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Kronwinkl, Schloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Dreyer, Angelika:Kronwinkl, Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/7d381309-70ae-4857-b02e-2205449fb17b

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Das landschaftlich attraktiv gelegene Schloss Kronwinkl war der Stammsitz der Preysing von Kronwinkl. Das Geschlecht der Preysing gehörte zu den bedeutendsten altbayerischen Adelsfamilien und ihre Mitglieder waren über Jahrhunderte hinweg im bayerischen Hof-, Staats- und Militärdienst tätig.

Kronwinkl, Schloss
Kronwinkl, Schloss

Lage und Geschichte

Lage

Die Schlossanlage liegt südwestlich von Landshut,[1] „am Rande von Kronwinkl auf einem in die Talebene vorspringenden Bergsporn des südlichen Isarhochufers.“[2] „Die Anlage der Befestigung, besonders die Wahl des Platzes und die Stellung des Grabens, erinnert an ähnliche frühe Burgstalle der Gegend. [...] Das jetzige Schloss gehört in seiner malerischen Lage zu den schönsten Punkten der Landshuter Gegend“[3], was heute „angesichts der ausufernden Gewerbeparks im Isartal fraglich erscheinen“[4] mag. Vom Schloss Kronwinkl aus konnte man früher auf dem gegenüberliegenden Isarhochufer das Schloss Bruckberg erblicken.[5]

Geschichte

„Die Geschichte von Kronwinkl ist seit fast 900 Jahren mit dem Geschlecht der Preysing verbunden. Deren Übersiedlung in diesen Raum erfolgte wohl mit dem Eintritt in die wittelsbachische Ministerialität Ende des 12. Jahrhunderts. 1465 wurden die Preysing in den Freiherrenstand erhoben.“[6]

„Im 17. Jahrhundert ging Kronwinkl in den Besitz von Hohenaschau über, die sich nach der Erhebung in den Reichsgrafenstand 1664 ,Grafen von Preysing, Freiherren von Altenpreysing, genannt Kronwinkl‘ schrieben.“[7] Um 1800 gehörten die Preysing „zu den größten adeligen Grundbesitzern in Bayern.“[8] „Im Jahre 1830 erlosch die Linie Preysing-Hohenaschau. Kronwinkl kam an die Linie Preysing-Moos, die das Schloss aber schon 1836 an die Grafen von Preysing-Lichtenegg veräußerte. Bis heute ist das Schloss [...] im Besitz der Grafen von Preysing-Lichtenegg-Moos.“[9]

Das Bauwerk

Das Bauwerk

Die einzig erhaltene Ausstattung aus der Zeit der frühen Neuzeit befindet sich in dem romanischen Bergfried.

Dieser liegt auf der Südseite des Burgareals und ist „auf allen Seiten mit Ausnahme der Nordostseite vom Wohnbau bzw. den sich daran anschließenden Nebengebäuden umfangen.“[10] Der 22 m hohe Bergfried „hat im Untergeschoß eine Mauerstärke von 3,40m. Er erhebt sich in vier ungleich hohen Geschossen unter fortgesetzter Verjüngung des Mauerwerks, das im obersten Geschoß nur noch 1m stark ist.“[11] Der Bergfried, deren Massivität nur durch wenige Fensterschlitze beeinträchtigt wird, bestimmt mit seiner vertikalen Wucht die Erscheinung und ist ein „weithin sichtbares Standes- und Herrschaftszeichen.“[4]

Die Burgkapelle St. Antonius von Padua

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Als um 1120/30 der „Freie Adahart von Vatersdorf (später von Preising [...])“[12] mit seiner „Familie von Langenpreising bei Erding“[13]nach Kronwinkl bei Landshut übersiedelte, könnte von ihm auch die Initiative für den Bau einer Burg ausgegangen sein. „Der Grund und Boden, auf dem die Burg angelegt wurde, gehörte Kloster Tegernsee.“[14]

Der älteste Bauteil, der sich aus der Zeit der Erbauung des 12. oder 13. Jahrhunderts erhalten hat, ist der romanische Bergfried.[15]„Die übrigen Gebäulichkeiten wurden im 16. und 17. Jahrhundert mit Verwendung der mittelalterlichen Ringmauer errichtet. Den sogenannten Lehenstock erbaute Hans Albrecht von Preysing, nachdem 1578 das Schloss vom Lehensverhältnis zu Tegernsee befreit worden war.

