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Landsberg am Lech, Ignatiuskapelle der ehem. Jesuitenkollegienkirche

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 142–143, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Ignatiuskapelle der ehem. Jesuitenkollegienkirche

Patrozinium: St. Ignatius

Zum Bauwerk: Einfacher rechteckiger Saal über der Sakristei im NO der Kirche (16,00 × 5,60 m), gleichzeitig mit Kirche und Sakristei 1752/53 errichtet. Langer, schmaler Raum zu vier Fensterachsen, dreiseitiger Schluß. Fenster nach N; ihnen entsprechend im S tiefe Mauernischen, deren Fenster sich zum Chor der Kirche öffnen.

Autor und Entstehungszeit: Signatur am unteren Rand der Weltkugel: Felix Antonius Scheffler Pictor Pragensis Pinxit Ao 1756. (*1701 †1760). Nach dem Tod seines Bruders Christoph Thomas war Felix Anton Scheffler, der in Prag ansässig war, zeitweilig in Bayern tätig.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit Hohlkehle Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom Maße: Höhe 6,70 m; 11,50 × 4,70 Erhaltungszustand: Gut

Beschreibung und Ikonographie

GLORIE DES HL. IGNATIUS Das sehr lange und schmale Deckenbild erstreckt sich über die ganze Decke bis vor die Altarnische; es zeigt eine reine Himmels- und Wolkenszenerie. Am östlichen Bildrand schwebt, von Putti und Engeln auf Wolken umgeben, eine Weltkugel; diese ist durchsichtig gegeben, so daß in ihr wie in einer Glaskugel eine Kirche, ein runder Kuppelbau, sichtbar wird. Von der Weltkugel aus baut sich die Szene in Diagonalzügen auf. Der hl. Ignatius, wiedergegeben im Meßgewand, kniet mit ausgebreiteten Armen auf einer Wolke, bei sich hat er Buch und Birett. Christus ist zu ihm getreten, mit grüßend ausgestreckten Armen und geneigtem Haupt. Diese Gruppe bildet die inhaltliche und formale Mitte des Bildes. Dahinter tragen Engel die Leidenswerkzeuge; das große Kreuz, Lanze und Schwammstab ragen hoch in die helle Himmelsglorie im westlichen Bilddrittel, deren lichtumstrahlter Mittelpunkt die Taube des Hl. Geistes ist. Die Glorie ist von Wolken und Putti umgeben; vor ihr thront Gottvater, von Engeln und Putti begleitet.

Origineller als die für lange schmale Bildfelder gängige Zickzackkomposition ist die Farbgebung: Kühle, bunte Farben, durch Weißbeimischung in den Höhungen fast Pastelltöne zu nennen. Bei den Buntfarben wie auch bei der kühlen, hellen, von Grau zu Hellblau und lichtestem Gelb schattierten Hintergrundsfarbigkeit fehlen warme und kräftige Töne, ausgenommen der rote Mantel Christi. So sehr das Bild noch in der Tradition der illusionistischen Deckenmalerei steht - das zeigen Details wie etwa der von einem Engel getragene Fuß Gottvaters – ist doch die konsequente illusionistische Konstruktion aufgegeben; nicht einmal in den Figuren ist der gleiche Grad von Verkürzung und Untersicht durchgehalten.

Himmel und Erde sind prononciert einander gegenübergestellt: in Form der Glorie und in Form der Weltkugel halten sie sich formal die Waage. Das hat auch inhaltliche Bedeutung: die Position von Christus und Ignatius als Mittler zwischen Himmel und Erde genau in der Mitte des Bildes wird dadurch sinnfällig. Für das Heilswirken Christi stehen die Leidenswerkzeuge, von denen dem Kreuz formal das größte Gewicht beigemessen ist (Hinweis auf das Kirchenpatrozinium), für das Wirken des hl. Ignatius bringen Engel das aufgeschlagene Buch, Hinweis auf seine Ordensregel und seine Exercitia spiritualia, den Kreuzstab und den Schild mit dem IHS, das, ausgestattet mit dem Kreuz und den drei Nägeln als Arma Christi, zum Abzeichen der Gesellschaft Jesu erwählt und als Jesus Habemus Socium oder Jesu Humilis Societatis gedeutet wurde (vgl. LCI, Bd 2, s. v. IHS, Sp. 337). In dem Rundtempel der Weltkugel ist ein Symbol der katholischen, apostolischen Kirche zu sehen. Hier speziell in der Bedeutung, daß die katholische Kirche durch das Wirken des hl. Ignatius und seiner Gesellschaft Jesu in ihrer Missionstätigkeit in der ganzen Welt zur Herrschaft kommt

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 374

Hopp, Jakob, Pfründe-Statistik der Diözese Augsburg Augsburg 1893, Bd 1, S. 357.

KDB OB I (1), S. 508 ff

Hager, Georg, Kunstgeschichte von Landsberg, in: Bayer land 1900, S. 209.

Braun, Josef, Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten Freiburg 1910, S. 282 ff.

Die Jesuiten – oder Malteserkirche Hl. Kreuz in Landsberg (o. V.), in: Landsberger Geschichtsblätter 11, 1912 Nr. 8–12, S. 62 ff., 71 ff.

Dubowy, Ernst, Felix Anton Scheffler, ein Beitrag zur Kunstgeschichte des 18. Jh., in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst 6, 1925/26, S. 89 ff.

Maier, Adalbert, Die Jesuiten in Landsberg, in: Landsberger Geschichtsblätter 23, 1926, Nr. 4–12, S. 13 ff.

Schmidt, Hermann, Landsberg am Lech (= Deutsche Kunstführer, Bd 41), Augsburg 1929, S. 21 ff.

Braun, Wilhelm, Christoph Thomas Scheffler, ein Asamschüler, Stuttgart 1939.

Schmidt, Hermann, Malteserkirche Landsberg am Lech (= KKF Nr. 93), München 1935, 21961.

Ausstellungskatalog Der Barocke Himmel, Handzeichnungen deutscher und ausländischer Künstler in Deutschland, Stuttgart 1964.

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 372, 384.

Glorie des hl. Ignatiu