Kleinhöhenrain, Filialkirche St. Bartholomäus
Filialkirche, Pfarrei Großhöhenrain, Gemeinde Feldkirchen Westerham, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Kirchdorf am Haunpold, auf die die Benediktinerabtei Rott am Inn das Präsentationsrecht hatte (seit 1258). Kleinhöhenrain gehörte zur Hofmark Höhenrain, die bis 1738 Johann Georg Messerer gehörte und über seine Witwe († 1742) an Anton Kern kam, der ihr Sohn aus erster Ehe war. Zum Bartholomäus-Brünndl bei der Kirche bestand eine Wallfahrt. Gericht Aibling
Patrozinium: St. Bartholomäus
Zum Bauwerk: Mittelalterlicher Bau, LHs um 1200 (KDB), Chor später. Ein Weihedatum 1560 ist überliefert (Pfarrarchiv Großhöhenrain). 1645 Neubau der Sakristei. Neuer Seitenaltar St. Georg 1646, neuer Hochaltar St. Bartholomäus 1649 (Kirchenrechnungen 1646 und 1649). Die beiden Altäre sind Werke des Höhenkirchener Kistlers Augustin Stromayr, gefaßt vom Wirt und Maler Melchior Hofer in Höhenrain (tätig 1640/50). 1741/42 Baureparatur nach Brand mit neuem Dachstuhl und Veränderungen an den Fenstern (drei neue große und zwei einfache Fensterstöcke). Schmidt 1749: »Ecclesiae huius fabrica communis est notae«. Bauliche Veränderungen und Auszierung der kleinen Kirche 1784/85 wohl im Zusammenhang mit der Wallfahrt zum Bartholomäus-Brünndl: Verlängerung des Langhauses nach Westen, Abschlagen der Gewölberippen und Ausbrechen eines Fensters. Neues Pflaster; neues Gestühl von Kistler Joseph Siegel aus Kleinhöhenrain. 1784 lieferte der Aiblinger Bildhauer Joseph Götsch die schöne kleine Rokokokanzel und 1785 das reich verzierte Herrschaftsoratorium und einen Beichtstuhl (Fassung Kaspar Weidinger aus Vagen). Inschrift am Chorbogen DIVVS BARTHOLOMAEVS CONSOLATOR POPVLI VNIVERSI ORBIS (= 1785), und im hinteren Gurtbogen
Der heilige Bartholomaeus ein (re)icher VergeLter eines wahren Vertrauens (= 1785).
Kleine Kirche, an einem steilen Hang gelegen. Einfacher, langgestreckter Saal zu drei Jochen (vor 1785) und einem langen westlichen Vorjoch (1785) mit tiefer Empore. Kein Stuck Gliederung durch unten abgefaste Dienste, 1785 zu Pilastern umgestaltet. Unregelmäßige Belichtung durch je drei Fenster im N und S. Nicht eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Pilastergliederung, Belichtung durch ein Fenster im S und zwei in den Schlußschrägen. Oratorium an der Nordseite
Auftraggeber: Die Ausmalung wurde aus dem Kirchenvermögen bezahlt, das verhältnismäßig groß war. Pfarrvikar von Kirchdorf am Haunpold war Johann Nepomuk Mach (1783–1810), der Benefiziat von Kirchdorf, damals Erhard Angermiller, war Kooperator in Höhenrain. Besitzer der Hofmark Höhenrain war 1785 Kajetan Edler von Kern. Sein Wappen befindet sich gemalt unter dem Herrschafts-Oratorium.
Autor und Entstehungszeit: Johann Kaspar Weidinger (* 1737/38 Ort unbekannt † 1827 Vagen) 1785. Signatur in B auf den Stufen links Johan Caspar Weidinger Pinx. 1785. »Vermög Hochgnädigst Herrschaftl. Rativication ist mi Endts gesezten die von den Würd. S: Batholomei Gottshauf vor Fassung und Ausmahlung dess selben gemäs pactirter Uberschlag die Dreyhundert und Vierzig Gulden richtig bezalt worden, welches mit meiner eigenen Hand unterschreibe den 18. Sept. 1785 Caspar Weidtinger Mahler in Fagn« (Pfarrarchiv Großhöhenrain).
