Körtlinghausen, Rittergut, sog Schloss
Inventarnummer: cbdd10126
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In Haus Körtlinghausen von 1714–30 haben sich Deckengemälde von Carlo (Hieronymo) Paerna aus der Zeit ca. 1720–30 erhalten. Die Malerei im Hauptsaal folgt Pietro da Cortonas Gemälde "Wirken der Göttlichen Vorsehung unter dem Pontifikat Urbans VIII." im Palazzo Barberini in Rom.

Herrenhaus Körtlinghausen
Geschichte
Das Herrenhaus Körtlinghausen[1] geht auf eine Burg des Mittelalters zurück. Von 1645 bis 1819 war Körtlinghausen im Besitz der Familie von Weichs. Franz Otto von und zu Weichs ließ 1714–30 nach Plänen von Justus Wehmer den heute noch erhaltenen Bau errichten. Weichs hatte 1709 Anna Theresa Agathe Droste zu Füchten geheiratet. Diese Heirat war wohl Anlass, bereits ab 1712 einen Neubau in Körtlinghausen zu planen. Der ausführende Architekt Wehmer war nicht nur für die Architektur sondern auch für die Ausstattung verantwortlich bis hin zu Stuckprofilen. Ab 1718 erfolgte der Innenausbau des Hauptgebäudes, der 1719/20 vorerst abgeschlossen werden konnte. 1726 begann man mit dem Bau des Ökonomiehofs. 1731 folgten die Vorgebäude. Diese Arbeiten wurden nicht mehr von Wehmer, sondern durch Franz Christoph Nagel betreut, der die Arbeiten in Körtlinghausen bis 1743 fortsetzte und vollendete. Bei der Ausstattung des Hauptgebäudes wirkten der Bildhauer Bartolomeo Rabaliatti sowie der Stuckateur und Maler Carlo (Hieronymo) Paerna mit. 1815 gelangte Körtlinghausen in den Besitz der Familie von Fürstenberg und ist es bis heute geblieben.
Beschreibung
Der ehemalige Rittersitz setzt sich aus dem Hauptgebäude[2] und zwei vorgelagerten Wirtschaftsbauten zu einer offenen Dreiflügelanlage zusammen. Dieser Kernbereich wird von einem Wassergraben umzogen. Zwei Stichgräben führen bis an die Seiten des Hauses (wo sich einst die Aborte befanden), sodass der Eindruck von zwei Inseln entsteht. Bereits außerhalb des Grabens sind ein Torhaus und weitere Wirtschaftsbauten gelegen. Hinter dem Hauptgebäude befindet sich ein Garten. Die Gesamtanlage ist bis heute weitgehend symmetrisch gegliedert.
Das Hauptgebäude hat den für den Architekten Justus Wehner typischen H-förmigen Grundriss. Der verputzte Bau unter Walmdach ist elf Achsen breit und sechs Achsen tief. Die äußeren zwei Achsen sind jeweils pavillonartig um eine Achse vorgezogen. Auch an den Seiten treten die mittleren zwei Achsen zu den Stichgräben gleich Mittelrisaliten vor. Der zweigeschossige Bau über hohem Sockelgeschoss wird über eine zweiarmige Freitreppe erreicht. Das Eingangsportal ziert ein Allianzwappen des Bauherrn und seiner ersten Frau Anna Theresa Agathe Droste zu Füchten 1716.
Auch das Gebäudeinnere ist weitgehend symmetrisch strukturiert. Ein zentrales Vestibül mit Treppenhaus erschließt das Obergeschoss. Rechts des Eingangsraums folgten ein Speisezimmer und anschließend die Schlafstube des Hausherrn. Zu dieser gehörten zwei Kabinette im rechten Risalit der Eingangsseite, in denen sich Deckenmalerei erhalten hat. Nach links gelangte man vom Vestibül in einen dem Speisezimmer gleichenden Raum und von diesem in einen Vorraum zur Kapelle im linken – östlichen – Risalit. Sie reicht durch das Sockel- und das Erdgeschoss, ist genordet und mit einer Deckenmalerei von Carlo Paerna geschmückt. Im Obergeschoss ist auf der Gartenseite ein relativ großer Hauptsaal gelegen. Seine stuckierte Decke nimmt ebenfalls Deckenmalerei von Paerna auf.
