Kreuzberg, Kapelle Hl. Kreuz
Kapelle, Gemeinde und Pfarrei Steingaden, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung der Klosterpfarrei und Herrschaft Steingaden zugehörig
Patrozinium: Hl. Kreuz
Zum Bauwerk: Die Kapelle wurde 1564 unter Abt Joachim Wiedemann als Pestkapelle errichtet. Sie wurde unter den Äbten Magnus Pracht (1715-29) und Hyazinth Gaßner (1729-45) erweitert und ausgestattet. Die Wappen beider Äbte, kombiniert mit dem Klosterwappen, befinden sich am Chorbogen. - Dreiachsiger Saalbau mit eingezogenem quadratischem Altarraum; im W Doppelempore
Autor und Entstehungszeit: KDB, Feulner und Mayer Pfannholz sehen in den unsignierten Fresken die frühesten Arbeiten von Johann Zick und datieren sie nach dem von Zick signierten Hochaltarbild 1734. Die Fresken von Kreuzberg weisen jedoch keinerlei Ähnlichkeit mit den für Zick gesicherten Deckenbildern auf. Das Fehlen einer illusionistischen Perspektivkonstruktion in den Deckenbildern Kreuzbergs spricht vor allem gegen die Autorschaft Zicks. In Kreuzberg sind die Fresken einansichtige, tafelbildmäßig, die Komposition symmetrisch und in Schichten übereinander aufgebaut. Architekturillusionen fehlen; Verkürzung und Untersicht sind kaum angewandt. Diese Merkmale erinnern vielmehr an die Fresken von Johann Heel in Hohenfurch, Bernbeuren und Kirnberg, die den gleichen Bildaufbau zeigen. Der Figurentypus der Kirchberger nannten Werken Heels. Kriterium für die Zuschreibung an Heel ist die Tatsache, daß sich in der von Heel 1727 freskierten Pfarrkirche in Roßhaupten (Schw., LKr. Ostallgäu) in der Hohlkehle die Medaillons der zwölf Apostel befinden, die mit denen von Kreuzberg genau übereinstimmen. Als Entstehungszeit kommen die Jahre der Ausstattungszeit – die 30er Jahre des 18. Jh. in Frage.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Flachdecke über Hohlkehle B Flachkuppel über Pendentifs mit Mittelspiegel Rahmen: A, A1-12, Aa-b Stuckprofil, von Laubwerk umwunden, B, B1–4, Ba-b Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 10,20 m; 8,70 × 5,50 B Höhe 10,00 m; Ø 3,10
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen nicht bekannt. A zeigt Risse und Abblätterungen. In B Risse und starke Feuchtigkeitsschäden, die rechte Bildhälfte ist erneuert
Beschreibung
A SCHLACHT AUF DEM LECHFELD Einansichtige Szene; geringe Untersicht. Das längsovale Deckenbild ist in der Mitte durch eine horizontale Kompositionslinie in irdische und himmlische Zonen geteilt. Die östliche Bildhälfte wird von der Bodenzone eingenommen, auf der sich in drei übereinanderliegenden Streifen die Schlacht auf dem Lechfeld entwickelt. Im östlichsten Streifen kämpfen in einem dichten Getümmel von Reitern und Pferden die Christen, mit Lanzen bewehrte Ritter in voller Rüstung gegen die Ungarn, die durch Zipfelmützen und Stoffkittel in leuchtenden Farben und durch ihre Waffen – Säbel, Pfeil und Bogen – charakterisiert sind. Im darüberliegenden Streifen reitet in der Mitte einer die Ungarn vor sich hertreibenden Truppe Kaiser Otto und wendet sich dem dicht hinter ihm reitenden Bischof Ulrich zu. In dem nachfolgenden Zug wird die römische Standarte mit den Initialen SPQR getragen, begleitet von einem Posaunenbläser, an dessen Instrument ein Wimpel mit dem Namen OTTO befestigt ist; im Gefolge Musikanten, Trommler und Bannerträger. Im Hintergrund wird in einem dritten Streifen vor der Silhouette der vieltürmigen Stadt Augsburg nochmals das Aufeinanderprallen der feindlichen Heere geschildert.


