Kösching, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und St. Martin
KÖSCHING
Pfarrkirche Seelenkapelle S. 300
Pfarrkirche, Pfarrei und Markt Kösching, Bistum Regensburg; z. Z. der Ausmalung hatte das Reichsstift Niedermünster das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Pfleggericht Kösching (1756 mit dem Hofkastenamt Ingolstadt vereinigt), 1803–1972 Landkreis Ingolstadt/OB
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt und St. Martin
Zum Bauwerk: Planungen für einen Neubau seit 1681, wegen Geldmangel Grundsteinlegung für den Kirchenneubau erst am 5.4. 1717. Bis auf den Ostturm, der einen barocken Aufsatz erhielt, wurde der mittelalterliche Vorgängerbau vollständig abgetragen. Weihe am 6./7.9.1718. 1719/20 Hochaltar, Altarbilder von Johann Gebhard aus Prüfening. Bis 1728 Altäre und Innenausstattung (bezahlt wurden der Maler Gebhard in Prüfening, der Bildhauer Machalky aus Regensburg, der Schreiner in Ingolstadt, der Maler Johann Peter Blumb aus Abensberg). Als Baumeister vermutet Siegfried Hofmann den Ingolstädter Stadtmaurermeister Michael Anton Prunthaller, der nachweislich der ausführende Baumeister der Seelhauskapelle (1731), der Schloßkapelle (1733) und der Erweiterung der Peterskapelle (1735/36) in Kösching war, der aber auch in Ingolstadt beim Neubau des Seminars der Bartholomäer tätig war, denen Pfarrer Kerschl von Kösching selbst angehörte. Als Stuckator
kommt der in dieser Zeit im Umkreis tätige Jakob Egg aus Eichstätt in Vorschlag, der 1713 die Bürgerkongregationskirche von Maria de Victoria in Ingolstadt stuckierte, wobei aus den Quellen hervorgeht, dass in Ingolstadt zu dieser Zeit kein Stuckator ansässig war und die einheimischen Maurermeister »die Stuckateurkunst nicht beherrschten« (Siegfried Hofmann, Maria de Victoria - Nachruf auf die einstige Kirche der Kongregation Maria vom Sieg, in: SVHI 86, 1977, S. 174ff. Jakob Egg wurde in die Maria-de-Victoria-Bürgerkongregation aufgenommen. Erst mit Wolfgang Zächenberger wurde 1719 ein Stuckator in Ingolstadt ansässig. Hofmann und Lenhardt vermuten den Stuckator der Köschinger Kirche im Bereich des Bistums Regensburg
Weite, hohe Saalkirche (23×13,20 m) zu drei Jochen, an die sich ein Vorjoch mit querhausartigen Kapellenanbauten anschließt. Eingezogener Chor (12,60×9 m) zu zwei Jochen, dreiseitig geschlossen. Gliederung durch Doppelpilaster; Beleuchtung durch große Rundbogenfenster in den drei Achsen, durch Oculi in den Querhauskapellen und durch vier Fenster im Chorschluss. Im Westen Doppelempore.
An der Nordseite des Chors, über der Sakristei gelegen, ein zweiachsiges Oratorium, die sog. Sakramentskapelle. Belichtung durch zwei Fenster von Norden. 2001 wurde die Kapelle durch eine Glaswand von der Kirche abgetrennt.



Auftraggeber: Pfarrer Matthäus Kerschl (1715–42) betrieb mit großem Eifer Bau und Ausstattung, die er schriftlich festgehalten hat (s. unter Quellen). Von den 140 fl. für die Ausmalung übernahm er 51 fl., 89 fl. bezahlte die Pfarrei. Kerschl gehörte der von Bartholomäus Holzhauser (* 1613 † 1658) in Ingolstadt gegründeten Vereinigung der Bartholomäer, einer Kongregation für Weltgeistliche, an. Er gilt als der bedeutendste Pfarrer in Kösching. Das Wappen am Chorbogen, links bayerische Rauten, rechts halbiert Rauten und Baum, ist das von Bayern und Kösching und nicht ursprünglich.
