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Lüneburg, ehem Haus Große Bäckerstraße 31

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Lüneburg, ehem. Haus Große Bäckerstraße 31, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/770875b9-8236-45a3-9dc7-f2d75a3ed34a

Inventarnummer: cbdd20375

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im 1902 abgebrannten Patrizierhaus konnten im Festsaal vor dem Abbruch Reste einer Wandmalerei vom Ende des 17. Jh. beschrieben werden. Diese verbanden ein Tugendprogramm mit mythologischen Darstellungen, die flott in blauschwarzen Strichen auf farbigem Grund gemalt waren.

Ehem. Große Bäckerstraße 31, Saal, Südwand, Allegorie der Terra
Ehem. Große Bäckerstraße 31, Saal, Südwand, Allegorie der Terra

Das ehem. Haus Große Bäckerstraße 31

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus wurde Anfang 15. Jahrhunderts erbaut. Vermutlich Anfang des 17. Jahrhunderts erfolgte eine rückwärtige Erweiterung mit einem Flügelbau. Im 17. Jahrhundert war das Haus mehrfach Wohnsitz von Lüneburger Bürgermeistern. Im 19. Jahrhundert erfolgte eine Umgestaltung im Inneren für ein Ladenlokal. 1902 wurde das Haus durch ein Feuer weitgehend zerstört und die Ruine noch im selben Jahr abgetragen.[1]

Beschreibung

Es handelte sich um ein zweigeschossiges traufständiges Gebäude (mit zusätzlichem Zwischengeschoss), an das nach Osten ein rückwärtiger Flügel angefügt war, der im Erdgeschoss einen Festsaal aufnahm.[2]

Der ehem. Festsaal

Ehem. Große Bäckerstraße 31, Saal, Südwand

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Festsaal im Flügelbau entstand vermutlich Anfang 17. Jahrhunderts. 1902 wurde der bereits umgestaltete Raum durch ein Feuer zerstört und die Ruine abgebrochen.[3]

Beschreibung

Der Saal lag im Erdgeschoss des Flügelbaus und maß ungefähr 18 auf 5,10 Meter. Da der Flügelbau an das südliche Grundstück angrenzte, dürften die Fenster des Saals nach Norden gegangen sein. Betreten wurde er vermutlich von Osten her aus dem Hauptgebäude. Bekannt ist nur die ehemalige Südwand des Raums. In ihrer Mitte befand sich ein Kamin mit plastischen Stuckwappen. Die Wandflächen rechts und links waren teilweise von vorkragenden Segmentbögen, die auf Konsolseinen ruhten, gegliedert. Die oberen Wappen waren jene der von Dithmersen und von Dassei mit der Jahreszahl 1641. Darunter erblickte man die Wappen der von Dithmersen, Möller und von Töbing mit der Jahreszahl 1691. Die oberen Wappen bezogen sich auf Ludolf von Dithmersen und seine ihm 1617 angetraute Ehefrau Elisabeth von Dassel. Nach Ludolfs Tod 1644 gelangte das Haus an seinen ältesten Sohn Georg und anschließen an den jüngeren Sohn Ludolf. Nach dessen Tod 1667 kam es an seinen Hartwig. Hartwig von Dithmersen hatte 1651 Rahel Möllner geheiratet. Hartwig starb 1674 und seine Witwe heiratete zwei Jahre später Christoph vonTöbing. Das untere Wappen bezieht sich damit auf Rahel Möllner und ihre zwei Ehemänner. Das Haus blieb auch nach dem Tod ihres zweiten Mannes 1693 in ihrem Besitz.[4]

