Längloh, Filialkirche Mariä Geburt
Filialkirche der Pfarrei Dezenacker (seit 1923) (Pfarrverband Burgheim), Markt Burgheim, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung war die Kirche eine Filiale der Pfarrei Leidling (Leutling). Das Patronat über Leidling lag ursprünglich beim Kloster der Benediktinerinnen in Neuburg. Nach der Auflösung in protestantischer Zeit wurde 1638 das Jesuitenkolleg in Neuburg mit dessen Gütern dotiert, damit kam auch das Patronatsrecht von Leidling an das Kolleg. Nach dessen Auflösung 1773 gelangte es 1786 an die Großballei des Malteser-Ordens in Neuburg, später an den König von Bayern. Längloh gehörte von jeher zum Herzogtum Bayern und war von alters her eine Filiale von Leidling. Bei der Gründung der »Jungen Pfalz« kam Leidling 1505 zum Fürstentum Neuburg. Da Längloh bayerisch war, wurde es nicht evangelisch, sondern blieb katholisch und wurde von der bayerischen Pfarrei Illdorf pastoriert. Nach Wiedereinführung des katholischen Glaubens kehrte Längloh zu Leidling zurück. Das Jesuitenkolleg Neuburg zog den Großzehnt von Leidling, Längloh und Stelzen-Hof und gab daraus dem Pfarrer nebst dem Widdumgute, das ihm überlassen blieb, eine Besoldung (Steichele, S. 692). In Längloh bestand eine starke Wallfahrt zu einem Mariengnadenbild, das heute noch vorhanden ist. Gericht Rain (Kurbayern)
Patrozinium: Mariä Geburt
Zum Bauwerk: Am 4. 6. 1761 wurde die Kirche bei einem Unwetter durch Blitzschlag schwer beschädigt, indem das Turmdach auf Chor und LHs stürzte. Der Turm mußte teilweise abgetragen und neu errichtet, das LHs ganz neu erbaut werden. Das Jesuitenkolleg in Neuburg war als Inhaber des Kirchensatzes und Hauptdezimator zu Baumaßnahmen verpflichtet. Im Auftrag des Kollegs erstellten der Maurermeister von Neuburg, Johann Wolfgang Schöpfer, und der Stadtzimmermeister Simon Hegmeyr Kostenvoranschläge von 389 fl. 55 kr. bzw. 543 fl. 6 kr. für die Sicherung und Reparatur des Gebäudes, der Zimmermeister von Unterhausen Matthias Hertz veranschlagte für das Abtragen des Turms 538 fl. 58 kr. (StA Augsburg: Klöster, Jesuiten Neuburg 35 b. Dem Akt liegen drei kolorierte Zeichnungen bei, auf denen die Form des Turms vor und nach der Beschädigung wiedergegeben ist). Chor und Turm stammten aus dem Ende des 15. Jh., das Schiff wurde 1762 völlig neu erbaut (Chronogramm am Chorbogen). Der Turmoberbau mit Rhombenhelm von 1858 ersetzte den Zwiebelturm von 1762 (vgl. die genannten Zeichnungen). Eine neue Sakristei wurde 1895 erbaut.
Flachgedecktes LHs mit Empore, je ein segmentbogiges Fenster im N und S. AR zu drei Jochen mit dreiseitigem Schluß und zwei Fenstern auf der S-Seite, quadratischer Turm an der Nordwestecke. Grau und gelb gefaßter Rocaillestuck von 1762 in der Art des Thaddäus Kronenbitter; vgl. dessen Stuck von 1761 in der Kirche von Straß (S. 299); dort ebenfalls Deckenbilder von Hartmann. Hochaltar von 1696 mit lebensgroßer Marienfigur von etwa 1500, die ehemals als Gnadenbild verehrt wurde, seitlich auf Konsolen die hll. Joachim und Anna.