Johann Kaspar Weidinger, von dessen Herkunft und Ausbildung nichts bekannt ist, heiratete in den 60er Jahren Maria Magdalena Grass († 6.4. 1818), die Tochter des Miesbacher Malers Johann Michael Grass (Geburt eines Kindes in Mies-


Weidinger machte sich 1768/69 als Maler in der Hofmark Vagen ansässig, wo ihm 1769-79 weitere sechs Kinder geboren wurden. Weidinger freskierte 1787 die Kirche in Sachsenkam (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen, CBD Bd 2, S. 229-33). Aufgrund der Fresken in Kleinhöhenrain können ihm die beiden Altarbilder der hinteren Seitenaltäre in Berbling (S. 100) zugewiesen werden.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A und B) und AR (C) Tonne mit Stichkappen
Rahmen: A gemalte Stuckprofilrahmung; B und C gemalte Rahmung, die ein reich ornamentiertes und vergoldetes Stuckprofil imitiert
Technik: Fresko; sämtliche Deckenbilder sind polychrom
Maße: A Höhe 5,60 m; 2,35 × 1,60
B Höhe 5,60 m; 5,25 × 2,45
C Höhe 5,60 m; 2,65 × 2,10
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Als Restaurierungsdaten sind im Pfarrarchiv Großhöhenrain 1927 und 1943 überliefert. 1942/43 wurde die Kirche getüncht und der Hochaltar von Georg Hilz aus Aibling restauriert. Bei dieser Gelegenheit wurden wohl auch die Fresken gereinigt. Wasserschäden hat es in der Kirche offenbar nicht gegeben. Seit 1996 ist eine Innenrestaurierung im Gespräch, wurde aber noch nicht gemacht.
Beschreibung und Ikonographie
Das langgestreckte, niedrige Gewölbe ist außer den Fresken nicht dekoriert, nur an den Gurtbogen und in den Stichkappen findet sich schlichte ornamentale Bemalung.
A HÖHENRAIN UNTER GOTTLICHEM SCHUTZ Ansicht nach W. In Wolken erscheint das Auge Gottes und sendet seine Strahlen auf eine bäuerliche Landschaft, in der die Pfarrkirche von Großhöhenrain, die Filialkirche in Kleinhöhenrain und ganz rechts das Schloß Höhenrain mit umgebenden Feldern, Wiesen und Bauernhöfen zu sehen sind.
B TEUFELSAUSTREIBUNG DURCH DEN HL. BARTHOLOMAUS Das extrem langgestreckte Bild gibt in seiner oberen Hälfte Einblick in einen hohen überkuppelten Zentralraum mit Arkadenwand und säulenbesetztem Tambour, der mit Untersichten und Verkürzungen gekonnt konstruiert ist. Das Bildgeschehen spielt jedoch in der unteren Bildhälfte, auf Stufen im Vordergrund, die steil zu diesem Tempelraum emporführen und eine seichte Bühne bilden, auf der die Figuren gedrängt agieren. Auf der obersten Treppenstufe steht auf einem säulengetragenen Sockel das Standbild eines heidnischen Gottes, ähnlich einem antiken Kaiserbild. Um diese Statue drängen sich Arbeiter, die mit Hammer und Seilen versuchen, das Bild zu stürzen.
Rechts im Vordergrund steht auf den Stufen vor einem der jäh ansteigenden Sockel, die das Bild in diesem Bereich seitlich begrenzen, der Apostel Bartholomäus. Er ist bärtig; Strahlen umgeben sein Haupt. Er weist zum Himmel und blickt auf ein kleines mohrenschwarzes Teufelchen im Vordergrund nieder, das, in Ketten gelegt und Feuer spuckend, das Weite sucht. Auf der anderen Bildseite, dem Apostel gegenüber, drängen sich ein König und eine Königin, Begleiter und Soldaten und sehen staunend auf das Wunder. Zwei Männer haben sich vor Bartholomäus zu Boden geworfen. In den Kuppelraum sind Wolken eingedrungen. Vor ihnen schwebt ein Engel und schreibt Kreuze an die Felder des Tambours.