Autor und Entstehungszeit: Die barocke Ausmalung ist nur in fragmentarischen Resten erhalten, sie wurde 1855 im nazarischen Stil, 1958 und 1990 modern überfasst. Sie wird in Anbetracht der guten Quellenlage dokumentiert.
Barocke Ausmalung Johann Georg Schredter (* Reichenhall † 1739 oder 1740 Ingolstadt) 1718/19. Die Freskierung der neuerbauten Kirche besorgte der Ingolstädter Maler Johann Georg Schredter. In der Abrechnung des Kirchenneubaus heißt es: »Dem Maler, wie vorher vereinbart, für Bemalung des ganzen Gewölbes und der Fläche unter dem Oratorium 146 fl.« (Die Summe differiert in den verschiedenen Quellen). Der namentlich auch nicht genannte Stuckator erhielt 158 fl. Die Aufstellung der Bildthemen vom 24. 8. 1718 und die Abrechnung vom 30. 7. 1719 haben sich im Pfarrarchiv erhalten (abgedruckt bei Hofmann), es ist darin die Rede von 70 großen und kleinen Stücken, von der Fassung eines Crucifixus und von 12 Apostelkränzen sowie 6 Einfassungen von Wandleuchtern. (Die Anzahl an Bildern kommt nicht zusammen. Mit »70 groß und kleine Stuckh« kann Schredter die Figuren in den großen Bildern mit gezählt haben – was nicht ungewöhnlich ist und was er bei den Evangelisten an der Empore getan hat.) Nach den Aufzeichnungen Pfarrer Kerschls entstanden die Putz-, Stuck- und Malerarbeiten von April bis August 1718. »Der Künstler bestieg täglich um 4 Uhr das Gerüst bis zum Abendläuten. Aus der sicher übereilten Arbeit ist es nicht verwunderlich, dass die Bilder nicht erstklassige Kunstwerke geworden sind; sie machen aber immerhin auf die Benotung einen fürtrefflichen Anspruch.«
Johann Georg Schredters Auflistung der Deckenbilder 1718
»Verzeichnis. Was ich Endtsunderschribener in das lobwürdige neue Unser Lieben Frauen und St. Martin Pfarrgottshaus Kösching anno diss an Maller Arbeith gemacht habe:
I. hab ich in Chor Gewelb die heylige Freundtschafft Christi unnd Unser lieben Frauen des alten Testament gemallen in s (= 6!) Ovalfiguren, als die heillige Joseph, Joachim und Anna, Zacharias und Elisabeth mit ihren heyligen Kindt, Johannes den Tauffer, dan 2 große Gemell Unser lieben Frauen Dodt und Himmelfahrt vorstellend mit 4 Emblematen.
2. in Langhaus im oberen Gewelb 2 große Bilder, so 9 Schuech brait und lang waren, vorstellendt die himmlische Glori, dan die Crönung Unser lieben Frauen, mit 4 Emblematen.
3. An disen Gewelb 2 große Bilder des heiligen Martini Kirchen Patrons, wie er gestorben und in der himmlischen Glori ist, samt 4 Emblema.
4. An die so genante Paar hab ich gemallen 7 mitere bilder als der heilligen 4 Evangelisten, dan die Vermellung Unser Lieben Frau mit dem heyl. Joseph, zwischen dem heyligen Ignati und Francisco Xaverio.
5. s. in Oratorio oben in einen großen Bildt das Manna der Israeliten sambt 4 khleineren Bildern, die Crafft unnd Würckhung venerab. Sacramenti vorstellendt.
6. habe ein großes Crucifix bildt, so in Gewelb Pogen hanget, sauber gefasset, an denen 4 Eckhen vergoldet und, wie es gebierth, zuegerichtet.