Kapelle St. Maria Magdalena
Die Kapelle[3] St. Maria Magdalena ist im östlichen Risalit von Haus Körtlinghausen gelegen und reicht durch Sockel- und Erdgeschoss. Ihr Eingang befindet sich an der Nordwestecke vom Hof aus. An der Südseite, dem Altar gegenüber, ist ein Herrschaftsstand gelegen, der direkt vom Erdgeschoss aus betreten werden kann. Ehemals befanden sich auch im Sockelgeschoss Fensteröffnungen, sodass der Raum bedeutend heller war als heute. Pilaster gliedern die Wände, zwischen denen die Fenster angeordnet sind. Über einem Kranzgesims setzten sie sich als Stuckbänder an der Decke fort, die sie in geometrische Felder unterteilen. In der Deckenmitte nimmt ein Oval ein Gemälde auf. Die Arbeiten führte Carlo Paerna lediglich nach den Vorgaben Wehmers aus. Der Altar an der Nordwand entstand erst nach 1739 und wird Joseph Stratmann zugeschrieben.
Deckenmalerei in der Kapelle
Die Decke ziert ein Gemälde[4] der Kapellenheiligen Maria Magdalena, das wohl vor 1727 von Carlo Paerna in Fresco- und Seccotechnik geschaffen wurde. Seine Ansichtigkeit ist auf den Herrschaftsstand ausgerichtet. Es variiert ein Gemälde der Himmelfahrt Mariens, das Paerna 1714 für die Kirche von Adolfsburg bei Oberhundem schuf. Die Zuschreibung der Malerei in Körtlinghausen erfolgt aufgrund der fast identischen Darstellung in Adolfsburg, die für Paerna gesichert ist. In Körtlinghausen wird im Gegensatz zu Adolfsburg die Himmelfahrt Maria Magdalenas gezeigt. Die Heilige sitzt auf einer Wolke. Unter ihr befindet sich eine karge Berglandschaft. Am Erdboden stehen eine Urne sowie ein Totenschädel, über dem ein Kruzifix liegt. Verzückt blickt Maria Magdalena in das sich über ihr öffnende göttliche Licht. Die affektierte Arm- und Handhaltung unterstreicht den Zustand der Verzückung. Dabei entsprechen Körperhaltung, Gestik und Gesichtsausdruck denen Mariens in Adolfsburg bis ins Detail. Ein Schriftband erläutert die Darstellung in Bezug auf die Kapelle mit „S. MARIA MAGDALENA PATRONA HVIVS SACELLI“.
Kabinett I
Vom ehemaligen Schlafraum des Hausherrn gingen zwei Kabinette ab,[5] die sich im westlichen Risalit der Hofseite befinden. Die Räume sind annähernd quadratisch. Im östlichen Kabinett ist in einem Stuckrahmen an der Decke ein Gemälde zu sehen. Seine Ansichtigkeit ist auf den Eintretenden hin ausgerichtet. Es zeigt einen bärtigen Mann mittleren Alters in einer Landschaft. Er liest aufmerksam in einem Buch. Weitere Bücher, an die er sich anlehnt, sind hinter ihm aufgetürmt. Es dürfte sich um einen antiken Gelehrten oder Kirchenvater handeln. Die Malerei ist nicht datiert und könnte wie der Stuck auch erst aus dem 19. Jahrhundert stammen.