Auftraggeber: Franz Christian Lohner, Pfarrvikar von Leidling (1747–68). Die Kosten für den Wiederaufbau der Kirche hatte das Jesuitenkolleg in Neuburg zu tragen, die Innenausstattung mußte die Kirche von Längloh bezahlen, die aufgrund einer gut besuchten Wallfahrt sehr vermögend war und z. B. im Jahr 1760 über Mittel in Höhe von 8693 fl. verfügte (StA Augsburg, Klöster). Vgl. die Korrespondenz zwischen Lohner und dem kurbayerischen Landrichter von Rain, Anton von Schaden, und dem Jesuitenkolleg in Neuburg. Am 9. 6. 1761 schreibt Lohner an den Prokurator des Kollegs, P. Andreas Maul, der Landgerichtsschreiber in Rain habe sich die »gewaltige Ruine« angesehen und gesagt, »daß man ab [von] Seithen des Landgerichts die wieder Erbauung der Kirch dem Hochlöblichen Collegio [= der Jesuiten in Neuburg] zu übertragen, die inner der Kirchen vorhandene Baufälligkeiten von deß Gotts-Haus Mittlen zu wenden gedenke«. Am 18. 6. 1761 berichtet der Landrichter von Schaden dem Pater Rektor, die Kirche sei durch ein Unwetter an Turm, Dach und Langhaus beschädigt und die Altäre ruiniert, sodaß eine »Haubtpaureparation« vorgenommen werden müßte. Die Hauptbaufälle hätte der Hauptdezimator zu tragen. Er hoffe, daß das Kolleg keine Schwierigkeiten mache, da seit 50 Jahren die Reparaturen und beigeschaffte Kirchenzierde die Kirche selbst getragen habe. Der Rektor entgegnete am 28. 6. 1761, das Kolleg wolle nicht alles zahlen, sondern die Rechnungen der Kirche einsehen, um sich über deren Vermögen zu informieren. Darauf antwortete von Schaden am selben Tag, die Kirchenrechnungen würden dem Prokurator des Kollegs und dem Propst des Seminars vorgelegt, wenn auch diese ihre Einnahmen spezifizierten (StA Augsburg, Klöster).
a–d Marien-Embleme

Autor und Entstehungszeit: Joseph Hartmann (* 1721 Tiengen † 1788 Augsburg) 1762. Signatur in A: J. HARTMANN PINXIT A. V. (= Augusta Vindelicorum) 1762 – Das Datum befindet sich noch einmal in einem von einer Rocaillekartusche umgebenen Chronogramm am Chorbogen: SaCrosantae VIrgInI InClitae / ALMae DeI ParentI HonorI (= 1762).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, a-d) Flachdecke über Hohlkehle, AR (B, C) Kreuzgratgewölbe
Rahmen: A, B, C geschwungener, kräftig profilierter weißer Stuckrahmen. a-d weiße Stuckprofilrahmen, jeweils umgeben von grau und gelb getöntem Rocaillestuck, der die Rahmen begleitet, aber nicht berührt
Technik: Fresko: A, B, C polychrom; a-d camaieu braun Maße: A Höhe 6,35 m; 5,00×4,50
B, C Höhe 7,81 m; 2,50×2,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Instandsetzung der Kirche 1852-61, dabei Erhöhung des Turms um ein Geschoß (StA Augsburg, Landbauamt Donauwörth G 234). 1930 und 1977 Außenrenovierung; Innenrenovierungen fanden 1876 durch J. Sattler statt (lt. einer Signatur in C; vgl. Horn/Meyer), 1949/50 durch die Fa. Finkenzeller, München, und 1991/92 durch die Fa. Rudolf Pfaller, Ingolstadt. Zuletzt wurden die Deckenbilder nur trocken gereinigt. Bei dem Chronogramm am Chorbogen finden sich die auf die Restaurierungen zu beziehenden Daten 1950 und 1991. Der Erhaltungszustand der Fresken ist gut.