7. habe ich in der Kirchen 12 Apostl Creuz sambt 6 Creuz bey den Chor- unnd Seitenalthären zu den Wandlleuchtern gefasset. Fir diss alles hab ich accordirtermaßen ohne Kost, Trunckh, Ligerstatt, so Ihro Hochwirden Herr Pfarrer mir und meinen Gsellen umbsonst gegeben, empfancken, als fir die in gemelten 5 Puncten angezognen Gmellen 140 fl., daran gedachter Herr Pfarrer 51 fl., das Gottshaus aber 89 fl. bezallet. Item für Fassung des Crucifix bildt in allen 15 fl., leztlich fir gemelte Apostl und Wandl Leichter Creuz 24 fl., in allen 124 fl. sag hundert vier und zwainzig gulden, welches ich hiemit der Warheit zu Steur mit meiner Handt und Pöttschafft bescheine. Den 24. August a. 1718.«
Quittung Johann Georg Schredters 1719
»Das von Ihro Excellenz Herr Pfarrer zu Kösching mir Endtsbenantem umb ich beim ganz großen Pfarrgottshaus alda oben her, dann auf der Orgl und Pahrkirchen 7e groß vnd kleine Stuckh gemahlen, vor diese müehsambe, gegen 20 Wochen daurente Arbeith pactiertermaßen an denen ainhundert vierzig Gulden 89 fl., dann wegen Mahlung des Crucifix, so unweith des Choraltars in der Höche hanget, neunzehn gulden fünffzehen Gulden, und vor Machung der 12 Apostl-Cränz zwainzig gulden in allem ainhundert neun und sibenzig gulden zu unterschidlich mahlen zu recht und ohne Abgang guet gemacht worden, habe dises mit meiner aigner Handtunterschrifft und vorgetruckhten Petschafft nebst schuldigister Danckhsagung dieser mir vergonnten Arbeith hieundten bekhennt. Ingolstatt den 30. July anno 1719.
Johann Georg Schreder, Burger vund academischer Mahler, ist mit Danckh bezahlt.
Idest 179 124 fl. Mattheus Kerschl, Pfarrer.«
Die Ausmalung der Sakramentskapelle über der Sakristei (O, O1-4) hat die verschiedenen Über- und Neuausmalungen der Kirche relativ unbeeinträchtigt überstanden. Sie gibt eine Vorstellung von dem persönlichen Stil Johann Georg Schredters, aufgrund der ihm auch die Langhausfresken in Zuchering (Stadt Ingolstadt, CBD Bd 14) zugeschrieben werden können. Johann Georg Schredter (Lebensdaten unbekannt) gehörte als akademischer Maler der Universität Ingolstadt an. Er ist am 9. 11. 1701 als von Reichenhall gebürtig in der Matrikel der Universität eingetragen.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR flache Stichkappengewölbe
Rahmen: Stuckprofil
Technik: Fresko; polychrom bis auf die Embleme: Aa-b, Ba-b Da-b, Ea-b monochrom ocker, Ca-b, Fa-b monochrom sienarot, a–d monochrom graublau
Maße: A Höhe 12,85 m; 2,00 × 3,00 m B Höhe 14,30 (Stich 1,50) m; Ø 3,00 m C Höhe 12,75 m; 3,00 × 4,10 D Höhe 12,75 m; 3,85 × 3,40 E Höhe 12,75 m; 3,85 × 3,40 F Höhe 12,75 m; 3,00 × 4,10 S Höhe 5,75 m; 1,20 × 2,10
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die ursprüngliche Ausmalung von 1717/18 erfuhr im Lauf der Jahrhunderte vier Übermalungen bzw. Freilegungen: 1855/56 wurden die kleinen Fresken übertüncht, die großen wurden durch Johann Baptist Müller (1809-69) in nazarenischem Stil neu gemalt. Zusätzlich malte Müller an die Langhauswände einen Apostelzyklus in vier Dreiergruppen (Quittung vom 2. 10. 1855: »Für die Herstellung von 5 großen Freskogemälden an dem Plafond der Pfarrkirche die paktierte Summe von 1300«). In seinem Kostenanschlag vom 24. 2. 1855 stimmen seine Bildthemen mit denen Schredters überein: Tod der hl. Jungfrau, Gottvater von Engeln umgeben, hl. Martin in der Glorie, Tod des hl. Martin, Krönung Mariens. Bei der Abrechnung für das Gerüst heißt es: »Aufziehen der Bielder«. Die Emblemkartuschen sollten durch Bibelsprüche ersetzt werden, wurden dann aber nur übertüncht. Vergolder-, Fass- und Tüncharbeiten durch Joseph Radspieler, München. Im Kostenvoranschlag heißt es: »... mehrere der zerstörten Plafond- und Wandverzierungen im Rococo mit Gips neu antragen und ausbossieren... Die Grundfläche der Mauer mit Chamoifarbe, die Rococoverzierungen und Gesimse mit Steinfarbe, die Einfassungen an den Deckenmalereien mit Umbrabraun in Violet übertünchen, die vielen in den kleineren Feldern befindlichen geschmacklosen Malereien anstreichen und durch passende Bibelsprüche ersetzen.