Kabinett II
Im westlichen Risalit zur Hofseite hin befinden sich zwei Kabinette,[5] die vom ehemaligen Schlafraum des Hausherrn erreicht werden. Sie sind annähernd quadratisch. Im westlichen Kabinett werden an einer Stuckdecke drei gemalte Putten in einer flachen Landschaft gezeigt. Die Ansichtigkeit der Malerei ist auf den Eintretenden ausgerichtet. Während zwei Putten einander zugewandt sind, schreitet die linke von ihnen weg. Sie hält einen Bogen und trägt einen Pfeilköcher. Die Mittlere wird von der Rechten emporgehoben. Beide blicken sich an; und auch wenn ihre Münder einander so nah kommen, dass sie sich zu küssen scheinen, handelt es sich doch eher um eine aggressive Handlung. Die Putten sollen freskiert sein.
Hauptsaal
Der Hauptsaal[6] im ersten Obergeschoss öffnet sich mit drei Fenstern zur Gartenseite. Er wird vom oberen Vestibül aus durch zwei seitliche Türen betreten. Nach rechts und links schließen sich gartenseitig Räume in ehemals Enfilade an, die vormals durch jeweils zwei seitliche Türen erschlossen wurden. Heute gibt es jeweils eine mittige Tür. Die Mitte der Eingangswand wird von einem Kamin eingenommen. Für die Wände plante Wehmer eine Pilastergliederung, die aber vermutlich nicht verwirklicht wurde. Über einem Kranzgesims befindet sich ein Spiegelgewölbe mit stuckierter Voute. Die dort gezeigten Jagdmotive beziehen sich auf das Oberforst- und Jägermeisteramt des Bauherrn. Der stuckierte Spiegel selbst nimmt ein zentrales Mittelbild auf sowie vier Ovalbilder in den Ecken, die von kleinen stuckierten Putten gehalten werden. Diese Ovalfelder zeigen das Wappen des Bauherrn sowie die seiner drei Ehefrauen. Unter den Wappen ist jeweils ein recht ausführlicher, erläuternder Text. Da bereits die dritte Frau, Maria Gertrud von Westrem, mit Wappen vertreten ist, muss zumindest diese Malerei nach der Heirat 1730 erfolgt sein. Das Mittelbild zeigt die Verherrlichung der Regierung der kölnischen Kurfürsten aus dem Hause der Wittelsbacher über der göttlichen Vorsehung. Es folgt nahezu detailgenau dem Gemälde Pietro da Cortonas im Palazzo Barberini in Rom, das die Herrschaft der Barberini verherrlichte.
Deckenmalerei des Hauptsaals
Hauptbild
Das Mittelbild[7] im Hauptsaal ist auf Leinwand gemalt und in die Decke eingelassen. Die Malerei ist nicht auf den Eintretenden hin ausgerichtet, sondern quergestellt. Man erblickt sie am besten, wenn man aus dem westlichen Raum in den Saal tritt. Es zeigt das Wirken der Göttlichen Vorsehung unter Herrschaft der Wittelsbacher als Kurfürsten von Köln. Es stellt damit eine Huldigung an den Landesherrn Kurfürst Clemens August durch Franz Otto von Weichs dar.
Formal folgt es Pietro da Cortonas Deckenmalerei im großen Saal des Palazzo Barberini in Rom. Vermittelt wurde es wohl durch die Kupferstichserie „Barberinae aulae fornix“, die von Giovanni Giacomo de Rossi in Rom verlegt wurde. Der Maler hat sich eng an sein Vorbild gehalten. Vor allem der untere Bereich ist nahezu unverändert übernommen. Im oberen Abschnitt musste die Ikonografie angepasst werden. An die Stelle der Herrschaft der Barberini in Rom trat die der Wittelsbacher als Herrscher von Kurköln.
Der Untere Bildteil zeigt links Saturn mit Sense, wie er eines seiner Kinder verschlingt und rechts die drei Parzen, wie sie den Schicksalsfaden spinnen. Über ihnen erblickt man die leuchtende Göttliche Vorsehung. Die Göttliche Vorsehung wirkt in der Geschichte, die durch Saturn und die Parzen personifiziert ist.
