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Leipzig, Gohliser Schlösschen

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Leipzig, Gohliser Schlösschen, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/4960f033-b944-4471-95dd-9b84b21ea0b9

Inventarnummer: cbdd20100

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das spätbarocke Gohliser Schlösschen wurde von Johann Caspar Richter in Auftrag gegeben und unter Johann Gottlob Böhme vollendet. In dem zweigeschossigen Bau befindet sich unter anderem ein repräsentativer Festsaal mit einem Deckengemälde über die antike Göttin Psyche aus den Jahren 1778-79.

Das Gohliser Schlösschen

Das sogenannte Gohliser Schlösschen in Leipzig-Gohlis ist ein repräsentativer spätbarocker, mit einer Gartenanlage verbundener Landsitz, welcher die Formen der französischen Maison de plaisance mit denen eines sächsischen Landschlosses verbindet.

Der durch den Messehandel zu Reichtum gelangte Leipziger Kaufmann und Ratsbaumeister Johann Caspar Richter ließ den Bau in den Jahren 1755/56 durch einen unbekannten Architekten aus der Schule Johann Christoph Knöffels errichten. Nachdem die Vollendung durch den Siebenjährigen Krieg verhindert worden war, konnte der Bau mitsamt der Inneneinrichtung nach Richters Tod durch den zweiten Mann der Witwe, den Universitätsprofessor Johann Gottlob Böhme, in den Jahren 1771–80 abgeschlossen werden.

Das Gohliser Schlösschen ist ein gedrungen U-förmiger, zweigeschossiger Baukörper, der von einem Mansarddach abgeschlossen wird. Auf der Hofseite rahmen zwei, nur jeweils um eine Achse vorspringende Seitenflügel einen insgesamt elfachsigen Hauptbau, der mit einem nur knapp vorspringenden, fünf Fensterachsen breiten Mittelrisaliten versehen ist. Auf der insgesamt 17achsigen Gartenseite des Schlösschens treten die beiden jeweils drei Achsen breiten und mit Fenstern mit Rocailledekor geschmückten Seitenflügel lediglich risalitartig hervor. Sie rahmen zusammen mit jeweils dreiachsigen Rücklagenachsen den dreigeschossigen und fünf Achsen breiten Mittelpavillon. Dieser ist mit abgefasten Eckachsen versehen und weist ornamentgeschmückte Korb- und Stichbogenfenster in den beiden unteren Etagen sowie hohe Rundbogenfenster im zweiten Obergeschoss. Ein mehrfach geschwungener, mit reichem Rocailledekor und Vase versehener Giebel leitet schließlich zu dem turmartig überhöhten Mansarddach des Risalits über. Jenes ist wiederum mit einem kleinen, dekorativ bereicherten Uhrentürmchen sowie einer Zwiebelhaube bekrönt. An den Hauptbau schließen sich nach Osten und Westen jeweils noch eingeschossige, L-förmige Anbauten von drei zu zwölf Achsen an. Die mit Rundbogenfenstern versehenen sowie über den Risaliten mit Vasen und Rocaillekartuschen bekrönten Baulichkeiten waren ursprünglich u. a. mit einer Orangerie, einem Gartensaal, einem Billardzimmer und einer Kegelbahn ausgestattet. Sie enden in zweiachsigen Eckpavillons mit Rechteckfenstern und kuppelartigen Walmdächern mit kleinen Dachreitern.[1]

Der Festsaal

In der Anlage seines Inneren folgt das Gohliser Schlösschen sehr weitgehend zeitgenössischen französischen Vorbildern, wobei der Mittelteil des Baues die repräsentativen Festräume enthält. Im Souterrain befindet sich zum Garten hin der sogenannte Steinsaal als sala terrena mit stuckiertem Gewölbe und einer, echten Marmor und Alabaster imitierenden Malerei an den Wänden. Im Erdgeschoss folgen dem durch das Vestibül erschlossenen Salon die beiderseits symmetrisch angelegte Enfilade der Wohnräume und Kabinette. Hofseitig verläuft ein Bedienungsgang.