« (StAM. Dort eingeheftet ist die farbige Zeichnung von einem Eckschnörkel grau und weiß auf hellgrünem Grund. 1903-05 wurden im Zuge einer Rebarockisierung von der Fa. Barth & Co., München, die 1855 mit einer Mörtelschicht überdeckten und »geweißten« 30 kleinen Fresken Schredters freigelegt. Es handelt sich dabei um die Kartuschen in den Stichkappen und an den Spitzen der Stichkappen seitlich der Hauptbilder, um zwei Wandgemälde im Chor (W1-2) und um 5 Deckengemälde in der Sakramentskapelle über der Sakristei. Sie sollten mit Ätz-Natrium aufgedeckt werden. Was Müllers Fresken betraf, so war man gegen eine Freilegung der barocken Fresken, weil angenommen wurde, dass man »diese Bilder mit dem Spitzhammer aufgeschürft hat«. Umfangreiche Reparaturen waren notwendig, »aufschrauben und befestigen der alten Plafonds an die neuen Balken mit 10 cm langen Holzschrauben... Das Gemälde des Chores musste mit eisernen Stangen zusammengefasst und viele Stukkatur... armiert werden«. Die Kuppel erhielt ein neues Gemälde »Pfingsten«. 1958 wurden über die Nazarenerfresken an der Decke von dem Ingolstädter Kirchenmaler Georg Löhnert neue Bilder mit veränderten Themen gemalt und die Aposteldarstellungen an den Wänden beseitigt. Inschriftkartusche am Chorbogen DENTADO
Die originale Substanz der Darstellungen ist so beeinträchtigt und aus dem ursprünglichen Zusammenhang gelöst, dass wir uns hier auf eine Bestandsaufnahme beschränken. Zerstörung infolge Wasserschadens ist das Emblem in der südlichen Seitenkapelle; die Decke des Ministrantenraums zeigt die moderne Darstellung eines heiligen Bischofs. Einigermaßen original erhalten sind die Fresken in der Sakramentskapelle
Rekonstruierende Bildabfolge
Barocke Ausmalung 1718 (thematische Abfolge von O nach W nach der Beschreibung Schredters)
Bei der Emblemreihe handelt es sich um zwölf Embleme jeweils paarweise dem betreffenden Hauptbild zugeordnet, auch sinngemäß. Die Reihe zeigt wenig Motive. Als Ikon wird vor allem die Sonne verwendet, als Bild Gottes bzw. Christi. Maria wird entweder durch das Bild des Mondes oder durch das des Adlers, der zur Sonne strebt, symbolisiert. Einige Bildvorlagen finden sich bei Boschius (Kemp, S. 230).
Chorgewölbe
A TOD MARIENS (1855 ebenso, 1958 und 1992 Verkündigung)
Aa (Accipe) ANIMAM MEAM (nimm meine Seele auf). Adler fliegt zur Sonne. Der Tod Mariens wird durch das Bild vom Adler symbolisiert, der sich über die Berge nach oben zur Sonne schwingt. In dieser Bildfolge wird der Adler mehrmals mit Maria gleichgesetzt in seiner Fähigkeit, das Sonnenlicht zu ertragen, wobei die Sonne Gott bedeutet. Im Hinblick auf das Thema des Hauptbildes, den Tod Mariens, muss man das unvollständige Lemma wohl wie oben ergänzen.
Ab ACCIPE HEREDITATEM (Nimm das Erbe an). Strahlende Sonne, schräg darunter der Mond, der von ihr Licht empfängt. Rechts unten der Erdball. »Luna splendorem suum omnem a Sole emendicatum habet« (Picinelli, Lib. I, Nr. 259 s.v. luna), der das Bild des von der Sonne erleuchteten Mondes u.a. auf das Verhältnis von Christus zu Ecclesia anwendet. Ähnlich muss es hier auf Maria bezogen werden, allerdings in dem Sinn, dass Maria das göttliche Gnadenlicht nach ihrem Tod sozusagen als Erbe bzw. Lohn erhielt.
