Kirchhellen Feldhausen, Haus Beck
Inventarnummer: cbdd10348
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Schloss Beck birgt wenige translozierte Wandmalereien aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts: einen Jahreszeitenzyklus und mehrere Supraporten.

Haus Beck
Kurzbeschreibung und Lage
Haus Beck[1] steht im Osten der Ortschaft Feldhausen. Die noch immer von Graben umschlossene, symmetrische offene Dreiflügelanlage öffnet sich nach Westen in Richtung Ortschaft. Sie ist in einem großen Garten gelegen, der heute als Freizeitpark genutzt wird.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Haus Beck geht auf eine Wasserburg des 15. Jahrhunderts zurück. Die heutige Anlage entstand von 1766 bis 1771 für Friedrich Florenz Raban von der Wenge nach Plänen von Johann Conrad Schlaun. Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte Haus Beck an ein Bergbauunternehmen. Das Haus verfiel zunehmend. 1966 kam es an Karl Kuchenbecker, der an der Stelle des Speisezimmers einen Bunker einbaute, darüber hinaus aber die Anlage restaurieren ließ und im Park einen Familienfreizeitpark etablierte. 1981-83 wurde das Haupthaus in Stand gesetzt.
Auftraggeber
Der Auftraggeber Friedrich Florenz Johann Theodor Raban Freiherr von der Wenge (1702-1775)[2] war ein hochrangiger Militär in kurkölnischen, kaiserlichen und vor allem münsterschen Diensten sowie Gouverneur von Münster.
Architekten, Künstler
Architekt von Haus Beck war Johann Conrad Schlaun,[3] der bedeutendste Architekt Westfalens im 18. Jahrhundert. Er war Militär in den Fürstbistümern Paderborn und Münster und wurde 1729 Landbauingenieur in Münster. Als General der münsterschen Artillerie war er seinem Auftraggeber von der Wenge direkt unterstellt. Neben staatlichen Bauaufgaben wie dem Jagdschloss Clemenswerth schuf er zahlreiche Adelsbauten in Paderborn und Münster wie den Erbdrostenhof, aber auch Sakralbauten wie das Benediktinerkloster in Bad Iburg.
Beschreibung
Das verputzte Hauptgebäude mit Werksteingliederung erhebt sich mit zwei Geschossen über einem hohen Sockelgeschoss. Es misst neun auf fünf Achsen und ist mit einem hohen Mansardwalmdach gedeckt. Der Bau ist schlicht gestaltet und wird nur durch umfassende Lisenen gegliedert. Die Eingangs- und Gartenseite sind durch dreiachsige dreiseitig vortretende Mittelrisalite mit gequaderten Doppellisenen ausgezeichnet. Das Haus wird über eine zentrale zweiarmige Freitreppe erschlossen.
Die innere Struktur des Hauses entspricht noch der des 18. Jahrhunderts. Man betritt ein rundes Vestibül, auf das zum Garten hin ein längsovaler Saal folgt. Zu beiden Seiten gibt es je ein Appartement double. Links des Vestibüls liegt das Treppenhaus, rechts das Speisezimmer. Das Obergeschoss ist nahezu identisch aufgeteilt. Der Grundriss entspricht in weiten Teilen dem einer französischen Petite Maison bzw. einer Maison de Plaisance.
Der Gartensaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Gartensaal[4] stammt aus der Erbauungszeit und wurde 1989 bis 1991 restauriert.
Beschreibung
Der längsovale Raum wird vom Vestibül aus im Westen betreten und öffnet sich mit drei Fenstern im Risalit zum Garten. Sie finden ihre Pendants in der Eingangstür und zwei seitlichen Kaminen. An der Gartenseite erschließen Türen die angrenzenden Zimmer in Enfilade.