1673 wurde in den Bergfried die Schlosskapelle eingebaut.“[15]

Den umgebauten Kapellenraum weihte man 1679.[3]

Die Ausstattung mit „graziöse[m] Muschel- und Schweifwerk des entwickelten Rokoko“[3] stammt aus der „Mitte des 18. Jahrhunderts“[3], ebenso die kleinen Deckengemälde.

Nicht bekannt sind weder der/die Auftraggeber noch der/die ausführende Künstler.

Die Burgkapelle befindet sich im zweiten Geschoss des romanischen Bergfriedes und ist ein „[r]under, in der Kuppel gewölbter Raum. Wandpilaster mit jonisierenden Kapitellen. Drei Ovalfenster.“[3] Der Zentralraum hat einen Durchmesser von knapp 8m.[16]

Die Deckengemälde: Josephs- und Antoniuslegende

Freskenmedaillons mit der Josephs- und Antoniuslegende

Der Kapellenraum, laut einer Kartusche aus Rotmarmor, zu Ehren von „SS. JOSEPHI ET ANTONI DE PAD:“[17]geweiht, weist am „Gewölbe Freskomedaillons der Josephs- und der Antoniuslegende“[18] auf.

Das Wappen der Familie Preysing

„Am Gewölbescheitel Wappen der Preysing.“[3]

Programm und Synthese

Die Heiligen Joseph und Antonius als Schutzpatrone der Familie Preysing

Eine differenzierte Aussage über den Gehalt der Deckenbilder ist an dieser Stelle nicht möglich.[19] Dennoch lässt sich eine generalisierende Vermutung über die Wahl der dargestellten Themen anstellen.

Ausgangspunkt des ikonographischen Vorschlages ist das Wappen der Familie Preysing in der Kapelle, das an prominentester Stelle, am Gewölbescheitel des Stammschlosses Kronwinkl, angebracht ist. Zieht man in die hier angestellten Überlegungen die beiden Heiligen Joseph und Antonius, denen zu Ehren die Burgkapelle gewidmet ist, mit ein, eröffnet sich ein breites Spektrum an Hilfsleistungen, die man als Schutz sowohl in mißlichen Lebenslagen wie auch als Unterstützung im familiären Bereich erflehen kann.

Joseph von Nazareth, der auf der Widmungstafel von 1679 zuerst genannte Heilige, würde in solch einem Zusammenhang als Nährvater von Christus ein ideales Vorbild für das jeweilige Preysingsche Familienoberhaupt abgeben. Joseph, dessen aufmerksames und folgsames Behüten und Sorgen um seinen Sohn ihn im Laufe der Zeit zum Schutzheiligen „der Ehe und Familie, der Erzieher, der Kinder“[20] werden ließ, konnte generell als ein nachahmenswertes Vorbild fungieren.

Eine ideale Ergänzung hierzu bot Antonius von Padua, der ebenfalls als „Patron der Liebe, der Ehe u[nd] Entbindung“[21] galt und damit wesentliche Bestandteile eines familiär geführten Lebens behütete. Doch damit waren seine Hilfs- und Schutzmöglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft. „Der hl. Antonius kann aus ganz unterschiedlichen Gründen angerufen werden: dreizehn Hilfeleistungen werden von ihm erbeten, die die ,Privilegien‘ des hl. Antonius genannt werden, darunter bei Krankheit und Tod [...] zur Wiedergewinnung verlorener Dinge und Gliedmaßen, als Hilfe bei Irrtum, Elend, Gefangenschaft und in Seenot.“[22]

Diese Hilfsangebote des Paduaner Heiligen kombiniert mit den exemplarischen Familientugenden des biblischen Nähr- und Ziehvaters Joseph könnten tatsächlich eine ausschlaggebende Rolle bei der Themenwahl gespielt haben, denn die Verehrung des Antonius hatte just „in Deutschland im 17. Jahrhundert einen großen Aufschwung“ genommen als man sich zeitgleich (um 1670) in Kronwinkl erstmals Gedanken über die thematische Ausgestaltung der Kapelle machte.