Das westliche, in der Gesamtwirkung wesentlich hellere Bildfeld ist von Engeln und Putti erfüllt. Mitten über dem Schlachtengetümmel schwebt ein Engel und zeigt dem emporblickenden Bischof Ulrich ein Kreuz. An seiner Posaune flattert ein Schriftband mit der Aufschrift: IN HOC SIGNO / VINCES. Zu Seiten des Engels, symmetrisch auf einer Wolkenbank angeordnet, künden Engel von Sieg und Niederlage: links schleudert ein geharnischter Engel – Michael? – ein Flammenbündel gegen die flüchtenden Ungarn, auf der rechten Seite halten Engel Posaune und Siegeslorbeer über die siegreichen Christen. Jenseits dieser Himmelsszene, die zwischen irdischem und himmlischem Bereich vermittelt, thront Christus neben der von Putti gestützten Weltkugel. Ihm gegenüber richtet eine Schar von Putti das Kreuz Christi auf. Streifenförmiger Bildaufbau, flächenparallele Bewegung und mangelnde Überschneidung wirken sich für die Komposition eines Deckenbildes ungünstig aus. Die Ausführung zeigt dagegen eine flüssige und im Detail (Pferde, Gewänder) reizvolle Malweise. Farblich sind kontrastvolle Lokalfarben wie das Blau in den Kitteln der Ungarn, Rostrot bis Rosa in den Gewändern und Tüchern, Braun bis Goldgelb in den Pferdeleibern und Gewändern vor einen zartfarbenen Hintergrund gesetzt, für den im irdischen Bereich ein helles Grün und im himmlischen ein blasses Gelb gewählt wurde.
A1-12 Querovale Medaillons mit den Halbfiguren der Apostel A1 Petrus mit Schlüssel und Paulus mit Buch und Schwert A2 Jakobus Major mit Pilgerstab und -muschel, Flasche und Buch A3 Thomas mit Lanze, die Hand nach einem verwundeten Herz Jesu mit dem IHS ausgestreckt A4 Philippus mit Kreuzstock A5 Matthias mit Buch und Hellebarde A6 Judas Thaddäus mit Keule A7 Matthäus mit Buch A8 Simon mit Säge A9 Bartholomäus mit Messer und geschundener Haut A10 Jakobus Minor mit Wollbogen A11 Johannes mit Kelch und Schlange A12 Andreas mit sog. Andreaskreuz


Aa Christus als Salvator mit Weltkugel und Kreuz Ab Maria mit Sternenkranz












KREUZESPROBE Eine kreisrunde Bildform. Über einem schmalen Bodenstreifen umringen die hl. Helena, Bischof Makarios und ihr Gefolge die drei aufgefundenen Kreuze. Neu ergänzt sind die Figuren des Makarios, seiner Ministranten, des Mönchs hinter ihm und die im Vordergrund in einer Grube steckende Rückenfigur mit der Inschrifttafel IESUS NAZARENUS / REX IUDEORUM, ferner die gekrönte Frauengestalt neben Makarios, deren Dienerin sowie der Kopf der Kranken. Der Restaurator hat mit der gekrönten Frau die hl. Helena irrtümlich zum zweitenmal dargestellt. Im noch erhaltenen originalen Teil kniet diese, mit Krone und Hermelin ausgezeichnet, im Viertelprofil wiedergegeben, am linken Bildrand. Hinter ihr ein Mohren- und ein Mädchengesicht, darüber eine beschädigte Götzenstatue. Die Kaiserin blickt mit erstaunter Gebärde auf das Kreuz, das eine Frau vor ihr emporrichtet. Vor dem Kreuz liegt eine von einer Gefährtin gestützte Kranke (dem Körperbau nach ursprünglich vielleicht auch ein Mann – der Legende nach ist beides möglich), die sich über ein weiteres Kreuz lehnt, um das wahre Kreuz Christi zu erproben. Das dritte Kreuz ist neben dem Götzenbild dargestellt.