Diese Geschichte aus dem Leben des Kirchenpatrons Bartholomäus wird in der Legenda Aurea beschrieben (LA Benz S. 625–28). Als Bartholomäus in Indien predigte, kam er in ein Land, in dem ein Tempel der Göttin Astaroth stand, an deren wunderbare Heilkraft die Menschen glaubten. König Polimius, der in dieser Gegend herrschte, versprach, sich taufen zu lassen, wenn der Apostel ihm die Göttin mit Ketten gebunden zeigen könne. Da begann das Kultbild zu klagen, es sei von dem Engel Jesu Christi mit Ketten gebunden worden; als man daraufhin versuchte, mit Seilen das Bild zu stürzen, vermochte man es nicht.
»Da gebot Sanct Bartholomäus dem Teufel, daß er aus dem Bild fahre und selber das Bild zerstöre. Da fuhr der Teufel aus und zerbrach die Bilder alle, die in dem Tempel waren. Darnach heilte der Apostel durch sein Gebet alle die Kranken, die da waren, und weihte den Tempel Gott; dem Teufel aber gebot er in die Wüste zu fahren. Da sah man den Engel des Herrn herabkommen, der umflog den Tempel,zeichnete mit seinem Finger das Zeichen des Kreuzes in alle vier Ecken des Tempels...«
Der König und die Königin ließen sich mit ihrem ganzen Volke taufen.
Die Szene ist bunt und prächtig, Architektur, Schmuck und Gewänder sind mit liebevoller Freude am Detail wiedergegeben. Besonders reizvoll ist die Darstellung der Zentralraumarchitektur. Zwar steht sie mit der eigentlichen Szene in keinem logischen räumlichen Zusammenhang, ist aber in sich stimmig konstruiert, durchlichtet, das Untergeschoß ist mit Arkadenbögen geöffnet, sodaß der helle Himmel mit rosigen Wolken durchscheint. Auch die obere Tambourpartie ist zum Himmel geöffnet. Farblich ist die Architekturdarstellung mit ihrem hellen Grau, den zartrosa Wolken und dem Himmelsblau von großer Delikatesse und steht in Gegensatz zu der kräftigen, kleinteiligen Buntfarbigkeit in der Figurendarstellung.



C BARTHOLOMÄUS BEFREIT DIE KÖNIGSTOCHTER VOM BÖSEN GEIST Eine reiche Architektur mit Säulen, Gebälken, Gewölben, Balustraden, Statuen und Draußen


Perien bildet den Schauplatz der Szene und schließt sie nach hinten ab. Dadurch entsteht ein seichter Bühnenraum, in dem die Figuren reliefhaft gedrängt agieren. Den Boden des Bildraums bilden Treppen, die nach oben führen. Im Bildzentrum steht der hl. Bartholomäus, der ein Buch trägt, mit segnend erhobener Hand. Hinter ihm stehen König und Königin mit zwei Begleitpersonen. Dem Apostel gegenüber sitzt auf einem reichen Thronsessel die Königstochter; zwei Diener, die hinter ihr stehen, befreien sie von den Ketten, mit denen sie gebunden war, während aus ihrem Mund in einer Rauchwolke ein kleines Teufelchen entweicht.
Diese Szene geht in der Legende des hl. Bartholomäus der Szene in B voran. Als Bartholomäus in Indien einen Menschen vom bösen Geist befreit hatte, ließ König Polimius ihn zu sich rufen, denn des Königs Tochter war mondsüchtig. Polimius bat den Apostel, daß er sie heile.