Die Deckenmalerei sowie die translozierten Supraporten im Gartensaal
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die erhaltene Malerei[4] im Raum stammt aus der Erbauungszeit. Sie wurde 1989-91 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Deckenmalerei imitiert in der Kehle einen umlaufenden Fries von Felderungen mit Ornamenten und Medaillons. Den weißen Deckenspiegel schmückt darüber hinaus lediglich ein zentrales Medaillon, an dem weitere zu hängen scheinen.
Die Wände zeigen keine Wandmalerei. Über den Türen und den Kaminen befinden sich gerahmte Ansichten italienischer Landschaften. Ihr ursprünglicher Standort ist unbekannt. Bei den Darstellungen antiker Ruinen in Grisaillemalerei über den Kaminen handelt es sich um ehemalige Supraporte. Ihr ehemaliger Anbringungsort ist ebenfalls unbekannt.
Das ehemalige Speisezimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das ehemalige Speisezimmer[5] ist durch den Einbau eines Betonbunkers zerstört.
Beschreibung
Es handelte sich um einen annähernd quadratischen Raum, der direkt südlich an das Vestibül anschloss und durch zwei Fenster einen Blick in den Hof erlaubte. Die Tür im Norden erschloss den Raum, eine weitere befand sich in der Mitte der Ostwand. Die Südwand besaß zwei Türen: eine gegenüber der Eingangstür als Zugang zur Kapelle und als Pendant eine Tür zu einem Degagement. In der Nordostecke stand ein Kamin. Fotografien von 1966/67 zeigen einen Raum mit stark geschädigten bemalten Wandbespannungen und Supraporten.
Die ehemaligen Supraporten des Speisezimmers
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die ehemaligen Supraporten[6] wurden ca. 1966/67 ausgebaut und 2003 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die vier Supraporten zeigen vor orangerotem Untergrund Szenen mit Putten in goldenen Rocaillerahmen. Die Malerei ist monochrom in Orange-Rottönen gehalten. Die Putten sind mit spielerischen Tätigkeiten beschäftigt. An der Südwand über dem Eingang zur Kapelle spielte eine Putte ein Streichinstrument, über der Scheintür zapften mehrere aus einem Fass ein Getränk, während ein Putte mit dem Rücken zum Betrachter gleich einem Betrunkenen gestikulierte. Über der Osttür sah man Putten beim Kegeln. An der Nordseite schließlich spielten sie um einen kleinen Turm herum Verstecken.
Der Jahreszeitenzyklus aus dem Speisezimmer
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[7]stammt aus der Erbauungszeit und wurde von einem unbekannten Künstler in Öl auf Leinwand geschaffen. Sie wurde 1967/77 aus dem Speisezimmer entfernt. Damals war sie bereits geschädigt und das Bild an der Südwand stark zerrissen. 2006-07 wurde die Malerei restauriert und anschließend an die Wände des Treppenhauses im Obergeschoss gehängt, zwei an die Nordwand und zwei an die Ostwand.
Beschreibung und Ikonographie
Die insgesamt vier Bilder stellen Allegorien der vier Jahreszeiten dar. Sie sind wie die Supraporten in Rahmen vor einem orangeroten Hintergrund gemalt. Die Rahmen sind jedoch in Blautönen gehalten. Goldene vegetabile Verzierungen sowie unten eine Muschel und oben ein Blumengehänge schmücken die Rahmung. Die Allegorien selbst sind in Orange-Rottönen vor hellem, weiß-grauem Hintergrund fast zeichnerisch ausgeführt.
Frühling

