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Kiel, ehem Gasthof Stadt Kopenhagen

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Kiel, ehem. Gasthof Stadt Kopenhagen, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/d23dbe07-8e86-480d-b30e-186e988f7804

Inventarnummer: cbdd20035

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Aus einem ehemaligen Adelshaus in Kiel hat sich in Schloss Gottorf eine translozierte Decke mit Malerei aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erhalten, die verschiedene Stationen des Leidensweges Christi darstellt.

Der ehemalige Gasthof Stadt Kopenhagen

Kiel, Schumacherstraße um 1900

Kurzbeschreibung und Lage

Das Gebäude stand in der Schuhmacherstraße 24 zwischen Markt und Hafen.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Es handelte sich um ein kleines Adelshaus aus dem 16. Jahrhundert. Seit 1792 befand sich hier der Gasthof „Stadt Kopenhagen“. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört.[1]

Die translozierte Decke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Holzbalkendecke stammt aus dem Gartenflügel des Hauses Schuhmacherstraße 24 und wurde bislang in die Zeit gegen 1600 datiert. Die Malerei in Kaseinfarben auf Eichenholz wurde vermutlich aber erst in der ersten Hälfe des 17. Jahrhunderts bemalt, da aus dieser Zeit die grafischen Vorlagen stammen. 1906 wurde die Decke ausgebaut und gelangte in den Besitz des damaligen Thaulow-Museums in Kiel. Nach 1948 kam die Decke nach Schloss Gottorf, wo sie 1952 restauriert und im Erdgeschoss des Westflügels eingebaut wurde. Die ehemaligen Fugenstreifen sind verloren. Die Konsolen stammen aus einem anderen Raum im ehemaligen Haus Flämische Straße 25 in Kiel, der Parallelstraße.[2]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke misst rund 8,77 auf 4,23 Meter. Sie wird von sieben Balken in sechs Fachen gegliedert. Die Balken sind auf hellem Grund ornamental in der Art von Beschlagwerk bemalt und haben an den Kanten orange Randstriche. Diese Malerei ist größtenteils erneuert. In den Fachen wird eine Kassettierung imitiert. Geometrische Felder mit Rhomben und Kreuzen sowie Diamantierungen lassen je zwei runde Felder frei. Während die Kreuze auf hellem Grund mit Blumen und Obst geschmückt sind, nehmen die runden Felder Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi auf. Ihre Abfolge ist nicht gänzlich chronologisch. In der von links aus ersten Fache ist oben das letzte Abendmahl zu sehen und unten die vorangehende Fußwaschung. Es folgt in der nächsten Fache oben das Gebet Christi am Ölberg und unten seine Gefangennahme. In der dritten Fache wird oben Christus vor dem Hohepriester Kaiphas präsentiert und unten die Geißelung Christi sowie in der nächsten Fache oben die Dornenkrönung. Das Bild darunter ist zerstört. Es folgt die Zurschaustellung Christi vor dem Volk und unten die Handwaschung des Pontius Pilatus, die chronologisch früher ist. In der letzten Fache ist oben zu sehen, wie Christus ans Kreuz genagelt wird und unten Veronika, die ihm zuvor das Schweißtuch reicht.[2]

Vorlagen und Vergleiche

Bis auf eine Ausnahme folgen alle Darstellungen dem Graphikzyklus eines unbekannten Stechers, der das Neue Testament illustriert. Der Zyklus wird in das zweite Viertel des 17. Jahrhunderts datiert und hat sich in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel erhalten.[3]

Christus wäscht seinen Jüngern die Füße

Beschreibung und Ikonographie

Am Abend vor seinem Tod am Kreuz wusch Jesus Christus seinen Jüngern während des letzten Abendmahls die Füße. Christus kniet in der Mitte vor einem der Jünger (Petrus) und trocknet ihm einen Fuß, während der andere noch in der Waschschale ist. Die übrigen Jünger diskutieren erregt diesen unerhörten Vorgang dienender Selbsterniedrigung.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[4]

Das letzte Abendmahl

Beschreibung und Ikonographie

Am Abend vor seinem Tod am Kreuz kommt Christus mit seinen Jüngern zum Abendmahl zusammen. Er erzählt, dass dies ihr letztes gemeinsames Essen sein werde und einer unter ihnen ihn verraten würde. Vor allem aber setzt er Wein und Brot mit seinem Blut und seinem Leib gleich und setzt das Abendmahl ein. Man sieht Christus am Kopf der Tafel. Johannes hat seinen Kopf an dessen Schulter gelegt. Die Figuren im Vordergrund sind stark beschädigt.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[5]

Christus am Ölberg

Beschreibung und Ikonographie

Nach dem Abendmahl geht Christus in den Garten Gethsemane, um zu beten. Seine Jünger Petrus, Johannes und Jakobus begleiten ihn zwar, schlafen jedoch ein. Ein Engel zeigt Jesus das Kreuz, an dem er sterben wird, gibt ihm aber zugleich Kraft in seiner Angst. Christus kniet in der Bildmitte. Links hinter ihm schlafen die drei Jünger, rechts ist der Engel mit dem Kreuz zu sehen.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[6]

