Isselburg, Schloss Anholt
Inventarnummer: cbdd10281
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
In Schloss Anholt hat sich Decken- und Wandmalerei aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderets erhalten, so ein Sturz des Phaeton im Treppenhaus von ca. 1700/25.

Schloss Anholt
Kurzbeschreibung und Lage
Der Gesamtkomplex von Schloss Anholt[1] setzt sich aus zwei Inseln mit Vor- und Hauptburg zusammen, die von breiten Gräben und Wasserflächen umgeben sind, hinter denen sich Gartenanlagen erstrecken. Erreicht wird das Schloss von Westen durch die Vorburg, an die sich im Norden die Hauptburg anschließt.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Schloss Anholt geht auf eine Burg des Hochmittelalters zurück. Die erhaltenen Bauten der Hauptburg stammen jedoch überwiegend aus dem Spätmittelalter. 1647 gelangte es an die Fürsten zu Salm, in deren Besitz es bis heute geblieben ist. Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgte im Auftrag von Karl Theodor Otto zu Salm ein tiefgreifender Umbau mit Fassadenvereinheitlichungen, der das Aussehen von Schloss Anholt bis heute prägt. Der Nordflügel bekam einen Anbau. Die Vorburg erhielt ihr Aussehen 1697-1703. Als Architekten waren unter anderem Tommaso Tomasini und Blasius Andreas Terlinden in Anholt tätig. 1908-12 wurde der Südflügel nach Osten um einen zweiten Speisesaal verlängert. Im Frühjahr 1945 wurde Schloss Anholt zu rund 70 Prozent beschädigt und 1949-66 wieder hergestellt. Damals entfernte man den barocken Quaderputz von den Fassaden.
Beschreibung
Die Hauptburg ist eine unregelmäßige Vierflügelanlage aus Backstein. An der Südwestecke neben dem Eingang ist der runde Bergfried mit Kegeldach erhalten. Der Hof wird durch ein Portal von 1698 betreten. In der Nordost-, der Nordwest- und der Südostecke des Hofes befinden sich Treppentürme bzw. Treppenhäuser. Über das große Treppenhaus in der Südostecke erreicht man im Erdgeschoss zwei hintereinander geschaltete Speisesäle im Südflügel. Aus dem ersten Saal gelangt man in den so genannten Rittersaal im Ostflügel. Im Nordflügel lagen die Privaträume. Zu diesem gehören im ersten Obergeschoss ein Vorraum, der vom Treppenturm aus betreten werden kann, ein anschließendes Zimmer sowie ein an den Nordflügel im Norden angefügter Standerker, das so genannte Grüne Kabinett.
Das Haupttreppenhaus
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Haupttreppenhaus[2] wurde 1699 nach Entwürfen von Tommaso Tomasini erbaut. 1964/65 wurde es restauriert.
Beschreibung
Die große monumentale Balustertreppe aus Holz erschließt alle Geschosse. Die Stuckdecke nimmt ein Deckengemälde auf.
Die Decke des Treppenhauses
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei datiert in das erste Viertel des 18. Jahrhunderts, wahrscheinlich kurz nach 1700. Sie wurde 1964/65 gereinigt.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Oberhalb eines abschließenden Gesimses befindet sich eine Spiegeldecke mit hoher, steiler Voute. Über dem Gesims befindet sich eine gemalte umlaufende Balustrade, auf der Prunkvasen mit Blumen sowie Agaventöpfe stehen. Auf einer Seite hat sich eine Putte auf die Balustrade gelegt und spielt mit einem Hund. An anderer Stelle stehen Frauen hinter der Balustrade. Es handelt sich um Personifikationen der vier Jahreszeiten.[4] Stuckierte Festons und Fruchtkörbe ergänzen die Malerei.
Der Sturz des Phaeton
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckenbild im Stuckrahmen ist im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts in Öl auf Leinwand gemalt worden und wurde 1964/65 auf einen starren Bildträger übertragen, gereinigt und retuschiert bzw. ergänzt.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Es zeigt den Sturz des Phaeton[5] in virtuoser Untersicht. Es ist durch das Treppenauge bereits vom Erdgeschoss aus zu sehen. In einer Ecke ist der Blitze schleudernde Jupiter auf einer Wolke im Hintergrund zu erkennen. Effektvoll bauscht sich links sein roter Mantel, während sein Adler rechts ein weiteres Blitzbündel im Schnabel hält. Bestimmt wird das Bild aber von den herabstürzenden Pferden und Phaeton. Die Pferde haben entsetzt aufgerissene Augen und Mäuler. Phaeton versucht vergeblich, sich am Sonnenwagen festzuhalten.
