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Lembeck, Haus Lembeck Wasserschloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Lembeck, Haus Lembeck "Wasserschloss", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/05b67cf2-3fe6-4c89-9cb7-fef1a16efb41

Inventarnummer: cbdd10351

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Auf Schloss Lembeck hat sich das Deckengemälde einer Fidelitas von Johann Martin Pictorius von ca. 1715 erhalten. Hinzu kommen Reste eines Jahreszeitenzyklus von ca. 1750 und Wandbespannungen mit chinoisen Motiven von ca. 1710.

Dorsten, Schloss Lembeck, Fidelitas-Kabinett, Decke
Dorsten, Schloss Lembeck, Fidelitas-Kabinett, Decke

Haus Lembeck

Kurzbeschreibung und Lage

Das ehemalige Rittergut Lembeck[1] ist rund zwei Kilometer südlich von Lembeck gelegen. Es erstreckt sich entlang einer Ost-West-Achse. Im Osten sind die Nebengebäude des Gutes gelegen. Die eigentliche Anlage verteilt sich auf zwei künstliche Inseln. Über eine so genannte Vorburg auf der ersten Insel im Osten erreicht man das Hauptgebäude auf der zweiten. Weiter im Westen befindet sich ein Park.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Gut geht auf eine Burg des Mittelalters der Herren von Lembeck zurück. Nach ihrem Abstreben 1526 gelangte Lembeck auf dem Erbgang an die von Westerholt, die die Linie „von Westerholt zu Lembeck“ begründeten. Aufgrund von Verschuldung kam Lembeck 1631 an die Linie „von Westerholt zu Hackfurt“. Ende des 17. Jahrhunderts begann unter Dietrich Konrad Adolf von Westerholt-Hackfurt der Um- bzw. Neubau von Vorburg und Haupthaus. Das Hauptgebäude entstand ca. 1674-79 unter Einbeziehung eines älteren Baus, der sich im Nordflügel befindet. Vermutlich sollte dieser ein Pendant im Süden erhalten, so dass eine nach Westen zum Garten hin offene Dreiflügelanlage entstanden wäre, was aber nie geschehen ist. Anschließend wurde die Vorburg erneuert. Diese Arbeiten waren bis 1700 abgeschlossen. 1702 gelangte Lembeck durch Heirat an die Herren von Merveldt zu Wolbeck. Goswin Hermann Otto von Merveldt-Wolbeck erreichte, dass eine Familie 1726 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Unter Ferdinand Dietrich von Merveldt begannen daraufhin ab 1729 Modernisierungen und Erweiterungen. 1730-38 kam in den Nordflügel ein neuer Hauptsaal nach Entwürfen von Johann Conrad Schlaun. Der Torturm erhielt um 1730 ein Mansardwalmdach. 1887 brannte der Nordflügel der ehemals dreiflügeligen Vorburg ab. Seit 1954 ist die Anlage der Öffentlichkeit in weiten Teilen zugänglich.[2]

Beschreibung

Das zweiflügelige Hauptgebäude setzt sich aus einem 94 Meter langen Ostflügel und einen kurzen Nordflügel zusammen, die beide direkt am Rand der Insel stehen. Sie haben über einem hohen Sockelgeschoss, das im Osten eine Durchfahrt ermöglicht, zwei Hauptgeschosse und werden von einem Walmdach abgeschlossen. An der Eingangsseite nach Osten sind dem Gebäude Ecktürme mit geschweiften Hauben angefügt. Einen weiteren Turm gibt es an der Südwestecke des Nordflügels. Zwischen diesem Turm und dem Ostflügel ist eine Terrasse gelegen, die über eine Freitreppe erreicht wird. Von ihr aus betritt man das Haus im ersten Geschoss des Ostflügels. Durch einen kleinen Eingangsraum gelangt man in den Hauptsaal, der fast den gesamten Nordflügel einnimmt. Ihm sind im Osten und Westen zwei Räume angefügt. Das Vestibül erschließt ferner den Ostflügel. An seiner Westseite ist ein Korridor gelegen, der die Zimmer an der Ostseite erschließt. Annähernd in der Mitte befindet sich ein Treppenhaus. Die Zimmer an der Ostseite sind in Enfilade gelegen. Vom Vestibül aus kommt man in das so genannte Prahlhans-Zimmer. Nach Süden folgen der so genannte Wittelsbacher Salon oder Kleine Saal, der Kleine Salon, das Fidelitas-Kabinett und vier weitere Räume.[3]

