergedächtniskapelle, Pfarrei St. Jakob Lenggries, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Hofmark Hohenburg
Zum Bauwerk: Kapelle aus dem 14. Jh., 1745 erweitert Kleiner Rechteckraum mit dreiseitigem Schluß (8,90 × 5,80 m); nach S gerichtet, zwei Fensterachsen, Pilastergliederung und umlaufendes Gesims
Autor und Entstehungszeit: Das Mittelbild A zeigt auf einem Stein am S-Rand das Datum 1747. Die Deckenbilder gelten als ein Werk Julian Breymeyers (* 1716 Andelfingen bei Riedlingen † 1795 Tölz) (J. Murböck, KKF 126, 11935 und weitere Auflagen; zu den von Murböck bearbeiteten archivalischen Unterlagen s. S. 209). Aufgrund charakteristischer Merkmale wie Farbgebung - reine, aber blasse Buntfarben auf verriebenen Braungoldtönen - Staffelung der Bodenschichten, auf denen die Figuren etwas steif posieren, Figurentypus, insbesondere der Maria und der Engel, imitierte Stuckdekoration – lassen sich die Bilder eindeutig dem Œuvre Breymeyers einordnen (vgl. Reichersbeuern, S. 219-22; Wall, S. 604-10; Frauenried S. 497–502). Zu Julian Breymeyer siehe Reichersbeuern. S. 219.

Befund
Träger der Deckenmalerei: A, 1-4 flache Korbbogentonne, nach S abgemuldet
Rahmen: A, 1–4 gemaltes verkröpftes Stuckprofil, die Bilder sind in gemaltes ornamentales Rahmenwerk einbezogen
Technik: Fresko; polychrom Maße: A 1-4 Höhe 6,15 m
Tonne ohne Abmuldung 6,60 × 5,50 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Reinigung 1925. Starke Übermalung, vor allem in einzelnen Köpfen (in 1 und 3). In 3 ein Bildteil mit den Figuren Josephs und Marias ergänzt. Risse, Wasserschäden; Farbsubstanz angegriffen
Beschreibung und Ikonographie
Das Gewölbe ist durch dekorative Malerei aufgegliedert. Die Bildfelder sind zwischen Gesims und zwei imitierter Gurtbögen angeordnet: ein Oval, von vier annähernd halbrunden Nebenbildern umgeben, die Zwischenräume mit imitiertem Stuck gefüllt, der Band- und Gitterwerk Ornamentik mit Rocaille-Kartuschen verbindet. Südlich grenzt – über der Altarnische – eine gemalte Kassettenkuppelhälfte mit Laterne an. Betrachterstandpunkt unter der Mitte von A. Mit Ausnahme der Engel im Mittelbild kaum Verkürzungen. Thema der Deckenbilder sind Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu, die teilweise auf apokryphe Berichte zurückgehen.
A ANBETUNG DER KÖNIGE (Mt 2, 1–12) Treppe, Säulen und Balkengerüst deuten bühnenhaft eine Stallruine an, nach vorn repoussoirartig durch einen Erdstreifen begrenzt. Im Bildzentrum ist die Hl. Familie frontal wiedergegeben, das Kind präsentierend, vom Himmel durch strahlendes Licht erhellt. Im Halbkreis umringen sie die hl. Drei Könige, dahinter ihre Begleiter. Am N-Rand in starker Verkürzung vier Engel mit einer Blumengirlande, die die aufbrechenden Wolken über den Bildrand hinausschieben. Die Dunkelzonen, die das Bild nördlich und südlich in der Mittelachse begrenzen, die Engel mit einer Wolke und hier der Mohr als Repoussoirfigur, sind bei Breymeyer unentbehrliche Requisiten.
1 TRAUM JOSEPHS (Mt 2, 13) Eine Halle mit Kassettendecke, von Pfeilern getragen, zeigt Joseph auf seiner Lagerstatt. Ein Engel fordert ihn auf, mit Maria und dem Kind zu fliehen.
2 DIE HEILIGE FAMILIE AUF DER FLUCHT (Mt 2, 14–15) Joseph führt den Esel, der Maria mit dem Kind trägt. In der angedeuteten kargen Landschaft eine Palme, die sich ihnen zuneigt. – Die Legenda aurea berichtet von dem Baum, der sich zur Erde neigte und den Herrn »demütiglich anbetete« (LA-Benz, S. 81 f.).
3 MARIA IN DER RAST (apokryph) Maria ruht unter einem Palmbaum und stillt das Kind, während Joseph mit einem Eimer auf fünf Quellen zugeht, die dem Wüstensand entspringen. Der Palmbaum neigt seine fruchtbeladenen Äste zu Maria hin. – Das Palm- und Quellwunder auf der Flucht nach Ägypten ist im Pseudo-Matthäus-Evangelium aufgezeichnet (Hennecke-Schneemelcher, Bd 1, S. 307, Nr. 20).
4 STURZ DER GÖTZENBILDER (apokryph) Bei der Ankunft in Ägypten, in der Stadt Sotinen, die durch Mauern und Gebäude angedeutet wird, zerbricht auf einem Postament eine Götterstatue. – Als Erfüllung der Prophetie des Isaias zerbrachen beim Anblick Mariens mit dem Kind die Götzenbilder im Tempel (Pseudo-Matthäus-Evangelium, loc. cit., S. 308, Nr. 23 und LA-Benz, S. 81 f.).
Literatur siehe S. 213