Der obere Bildteil wird vom lorbeerumkränzten kurfürstlich-wittelsbachischen Wappen dominiert. Dieses wird von drei Personifikationen emporgetragen, in denen man die christlichen Kardinaltugenden Glaube, Liebe, Hoffnung sehen mag. Attribute fehlen jedoch. Die Unsterblichkeit schwebt empor, um das Wappen auf Anweisung der Göttlichen Vorsehung mit einem Sternenreif zu krönen. Über dem gekrönten Wappen erblickt man zwei weitere weibliche Personifikationen und eine Putte. Während die linke Kurschwert und Bischofsstand trägt, hält die rechte über alles zusammenfassend einen Kurhut. Die Putte bringt eine Mitra herbei. So sind geistliche und weltliche Würde der Kurfürsten von Köln aus dem Hause Wittelsbach zusammengeführt.
Die Bildaussage ist also, dass sich der Wille der Göttlichen Vorsehung mit der Wahl eines Wittelsbachers zum kölnischen Kurfürsten erfüllt, so wie es in Rom im Fresco Cortonas mit der Wahl Maffeo Barberinis zum Papst Urban VIII. erfolgt war.
Wappen
In die vier Ecken der Decke sind in Ovalfelder die Wappen des Bauherrn und seiner Frauen gemalt. In der Südwestecke erblickt man das Wappen Franz Otto von Weichs. Unter dem Wappen steht der Schriftzug: „France Otto Freyherr von und zu Weichs, Herr zu Cörtlinghausen, Scharffenberg, Hirschberg, Muffendorff und Lonne. Von Ihro Churf. Durchl. z. Cöllen geheimbt. auch Adlichder Raht, Cämmerer, Oberforst- und Jägermeister, Berg-Hauptman und Droste der stadt un Gogericht Brilon, Commendör Oraniis Sancti Michaelis.“
Rechts daneben in der Nordwestecke ist das Wappen seiner ersten Frau zu sehen. Der erläuternde Text lautet: „Anna Theresia Agatha, Wittiv Generalin von Fuchs, geb. Freynne von Droste d. 2t. April 1709 mitt dem Freyhern France Otto von Weichs verheyratet, und ist d. 28. Apr. 1719 mitt hinterlaßung 3 Söhne und 1 Tochter gottsehlig verstorben.“
Das Wappen der zweiten Frau des Otto von Weichs, Maria Theresia von Galen, wurde in die Nordostecke gemalt. Unter dem Wappen steht geschrieben: „Anno 1721 d. 26. April ist Maria Theresia Freyfr. von Galen von Dincklage mit Freyh. France Otto von Weichs vermählet, und ist 1727 d. 4t. 9bris gottsählig in dem Herren entschlaffen.“
Das Wappen der letzten Frau, Maria Gertrud von Westrem, ist in der verbliebenen Südostecke zu finden. Das Paar heiratete 1730, was dazu geführt hat, die Malerei nach 1730 zu datieren. Der Text unter dem Wappen nennt das Datum: „Anno 1730 d. 4t. febr. ist die wittib Marie Gertrud freyfrau von Neuhoff gebohrne Freiin von Westrem, mitt den Freyhern france Otto von Weichs vermählet.“
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Hrsg. in Zusammenarbeit mit der LWL-Denkmalpflege u. a. München/Berlin 2011.
- Püttmann, Wehmer, 1986. – Püttmann, Klaus G.: Die barocken Schloßbauten Justus Wehmers in Westfalen. Zu Bedingungen und Wegen in der Architekturrezeption (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 13). Bonn 1986.
- Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987. – Püttmann-Engel, Kristin: Schlosskapellen im Raum Westfalen 1650–1770 (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 14). Bonn 1987.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 944–945; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 22, 40–61.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 945; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 52–61.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 945; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 57–58, 206-207; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 57.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 945; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 58, 206–207.
- ↑ 5,0 5,1 Püttmann, Wehmer, 1986, S. 56.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 945; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 57.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 945; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 58–59.