Der Eingangsraum (Entree)

Grundriss des Hauptgeschosses von Haus Lembeck

Beschreibung

Der Eingangsraum wird direkt von der Terrasse betreten. Von hier gelangt man nach rechts eine Treppe hinauf in einen Korridor, der an der Hofseite des Ostflügels verläuft. Nach links kommt man in den Hauptsaal und geradeaus in das so genannte Prahlhans-Zimmer.[4] Die Wände des Eingangsraums sind mit bemalter Leinwand bespannt. Über zwei Türen zieren Ölgemälde auf Leinwand in breiten Rahmen die Supraporten mit Darstellungen starker Frauen des Alten Testaments: An der Ostseite Judith mit dem Haupt des Holofernes und an der Nordseite Jael, die Sisera mit dem Zeltpflock erschlägt. Sie stammen offenbar von gleicher Hand wie die Wandbespannungen und wurden wohl wie diese sekundär in den Raum verbracht.[5]

Die Wandmalerei im Eingangsraum

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Joseph de Longueil nch Charles Eisen: Le Printemps
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Joseph de Longueil nach Charles Eisen: L'Automne
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Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei dürfte für Ferdinand Dietrich von Merveldt nach 1750 entstanden sein, da die Vorlagen nicht vorher erschienen sind. Die Wandbespannungen sind heute an den Seiten beschnitten. Ihre Abfolge entspricht nicht der des Jahreslaufes und der Sommer fehlt. Der Frühling wurde zudem zerschnitten. Es ist wahrscheinlich, dass ehemals vier Jahreszeiten für ein heute unbekanntes Kabinett des Hauses geschaffen wurden.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die bemalten Leinwände präsentieren Allegorien von drei Jahreszeiten in goldenen Rahmen mit Rosen auf rotbraunem Grauen. An der Nordwand wird der Frühling mittels junger Damen und eines Kavaliers, die gemeinsam einen Blumenkorb tragen, visualisiert. Rechts bringt eine Frau mit einem geschmückten Esel weitere Blumen herbei. Ein weiterer Bildteil ist an der Südwand und zeigt eine Frau mit Knaben, die Blumen in einem Korb und einer Kiepe trägt. An der Ostseite erblickt man links der Tür, wie in einem großen Fass Wein gekeltert wird. Männer und Frauen bringen in Kiepen weitere Trauben herbei. Die Darstellung steht für den Herbst. Rechts an der Ostwand wird mittels Schlittschuhläufern der Winter dargestellt. Zwei Kavaliere schieben zudem eine Dame im Schlitten. Im Hintergrund ist ein Mann gestürzt.[7]

Vorlagen und Vergleiche

Die hochformatigen Darstellungen folgen sämtlich querrechteckigen Kupferstichen von Joseph de Longueil nach Vorlagen von Charles Eisen. Sie wurden gespiegelt, in die Höhe gezogen und ihr Personal etwas reduziert. Beim Frühling ist der wichtigste Unterschied zwischen der Malerei in Lembeck und dem Kupferstich, dass die Personen in Lembeck in einem Garten agieren, auf der Vorlage aber in einer Stadt. Die Gartenskulptur auf einem Postament ist eine Hinzufügung. Der Herbst wurde annährend unverändert übernommen, die Figuren aber etwas verringert. Beim Winter wurde die Anhöhe im Hintergrund nach oben gezogen und verändert sowie die Anzahl der Schlittschuhläufer reduziert.