Langhausgewölbe
C GLORIE MARIENS (1855 ebenso, 1903 Pfingsten, 1992 Zwölfjähriger Jesus im Tempel) mit Pfingstloch


Ca TANTUM CAELUM QUERIT (Nur den Himmel erstrebt er). Adler fliegt von Landschaft auf. Ein vergleichbares Emblem findet sich bei Picinelli (Lib. IV, Nr. 213, s.v. aquila, mit dem Lemma ALTIORA QUAERO). Es bezieht sich auf einen Heiligen, der »spretis terrenis omnibus, sola coelestia identidem suspirabat«. In diesem Sinn ist das Emblem darauf zu beziehen, dass Maria allein die himmlischen Freuden angestrebt habe.
Cb SOLA CAPAX SOLIS (Allein der Sonne gewachsen). Adler fliegt zur Sonne (Boschius Cap. I Nr. 531, Maria salutata ab angelo). Die Vorstellung, dass die Augen des Adlers so beschaffen seien, dass sie vom Anblick der Sonne nicht verletzt werden können, führte in der Emblematik dazu, dass der in die


Sonne blickende Adler ein Bild Mariens wurde. »Mariae Virginis haec imago est, quae non tantum Christum, aeternum solem, utero suo comprehendit, sed hodie etiamnum in coelo Deum intuetur« (Picinelli Lib. IV, Nr. 210, s.v. aquila, mit gleichem Lemma). In diesem Sinn ist das Emblem hier auf Maria in der Glorie bezogen. »Par Aquilae Virgo est, caelesti lumine gaudent/Illa capax magni Solis, et illa Dei« zitiert Picinelli nach S. Epiphanius.
D KRONUNG MARIENS (1855, 1958 und 1992 ebenso) Da REGIT QUIA FIXA POLO (Er leitet, weil er am Pol befestigt ist). Schiff im Meer, über den Uferbergen leuchtet der Polarstern. Der Polarstern (cynosura), der immer im Norden steht, gibt dem Schiff die sichere Richtung an. Er ist damit ein Bild Mariens, die den Menschen den Weg zum Heil weist »Mariam Virginem, ceu veram polarem stellam, S. Eccles opportue salvere iubet >Ave maris stella <: Haec enim Dux inte praesentis vitae procellas optima, ad salutis aeternae portui manducit« (Picinelli Lib. I, Cap. XII, Nr. 385; s. auch Nr. 386 Db AEMULA SOLIS (Der Sonne ebenbürtig) Mond, von Sternen umgeben. Die Vollkommenheit Mariens und ihr Rang unter den Heiligen kann in der Emblematik durch das Bild des von Sternen umgebenen Mondes symbolisiert werden: »Mer tum aut virtutem supremam e plena Lunae orbita coniicie quae inter alias stellas collocata« (Picinelli Lib. I, Nr. 215, s. luna, mit Lemma MICAT INER OMNES). »Caecus sis, ni i hac effigie celsissimam Deiparae perfectionem agnoveris« (ebd. Nr. 220), besonders im Hinblick auf die Himmelfahrt »Virgo, quae ad coelos assumpta, tanto copiosorum gratiarun influxu in animas sibi devotas effundebatur, quo sublimiu gloriae fastigium conscenderat« (ebd., Nr. 218).




E TOD DES HL. MARTIN (1855 nazarenische Darstellung gleichen Themas, 1958 Heimsuchung, 1992 Geburt Christi)
Ea SUMMA PETIT (Das Höchste erstrebt sie) Flamme zwischen Wolken. Die Flamme, die immer nach oben brennt, ist bei Picinelli (Lib. II, Nr. 53) sowohl auf die Himmelfahrt Mariens bezogen als auch auf die Seele, die sich dem Himmel nähert. Hier bezieht sie sich auf das Thema des ursprünglichen Hauptbildes, den Tod des hl. Martin.