Beschreibung und Ikonographie
A GEBURT MARIENS Auf einem Stufenunterbau kniet in der Bildmitte ein Engel und hebt das neugeborene Kind aus der Wiege, die mit dem Marienmonogramm geschmückt ist und deren Kufe in Anspielung auf die Immaculata die Form einer Mondsichel aufweist. Links etwas erhöht sitzt die hl. Anna neben einem Tisch und weist mit demonstrativer Geste auf ihr Kind, den Blick zum Himmel erhoben. Von den Dienerinnen, die um sie bemüht sind, richtet eine hinter ihrem Rücken das große, mit grünem Vorhang geschmückte Himmelbett für die Wöchnerin. Die Szene wird hinterfangen von einer sich verjüngenden Triumphbogenarchitektur, rechts blickt man in einen Garten. Von dort kommend steht, von einer Balustrade halb verdeckt, der hl. Joachim in Begleitung eines Engels und wendet sich der kleinen Maria zu. Beide Eltern scheinen den Betrachter zur Verehrung des Kindes aufzufordern. Auf Wolken direkt über der Szene und die Architektur teilweise überdeckend, sieht man rechts eine Gruppe von verehrenden Engeln, aus der der Engel, der an der Wiege kniet, herabgestiegen ist, und links musizierende Engel. Darüber erscheinen genau in der Mittelachse das von Strahlen umgebene Dreieck mit dem Auge Gottes und darunter ein Stern, der mit seinem Schweif auf Maria weist.
Die Darstellung entfaltet sich in einem Raum von geringer Tiefe mit Figurengruppen jeweils auf verschiedener Höhe, die der Komposition eine leise Rhythmisierung verleihen. Das Kolorit ist auf Rottöne gestimmt, die nach Braun abgewandelt sind, dazu treten lichtes Blau und Grün jeweils in größeren Flächen. Das stärkste Licht kommt von vorne links.
Die Darstellung der Geburt Mariens ist insofern ungewöhnlich, als das Kind nicht von Anna gehalten wird, sondern von einem Engel. Die als Mondsichel gebildete Kufe der Wiege geht zurück auf einen Stich von Gottfried Bernhard Göz (1708-1774), der die neben der Wiege sitzende hl. Anna mit dem Marienkind im Arm zeigt. Die Stirnseite der Wiege mit dem Marienmonogramm läuft seitlich in Engelkaryatiden aus. Der Stich wirkte vorbildlich für ein Fresko mit einer Mariengeburt von Julian Breymeyer von 1763 in der Kirche von Frauenried/Irschenberg (CBD Bd 2, S. 497-502) und für eine Mariengeburt von 1769 von Johann Baptist Enderle in dem Fresko über der Orgelempore in der Wallfahrtskirche Buggenhofen/Lkr. Dillingen (Karl Ludwig Dasser, Johann Baptist Enderle [1725-1798], Weißenhorn 1970, Abb. 106, Stich von Göz; Abb. 107, Fresko von Enderle).
a-d EMBLEME AUF DIE GEBURT MARIENS In den Diagonalen begleiten vier ovale Embleme das Hauptbild und interpretieren dessen Thema.
a SOLA PLACUIT (Sie allein gefiel) Geöffnete Perlmuschel am Meer, von der Sonne beschienen. – Geläufiges Symbol für die hl. Anna. Sie ist die Schale, in der die Perle Maria verborgen ist (Picinelli, Lib. XII, Nr. 218, s. v. margaritha).
b PACEM FERET (Sie wird den Frieden bringen) Der gelandeten Arche Noe naht sich eine Taube mit einem Ölzweig und verkündet damit das Ende der Sintflut (Gen 8, 11). – Wie die Taube mit dem Ölzweig den Menschen in der Arche Zeichen des Heils war, so war die Ankunft Mariens der Beginn des Heilsgeschehens (Picinelli, Lib. XX, Nr. 16, s. v. arca Noe).
c IPSA CONTERET CAPUT TUUM (Sie selbst wird dein Haupt zertreten) Aus einer Wolke weist die Hand Gottes auf die von Strahlen umgebene apokalyptische Frau, die von einem feuerspeienden Drachen bedroht wird. – Nach dem Sündenfall hat Gott die Schlange verflucht (Gen 3, 15). Die apokalyptische Frau (Apoc 12, 1-8), die mit Maria identifiziert wird, siegt über den Drachen und bringt die heilsgeschichtliche Erfüllung von Gen 3, 15.