Der sog. Wittelsbacher Salon (Kleiner Saal) und seine Wandbespannung

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum wurde für Ferdinand Dietrich von Merveldt wohl um 1710 ausgestattet.

Beschreibung

Der Wittelsbacher Salon oder Kleine Saal wird vom so genannten Prahlhans-Zimmer im Norden über eine Treppe betreten und ist der erste Raum eines repräsentativen Appartements im Ostflügel. Im Süden schließt der so genannte Kleine Salon an. Ein zusätzlicher Zugang ist im Westen vom Korridor aus möglich. Nach Osten hat der Wittelsbacher Salon drei Fenster – er ist das größte Zimmer der Raumfolge. Wände und Decke sind stuckiert. Der Intarsienfußboden zeigt vor dem Kamin an der Nordwand die Initialen der Auftraggeber Clemens August von Merveldt und seiner Frau Marie Antoinette von Wolff-Metternich. Die Wände sind mit bemalter Leinwand bespannt. Jeder Rapport zeigt einen sich emporrankenden geschwungenen Ast mit Zweigen, an denen verschiedene halbgeöffnete oder offene Blumen und Blätter wachsen. Die Gestaltung folgt chinesischen Vorlagen. Die Stuckdecke zeigt leere Bildfelder. Es ist möglich, dass Deckengemälde geplant oder sogar für kurze Zeit vorhanden waren.[8]

Der sog. Kleine Salon (Raum über der Durchfahrt) und seine Wandbespannung

Beschreibung

Über der Durchfahrt im Ostflügel ist der so genannte Kleine Salon gelegen. Er wird im Norden vom so genannten Wittelsbacher Salon aus betreten. Im Süden folgt das so genannte Fidelitas-Kabinett. Ein weiterer Zugang ist im Westen vom Flur aus möglich. Nach Osten hat der Raum zwei Fenster. Die Wände sind mit chinoise bemalter Leinwandbespannung bedeckt. Es handelt sich um eine so genannte Peking-Tapete mit weißen und zartrosa Blüten und Ranken auf braunschwarzem Grund.[9]

Das sog. Fidelitas-Kabinett

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum ist im Zuge der Errichtung des Ostflügels 1674-1679 entstanden. Er wurde Anfang des 19. Jahrhunderts neu stuckiert und 1972 instandgesetzt.[10]

Beschreibung

Das so genannte Fidelitas-Kabinett hat seinen Namen nach dem Deckengemälde. Es ist ein kleiner Raum in der Mitte des Ostflügels. Es schließt südlich an den kleinen Salon an und öffnet sich mit einem Fenster nach Osten. Wand und Decke sind stuckiert und lassen Felder frei. Während in das Deckenfeld ein Gemälde eingelassen ist, sind die Wandfelder leer. Vermutlich sollten sie ebenfalls Gemälde aufnehmen.[11]

Das Deckengemälde im Fidelitas-Kabinett

Dorsten, Schloss Lembeck, Fidelitas-Kabinett, Decke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das in die Breite gezogene achteckige Deckengemälde ist mit „Pictorius fecit“ beschriftet und wird daher Johann Martin Pictorius zugeschrieben und muss bis 1721, als Pictorius starb, vollendet gewesen sein. Es wurde in Öl auf Leinwand geschaffen. 1972 entfernte man die Übermalungen, sicherte, retuschierte und doublierte die Malerei.[12]

Beschreibung und Ikonographie

Die Allegorie der Treue – Fidelitas – lagert auf einer Wolke, begleitet von zwei Putten, einem Genius und einem Hund. Sie trägt einen roten langen Rock und ein weißes Obergewand, das eine Brust freilässt. Ihr Haar ist perlengeschmückt, und sie blickt die Betrachtenden direkt an. In ihrer rechten Hand, die sie einem Putto auf die Schulter gelegt hat, hält sie ihr Zepter, in der linken einen Ring. Links schwebt ein Spruchband am Himmel, auf dem „Fidelitas“ zu lesen ist. Es flattert, sodass teilweise auch die Rückseite sichtbar wird, auf der die Signatur „Pictorius fecit“ geschrieben steht.