Eb TOLLIT AMOR SURSUM (Die Liebe zieht nach oben). Magnetstein. Eine Hand aus den Wolken über einer weiten Landschaft hält einen Magnetstein, der zwei ineinander verschlungene Ringe nach oben zieht. Der Magnetstein wird in der Emblematik oft als Bild für die Liebe gebraucht »... hoc Emblemate singularis animi affectus in rem amatam assiduo defixus significatur« (Picinelli Lib. XII, Nr. 176). Ein weiteres Emblem mit dem Magnetstein zeigt ihn, wie er mehrere eiserne Ringe an sich zieht, die Symbole der Liebe sind (ebd., Lib. XV, Nr. 20 u. a.). In der Zuordnung zum Hauptfresko mit der Darstellung des Todes des hl. Martin ist dieses Emblem etwa so zu deuten: Die Liebe Gottes zieht in der Todesstunde wie ein Magnetstein den Heiligen, der seinerseits durch die Gegenliebe mit Gott verbunden ist, nach oben zum Himmel. – In der Todesstunde erschien Martin der Teufel, den er zurückwies: Was hast du giftiges Untier hier zu schaffen? Bei mir hast du nichts Leidiges zu gewarten, denn meine Bleibe-Stadt wird in dem Schoß Abrahams sein (Ribadeneira-Hornig Bd 2, S. 775).


F GLORIE DES HL. MARTIN (1855 ebenso, 1958 Geburt Christi, 1992 Heimsuchung)
Fa CAELI TERRAEQUE DECUS (Zierde des Himmels und der Erde). Regenbogen über Gebirgslandschaft mit



Querhauskapellen
Nicht erwähnt in Schredters Aufstellung sind die Embleme in den Seitenkapellen (das in der südlichen war durch Wasserschaden zerstört und ist ersetzt).
K1 ET MEMOR AB ALTO (Auch von oben ihrer eingedenk) Huhn auf einem Baum, darunter fünf Küken (Boschius Cap I Nr. 74, Christus in caelum ascendens dedit dona hominibus). Das Emblem findet sich auch bei Picinelli: ein Huhn, das auf einen Maulbeerbaum geflogen ist und nun seinen Küken, die unten warten, reife Früchte zuwirft (Lib. IV Nr. 356, s.v. gallina, mit gleichem Lemma). Es ist Bild für die göttliche Vorsehung und Güte. »Dei providentia ac beneficentia clientes, sibi devotos, uberrimis Paradisi fructibus beat« Hier ist es auf die Fürsorge des hl. Joseph in dem darunter liegenden Familienaltar bezogen.
K2 VULNERE VULNERA SANO (Durch meine Wunde heile ich die Wunden; Cafaggi 1992) Baum, der auf einer Wiese vor einem Dorf steht. Nach dem Lemma muss es sich um einen Baum handeln, dessen Harz, das aus den Wunden des Baumes fließt, auf Wunden der Menschen gestrichen, diese heilt. Das neu gestaltete Emblem bezieht sich auf das ›Lignum Vitae‹ im Kreuzaltar darunter.
1-14 »Heylige Freindtschafft Christi und Unser lieben Frauen des Alten Testament.« In den Stichkappen der Kirche sind in abwechselnd ovalen und dreipassförmigen Medaillons die Verwandten Jesu dargestellt. Ihr Zustand ist sehr schlecht, von der barocken Substanz ist nichts erhalten (keine Abb.). Es handelt sich um die Onkel, Stieftanten und Vettern nach der Sakramentskapelle: Kraft des Sakraments.

Darstellung in der Legenda aurea (Benz, S. 677f.) Das Thema war in diesen Jahren besonders populär durch das »Leber Christi... «, das 1680 erschienene Hauptwerk des Schriftstellers Martin von Cochem (* 1634 † 1712), einem der beliebtesten christlichen Autoren dieser Zeit, der auch über die Bartholomäer populär gemacht wurde.