Die ehem. Wandmalerei der Südwand

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Man kann vermuten, dass die Malerei an der Südwand zusammen mit dem Kamin entstand. Als Auftraggeber wären demnach entweder Ludolf von Dithmersen oder wahrscheinlicher Rahel Möllner anzusprechen, und die Malerei ist damit in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zu datieren, wahrscheinlich auf 1691. Von der Malerei, die in Öl auf dem unverputzten Mauerwerk ausgeführt wurde, haben sich keine Reste erhalten. Lediglich zwei von Franz Krüger 1905 publizierte Abbildungen und seine Beschreibungen geben Aufschluss über die Ikonografie. Die Wand war zu einem unbekannten Zeitpunkt hinter Leinwand und Putz verborgen worden und wurde erste während der Abbrucharbeiten 1902 wieder entdeckt.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Die Wand war beiderseits des Kamins unter Integration der realen Segmentbögen und einer Nische mit Scheinarchitektur gegliedert, in die mehrere allegorische und mythologische, teils großflächige Malereien eingefügt waren. Ein blauschwarz aufgemaltes horizontale Simsband trennte die Wand in einen oberen und einen Bereich. Seitlich begrenzt wurde der untere Bereich von in blauschwarzen Strichen aufgemalten Hermen. Dieser untere Bereich präsentierte je ein großes mythologisches Thema. Im oberen Wandteil erblickte man zwischen den realen oder fingierten Mauerbögen Allegorien. Das große Gemälde unten rechts präsentierte Neptun mit flatterndem Mantel auf seinem von drei Hippocampen gezogenen Streitwagen. In seiner Rechten hielt er den Dreizack, mit seiner Linken umfasste er eine sich widerstrebende Nymphe. Im Hintergrund ließ sich ein Kopf (Hymen?) ausmachen. Der untere Bildbereich war zerstört. Die Malerei war auf roten Gruind mit gelben Körpern mit blauschwarzen Umrissen gemalt. Die Malerei links des Kamins unter einem Korbbogen war bis auf einen wehenden Mantel auf rotem Grund zerstört. Der obere Bereich nahm rechts in den vier Bögen die Allegorien der vier Elemente auf. Es handelte sich um weibliche Halbfiguren, die am oberen Rand über den Köpfen beschriftet waren. „AQVA“, „TERRAE“, „IGNIS“ konnten 1902 noch gelesen werden. Jede Figur hatte neben sich oder in der Hand ein Tier, das sich auf das dargestellte Element bezog: Das Wasser hatte einen Fisch, die Erde verwies auf einen Hasen, zum Feuer gehörte der Vogel Phönix und zur Luft ein Vogel. Die Allegorie des Wassers hatte ferner ein Schiff dabei, die des Feuers hielt ein Flammenbündel in der Hand und trug einen Flammenkranz, die der Erde war mit Blumen und Blättern bekrönt. Das Attribut der Luft ist unbekannt, da die Malerei bereist weitgehend zerstört war. Die Allegorien links des Kamins waren ebenfalls kaum noch zu erkennen, konnten aber mithilfe der erhaltenen Beschriftungen bestimmt werden. Eine ornamentale Malerei fingierte drei Nischen. In diese waren die Allegorien von Glaube, Liebe und Stärke gemalt. 1902 war nur noch der Kopf des Glaubens und die Beschriftungen erhalten: „FIDES“, „CARITAS“, „VIRTVS“. Die Allegorien waren mit blauschwarzen Umrissen und Schatten auf gelben Grund gemalt. Alle Malerei war offenbar ohne Vorzeichnungen in flotter Manier ausgeführt worden.[6]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Katalog. In: Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-266.
  • Krüger, Bäckerstraße 31, 1905. – Krüger, Franz: Untergegangene Lüneburger Denkmäler. 1. Wandmalereien Grosse Bäckerstrasse Nr. 31, In: Zeitschrift für Architektur und lngenieurwesen, Jg. 1905, H.2, Sp. 113-117.
  • Terlau-Friemann, Patrizierhäuser, 1994. – Terlau-Friemann, Karoline: Lüneburger Patrizierarchitektur des 14. bis 16. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Bautradition einer städtischen Oberschicht. Lüneburg 1994.
  • Archivalien:
  • Steinert, Katalog, 2007. – Steinert Annett: Katalog der Decken- und Wandmalerei in Lüneburg, Gotha 2007.

Einzelnachweise

  1. Terlau-Friemann, Patrizierhäuser, 1994, S. 147; Krüger, Bäckerstraße 31, 1905, Sp. 113-114. Steinert, Katalog, 2007.
  2. Terlau-Friemann, Patrizierhäuser, 1994, S. 147; Krüger, Bäckerstraße 31, 1905, Sp. 114. Steinert, Katalog, 2007.
  3. Terlau-Friemann, Patrizierhäuser, 1994, S. 147; Krüger, Bäckerstraße 31, 1905, Sp. 113. Steinert, Katalog, 2007.
  4. Terlau-Friemann, Patrizierhäuser, 1994, S. 148; Krüger, Bäckerstraße 31, 1905, Sp, 114-115. Steinert, Katalog, 2007.
  5. Terlau-Friemann, Patrizierhäuser, 1994, S. 147; Krüger, Bäckerstraße 31, 1905, Sp. 114. 116. Steinert, Katalog, 2007.
  6. Terlau-Friemann, Patrizierhäuser, 1994, S. 148; Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 243;Krüger, Bäckerstraße 31, 1905, Sp. 115-116. Steinert, Katalog, 2007.