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Komposition ist in starker Untersicht erfolgt.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
  • Dethlefs, Lembeck, 2014. – Dethlefs, Gerd: Das Wasserschloss Lembeck. Schauplatz und Museum westfälischer Adelskultur, in: Jahrbuch Westfalen 2014 (Westfälischer Heimatkalender. N. F., 69). Münster 2014, S. 127-135.
  • Evers, Lembeck, 1978. – Evers, Ulrike S.: Schloss Lembeck. Ein Beitrag zur Baukunst Westfalens und der Niederlande im 17. Jh., 2 Bde., Bochum 1978.
  • Evers, Lembeck, 1981. – Evers, Ulrike: Schloß Lembeck. Ein Beitrag zur Schloßbaukunst Westfalens (Kunstgeschichte, Form & Interesse). Münster 1981.
  • Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun. 1695-1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart 1995.
  • Neumann, Lembeck, 1972. – Neumann, Eberhard Gustav: Schloß Lembeck (Große Baudenkmäler, 264). München/Berlin 1972.
  • Neumann, Lembeck, 2002. – Neumann, Eberhardt Gustav: Schloss Lembeck (DKV-Kunstführer, 261). 10. Auflage. München 2002.
  • Westfalen 53 (1975). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, Bd. 53. Münster 1975.

Einzelnachweise

  1. Dethlefs, Lembeck, 2014; Dehio, Westfalen, 2011, S. 246-247; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 152-159; Evers, Lembeck, 1981; Evers, Lembeck, 1978.
  2. Dethlefs, Lembeck, 2014, S. 133-134; Dehio, Westfalen, 2011, S. 246; Neumann, Lembeck, 2002, S. 2-4; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 153; Evers, Lembeck, 1981, S. 27-37.
  3. Dehio, Westfalen, 2011, S. 246; Neumann, Lembeck, 2002, S. 4-22; Evers, Lembeck, 1981, S. 15-76; Evers, Lembeck, 1978, S. 108-156; Neumann, Lembeck, 1972, S. 3-6, 10-16.
  4. Evers, Lembeck, 1981, S. 77; Neumann, Lembeck, 1972, S. 10.
  5. Neumann, Lembeck, 2002, S. 9; Evers, Lembeck, 1981, S. 77; Evers, Lembeck, 1978, S. 108-109.
  6. Evers, Lembeck, 1981, S. 77; Evers, Lembeck, 1978, S. 108-109.
  7. Dehio, Westfalen, 2011, S. 246; Evers, Lembeck, 1981, S. 77; Evers, Lembeck, 1978, S. 108-109; Eberhard, Lembeck, 1972, S. 10.
  8. Neumann, Lembeck, 2002, S. 19; Dethlefs, Lembeck, 2014, S. 133-134; Dehio, Westfalen, 2011, S. 246; Evers, Lembeck, 1981, S. 99-102; Evers, Lembeck, 1978, S. 146-150; Neumann, Lembeck, 1972, S. 14-15.
  9. Neumann, Lembeck, 2002, S. 19; Evers, Lembeck, 1981, S. 99; Evers, Lembeck, 1978, S. 145-146; Neumann, Lembeck, 1972, S. 14.
  10. Westfalen 53 (1975), S. 554.
  11. Neumann, Lembeck, 2002, S. 19; Evers, Lembeck, 1981, S. 96-99; Evers, Lembeck, 1978, S. 141-145; Neumann, Lembeck, 1972, S. 14.
  12. Dehio, Westfalen, 2011, S. 246; Westfalen 53, 1975, Heft 1-4, S. 554; Neumann, Lembeck, 1972, S. 14.