Die Ostwand links der Tür bedeckte die Allegorie des Frühlings.[8] Zwei Frauen, eine mit Korb und eine mit Spindel, treffen auf einen Mann. Im Hintergrund wird Architektur angedeutet. Der Bezug zum Frühling erschließt sich nicht.
Sommer

An der Ostwand rechts der Tür war die gesamte Wand von der Allegorie des Sommers[9] bedeckt. Vor einem Baum tanzt ein Paar zur Musik eines sitzenden Flötenspielers. Die Sensen des Paares liegen am Boden. Im Hintergrund rechts kann man einen Heuwagen erkennen, links ein Gebäude mit Dachreiter.
Herbst

Die Allegorie des Herbstes[10] bedeckte die Südwand zwischen den beiden Türen. Auf sie fiel der Blick zuerst, wenn man den Raum betrat. Dieses Bild ist in der Mitte zerstört. Man erkennt aber noch, dass eine Leiter an einen Baum angelehnt ist und zwei weibliche Personen vor diesem Baum stehen. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um eine Obsternte und möglicherweise reichte ein Mann auf der Leiter den Frauen das Obst an.
Winter

An der Nordwand zwischen der Eingangstür und Kaminnische bedeckte die Allegorie des Winters[11] die Wand. Im Vordergrund wärmen sich drei Personen an einem Feuer, während im Mittelgrund Schlittschuhläufer ihre Runden drehen. Im Hintergrund erblickt man eine Stadt.
Musikzimmer

Beschreibung
Das so genannte Musikzimmer[12] im Obergeschoss liegt genau über dem Vestibül. Es wird von Norden aus dem Treppenhaus betreten und erschließt nach Osten den oberen Saal. Eine weitere Tür im Süden erschließt ein Appartement. Nach Westen weisen drei Fenster im Mittelrisalit auf den Hof. Die Wände des ovalen Raums werden von kannelierten toskanischen Pilastern gegliedert.
Die Dichterdarstellungen
Beschreibung und Ikonographie
Der Raum ist der Dichtkunst gewidmet. Die Supraporten[12] zeigen Profilbildnisse bedeutender zeitgenössischer Dichter. Analog zu den Supraporten sind die zwei Felder zwischen den Säulen mit stuckierten Symbolen der Dichtkunst geschmückt: Theatermaske und Lyra. Die stuckierten Rahmen in den Supraporten zeigen die zeitgenössischen Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock über dem Eingang zum Saal in Dreiviertelansicht sowie im rechten Profil Christian Fürchtegott Gellert und im linken Profil Salomon Geßner.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun 1696–1773. Das Gesamtwerk. 2 Bde. Stuttgart 1995.
- Snethlage, Beck, 1989. – Snethlage, Rotger Michael: Wasserschloss Haus Beck (Schnell, Kunstführer, 1762). München/Zürich 1989.
- Zinkann, Maison de plaisance, 1979. – Zinkann, Karin Elisabeth: Der Typ der Maison de plaisance im Werke von Johann Conrad Schlaun. Diss. Münster 1979.
- Zinkann, Landhäuser, 1995. – Zinkann, Elisabeth: Die Landhäuser. In: Bußmann, Klaus/Matzner, Florian/Schulze, Ulrich (Hrsg.): Johann Conrad Schlaun 1695-1773. Architektur des Spätbarock in Europa. Stuttgart 1995, S. 522-539.
- Archivalien:
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Bottrop-Kirchhellen-Feldhausen. Schloß Beck. (Am Dornbusch 39). Akte V. 1981-1994.
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Wandbespannungen, 2007. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Bottrop-Kirchhellen-Feldhausen. Wasserschloss Beck, 4 Wandbespannungen 2007.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 178-179; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 628-675; Snethlage, Beck, 1989; Zinkann, Maison de plaisance, 1979, S. 103-191.
- ↑ Zinkann, Maison de plaisance, 1979, S. 104-105.
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995.
- ↑ 4,0 4,1 Snethlage, Beck, 1989, S. 8; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Zinkann, Landhäuser, 1995, S. 532.
- ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Wandbespannungen, 2007.
- ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Wandbespannungen, 2007, S. 20.
- ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Wandbespannungen, 2007, S. 13.
- ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Wandbespannungen, 2007, S. 27.
- ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Wandbespannungen, 2007, S. 8.
- ↑ 12,0 12,1 Snethlage, Beck, 1989, S. 11.