»Bartholomäus kam und sah die Jungfrau mit Ketten gebunden, weil sie alle mit ihren Bissen zerfleischte, die ihr nahten. Da gebot er, daß man sie losbinde; doch da die Diener nicht wagten, zu ihr zu gehen, sprach er: Ich halte den Geist schon in Banden, der in ihr war, darum fürchtet euch nicht. Da band man sie los und alsbald war sie geheilt.«
»Bartholomäus kam und sah die Jungfrau mit Ketten gebunden, weil sie alle mit ihren Bissen zerfleischte, die ihr nahten. Da gebot er, daß man sie losbinde; doch da die Diener nicht wagten, zu ihr zu gehen, sprach er: Ich halte den Geist schon in Banden, der in ihr war, darum fürchtet euch nicht. Da band man sie los und alsbald war sie geheilt.«
Die ganze Darstellung, in der Architektur sowohl als auch in den Figuren und ihren Gewändern, zeigt prächtige Details und reichen Schmuck. Gold und Perlen, Stickerei und Ornament sind in naiver Freude am Verzieren dargestellt. Der Eindruck von Schmuck und Reichtum stellt sich auch bei einfachen Gewändern (wie etwa dem des hl. Bartholomäus) ein, denn diese sind gefältelt, bewegt und in viele kleine, unruhige Farbflecken aufgelöst. Auch Gesten, Bewegungen und Blickrichtungen gehen unruhig durcheinander und geben diesem Bild wie auch dem Fresko B den Charakter von gedrängter Fülle, gepaart mit spielerischer und betulicher Freude am Detail.
Die Apostelreihe an der Emporenbrüstung, in Öl auf Leinwand gemalt, ist von einem unbekannten Maler und offensichtlich früher als die Freskierung. Es sind dargestellt vor links nach rechts: Judas Thaddäus mit der Keule, Simon mit der Säge, Jakobus der Jüngere mit dem Walkerbogen, Johannes mit dem Becher, um den sich die Giftschlange ringelt, Bartholomäus mit dem Messer und der Haut, Petrus mit dem Schlüssel, Paulus mit dem Schwert, Andreas mit dem Andreaskreuz, Jakobus der Ältere in Pilgertracht mit dem Stab, Philippus mit dem Kreuzstab, Matthias mit dem Beil und Thomas mit der Lanze.
Quellen und Literatur
BHStA, GL Aibling, Fasz. 108 Nr. 86/1 und 2: Pfarrei Kirchdorf am Haunpold; Hofmark Höhenrain.
StAM, LRA 119040: Altarrestaurierung 1914.
AEM, Pfarrakten Kirchdorf am Haunpold, Pfarrbeschreibung; Bauten II: Restaurierungen; Filiale Kleinhöhenrain 1740–1787: Baureparatur 1741, Dekoration 1785, Hofmarksherr Kern.
Pfarrarchiv Großhöhenrain, Kirchenrechnungen: »Außgaben bey denen Lobwürdigen Gotteshäusern in der Adelich von Kernischen Hofmark Hechenrain«, 1783/84/85; Kirchenrechnungs Verificationes pro ao. 1785; Manuskript von Georg Schnellbögl, Die Chronik von Hohenrain; Beschreibung der Kirche Kleinhöhenrain.
BLfD, Akt Kleinhöhenrain, Kirche St. Bartholomäus
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 27
Wiedemann, Theodor, Geschichte der Pfarrei Kirchdorf- Haunpold, in: OAVG 7, 1846, S. 238–80. Kleinhöhenrain S. 263–65.
Wiedemann, Theodor, Geschichte der Hofmark Höhenrain, in: OAVG 8, 1847, S. 145–97.
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 65.
KDB I OB (2), S. 1629
Bauer, Anton, Die Wallfahrten und Gnadenbilder im Gebiet des alten Dekanats Aibling, in: Der Mangfallgau 2, 1957, S. 62–69. Kleinhöhenrain S. 68.
Historischer Atlas I, Bd 17, Landgericht Aibling und Reichsgrafschaft Hohenwaldeck (Franz Andrelang), München 1967, S. 211–15.
Unger, Adelheid, Joseph Götsch. Ein bayerischer Bildhauer des Rokoko aus Tirol, Weißenhorn 1972, S. 67.
Dehio 1990, S. 543.
A. B.