Die Gefangennahme Christi

Beschreibung und Ikonographie

Nach dem Gebet kehrt Christus zu seinen Jüngern zurück. Judas hat ihn an Soldaten verraten, die ihn gefangen nehmen wollen. Damit sie den Richtigen finden, geht er auf Christus zu und küsst ihn. Petrus versucht, die Gefangennahme zu verhindern und schlägt dabei einem der Soldaten mit dem Schwert ein Ohr ab. Christus gebietet ihm jedoch Einhalt und wir gefangengenommen. All diese Szenen sind simultan dargestellt. In der Mitte steht links Christus, den bereits die Soldaten ergreifen und rechts Judas mit einem Geldbeutel, den er als Lohn für seinen Verrat erhalten hat, und vorne rechts ist Petrus zu sehen, wie er dem Soldaten das Ohr abschlägt.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[7]

Christus vor dem Hohepriester Kaiphas

Beschreibung und Ikonographie

Der gefangene Christus wird vor den Hohepriester Kaiphas geführt. Nach der vermeintlichen Gotteslästerung des Gefangenen zerreißt er sein Kleid und lässt ihn an die Römer ausliefern, damit diese ihn zum Tode verurteilen. Rechts steht der von den Soldaten gebrachte Christus, links sitzt Kaiphas, im Begriff, sich das Gewand zu zerreißen.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[8]

Pontius Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld

Beschreibung und Ikonographie

Der Römer Pontius Pilatus umgeht jedoch eine direkte Entscheidung. Er lässt Christus zu Herodes bringen, der den Fall prüfen soll. Anschließens wird Christus dem Volk vorgestellt. Erst als dieses den Tod von Christus fordert, überantwortet Pontius Pilatus ihn dem Kreuzestod. Links vorn wird Christus abgeführt, rechts hinten wäscht sich Pontius Pilatus die Hände.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[9]

Die Geißelung Christi

Beschreibung und Ikonographie

Nach der Verurteilung folgt die Geißelung als erster Schritt zum Tod. Die Soldaten entkleiden Christus, binden ihn an eine Säule und geißeln ihn. Auf der Darstellung wird Christus gerade angebunden, das Geißeln selbst hat noch nicht begonnen.

Vorlagen und Vergleiche

Die Geißelung Christi folgt nicht dem Zyklus, dem die anderen Darstellungen entnommen sind. Eine Vorlage wurde bislang nicht gefunden.

Die Dornenkrönung Christi

Beschreibung und Ikonographie

Nach der Geißelung wird Christus von den Soldaten verspottet und mit Dornen gekrönt – eine Anspielung auf sein angemaßtes Königtum. Als Zepter erhält er ein Schilfrohr. Christus kauert schmerzgekrümmt vor der Säule, von den Soldaten umgegeben, die ihn bereits gekörnt haben.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[10]

Christus wird dem Volk gezeigt

Beschreibung und Ikonographie

Der gegeißelte und mit Dornen gekrönte sowie in einen Purpurmantel gehüllte Christus wird der Menschenmenge vorgeführt. Mit den Worten Ecce homo (seht den Menschen), gibt ihn Pontius Pilatus der Verspottung preis. Rechts wird Christus bereits ein Kreuz entgegengehalten.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[11]

Christus bei der Kreuztragung mit Simon von Kyrene und der Heiligen Veronika

Beschreibung und Ikonographie

Anschließend muss Christus das Kreuz selbst zur Hinrichtungsstätte tragen. Als er unter der Last des Kreuzes zusammenbricht, fordern die Soldaten den anwesenden Simon von Kyrene auf, das Kreuz tragen zu helfen. Veronika reicht Christus ein Tuch, um sich den Schweiß abzutrocknen. Man erkennt den zusammengebrochenen Christus in der Mitte. Links hinter ihm hält Simon das Kreuz. Rechts kniet Veronika mit dem Schweißtuch, auf dem schwach der Gesichtsabdruck von Christus zu erkennen ist.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[12]

Christus wird ans Kreuz genagelt

Beschreibung und Ikonographie

Zuletzt an der Hinrichtungsstätte angekommen, wird Christus an das Kreuz genagelt und dieses anschließend aufgerichtet. Man sieht, wie Christus auf das Kreuz gelegt ist. Seine linke Hand wird gerade festgenagelt, während rechts ein Loch in das Kreuz für den nächsten Nagel gebohrt wird.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt eng der Graphik eines unbekannten Stechers aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.[13]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Zöllner, Kiel, 2019. – Zöllner, Christian W.: Rund um die Kieler Altstadt. Eine Stadt verändert sich. Norderstedt 2019.
  • Archivalien:
  • Zugangsnummer 1906/13. – Landesmuseum Schleswig-Holstein, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Schloss Gottorf, Zugangsnummer 1906/13.

Einzelnachweise

  1. Zöllner, Kiel, 2019, S. 94.
  2. 2,0 2,1 Zugangsnummer 1906/13.
  3. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.
  4. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.11.
  5. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.10.
  6. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.12.
  7. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.13.
  8. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.15.
  9. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.18.
  10. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.16.
  11. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.17.
  12. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.19.
  13. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Graph. Res. B: 123.20.