Auf der Gartenseite befindet sich schließlich im Obergeschoss der fünfachsige Festsaal mit einer illusionistischen Architekturmalerei im Zopfstil. Die tragenden Architekturglieder sind dabei in hellgrauen Tönen gehalten, die Fonds in hellen Grüntönen, sowie die weiter zurückliegenden Partien in marmoriertem Rosé. Die drei Saaltüren, welche durch große, aufgemalte Kartuschen mit Putten und Vasen bekrönt werden, sind von kannelierten ionischen Pilastern gerahmt. Während ansonsten einfache Füllungsfelder die Wände gliedern, sind in den Seitenachsen der hofseigen Längswand zwei scheinbar geöffnete hohe, schlussteingeschmückte Rundbögen angeordnet. Sie scheinen den Blick auf weite, arkadische Landschaften zu öffnen, welche in lichten Farben gehalten sind. Die Malereien waren von Hermann Wilhelm Cellarius um 1850 geschaffen worden. Auf der gleichen Saalseite sitzen in den Ecken schließlich noch schwarze Marmorkamine, oberhalb der aufgemalte Scheinbalustraden mit Eckvasen und Figurenbüsten zu sehen sind. Die Felder darüber sind mit Schlusssteinen und Kränzen dekoriert. Über dem Kranzgesims befindet sich ein ebenfalls nur illusionistisch wiedergegebenes kassettiertes Gewölbe, welches in einer Scheinbalustrade aus offenen Docken mit gerundeten Eckpostamenten endet.

Der Lebensweg der Psyche

Oberhalb der gemalten Balustrade erstreckt sich das Deckengemälde „Der Lebensweg der Psyche“ von Adam Friedrich Oeser (1717–99) aus den Jahren 1778/79. Der Blick geht in einen scheinbar weit geöffneten Himmelsraum in lichtem Blau über, in dem sich relativ unverbunden in den Ecken, auf dunklen Wolkengebilden drei größere, sowie drei weitere kleinere antikische Figurengruppen befinden. Hofseitig, über dem linken Kamin ist, in Form halbentblößter, in antike Gewänder gekleideter Frauengestalten, die Gruppe mit der Betrachtung angeordnet, wie sie der Natur den Schleier entreißt. Links, an ein Kapitell gelehnt, lagert die schlafende Psyche. In der Ecke über dem rechten Kamin ist hingegen die Gruppe der neun Musen zu sehen, auf deren rechter Seite zwei kleine Putten mit Blumengebinden umherfliegen. Darüber und zur Deckenmitte hin schweben – wiederum in reiche Gewandbäusche gehüllt – Psyche, wie sie vom Mittag des Lebens, die eine Sanduhr in der einen Hand hält, geleitet wird. In der linken Ecke schließt sich fensterseitig die Gruppe mit dem jugendlichen Gott Apoll an– dieser mit Lyra und im Strahlenkranz – sowie – als Rückenakt und auf einem Löwenfell sitzend – Herkules. Sie verkörpern Verstand und Tugend. Oberhalb der rechten Raumecke befindet sich auf der Fensterseite schließlich – umgeben von hellgelben und roséfarbenen Stoffbahnen – eine kleinere Gruppe von vier geflügelten Putten. Diese heben das an einem üppigen Lorbeergebinde hängende, steinerne Reliefbildnis Kurfürst Friedrich Augusts III. von Sachsen empor.[2]

Bibliographie

  • Bechter, Barbara/Fastenrath Vinattieri, Wiebke: Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, in: Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München/Berlin 1998.
  • Eberle, Martin: Gohliser Schlößchen (= Kleine Kunstführer 2416), Regensburg 2000.
  • Hocquél-Schneider, Sabine: Das Gohliser Schlößchen in Leipzig, in: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (hrsg.): Denkmalpflege in Sachsen. Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege 1999, Halle (Saale) 1999, S. 89-101.
  • Nitzsche, Mathis: Leipzig. Der Festsaal des Gohliser Schlösschens, in: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (hrsg.): Decken- und Wandmalerei in Sachsen, Dresden 2022.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Sachsen II, 1998, S. 580–582; Hocquél-Schneider, Gohliser Schlößchen, 1999, S. 89–101; Eberle, Gohliser Schlößchen, 2000.
  2. Nitzsche, Leipzig, 2022, S. 44f.