d OBUMBRABIT ALTISSIMUS (Der Höchste wird überschatten) Eine Sonnenuhr wird von einer großen Sonne angestrahlt. – Wie die Sonnenuhr von der Sonne abhängig ist, so wurde auch das Heilsgeschehen von Gott mit der Empfängnis und Geburt Mariens in Gang gesetzt. Boschius bringt die Sonnenuhr als Sinnbild Mariens (Cl. I, Nr. 545, mit gleichem Lemma).
B TEMPELGANG MARIÄ Maria schreitet mit betend erhobenen Händen eine Treppe zu dem Hohenpriester empor, der sie mit ausgebreiteten Armen erwartet. Vorne, vom Rahmen überschnitten, drei Repoussoirfiguren, am Himmel eine Wolke mit Engeln. Der Künstler hat das Geschehen mit der frei vor dem Himmel stehenden Hauptfigur, hinter der ihre als Halbfiguren wiedergegebenen Eltern Joachim und Anna zurückbleiben, wirkungsvoll in Szene gesetzt, indem er sie mit kräftigen Architekturteilen rahmt, die sich in starker perspektivischer Verkürzung nach innen neigen. Auf Maria konzentriert sich die größte Helligkeit, ihr





C VERKÜNDIGUNG AN MARIA Links kniet Maria hinter ihrem Lesepult und ist ins Gebet versunken. Die Worte des großen Engels, der sich von rechts oben naht, scheint sie nicht wahrzunehmen. Mit ihm sind Wolken in das Gemach eingedrungen, oben öffnet sich der Himmel, und die Taube des Hl. Geistes sendet ihre Strahlen auf Maria herab. Die Szene wird auch hier durch aufragende architektonische Versatzstücke flankiert, die sich nach innen neigen. Ein Pfeiler links ist mit einem grünen Vorhang drapiert, dessen Farbe mit dem Hellblau im Mantel der Maria und dem aufgehellten Rostrot der Engelsgewandung ein farbliches Gleichgewicht herstellt. Räumliche Tiefe wird erzeugt, indem eine dunkle Schattenzone rechts im Vordergrund mit dem Hauptgeschehen dahinter als Bereich der größten Helligkeit kontrastiert. Im Hintergrund sieht man das Bett Mariens und die Wolken.
Vorbild für die Komposition war die Verkündigungsdarstellung aus Bergmüllers Freskenzyklus in der Dominikanerkirche in Augsburg, ausgeführt 1723/24 von dessen Schüler Alois Mack, den Bergmüller auch als Radierungsfolge herausgab. Während Hartmann sein Vorbild etwas abgewandelt hat, ist Anwander bei seinen Fresken in Ammerfeld (s.S. 19) diesem Zyklus, darunter auch der Verkündigung, eng gefolgt.
In der Apsis befinden sich in Rocaillekartuschen Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert (1876 ?). Vielleicht gehen sie auf Darstellungen des 18. Jahrhunderts zurück; jedenfalls waren die Kartuschen ursprünglich nicht leer.

Quellen und Literatur
BLfD, Registratur, Akten Längloh, Filialkirche Mariä Geburt. StA Augsburg, Klöster, Jesuiten Neuburg Nr. 35 b: Instandsetzung 1761/62; ebd. BA Neuburg, Nr. 4917: Restaurierungen; ebd. Landbauamt Donauwörth G 234: Instandsetzung 1852–61.
Braun-Augsburg Da 1, 3.482; Da 2, 3.257. Steichele, Bd 2, S. 690–693. Hopp, Bd 1, S. 126. Horn/Meyer, 1958, S. 541–543. Kemp, S. 233. Dehio 1990, S. 570. Parisi, Jeanette, Studien zu Leben und Werk des Augsburger Barockmalers Joseph Hartmann mit einem Katalog seiner Fresken, Magisterarbeit München 1994, S. 68–73.
B. V.-K