Die stark flächige Komposition erzeugt weder Höhen- noch Tiefenillusion. Die farbliche Wirkung ist die gleiche wie in A, doch tritt hier als Akzent das Blau des Himmels stärker hervor.
B1-4 Vier Heilige in Ganzfigur mit ihren Attributen, deren Patronate gegen Pest und Viehseuche auf die Gründung der Kapelle als Pestkapelle Bezug nehmen. B1 SEBASTIAN von Pfeilen durchbohrt, mit Martyrerpalme B2 ROCHUS mit Pilgerstab und Pilgermuschel, auf seine Pestbeule am Bein weisend, daneben Hund mit Brot im Maul, der ihn während seiner Krankheit versorgte B3 ISIDOR mit Pilgertasche, Hirtenschippe, Pferd und Kuh. Patron des Bauernstandes B4 WENDELIN in Hirtentracht, mit einem Schaf. Die Krone tritt er mit Füßen – Anspielung auf die ausgeschlagene Königskrone, der er ein Leben in der Einsamkeit vorzog
Ba-b Heilige in Ganzfigur in den querovalen Oratoriumsfresken Ba GEORG mit dem Drachen Bb ADRIAN mit abgehauenen Füßen und rechter Hand, mit dem Beil als Attribut. Martyrerpalme und -kranz zeichnen ihn als den Martyrer aus, dem unter der diokletianischen Verfolgung die Füße auf einem Amboß und die Hand abgeschlagen wurden.










Ergänzungen zur Ikonographie: Die Bildthematik bezieht sich auf das Patrozinium der Kirche, das heilige Kreuz. In B wird eine Szene aus der zuerst von Ambrosius aufgezeichneten Geschichte der Kreuzauffindung geschildert, nach der die hl. Helena unter den drei in Jerusalem aufgefundenen Kreuzen das Kreuz Christi durch die Wunderheilung eines Kranken identifizierte (Ribadeneira-Hornig Bd 1, 3.5., S. 678 f.; LCI Bd 2, Sp. 642-48). Das Hochaltarbild darunter zeigt die Verehrung des Hl. Kreuzes durch die vier Erdteile. In A ist die historische Schlacht auf dem Lechfeld dargestellt, in der Kaiser Otto I. 955 über die ungläubigen Ungarn siegte. In dieser Schlacht soll Bischof Ulrich das Kreuz und die Siegesvoraussage zuteil geworden sein. Das Siegeskreuz des Engels hat die Form des in Augsburg als Reliquie verehrten sog. Ulrichskreuzes. Der Name OTTO auf dem Posaunenwimpel sowie die topographisch detaillierte Silhouette der Stadt Augsburg kennzeichnen den historischen Schauplatz. Gleichzeitig deuten die römische Standarte und die Bildinschrift IN HOC / SIGNO / VINCES auf die Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahre 312 hin, die im heilsgeschichtlichen Sinn als Vorbild und Legitimation der Ungarnschlacht angesehen wird. Die historisierende Darstellung der Ungarn, welche in den Schlachtberichten des 18. Jh. meist als Hunnen bezeichnet werden, weist türkische Motive, Halbmond in Fahne und Säbel, auf (vgl. Romano Kistler, Basilica ... St. Ulrich und Afra in Augsburg ..., Augsburg 1712, S. 15, Kupferstich und Schlachtbericht).
Quellen und Literatur
KDB I OB (1), S. 586 Feulner, Adolf, Die Zick, in: Jahrbuch des Vereins für Christliche Kunst 5, 1921, S. 15 f. Mayer-Pfannholz, Anton, Kreuzberg bei Steingaden, in: Weilheimer Sonntagsblatt 9, 1932, Nr. 6. Hofmann, Sigfrid, Stift Steingaden 1147-1803, Steingaden 1947, S. 27, 33, 74. Pfarrkirche, Gemeinde und Pfarrei Eglfing, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung (seit 1616) hatte das Augustinerchorherrenstift Bernried das Ernennungsrecht mit Vorbehalt des Präsentationsrechtes vom Kurfürsten, Gericht Weilheim