Der so genannte Rittersaal
Beschreibung
Der sogenannte Rittersaal[6] nimmt den größten Teil des Ostflügels ein und hat Fenster zum Hof sowie zum Graben.
Der Gemälderest im Rittersaal
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist vor 1715 entstanden, als die Wände mit Vertäfelungen bedeckt wurden.[6]
Beschreibung und Ikonographie
An der Nordwand des Saales haben sich Reste eines Freskos erhalten. Es wird aktuell durch ein Gemälde verdeckt.[7]
Das Grüne Kabinett
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Grüne Kabinett[8] wurde 1699/1700 an den Nordflügel angefügt.
Beschreibung
Der kleine Raum ist in einem Standerker gelegen und öffnet sich mit drei Fenstern nach Norden sowie je einem nach Osten und nach Westen.
Das Deckengemälde
Beschreibung und Ikonographie
Die reich geschmückte Stuckdecke nimmt in ihrer Mitte im Stuckrahmen ein Gemälde[9] auf. Es zeigt Bacchus auf Wolken, bekränzt mit Weinlaub und einem Traubenzepter in der Hand. Er ist umgeben von drei Frauen, die Trauben und Weinlaub in Händen, einem Korb oder einem Füllhorn halten. Um die Gruppe herum sieht man Amor und zwei Putten.
Ein Raum im Westflügel und seine Wandmalerei
Beschreibung
Wilhelm Rave nennt 1954 im ersten Obergeschoss des Westflügels einen Raum (Wohnzimmer des Fürsten Alfred), in dem sich Wandmalerei erhalten habe. Er schreibt: „In der Außenwand des Nordflügels fand man nach dem Brande 1912 eine Nische mit zwei Wandbildern, das eine mit Dame und Hund, das andere mit zwei Herren mit der Inschrift „Spiritus vadens et non rediens“. Die Schrift wird von einer steigenden Taube unterbrochen.“[10] Im Inventarband finden sich zwei Abbildungen.[11] Man erblickt an der einen Wand die zwei höfisch gekleideten Herren im Garten. Einer hat sich auf einer Bank niedergelassen, der andere steht. Die Dame auf der anderen Wand streichelt ihr Hündchen, das auf der Bank steht. Bei beiden Darstellungen fällt der Blick durch einen gemalten Bogen auf die Gartenlandschaft mit Bäumen und Zypressen sowie einem bewegten Himmel.
Bibliographie
- Literatur:
- Eberhard, Anholt, 1976. – Eberhard G.: Wasserburg Anholt (Große Baudenkmäler, 294). München/Berlin 1976.
- Krugten/Rappel, Anholt. – Krugten, Duco van/Rappel, Franz: Wasserburg Anholt. Hamburg o. J.
- Rave, KDM Borken, 1954. – Rave, Wilhelm (Bearb.): Kreis Borken (Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 46). Münster 1954.
- Salm-Salm, Anholt, 1992. – Salm-Salm, Nicolaus Leopold Fürst zu: Wasserburg Anholt. (Schnell, Kunstführer 1681). München/Zürich 1992.
- Westfalen 46 (1968). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 46. Münster 1968.
- Archivalien:
- Akte XI, 2007-2009. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Schloßstraße 1, Schloß Anholt, Wasserburg, Isselburg-Anholt. Kreis Borken. Akte XI 2007-2009.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 510; Krugten/Rappel, Anholt, S. 10, 44-51; Salm-Salm, Anholt, 1992, S. 2-15; Rave, KDM Borken, 1954, S. 60-84.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 510-511; Salm-Salm, Anholt, 1992, S. 19; Westfalen 46 (1968), S. 190-192; Rave, KDM Borken, 1954, S. 69. Akte XI, 2007-2009.
- ↑ 3,0 3,1 Westfalen 46 (1968), S. 190-192.
- ↑ Eberhard, Anholt, 1976, S. 12.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 510-511; Salm-Salm, Anholt, 1992, S. 19; Eberhard, Anholt, 1976, S. 12. Akte XI, 2007-2009.
- ↑ 6,0 6,1 Dehio, Westfalen, 2011, S. 510-511.
- ↑ Salm-Salm, Anholt, 1992, S. 22.
- ↑ Salm-Salm, Anholt, 1992, S. 25; Rave, KDM Borken, 1954, S. 72.
- ↑ Salm-Salm, Anholt, 1992, S. 25; Rave, KDM Borken, 1954, S. 72. Akte XI, 2007-2009.
- ↑ Rave, KDM Borken, 1954, S. 72.
- ↑ Rave, KDM Borken, 1954, S. 75.