Joachim war verheiratet mit Anna. Annas Schwester Hismeria war die Mutter von Elisabeth. Elisabeth war die Mutter von Johannes dem Täufer. Anna hatte drei Männer, Joachim, Cleophas und Salome. Von Joachim gebar sie Maria, nach Joachims Tod heiratete sie Cleophas, den Bruder des Joseph, dem sie eine Tochter Maria gebar. Diese verheiratete sie mit Alphaeus. Maria und Alphaeus zeugten vier Söhne: Jakobus den Jüngeren, Joseph den Gerechten, auch Barsabas genannt, Simon und Judas Thaddäus. Mit ihrem dritten Mann Salome hatte Anna wieder eine Tochter namens Maria, diese gab sie dem Zebedaeus zur Frau. Deren Söhne waren Jakobus der Ältere und Johannes der Evangelist.
In der Legenda aurea wird im Zusammenhang mit diesen Personen der Vers zitiert: »Anna war ein selig Weib, Drei Marie
gebar ihr Leib. Drei Mannen hatte sie zur Eh, Joachim, Cleo phas, Salome. Joseph ward Marien geben, die gebar Jesun unser geistlich Leben. Alphaeus die ander Maria nahm, di gebar Jacob, Joseph, Simon und Judam. Die dritte Maria ward nicht verlassen, sie gebar aus Zebedaeo Johannem und Jacol den Großen.«
Im Chor werden also die älteren Verwandten Jesu dargestellt, Großeltern, Eltern, Großtante und Großonkel sowie Onkel; im Langhaus mit den beiden »Marien am Grabe« die Stiefschwestern Mariens mit ihren insgesamt sechs Söhnen, den Vettern von Jesus.
Abfolge paarweise von links nach rechts und von O nach W (keine Abb.)
Chor:
1 Joseph 2 Joachim 3 Anna 4 Johannes der Täufer 5 Elisabeth 6 Zacharias
Uber den seitlichen Eingängen Maria und Christus (Cafaggi 1992)
Langhaus:
EB1-5 An der unteren Emporenbrüstung befinden sich fünf Bilder
EB1 Vermählung Mariens mit Joseph, einigermaßen original erhalten; dieses Bild gehört inhaltlich zur Heiligen Sippe EB2-3 hl. Aloisius (ursprünglich Ignatius) und hl. Franz Xaver (nazarenisch)
EB4-5 jeweils paarweise zwei Evangelisten, links Matthäus und Markus, rechts Lukas und Johannes
Die obere Emporenbrüstung ist mit neubarocken Stuckreliefs geschmückt.
Oratorium sog. Sakramentskapelle über der Sakristei (Bilder 1855 übertüncht, 1903 freigelegt)
Der rechteckige Raum (5,20×4,70m) ist ganz in Weiß gehalten, Wände und Decke sind mit Akanthusranken stuckiert: südlich öffnet er sich zur Kirche. Über dem Gesims erhebt sich ein Klostergewölbe mit flachem Deckenspiegel, in dem das Hauptbild, umrahmt von Stuck, liegt, die Nebenbilder befinden sich in den Schrägen.
S, a-d »Kraft und Wirkung des verehrungswürdigen Sakraments« (nach der Bezeichnung Johann Georg Schredters, siehe S. 299)
S MANNAREGEN (Ex 16,4–36) Tafelbildartige Bildanlage, Blickrichtung nach Norden. Links steht Moses mit zwei Begleitern, er streckt den Stab zum Himmel, von dem es in kleinen Flocken Manna regnet. Rechts ein zeltähnliches Dorf, vor dem Frauen, Kinder und Knaben sich um das Manna scharen und es in Körbe sammeln. Auf Ankündigung von Moses lag es im Morgengrauen wie Reif am Boden.
a ANGELIS ADMIRABILIS (den Engeln bewundernswert) Monstranz von Engeln angebetet b DEFUNCTIS OPTABILE (den Verstorbenen wünschenswert) Turmmonstranz von kniender Frau und Armen Seelen angebetet c SIMPILIS TERIBILE (den Ungläubigen? erschrecklich) Drei Personen flüchten vor der Monstranz, aus der Blitze schlagen d JUSTIS AMABILE (den Gerechten liebenswert) Hostienmonstranz von zwei Personen (Stiftern?) verehrt.
Quellen und Literatur siehe Seite 31: C. B.