Bibliographie

  • Brix, Niederbayern, 2008 ─ Brix, Michael: Bayern II. Niederbayern (Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern II. Niederbayern), München/Berlin 2008.
  • Eckhardt, Kunstdenkmäler, 1914 ─ Eckhardt, Anton: Die Kunstdenkmäler von Niederbayern. Heft II: Bezirksamt Landshut, München 1914.
  • Fink, Kronwinkl, 1974 ─ Fink, Wilhelm: Kronwinkl, in: Bosl, Karl (Hg.): Bayern (Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Band 7), Stuttgart 1974, S. 377–378.
  • Hardick, Antonius, Band 1, 1986 ─ Hardick, Lothar: Antonius von Padua, in: Höfer, Josef/Rahner, Karl (Hgg.): Lexikon für Theologie und Kirche, Band 1, Freiburg 1986, Spalte 673–674.
  • Kaster, Joseph, Band 7, 1994 ─ Kaster, Gabriele: Joseph von Nazareth, in: Braunfels, Wolfgang (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 7, Rom/Freiburg/Basel/Wien 1994, Spalte 210–221.
  • Knödl, Kronwinkl, 2006 ─ Knödl, Christian: Kronwinkl, in: Körner, Hans-Michael/Schmid, Alois (Hgg.): Bayern I. Altbayern und Schwaben (Handbuch der Historischen Stätten), Stuttgart 2006, S. 410.
  • Ksoll-Marcon/Kellner, Preysing, 2001 ─ Ksoll-Marcon, Margit/Kellner, Stephan: Preysing, in: Historische Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Neue deutsche Biographie, Band 20, Berlin 2001, S. 713–715.
  • Maresch, Schlösser, 2009 ─ Maresch, Hans und Doris: Bayerns Schlösser und Burgen. Ober- und Niederbayern, Schwaben und die Oberpfalz, Husum 2009.
  • Pongratz, Adel, 2013 ─ Pongratz, Stefan: Adel und Alltag am Münchner Hof. Die Schreibkalender des Grafen Johann Maximilian IV. Emanuel von Preysing-Hohenaschau (1687–1764) (Münchner Historische Studien. Abteilung Bayerische Geschichte, Band XXI), Kallmünz 2013.
  • Weithmann, Burgen, 2013 ─ Weithmann, Michael: Burgen und Schlösser in Niederbayern. Führer zu Burgen und Schlösser im Bayerwald, zwischen Donau, Inn und unterem Inntal, Straubing 2013.

Einzelnachweise

  1. Hofmark 1, 84174 Eching-Kronwinkl: Denkmal-Nummer: D-2-74-124-14.
  2. Maresch, Schlösser, 2009, S. 133.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Eckhardt, Kunstdenkmäler, 1914, S. 153.
  4. 4,0 4,1 Weithmann, Burgen, 2013, S. 105.
  5. Dreyer, Bruckberg (www.deckenmalerei.eu).
  6. Knödl, Kronwinkl, 2006, S. 410; siehe auch: Pongratz, Adel, 2013, S. 52–56.
  7. Eckhardt, Kunstdenkmäler, 1914, S. 148; siehe auch: Pongratz, Adel, 2013, S. 54.
  8. Ksoll-Marcon/Kellner, Preysing, 2001, S. 714.
  9. Knödl, Kronwinkl, 2006, S. 410.
  10. Eckhardt, Kunstdenkmäler, 1914, S. 148–149.
  11. Eckhardt, Kunstdenkmäler, 1914, S. 149.
  12. Ksoll-Marcon/Kellner, Preysing, 2001, S. 713.
  13. Ksoll-Marcon/Kellner, Preysing, 2001, S. 713; siehe auch: Pongratz, Adel, 2013, S. 95.
  14. Fink, Kronwinkl, 1974, S. 377.
  15. 15,0 15,1 Eckhardt, Kunstdenkmäler, 1914, S. 148.
  16. Nach Fig. 121 in: Eckhardt, Kunstdenkmäler, 1914, S. 151.
  17. Eckhardt, Kunstdenkmäler, 1914, S. 153
  18. Brix, Niederbayern, 2008, S. 266.
  19. Die Burgkapelle war nicht zu besichtigen.
  20. Kaster, Joseph, Band 7, 1994, Spalte 212.
  21. Hardick, Antonius, Band 1, 1986, Spalte 674.
  22. Bauer/Büttner/Rupprecht, Corpus, Band 10, 2005, S. 38.